{"id":9486,"date":"2021-03-29T15:56:48","date_gmt":"2021-03-29T13:56:48","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9486"},"modified":"2021-03-29T15:56:50","modified_gmt":"2021-03-29T13:56:50","slug":"guangzhou-1927-die-pariser-commune-des-ostens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9486","title":{"rendered":"Guangzhou 1927: Die Pariser Commune des Ostens"},"content":{"rendered":"<p><em>Tings Chak. <\/em><strong>Zum 150. Jahrestag des Beginns der Pariser Commune sei an ihr Erbe im Guangzhou-Aufstand erinnert, bei dem Arbeiter und Bauern 1927 in der s\u00fcdchinesischen Hauptstadt eine Volksrepublik errichteten.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Es war im russischen Herbst 1920, als Qu Qiubai zum ersten Mal\u00a0<em>L\u2019Internationale<\/em>\u00a0h\u00f6rte \u2013 die sozialistische Hymne, die der Pariser Commune von 1871 entstammt. Eug\u00e8ne Pottier, der Autor des Liedtextes, war Kommunarde und gew\u00e4hltes Mitglied des Arbeiterstaates, der 72 Tage in der franz\u00f6sischen Hauptstadt bestand. Obwohl das Lied fast ein halbes Jahrhundert zuvor geschrieben wurde, wurde es sp\u00e4ter als Hymne der bolschewistischen Partei angenommen. Bis heute ist dieses Lied eine der am meisten \u00fcbersetzten und gesungenen Hymnen der Unterdr\u00fcckten auf der Welt. Qu nahm an der Feier zum dritten Jahrestag der Oktoberrevolution teil, nachdem er \u00fcber Harbin \u2013 Chinas n\u00f6rdlichste Provinzhauptstadt \u2013 nach Russland gereist war. Er sprach flie\u00dfend Franz\u00f6sisch und Russisch und wurde als Korrespondent f\u00fcr die Beijing Morning News (\u6668\u62a5) nach Moskau geschickt, um \u00fcber die fr\u00fchen Jahre der bolschewistischen Revolution zu berichten.<\/p>\n<p>Im Jahr 1920 hatte die kommunistische Bewegung in China gerade erst begonnen, aber die Nation brannte auf ihre Ideen. Die kolonialen Pl\u00fcnderungen zweier Opiumkriege markierten den Beginn des \u201eJahrhunderts der Dem\u00fctigung\u201c, in welchem Hongkong an die Briten abgetreten wurde und anglo-franz\u00f6sische Truppen den Alten Sommerpalastes pl\u00fcnderten. Die Qing-Dynastie st\u00fcrzte 1911 und wurde von einer republikanischen Marionettenregierung abgel\u00f6st. Das Land war geteilt, Feudalismus und Warlordismus waren weit verbreitet. Das chinesische Volk war hungrig \u2013 physisch und geistig \u2013 nach der Befreiung seiner Nation.<\/p>\n<p>Wie Tausende junger Radikaler jener Zeit, wurde Qu in der\u00a0<em>Bewegung des Vierten Mai\u00a0<\/em>von 1919 politisiert. Die Pariser Friedenskonferenz am Ende des Ersten Weltkriegs, war der endg\u00fcltige Verrat an den Interessen Chinas \u2013 statt der R\u00fcckgabe seiner Territorien stimmten die westlichen Alliierten zu, die Provinz Shandong aus der kolonialen Hand Japans an Deutschland zu \u00fcbertragen. Als Reaktion darauf entstand eine nationale Bewegung, die von Studenten in Beijing angef\u00fchrt wurde und die in einer antiimperialistischen, antifeudalen und antipatriarchalen Politik verankert war. Aus diesem Erwachen entstand die\u00a0<em>Neue-Kultur-Bewegung \u2013<\/em>\u00a0mit der\u00a0<em>Neue Jugend<\/em>\u00a0als Schl\u00fcsselpublikation \u2013 und ein Aufbruch neuer Ideen, zur Gestaltung der Transformation des Landes. Unter ihren Anf\u00fchrern waren die Professoren der Universit\u00e4t Beijing, Chen Duxiu und Li Dazhao, die entscheidend dazu beitrugen, marxistische Ideen nach China zu bringen. Beide waren Gr\u00fcndungsmitglieder der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) im Jahr 1921.<\/p>\n<p>Der Verrat durch die westlichen Alliierten wog nach den Beitr\u00e4gen, die das chinesische Volk zum Gro\u00dfen Krieg leistete, umso st\u00e4rker. Um ihren wachsenden Arbeitskr\u00e4ftemangel zu decken, st\u00fctzten sich die franz\u00f6sischen und britischen Staaten stark auf die Kolonien in Afrika, Indochina und China. 140.000 Chinesen \u2013 meist Bauern \u2013 schlossen sich den franz\u00f6sischen und britischen Kriegsbem\u00fchungen an, w\u00e4hrend weitere 200.000 an der Ostfront mit der russischen Roten Armee k\u00e4mpften. Die chinesischen Arbeitskorps erledigten jede Aufgabe \u2013 au\u00dfer Waffen zu tragen. Sie gruben Sch\u00fctzengr\u00e4ben, arbeiteten in Munitionsfabriken, reparierten Ausr\u00fcstung an der Front und beerdigten die Toten. Tausende starben, doch dieser Teil der Geschichte wird im Westen kaum erz\u00e4hlt. Etwa zur gleichen Zeit machte sich eine andere Gruppe junger Chinesen auf den Weg nach Frankreich. Urspr\u00fcnglich 1908 von chinesischen Anarchisten initiiert, wurde das \u201eFlei\u00dfige Arbeit \u2013 sparsame Studien\u201c-Programm 1919 formalisiert. Es brachte 2.000 chinesische Arbeiter und Bauern nach Paris, wo sie in Fabriken arbeiten sollten und im Gegenzug eine westliche Ausbildung erhielten. Die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen politisierten viele dieser Studenten. Am 28. Februar 1921 demonstrierten 400 chinesische Werksstudenten gegen weitere K\u00fcrzungen der Stipendien. Ereignisse wie diese brachten die Bewegung n\u00e4her an die Arbeiter der Ersten Weltkriegsgeneration heran, als sie begannen, sich gemeinsam in den Renault-Fabriken von den Industrievororten Boulogne-Billancourt bis La Garenne-Colombes zu organisieren. Es waren die Fabrikhallen und die Universit\u00e4tss\u00e4le, von wo aus der Marxismus in das chinesische revolution\u00e4re Denken eindringen sollte. Unter den Studenten waren Zhou Enlai und Deng Xiaoping, die Gr\u00fcnder der europ\u00e4ischen Abteilung der KPCh. Zhou Enlai sollte sp\u00e4ter 26 Jahre lang als Premierminister dienen und Deng Xiaoping, der chinesische F\u00fchrer, der Mao Zedong bei der Gr\u00fcndung der Volksrepublik China (VRC) folgte.<\/p>\n<p><strong>Leuchtende Blume, frohe Frucht<\/strong><\/p>\n<p>Obgleich die Pariser Commune der chinesischen \u00d6ffentlichkeit bis zu diesem Zeitpunkt weitgehend unbekannt war, trugen dieser Austausch zwischen Arbeitern und Intellektuellen in Frankreich und die ideologische \u00d6ffnung, welche die Bewegung des Vierten Mai schuf, dazu bei, ihre Geschichte bekannt zu machen. Mehrere fr\u00fche kommunistische F\u00fchrer haben die Geschichte des Arbeiterstaates studiert, dar\u00fcber geschrieben und sie popul\u00e4r gemacht. Im Jahr 1920 schrieb Li Da \u2013 eines der 12 Gr\u00fcndungsmitglieder der KPCh \u2013 \u00fcber die Notwendigkeit, dass die chinesische Revolution den Weg des bewaffneten Kampfes einschlagen m\u00fcsse. Im Jahr 1922 schrieb Zhou Enlai in\u00a0<em>Neue Jugend<\/em>\u00a0(\u65b0\u9751\u5e74) \u00fcber die \u201ckurzlebige Bl\u00fcte\u201d der Pariser Commune und ihre Fortf\u00fchrung in der Oktoberrevolution. Im darauffolgenden Jahr, in der 50. Jubil\u00e4umsausgabe von\u00a0<em>Shen Bao<\/em>\u00a0(\u7533\u5831) \u2013 einer der ersten modernen Zeitungen Chinas \u2013 erkl\u00e4rte Li Dazhao das Konzept der \u201eCommune\u201c erstmals einer chinesischen \u00d6ffentlichkeit. Zun\u00e4chst als\u00a0<em>kangmiaoen<\/em>\u00a0(\u5eb7\u5999\u6069) wiedergegeben, erhielt das revolution\u00e4re Konzept seine eigene Form in der chinesischen Sprache,\u00a0<em>gongshe<\/em>\u00a0(\u516c\u793e) \u2013 Arbeiterrepublik.<\/p>\n<p>Qu Qiubai geh\u00f6rte zu den Kommunisten, die nicht nur wesentliche Texte zur Geschichte der Commune, sondern auch als erste\u00a0<em>L\u2019Internationale<\/em>\u00a0ins Chinesische \u00fcbersetzten \u2013 das Lied, das er drei Jahre zuvor in Russland zum ersten Mal geh\u00f6rt hatte. W\u00e4hrend er die Orgel spielte, \u00fcberarbeitete er akribisch den Text, um eine \u00dcbersetzung des Wortes \u201einternational\u201c \u2013 das im Chinesischen nur zwei Silben hat (\u56fd\u9645) \u2013 zu finden, die zur Melodie passen k\u00f6nnte. Er einigte sich schlie\u00dflich auf das transliterierte\u00a0<em>ying te na xiong nai er<\/em>\u00a0(\u82f1\u7279\u7eb3\u96c4\u8010\u5c14), um der Akkordfolge des Liedes treu zu bleiben, die bis heute in der offiziell angenommenen Version geblieben ist.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt war Qu bereits der KPCh beigetreten, auf Einladung von Zhang Tailei im Jahr 1922. Ein Jahr zuvor hatte Qu auch den bolschewistischen Staatschef Lenin kennengelernt, der die Lehren der Pariser Commune eingehend studiert hatte. Nur wenige Monate, bevor er sein eigenes Land in die Revolution f\u00fchrte, widmete Lenin ihr ein Kapitel in Staat und Revolution (1917):<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Kommune ist der erste Versuch der proletarischen Revolution, die b\u00fcrgerliche Staatsmaschinerie zu zerschlagen, ist die \u201eendlich entdeckte\u201c politische Form, durch die man das Zerschlagene ersetzen kann und mu\u00df.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir werden in der weiteren Darlegung sehen, da\u00df die russischen Revolutionen von 1905 und 1917 in einer anderen Situation, unter anderen Umst\u00e4nden, das Werk der Kommune fortsetzen und die geniale historische Analyse von Marx best\u00e4tigen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Einige kurze Monate nach der Ver\u00f6ffentlichung sollte die Oktoberrevolution tats\u00e4chlich die Arbeit der Commune fortsetzen und Marx\u2019 Analyse best\u00e4tigen. In dieser Tradition f\u00fchrten auch die chinesischen Kommunisten das Erbe dieser beiden revolution\u00e4ren Erfahrungen fort.<\/p>\n<p>Am 18. M\u00e4rz 1926 fand in China die erste Massengedenkfeier zum 55. Jahrestag der Pariser Commune statt. 10.000 Menschen versammelten sich in der s\u00fcdlichen Hauptstadt Guangzhou. Sie sangen\u00a0<em>L\u2019Internationale<\/em>\u00a0und skandierten \u201e<em>Vive la Commune de Paris!<\/em>\u201c trotz des Regens. Zu diesem Anlass schrieb Mao Zedong, wenn die Pariser Commune eine \u201eleuchtende Blume\u201c sei, dann sei die Oktoberrevolution die \u201efrohe Frucht\u201c, aus der weitere Fr\u00fcchte geboren werden k\u00f6nnten. Zur endg\u00fcltigen Niederlage der Commune f\u00fchrt Mao zwei Gr\u00fcnde an: das Fehlen einer einheitlichen und zentralisierten Partei, die die Arbeiter anf\u00fchrt, und den Kompromiss, dem Feind zu viel Gnade zu erweisen. In seiner Grundsatzrede auf der Feier, wies der kantonesische F\u00fchrer Zhang Tailei auf die konkrete Erfahrung hin, welche die Pariser Commune den chinesischen Arbeitern f\u00fcr die \u00dcbernahme der Macht lieferte \u2013 eine Vorahnung dessen, was im folgenden Jahr kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Von der Stadt aufs Land<\/strong><\/p>\n<p>Die 1920er Jahre waren gepr\u00e4gt von einer rasanten Expansion der st\u00e4dtischen Arbeiterklasse \u2013 die Gewerkschaften vervielfachten sich, Streiks waren h\u00e4ufiger und die Reihen der KPCh wuchsen mit der Organisation der Massen. Allein im Industriezentrum Shanghai gab es 1926, 169 Streiks in 165 Fabriken, an denen \u00fcber 200.000 Arbeiter beteiligt waren. In Guangdong war der Seemannsstreik von 1922 siegreich, der Generalstreik in Guangzhou-Hongkong von 1925 dauerte 16 Monate und erhielt eine nie dagewesene Massenunterst\u00fctzung von Hausangestellten, Hafenarbeitern, Rikschafahrern und \u201eKulis\u201c. Diese Erfahrungen zeigten, wie organisierte Arbeit das koloniale Leben und die kapitalistische Ordnung bedrohen konnte.<\/p>\n<p>Trotz der Industrialisierung war China immer noch eine \u00fcberwiegend b\u00e4uerliche Gesellschaft. In \u201e<em>\u00dcber die Klassen der chinesischen Gesellschaft<\/em>\u201c von 1926 untersuchte Mao die Zusammensetzung der 450 Millionen Einwohner Chinas. Das st\u00e4dtische Proletariat, so schnell es auch wuchs, umfasste immer noch nur zwei Millionen Menschen \u2013 die \u00fcberwiegende Mehrheit der Chinesen waren Bauern. Mao sch\u00e4tzte 400 Millionen Menschen als \u201eHalbproletariat\u201c, die ihr eigenes Land bewirtschafteten, aber auch als Pachtbauern oder Lohnarbeiter Geld verdienten \u2013 er nannte sie \u201eunsere engsten Freunde\u201c (\u00dcber die Klassen der chinesischen Gesellschaft, 1926).<\/p>\n<p>In diesem voraussagenden Text warnte Mao auch, dass man den Kr\u00e4ften der nationalen Bourgeoisie nicht trauen k\u00f6nne. Zu diesem historischen Zeitpunkt befand sich die KPCh in einem B\u00fcndnis mit der nationalen Bourgeoisie unter F\u00fchrung der Nationalistischen Partei (KMT) in einer \u201eEinheitsfront\u201c gegen Warlordismus und Imperialismus. In diesem entscheidenden Jahr kam es zu einem abrupten Ende dieses B\u00fcndnisses und in der Folge zum \u201eWei\u00dfen Terror\u201c mit Massenmorden an Kommunisten durch die Nationalisten und ihre Handlanger. Die Massenaufst\u00e4nde von 1927 waren der Versuch, das Symbol der Pariser Commune in China in eine lebendige Praxis umzuwandeln, was eine strategische Verschiebung des revolution\u00e4ren Prozesses erforderte.<\/p>\n<p>Die Gedenkfeier an die Pariser Commune im Jahr 1927, nahm an Gr\u00f6\u00dfe zu und zog bis zu einer Million Arbeiter und Bauern im ganzen Land an. Bei der Feier in Wuhan rief der Arbeiterf\u00fchrer Liu Shaoqi die Arbeiter dazu auf, den Geist der Pariser Commune gemeinsam mit dem Kampf gegen Imperialismus und Warlordismus weiterzuf\u00fchren. Drei Tage sp\u00e4ter starteten 800.000 Arbeiter unter der F\u00fchrung von Zhou Enlai einen Generalstreik in Shanghai, der die von den Warlords kontrollierte Regierung st\u00fcrzte und eine provisorische Stadtregierung einsetzte. Shanghai wurde die erste gro\u00dfe Stadt unter der F\u00fchrung der KPCh. Am 12. April jedoch inszenierte die KMT unter Chiang Kaishek, entgegen der Strategie der Einheitsfront, einen Putsch und ordnete die Ermordung und das Verschwindenlassen von Tausenden von Kommunisten mit Hilfe der Polizei der vom Ausland besetzten Gebiete und krimineller Organisationen an. Die KPCh-KMT-Allianz war vorbei. Die folgenden kommunistisch gef\u00fchrten st\u00e4dtischen Aufst\u00e4nde von Nanchang (1. August) bis Hunan (7. September) und schlie\u00dflich bis Guangzhou (11. Dezember) sollten alle brutal niedergeschlagen werden.<\/p>\n<p><strong>Alle Macht den Arbeiter-, Bauern- und Soldatensowjets!<\/strong><\/p>\n<p>Um 3:30 Uhr am 11. Dezember begann der erste Angriff auf die Polizeistationen. Er wurde vom Kommandanten Zhang Tailei angef\u00fchrt, der am n\u00e4chsten Tag in einem Hinterhalt get\u00f6tet wurde \u2013 er war 29 Jahre alt. Eine Reihe von koordinierten Aktionen \u00fcbernahmen die Stadt. Die Forderungen waren:\u00a0<em>Reis f\u00fcr die Arbeiter, Land f\u00fcr die Kleinbauern! Nieder mit den militaristischen Kriegen! Alle Macht den Arbeiter-, Bauern- und Soldatensowjets!<\/em>\u00a0Hinter dieser Mobilisierung stand der Guangzhou-Sowjet, der ein Gebiet von einer halben Million Bauern abdeckte und mit den st\u00e4dtischen Arbeitergewerkschaften zusammenarbeitete. Ein Kriegsrat mit einem 10:3:3-Verh\u00e4ltnis von Arbeitern, Soldaten und Bauern f\u00fchrte den dreit\u00e4gigen Aufstand an. Nach der Einnahme der Stadt erlie\u00df dieses Gremium acht Dekrete, die massenhaft gedruckt und verteilt wurden.<\/p>\n<p>Die ersten drei betrafen die Errichtung der Sowjetmacht, die Bewaffnung des Volkes und die Vergeltung gegen Konterrevolution\u00e4re. Das vierte sicherte einen Acht-Stunden-Arbeitstag und Rechte f\u00fcr die Lohnabh\u00e4ngigen und Arbeitslosen. Das f\u00fcnfte befasste sich mit der Wirtschaft und der Verstaatlichung der Industrie. Die sechste Forderung befasste sich mit dem Eigentum der Bourgeoisie. Die siebte mit den L\u00f6hnen und der Umstrukturierung der Armee. Die achte und letzte forderte die Reorganisation der Gewerkschaften. Zu diesem Zeitpunkt war die milit\u00e4rische Organisation der Bourgeoisie jedoch noch zu stark. H\u00e4tten sie die Stadt lange genug f\u00fcr die b\u00e4uerliche Verst\u00e4rkung gehalten \u2013 ein Sechs-Tage-Marsch entfernt \u2013 w\u00e4re die Geschichte vielleicht anders ausgegangen. Ralph Fox \u2013 britischer Journalist und Kommunist, der sp\u00e4ter im Spanischen B\u00fcrgerkrieg fiel \u2013 schrieb \u00fcber die Bedeutung der \u201eCommune von Guangzhou\u201c:<\/p>\n<p>\u201e<em>Drei Tage lang wurde eine gro\u00dfe Stadt in einem vom Imperialismus beherrschten Land im Osten von den unterdr\u00fcckten Klassen, die durch ihren Sowjet herrschten, eingenommen und gehalten. Es gab technische und milit\u00e4rische Fehler, aber politisch wurden keine Fehler gemacht. Die Kommunistische Partei Chinas, die den Aufstand anf\u00fchrte und organisierte, hat Grund, stolz auf ihre Anwendung der Lehren Lenins unter den schwierigen Umst\u00e4nden in China zu sein. Die Arbeit der Partei im Aufstand zeigte nicht nur, dass sie die engsten Kontakte zu Arbeitern, Bauern, Kleinb\u00fcrgern und Soldaten hatte, sondern auch, dass sie es verstand, die breitesten Massen all dieser Klassen durch richtige Losungen und eine klare politische Linie zur Unterst\u00fctzung der Revolution zu mobilisieren. (Die Kommune von Kanton, 1928)\u201c<\/em><\/p>\n<p>1927 war ein Wendepunkt f\u00fcr die chinesische Revolution. Dass die Aufst\u00e4nde brutal niedergeschlagen wurden, war ausschlaggebend f\u00fcr die strategische Verlagerung der KPCh von den St\u00e4dten aufs Land \u2013 hin zur Schaffung einer Volksarmee und zur Bauernschaft \u2013 \u201eunseren engsten Freunden\u201c. In \u201e<em>Lehren der Kommune<\/em>\u201c (1908) schrieb Lenin:\u00a0<em>\u201eSind diese beiden gewaltigen Aufst\u00e4nde der Arbeiterklasse auch niedergeschlagen \u2013 es kommt ein neuer Aufstand, dem gegen\u00fcber die Kr\u00e4fte der Feinde des Proletariats sich als zu schwach erweisen werden und aus dem das sozialistische Proletariat mit einem vollen Sieg hervorgehen wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Etwas \u00c4hnliches k\u00f6nnte man auch von den chinesischen Aufst\u00e4nden sagen. Nach jenem Jahr des Wei\u00dfen Terrors wurde auf dem Sechsten Parteitag der KPCh 1928 der 11. Dezember offiziell als Jahrestag des Guangzhou-Aufstandes begangen, der \u201e<em>nicht nur ein neues Kapitel f\u00fcr die chinesische Revolution er\u00f6ffnete, sondern auch in der Geschichte der Weltrevolution eine gro\u00dfe Bedeutung hat, mit dem gleichen Wert wie die gro\u00dfe Pariser Commune<\/em>\u201c. Getreu diesem Motto wird seither die Commune von Guangzhou erforscht, geehrt und an sie erinnert.<\/p>\n<p>2020 war der 93. Jahrestag des Guangzhou-Aufstandes, der als \u201ePariser Commune des Ostens\u201c bekannt wurde. Zu diesem Anlass wurde ein neues \u201erotes Drama\u201c in Verbindung mit einer Ausstellung in der Guangzhou-Aufstands-Gedenkhalle produziert. Das Geb\u00e4ude aus der sp\u00e4ten Qing-Dynastie wurde einst als Polizeiakademie genutzt, bevor es zum Sitz des Guangzhouer Sowjets umfunktioniert wurde. Im Jahr 1987 wurde dieser Ort in eine offizielle Gedenkst\u00e4tte umgewandelt. Bei der Gedenkveranstaltung am 12. Dezember trugen Studenten der Schule der Volksbefreiungsarmee die Geschichte von Zhang Tailei vor, ein Puppenspiel erz\u00e4hlte die Geschichte der weiblichen Anf\u00fchrer des Aufstands und die Urenkelin des Helden Yang Yin band einem Studenten ein rotes Band um den Kragen \u2013 die symbolische Weitergabe des revolution\u00e4ren Erbes von einer Generation zur n\u00e4chsten.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.autonomie-magazin.org\/2021\/03\/guangzhou-1927-die-pariser-commune-des-ostens\/\"><em>autonomie-magazin.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 29. M\u00e4rz 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tings Chak. Zum 150. 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