{"id":9491,"date":"2021-03-31T16:53:17","date_gmt":"2021-03-31T14:53:17","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9491"},"modified":"2021-03-31T16:53:18","modified_gmt":"2021-03-31T14:53:18","slug":"die-ideologie-des-spaetimperialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9491","title":{"rendered":"Die Ideologie des Sp\u00e4timperialismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Zhun Xu. <\/em>Als der renommierte indische marxistische \u00d6konom Prabhat Patnaik 1990 die Frage \u00abWhatever Happened to Imperialism?\u00bb [Was geschah nur mit dem Imperialismus?] stellte, befanden sich die einst lebendigen und einflussreichen Theorieschulen<!--more--> zum Imperialismus auf einem historischen Nachkriegstiefstand.[1] Als er 1974 aus dem Westen nach Indien zur\u00fcckzukehrte, stand der Imperialismus im Zentrum aller marxistischen Diskussionen. Doch als er nur f\u00fcnfzehn Jahre sp\u00e4ter in den Westen zur\u00fcckkehrte, schien die Debatte um den Imperialismus bereits aus der Mode gekommen zu sein. Schliesslich lag das Ende der Sowjetunion und die Erkl\u00e4rung der Liberalen vom Ende der Geschichte noch nicht weit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Untersuchungen der Marxisten und Marxistinnen zur Frage des Imperialismus begannen im fr\u00fchen zwanzigsten Jahrhundert. In der Zeit von W. I. Lenin und Rosa Luxemburg konzentrierten sich die Marxisten und Marxistinnen auf zwei miteinander verbundene Fragen zum Imperialismus: (1) interkapitalistische Konkurrenz und Krieg und (2) die Hierarchie innerhalb des Weltkapitalismus und das Verh\u00e4ltnis zwischen den imperialistischen L\u00e4ndern und den Kolonien\/Halbkolonien. Seitdem haben die Russische und die Chinesische Revolution, die antikoloniale Welle der Nachkriegszeit und der Kalte Krieg den Kontext des Imperialismus tiefgreifend ver\u00e4ndert. Nach dem letzten interimperialistischen Krieg zwischen den Kernl\u00e4ndern in den 1940er Jahren und nachdem die meisten Kolonien ihre Unabh\u00e4ngigkeit erlangt hatten, wurde das politisch-\u00f6konomische Verh\u00e4ltnis zwischen den imperialistischen und den nichtimperialistischen L\u00e4ndern zum Schl\u00fcssel f\u00fcr die Theoretisierung des Imperialismus.<\/p>\n<p>Seit den 1950er Jahren haben marxistische Wissenschafter unser Verst\u00e4ndnis des Imperialismus erheblich vertieft, indem sie die Unterentwicklung und das Zentrum-Peripherie- oder Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis im Weltkapitalismus untersuchten.[2] Paul Barans <em>The Political Economy of Growth<\/em> ist eine der fr\u00fchesten und besten Analysen dar\u00fcber, wie feudale, imperialistische und kompradoristische Interessen sowie andere unproduktive Verwendungen des \u00f6konomischen Mehrwertes die Dritte Welt zur\u00fcckgehalten haben. Sp\u00e4tere Autoren wie Samir Amin, Andre Gunder Frank und Immanuel Wallerstein entwickelten jeweils einen eigenen, aber verwandten Ansatz f\u00fcr den Aufstieg des Kapitalismus. Anstatt sich nur auf Westeuropa und die Vereinigten Staaten zu konzentrieren, untersuchten sie auch, wie die globale Arbeitsteilung und das allgemeinere Weltsystem oder imperialistische System den Mehrwert von der Peripherie ins Zentrum transferierten und so gleichzeitig Entwicklung und Unterentwicklung schufen.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Flut von marxistischen Schriften \u00fcber den Imperialismus in den 1960er und 70er Jahren ist das Verschwinden des Imperialismus aus der linken Diskussion recht bemerkenswert. Nach den Daten von Google Books (siehe Grafik 1) ist die H\u00e4ufigkeit des Begriffs Imperialismus in einer grossen Stichprobe englischsprachiger B\u00fccher zwischen 1974 und 1990 um mehr als 50 Prozent zur\u00fcckgegangen. Bereits vor dem Untergang der Sowjetunion oder den neoliberalen Umw\u00e4lzungen in weiten Teilen der Welt verschwanden Analysen des Imperialismus in den Vereinigten Staaten und anderswo.<\/p>\n<p><em>Grafik 1. H\u00e4ufigkeit des Begriffs Imperialismus in Google Books, 1870-2019 (Englisch)<\/em><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/zhu1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"574\" height=\"400\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/zhu1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9492\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/zhu1.jpg 574w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/zhu1-300x209.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 574px) 100vw, 574px\" \/><\/a><\/figure>\n<p>Patnaik schlug vor, dass dieses Abflauen mit dem Erstarken und der Konsolidierung des Imperialismus nach dem Vietnamkrieg zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnte.[3] Dies zeigte sich an der Tyrannei der globalen Arbeitsteilung sowie an den destruktiven Funktionen des Internationalen W\u00e4hrungsfonds und der Weltbank. Daneben gab es auch eine direktere Entwicklung unter westlichen liberalen und linken Intellektuellen, die politisch darauf abzielte, antiimperialistische Schriften abzumildern. Seit den 1970er Jahren haben bekannte linke Autoren wie Bill Warren, Robert Brenner, Michael Hardt, Antonio Negri und David Harvey zu dieser Art von intellektueller Gegenrevolution beigetragen.<\/p>\n<p>Abgesehen von einer Ver\u00e4nderung der Forschungsinteressen im akademischen Betrieb hat der R\u00fcckzug von der Frage des Imperialismus vor allem den Aufstieg einer konservativen Ideologie beg\u00fcnstigt, die als linker Diskurs gilt. Es gab eine R\u00fcckkehr zu dem, was wir als Politik der Zweiten Internationale bezeichnen k\u00f6nnen, die im Wesentlichen mit den von Lenin vorgelebten marxistischen Traditionen bricht und das revolution\u00e4re Potenzial im imperialistischen Kern stark einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p><strong>Warren und das Verschwinden der Imperialismus-Analysen<\/strong><\/p>\n<p>Eine der fr\u00fchen Kritiken an der marxistischen antiimperialistischen Tradition kam von Warren, einem ehemaligen Mitglied der britischen Kommunistischen Partei, der sp\u00e4ter der British and Irish Communist Organization beitrat. 1973 ver\u00f6ffentlichte Warren in der New Left Review einen langen Ausatz mit dem Titel \u00abImperialism and Capitalist Industrialization\u00bb (Imperialismus und kapitalistische Industrialisierung).[4] In dem Aufsatz versuchte Warren, die damals g\u00e4ngige antiimperialistische Sichtweise herauszufordern, dass der Imperialismus und allgemeiner die Ausweitung der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse weltweit Abh\u00e4ngigkeit und Unterentwicklung in der Dritten Welt schaffe. Warren war bestrebt zu zeigen, dass die Expansion des Kapitalismus und des Imperialismus der Dritten Welt Fortschritt (industrieller und anderer Art) brachte. In Warrens Worten: \u00abEmpirische Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Aussichten f\u00fcr eine erfolgreiche kapitalistische Wirtschaftsentwicklung [was Industrialisierung impliziert] einer betr\u00e4chtlichen Anzahl von grossen unterentwickelten L\u00e4ndern recht gut sind.\u00bb Obwohl Warren die Existenz des Imperialismus anerkannte und sogar andeutete, dass seine These mit der von Lenin \u00fcbereinstimmte, argumentierte er, dass \u00abLenins allgemeine Theorie des Imperialismus theoretisch falsch konzipiert und historisch ungenau war.\u00bb<\/p>\n<p>Warrens empirische Ergebnisse spiegelten zum einen den Nachkriegsboom und die weit verbreiteten nationalen Industrialisierungsprojekte der neuen unabh\u00e4ngigen Nationen wider, zum anderen den Aufstieg einiger weniger Proteg\u00e9s des Imperialismus wie Taiwan und S\u00fcdkorea. Aber Warren begn\u00fcgte sich nicht damit, die Nachkriegsprosperit\u00e4t zu erw\u00e4hnen. Er fuhr fort zu argumentieren, dass die Dritte Welt eine unabh\u00e4ngige Industrialisierung durchmachte, wobei die Entwicklung zunehmend im Inland stattfand und finanziert wurde, eine breite Palette von Industrien umfasste und die westliche technologische \u00dcberlegenheit schwand. Er argumentierte, dass in der Nachkriegszeit der Abfluss des Mehrwerts von der Peripherie ins Zentrum nichts zu bedeuten hat, da er einfach der Preis sein kann, der f\u00fcr die Errichtung von Produktionsst\u00e4tten gezahlt wird. Schliesslich sei \u00abAusbeutung die Kehrseite des Vormarschs der Produktivkr\u00e4fte\u00bb.<\/p>\n<p>Warrens anti-antiimperialistische Politik war klar. Er argumentierte, dass Sozialisten den Charakter des antiimperialistischen Kampfes viel genauer untersuchen m\u00fcssten, und forderte, den einheimischen Klassenk\u00e4mpfen in der Dritten Welt mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn das Zentrum-Peripherie-Verh\u00e4ltnis zunehmend der Vergangenheit angeh\u00f6rte, dann wurde der Antiimperialismus nat\u00fcrlich nur ein Deckmantel f\u00fcr interkapitalistische Streitereien und Verhandlungen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Warrens falschem Optimismus hat die Entwicklung des Kapitalismus eine anhaltende, wenn nicht sogar zunehmende Kluft zwischen Zentrum und Peripherie hervorgebracht. Bald darauf schrieb Arghiri Emmanuel eine Antwort auf Warren, in der er argumentierte, dass dieser den gewaltigen Unterschied in der Industrialisierung und der landwirtschaftlichen Mechanisierung zwischen den reichen L\u00e4ndern und der Dritten Welt \u00fcbersehen habe.[5] Emmanuel argumentierte, dass der Imperialismus sich selbst reproduziere und nicht selbst zerst\u00f6re, wie Warren annahm, und dass er nur von der Arbeiterklasse ausserhalb der Heimatl\u00e4nder des Imperialismus angegriffen und zerst\u00f6rt werden k\u00f6nne. In einer weiteren Antwort zeigten Philip McMichael, James Petras und Robert Rhodes nicht nur, dass es wenig Anhaltspunkte f\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige Industrialisierung im Globalen S\u00fcden gab, sondern warnten auch (richtigerweise) vor der kommenden Zahlungsbilanzkrise in der unterentwickelten Welt.[6] Zusammenfassend argumentierten die drei Autoren nachdr\u00fccklich, dass das Wachstum der Dritten Welt von einer kleinen Anzahl von L\u00e4ndern abhing, zum Nutzen eines kleinen Teils ihrer Bev\u00f6lkerung, was nur im Kontext des Imperialismus verstanden werden kann. David Slater wies sp\u00e4ter auf eine Reihe von Schw\u00e4chen in Warrens These hin, darunter Warrens Eurozentrismus, die schlichte Akzeptanz der kapitalistischen Ausbeutung und die sehr selektive Lekt\u00fcre der Marxschen Texte.[7]<\/p>\n<p>Die tats\u00e4chliche Entwicklung bis heute best\u00e4tigt Warrens These nicht. Grafik 2 stellt das nationale Pro-Kopf-Einkommen gemessen in konstanten 2010-Dollar im Jahr 1960 den Werten im Jahr 2015 gegen\u00fcber. Das klare Muster deutet darauf hin, dass die Hierarchie und die R\u00e4nge innerhalb der kapitalistischen Welt w\u00e4hrend der f\u00fcnfundf\u00fcnfzig Jahre der sogenannten Entwicklung weitgehend intakt geblieben sind. Die reichen L\u00e4nder von 1960 stehen 2015 immer noch an der Spitze, w\u00e4hrend die armen L\u00e4nder von damals auch ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter eher am unteren Ende zu finden sind. Basierend auf denselben Daten betrug das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der zwanzig reichsten L\u00e4nder 1960 das schwindelerregende 32-fache des Durchschnittseinkommens der zwanzig \u00e4rmsten L\u00e4nder; im Jahr 2015 war dieses Verh\u00e4ltnis auf 123 angestiegen.<\/p>\n<p><em>Grafik 2. Hierarchie im Weltkapitalismus<\/em><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/zhu1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"726\" height=\"484\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/zhu1-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9493\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/zhu1-1.jpg 726w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/zhu1-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 726px) 100vw, 726px\" \/><\/a><\/figure>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrden die Entwicklung des Zentrums und die Unterentwicklung der Peripherie v\u00f6llig unabh\u00e4ngig voneinander erscheinen, wenn der Imperialismus angeblich \u00abweg\u00bb w\u00e4re. Daher hat Warrens These zwei wesentliche politische Implikationen. Erstens ist der Mangel an Entwicklung oder Unterentwicklung das Problem jedes Landes selbst. Es kommt wahrscheinlich von der Weigerung, sich der produktivit\u00e4tsf\u00f6rdernden Globalisierung anzuschliessen, oder von bestimmten Arten von Korruption, oder von schlechten Institutionen oder Kultur, oder genauer gesagt von der Armut selbst. Zweitens: Obwohl der Globale S\u00fcden oder die Dritte Welt seit Lenins Zeiten oder sogar noch fr\u00fcher das Zentrum der Revolution und der Experimente des Sozialismus war, wurde er f\u00fcr Warren zu einer Last der Entwicklung und der Hilfe und zu einem Sch\u00fcler der westlichen Gesellschaften. Die Art von euro- oder westzentrischer Sichtweise, die im globalen kapitalistischen Markt fortbestand, fand in der Linken ein Echo.<\/p>\n<p><strong>Brenners Eingreifen in die \u00dcbergangsdebatte<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Warrens These die konservative Wende der westlichen Linken in Bezug auf zeitgen\u00f6ssische und globale Themen ank\u00fcndigte, dann bereicherte Robert Brenner, ein ausgebildeter Historiker, diese Entwicklung erheblich, indem er den Eurozentrismus und Konservatismus in der Geschichte des \u00dcbergangs zum Kapitalismus in Europa bekr\u00e4ftigte. Dies wurde deutlich in Brenners langer polemischer Arbeit \u00abThe Origins of Capitalist Development: A Critique of Neo-Smithian Marxism\u00bb, in der New Left Review von 1977.[8]<\/p>\n<p>Brenners Aufsatz war teilweise eine Aufarbeitung der ber\u00fchmten Debatte \u00fcber den \u00dcbergang vom Feudalismus zum Kapitalismus zwischen Maurice Dobb, Paul Sweezy und anderen marxistischen Gelehrten in den 1950er Jahren in Science and Society. Unter anderem stimmten Sweezy und Dobb zwar darin \u00fcberein, dass sowohl interne (Klassenkonflikte) als auch externe (Handel und St\u00e4dte) Kr\u00e4fte eine wichtige und interaktive Rolle beim \u00dcbergang zum Kapitalismus spielten, waren sich aber uneinig \u00fcber den \u00abprim\u00e4ren Schwerpunkt\u00bb (Dobb) oder die \u00abHaupttriebkraft\u00bb (Sweezy). Sweezy argumentierte, dass die treibende Kraft hinter dem \u00dcbergang in Westeuropa extern war, w\u00e4hrend Dobb behauptete, dass interne Kr\u00e4fte die Form und Richtung der Auswirkungen von Handel und Markt bestimmten.[9] Sweezy, der die Diskussion entfachte, suchte nach Antworten auf politische Fragen. In seinen Worten: \u00abNun, ich habe eine ziemlich gute Vorstellung von der Natur der treibenden Kraft im Kapitalismus, warum der Entwicklungsprozess, den sie erzeugt, zur Krise f\u00fchrt und warum der Sozialismus notwendigerweise die Nachfolgeform der kapitalistischen Gesellschaft ist. Aber ich war mir \u00fcber keinen dieser Faktoren im feudalen Fall im Geringsten im Klaren, als ich mich an Dobbs Buch setzte.\u00bb[10] Aber insgesamt ist nicht klar, dass die urspr\u00fcngliche Debatte an sich explizit mit linker Politik in der Nachkriegszeit verbunden war. Nichtsdestotrotz haben die Inspiration und der intellektuelle Raum, den diese Debatte erzeugte, wahrscheinlich sp\u00e4tere Diskussionen \u00fcber Imperialismus, Abh\u00e4ngigkeit und Weltsysteme erleichtert.<\/p>\n<p>Abgesehen von dieser Debatte schenkten Sweezy, Baran und die Autoren der Monthly Review den K\u00e4mpfen und Revolutionen im Globalen S\u00fcden grosse Aufmerksamkeit. Brenner, der in den sp\u00e4ten 1970er Jahren schrieb, betrachtete eindeutig Frank und Wallerstein als das Hauptziel seiner Argumentation, aber sein Aufsatz begann mit einer Kritik an Sweezys Position aus den 1950er Jahren. Im Gegensatz zu allen, die sich an der urspr\u00fcnglichen Debatte beteiligten, einschliesslich Dobb, lehnte Brenner jedoch die Rolle des Handels und der St\u00e4dte vollst\u00e4ndig ab und akzeptierte nur die Rolle des agrarischen Wandels bei der Schaffung kapitalistischer sozialer Beziehungen. Er argumentierte, dass der Handel nicht von sich aus die feudalen sozialen Beziehungen oder die Leibeigenschaft transformieren w\u00fcrde, und dass nur eine autonome Ver\u00e4nderung der Klassenbeziehungen auf dem Lande den Handel in Richtung Kapitalismus treiben w\u00fcrde. Dem folgend argumentierte Brenner, dass Sweezy, Frank und Wallerstein die Existenz des Kapitalismus voraussetzten, wenn sie \u00fcber die Rolle von Handel, Arbeitsteilung, \u00abWettbewerb\u00bb und \u00abMehrwertmaximierung\u00bb sprachen. Brenner nannte die Konzentration auf den Austausch (Sweezy) und Arbeitsteilung (Frank und Wallerstein) sogar neo-smithianisch.<\/p>\n<p>Fairerweise muss man sagen, dass Sweezy sich nicht ein einziges Mal auf die Mehrwertmaximierung bezog, ein Begriff, den Brenner f\u00e4lschlicherweise Sweezy zuschrieb, um das hervorzuheben, was er f\u00fcr den ahistorischen Aspekt des Arguments hielt. Tats\u00e4chlich war es der britische marxistische Historiker Rodney Hilton, der in seiner Antwort auf Sweezy vorschlug, dass die Maximierung des Mehrwerts die Hauptantriebkraft der Dynamik des Feudalismus war.[11] In Hiltons Worten: \u00abDie herrschende Klasse war auf die eine oder andere Weise &#8230; die ganze Zeit bestrebt, die Feudalrente zu maximieren, d.h. den gewaltsam angeeigneten \u00dcberschuss der direkten Produzenten.\u00bb Hilton erkl\u00e4rt weiter, dass diese Maximierung nicht dem Verkauf auf dem Markt diente, sondern im Wesentlichen dazu, \u00abihre Position als Herrschende zu erhalten und zu verbessern, sowohl gegen\u00fcber ihren zahllosen Rivalen als auch gegen\u00fcber ihren ausgebeuteten Untertanen.\u00bb<\/p>\n<p>Brenners Aufsatz ist in mindestens dreierlei Hinsicht zutiefst fehlerhaft. Erstens beschuldigt Brenner Sweezy und Wallerstein, den \u00dcbergangsprozess zu unterstellen, aber seine Alternative war, die Nichtexistenz des \u00dcbergangs zu behaupten. Wenn Brenner von der Unm\u00f6glichkeit der Mehrwertmaximierung in der feudalen Gesellschaft sprach, war seine Methode eine metaphysische, die den Einfluss der damaligen analytischen Schule widerspiegeln k\u00f6nnte.[12] In seiner Analyse postuliert Brenner, dass Feudalherren keine kapitalistischen Motive haben k\u00f6nnen \u2013 weil nur Kapitalisten und Kapitalistinnen kapitalistische Motive haben \u2013, aber dieses krude bin\u00e4re Modell impliziert, wie viele popul\u00e4re b\u00fcrgerliche Wirtschaftstheorien, dass der \u00dcbergang zum Kapitalismus augenblicklich erfolgte. Dies k\u00f6nnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Wie Sweezy in seiner Antwort auf Brenner betonte, lagen zwei Jahrhunderte zwischen dem Ende der Leibeigenschaft und dem Aufstieg der kapitalistischen Landwirtschaft, etwas, dem auch Dobb zustimmte.[13] Ironischerweise bedeutete dies, dass Brenner selbst den langen \u00dcbergang wegnehmen musste. Wie James Blaut sp\u00e4ter kommentierte, \u00abh\u00e4lt Brenner, wie einige andere Marxisten, an einer sehr mystischen Konzeption des Kapitalismus fest. Der Kapitalismus wird als eine Entit\u00e4t, als ein wesentliches Ding konzipiert. Wenn er kommt, tut er das vollst\u00e4ndig und ganz, als ob er ein Gott w\u00e4re, der vom Olymp herabsteigt, um die menschlichen Angelegenheiten zu regeln.\u00bb[14]<\/p>\n<p>Zweitens hat Brenner einige wichtige historische Beweise falsch interpretiert. Wallerstein erkl\u00e4rte die zweite Leibeigenschaft in Polen und Osteuropa als Folge ihrer Eingliederung in das Weltsystem als Getreideproduzenten. In seinem Versuch, die Rolle des Handels zu verwerfen, schlug Brenner vor, dass der Getreideexport nur eine geringe Rolle bei der Verschlechterung der b\u00e4uerlichen Bedingungen spielte, da der fr\u00fchere polnische Getreidehandel relativ klein war. Wie Robert Denemark und Kenneth Thomas sorgf\u00e4ltig untersuchten, erreichten die Getreideexporte zwar erst nach der Refeudalisierung ihren H\u00f6hepunkt, aber den grossen Angriffen auf den rechtlichen Status der Leibeigenen und ihre F\u00e4higkeit, sich an k\u00f6nigliche Gerichte zu wenden ging ein signifikanter Anstieg der Exporte voraus.[15] Indem er von sich verbessernden Terms of Trade der osteurop\u00e4ischen Landwirtschaft gegen\u00fcber der westlichen Industrie berichtet, legt Brenner nahe, dass der Mehrwert im siebzehnten Jahrhundert tats\u00e4chlich vom Zentrum in die Peripherie floss. Denemark und Thomas argumentierten, dass Ver\u00e4nderungen der Terms of Trade nichts \u00fcber den Mehrwerttransfer aussagen k\u00f6nnen, da sie auf unterschiedliche Produktivit\u00e4tswachstumsraten zur\u00fcckzuf\u00fchren sein k\u00f6nnten. Sie dokumentierten, dass die Ver\u00e4nderungen der Terms of Trade im Kontext der steigenden niederl\u00e4ndischen Produktivit\u00e4t und der stagnierenden oder sinkenden polnischen Getreideproduktivit\u00e4t im siebzehnten Jahrhundert leicht zu verstehen sind.<\/p>\n<p>Drittens schenkte Brenner in seiner eurozentrischen Sicht der Geschichte dem Kolonialismus, der milit\u00e4rischen Eroberung und ihren Auswirkungen auf die Klassenbildung in den meisten Teilen der Welt wenig Aufmerksamkeit. Er \u00fcbersah auch, dass viele wichtige Merkmale des sp\u00e4tmittelalterlichen l\u00e4ndlichen Englands (ungebundene Bauernschaft, Barpacht, Bauernk\u00e4mpfe und so weiter) im selben Zeitraum in vielen Teilen Europas, Afrikas und Asiens vorhanden waren.[16] Kenneth Pomeranz, ein nicht-marxistischer Wirtschaftshistoriker, argumentierte, dass England und das untere Jangtse-Delta bis 1800 viele Schl\u00fcsselmerkmale gemeinsam hatten, aber die koloniale Expansion und die Sklaverei in Amerika brachten England schliesslich voran.[17] Ausserdem, obwohl Brenners Aufsatz scheinbar den Klassenkampf an die erste Stelle der Faktoren setzte, die zum Aufstieg des Kapitalismus f\u00fchrten, legen seine anderen Schriften nahe, dass nur eine besondere Art von Klassenkampf (in England) zum Kapitalismus f\u00fchren w\u00fcrde. F\u00fcr ihn war ein gewisses Mass an Kampf notwendig, um eine zweite Leibeigenschaft zu vermeiden, aber nicht so viel Kampf, dass die Grundherren das Eigentum an Land verloren.[18] So stellt Brenners These \u00abdie Klassenkampftheorie auf den Kopf \u00ab[19] . Brenners Analyse argumentiert im Grunde, dass, da bestimmte Ph\u00e4nomene (eine bestimmte Art von Klassenkampf zum Beispiel) mit dem Aufstieg des Kapitalismus in England koexistierten, der Aufstieg des Kapitalismus in England auch auf diese Dinge zur\u00fcckzuf\u00fchren sein muss. Das ist eine typische Art von Eurozentrismus, der auf zirkul\u00e4rer Logik beruht.<\/p>\n<p>Wie Warren lehnte Brenner die Relevanz des Konzeptes des Imperialismus ab und beschuldigte andere Marxisten, \u00abden Grad zu minimieren, in dem jede bedeutende nationale Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte heute von einer engen Verbindung mit der internationalen Arbeitsteilung abh\u00e4ngt.\u00bb Er weigerte sich nicht nur, den Transfer von Mehrwert aus der Dritten Welt ins Zentrum anzuerkennen, sondern er beschuldigte die Antiimperialisten sogar einer \u00abUtopie des Sozialismus in einem Lande\u00bb nachzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Insgesamt zu sagen, dass Warren und Brenner, neben anderen, eine grosse intellektuelle Debatte ausgel\u00f6st haben, w\u00e4re eine \u00dcbertreibung. Es gab Diskussionen, sicher, aber sie waren nicht im Entferntesten ausreichend angesichts der Bedeutung des Themas. Wie Denemark und Thomas feststellten, haben sich nur wenige Autoren mit dem Hauptangriff von Brenner auseinandergesetzt.[20] Slater argumentierte, dass der Einfluss der Warren-These letztlich damit zusammenhing, dass das vorherrschende politische Klima seit 1980 militant prokapitalistische Positionen stark beg\u00fcnstigte.[21] Tats\u00e4chlich fielen die Schriften von Warren und Brenner mit der grossen konterrevolution\u00e4ren Wende zusammen, wenn sie nicht sogar bewusst Teil davon waren, die schliesslich die revolution\u00e4re Str\u00f6mung negierte, die im fr\u00fchen zwanzigsten Jahrhundert begann.<\/p>\n<p><strong>Vom Kommunistischen Manifest zur Zweiten Internationale<\/strong><\/p>\n<p>Wie dramatisch die intellektuellen Verschiebungen um 1980 auch zu sein schienen, sie waren eine R\u00fcckkehr zur langen eurozentristischen Tradition unter den westlichen Sozialisten, wie sie von denen in der Zweiten Internationale vorgelebt wurde. [\u2026] Warren und Brenner zum Beispiel waren beide daran interessiert, sich von \u00abneueren marxistischen Ideen\u00bb zu l\u00f6sen und zu dem Marxismus zur\u00fcckzukehren, der angeblich eine positivere Sicht auf die Ausbreitung des Kapitalismus hatte.<\/p>\n<p>Von welchem Marxismus sprachen sie? Die ber\u00fchmten Passagen des Kommunistischen Manifests, die Brenner zitierte, dr\u00fcckten tats\u00e4chlich grossen Optimismus \u00fcber die revolution\u00e4re Rolle des Kapitalismus aus:<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie rei\u00dft durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schiesst, mit der sie den hartn\u00e4ckigsten Fremdenhass der Barbaren zur Kapitulation zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuf\u00fchren, d.h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.[22]<\/p>\n<p>Wie oft zitiert wird, glaubte Karl Marx, dass die britische Kolonialherrschaft dem indischen Volk immensen Schaden zuf\u00fcgte: \u00abEngland hat das ganze Ger\u00fcst der indischen Gesellschaft zertr\u00fcmmert, ohne dass bisher irgendwelche Symptome der Wiederherstellung aufgetaucht w\u00e4ren. Dieser Verlust seiner alten Welt, ohne Gewinn einer neuen, verleiht dem gegenw\u00e4rtigen Elend des Hindus eine besondere Art von Melancholie und trennt das von England beherrschte Hindustan von all seinen alten Traditionen und von der Gesamtheit seiner vergangenen Geschichte.\u00bb[23] Aber Marx war in den fr\u00fchen 1850er Jahren immer noch etwas hoffnungsvoll, dass die Handlungen Grossbritanniens indirekt und unbeabsichtigt zum Fortschritt Indiens f\u00fchren k\u00f6nnten, da \u00abwas auch immer die Verbrechen Englands gewesen sein m\u00f6gen, es war das unbewusste Werkzeug der Geschichte, um diese Revolution herbeizuf\u00fchren.\u00bb<\/p>\n<p>Dieser Optimismus, m\u00f6glicherweise \u00fcberbetont in einer politischen Erkl\u00e4rung, mag seiner Zeit angemessen gewesen sein. Die fortschrittliche Rolle des Kapitalismus war noch vor der Pariser Kommune vorhanden. Wie Lenin sp\u00e4ter pr\u00e4gnant zusammenfasste, \u00abwar die Periode zwischen 1789 und 1871 eine des fortschrittlichen Kapitalismus, als der Sturz des Feudalismus und Absolutismus und die Befreiung vom fremden Joch auf der Tagesordnung der Geschichte standen\u00bb, aber das kapitalistisch-imperialistische Zeitalter nach 1871 war \u00abeine des reifen und faulig-reifen Kapitalismus.\u00bb[24] Wie zahlreiche Denker seit den sp\u00e4ten 1960er Jahren hervorgehoben haben, vor allem Kevin Anderson in <em>Marx at the Margins<\/em>, entwickelten sich Marx&#8216; Gedanken in Bezug auf den Kolonialismus ab den sp\u00e4ten 1850er Jahren, insbesondere nach dem indischen Aufstand von 1857. Das Aufkommen bedeutender Widerstandsbewegungen in weiten Teilen der kolonisierten Welt veranlasste ihn, sich mehr auf die Potenziale der Revolution ausserhalb Westeuropas und Nordamerikas zu konzentrieren.[25] In seinem ber\u00fchmten Brief an Vera Zasulich aus dem Jahr 1881 \u00e4usserte Marx, dass die russische nichtkapitalistische l\u00e4ndliche Kommune \u00abder Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr die soziale Regeneration in Russland\u00bb sein k\u00f6nnte.[26] Hier war Marx eindeutig anderer Meinung als Euro-Marxisten wie Brenner und Warren. Auch Friedrich Engels stellte in seinem Brief an Karl Kautsky 1882 folgende Behauptung auf: \u00abWelche sozialen und politischen Phasen diese L\u00e4nder dann zu durchlaufen haben werden, bevor sie ebenfalls zur sozialistischen Organisation gelangen, dar\u00fcber k\u00f6nnen wir heute, glaube ich, nur ziemlich m\u00fcssige Hypothesen aufstellen. Nur eines ist sicher: Das siegreiche Proletariat kann keiner fremden Nation irgendwelche Segnungen aufzwingen, ohne dadurch seinen eigenen Sieg zu untergraben. Was freilich Verteidigungskriege verschiedener Art keineswegs ausschliesst.\u00bb[27]<\/p>\n<p>Noch wichtiger ist, dass sowohl Marx als auch Engels seit den Tagen der Revolutionen von 1848 bewusst eine dialektische Sicht der Geschichte entwickelten und den Zusammenhang zwischen revolution\u00e4rem Potenzial, Arbeiteraristokratie und schwachen Gliedern in Europa untersuchten. Dies zeigt sich in ihrer Arbeit mit dem Kommunistischen Bund, f\u00fcr den das Kommunistische Manifest geschrieben wurde.<\/p>\n<p>Wie sich Engels erinnerte, bestand der Bund zumeist aus deutschen Gastarbeitern und Handwerkern, insbesondere aus m\u00e4nnlichen Schneidern.[28] Diese Gastarbeiter waren \u00fcberall und Engels dokumentierte, dass Deutsch \u00abso sehr die vorherrschende Sprache in diesem Gewerbe\u00bb in Paris war. Trotz der Zunfttradition und der einflussreichen Aussicht, ein Meister zu werden, entwickelten sich unter diesen Arbeitern allm\u00e4hlich kommunistische Ideen. Es war die Organisation dieser und anderer Arbeiter, die die erste deutsche kommunistische Arbeiterbewegung sowie \u00abdie erste internationale Arbeiterbewegung aller Zeiten\u00bb ins Leben rief.<\/p>\n<p>Die von Engels aufgezeichnete Geschichte des Kommunistischen Bundes ist besonders n\u00fctzlich. Trotz der Aktivit\u00e4ten in London st\u00fctzte sich der Bund nicht auf englische Arbeiter, Arbeiterinnen oder Gewerkschaften. Es war nicht England, das erste und am weitesten entwickelte industrielle kapitalistische Land, das die kommunistische Arbeiterbewegung hervorbrachte. Vielmehr lag das Epizentrum der kommunistischen Weltrevolution im noch nicht vereinigten Deutschland, \u00abeinem Land des Handwerks und der auf Handarbeit beruhenden Hausindustrie\u00bb.[29] Im Kommunistischen Manifest erkl\u00e4rten Marx und Engels, dass die Kommunisten ihre Hauptaufmerksamkeit auf Deutschland richten, \u00abweil Deutschland am Vorabend einer b\u00fcrgerlichen Revolution steht und weil es diese Umw\u00e4lzung unter fortgeschrittneren Bedingungen der europ\u00e4ischen Zivilisation \u00fcberhaupt und mit einem viel weiter entwickelten Proletariat vollbringt als England im 17. und Frankreich im 18. Jahrhundert, die deutsche b\u00fcrgerliche Revolution also nur das unmittelbare Vorspiel einer proletarischen Revolution sein kann..\u00bb [MEW 4, 493]<\/p>\n<p>Die englische Arbeiterklasse trat trotz ihrer fortgeschrittenen materiellen Bedingungen und einer langen Geschichte von K\u00e4mpfen nicht als f\u00fchrende Kraft in der sp\u00e4teren internationalen Arbeiterbewegung auf. In seinem Brief von 1870 stellte Marx fest, dass das revolution\u00e4re Potenzial der englischen Arbeiterklasse durch die Existenz britischer Peripherien wie Irland und das koloniale B\u00fcndnis zwischen englischen Arbeitern und Kapitalisten stark eingeschr\u00e4nkt war. In Marx&#8216; Worten: \u00abDer gew\u00f6hnliche englische Arbeiter hasst den irischen Arbeiter als einen Konkurrenten, der seinen Lebensstandard senkt. In Bezug auf den irischen Arbeiter sieht er sich als Mitglied der herrschenden Nation&#8230;. Dieser Antagonismus ist das Geheimnis der Ohnmacht der englischen Arbeiterklasse, trotz ihrer Organisation. Es ist das Geheimnis, durch das die Kapitalistenklasse ihre Macht aufrechterh\u00e4lt. Und letztere ist sich dessen durchaus bewusst.\u00bb[30]<\/p>\n<p>War die Identifikation mit der herrschenden Nation anfangs eher ein Vorurteil, so erhielt sie sp\u00e4ter eine viel solidere materielle Grundlage, als mit dem Imperialismus eine Arbeiteraristokratie zu entstehen begann. Der lange Wohlstand, die Akzeptanz der Gewerkschaften, die Verbesserung der Reall\u00f6hne und Arbeitsbedingungen sowie die Ausweitung des Wahlrechts st\u00e4rkten das politische B\u00fcndnis zwischen der Bourgeoisie und den etablierten Gewerkschaften und Aktivisten. Zunehmend teilten die Arbeiter und Arbeiterinnen in den imperialistischen Nationen einen Teil der Fr\u00fcchte der imperialistischen Superprofite als Ergebnis des Mehrwerttransfers aus der Dritten Welt.<\/p>\n<p>Als Engels das Vorwort f\u00fcr die 1892 erschienene Ausgabe von <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me02\/me02_225.htm\">Die Lage der arbeitenden Klasse in England<\/a> schrieb, erkannte er Ver\u00e4nderungen bei zwei Teilen der Arbeiterklasse \u2013 Fabrikarbeitern und -arbeiterinnen und Gewerkschaftsmitgliedern \u2013 seit der Erstver\u00f6ffentlichung des Buches im Jahr 1845 an.[31] Er erkl\u00e4rte ihre konservative Politik so: \u00abSie bilden eine Aristokratie in der Arbeiterklasse; sie haben es fertiggebracht, sich eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig komfortable Lage zu erzwingen, und diese Lage akzeptieren sie als endg\u00fcltig.\u00bb Genau aus diesem Grund lehnte Engels in seinem Brief an August Bebel 1883 die M\u00f6glichkeiten der revolution\u00e4ren Bewegung in Grossbritannien entschieden ab. \u00abLassen Sie sich auf keinen Fall der Illusion hingeben, dass hier eine echte proletarische Bewegung im Gange ist\u00bb, warnte er Bebel. \u00abEine wirklich allgemeine Arbeiterbewegung wird hier erst dann entstehen, wenn die Arbeiter die Tatsache zu sp\u00fcren bekommen, dass das englische Weltmonopol gebrochen ist.\u00bb[32] Auch wenn die Vorteile, die die englischen Arbeiter und Arbeiterinnen erhielten, wahrscheinlich erb\u00e4rmlich gering waren, \u00abwar und ist die Teilnahme an der Beherrschung des Weltmarktes die Grundlage der politischen Nichtigkeit der englischen Arbeiter.\u00bb So begann die englische Arbeiterklasse sich der Liberalen Partei zu folgen, sich auf Gewerkschaften und Streiks einzulassen sowie humanere Arbeitsbedingungen und das Wahlrecht der Arbeiter zu unterst\u00fctzen.[33]<\/p>\n<p>Diese wichtigen Erkenntnisse bereiteten bereits den Boden f\u00fcr Lenins Theorien \u00fcber den Imperialismus und das schwache Glied. Zeit ihres Lebens blickten Marx und Engels auf das weniger entwickelte Deutschland. Lange Zeit vertrat die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), wie Lenin einmal bemerkte, \u00abden revolution\u00e4ren Standpunkt im Marxismus\u00bb.[34] Als Deutschland zu einer imperialistischen Grossmacht aufstieg, ver\u00e4nderte sich jedoch auch der deutsche Sozialismus erheblich.<\/p>\n<p>Dies zeigte sich bereits im Aufstieg von Eduard Bernstein und des Revisionismus in der Partei und der Zweiten Internationale. Ausgestattet mit einer Art Fatalismus, der die Revolution mit dem kommenden Zusammenbruch des Kapitalismus gleichsetzte, begn\u00fcgte sich der SPD-Mainstream unter der F\u00fchrung von Bebel und Kautsky damit, vor dem grossen Tag der sozialistischen Revolution um Sitze im Reichstag zu konkurrieren.[35] Ausgehend von der Prosperit\u00e4t des deutschen Imperialismus wurden die Gewerkschafter in der Partei zu starken reformistischen Kr\u00e4ften und ihre politische Neutralit\u00e4t setzte sich allm\u00e4hlich durch.[36] Es fehlte auch an marxistischer Bildung in der SPD, und w\u00e4hrend mehr Menschen f\u00fcr den Sozialismus stimmten, hatten die meisten Parteimitglieder eine andere Vorstellung davon, was Sozialismus sein k\u00f6nnte.[37] Die SPD-Mitglieder um die Jahrhundertwende erlebten eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und lasen haupts\u00e4chlich kapitalistische Nachrichten und Reiseberichte, Kriegsgeschichten und ethnographische Exotika aus der deutschen kolonialen Expansion.[38]<\/p>\n<p>Als langj\u00e4hriger Abgeordneter der SPD im Reichstag repr\u00e4sentierte Bernstein mit seiner Ansicht zumindest den rechten Fl\u00fcgel der Partei. Bernstein sah den Imperialismus als etwas Neues, parallel zum Kapitalismus und um 1900 als fortschrittlich. Bis 1912 blieb seine Position weitgehend dieselbe: Der Imperialismus war im Grunde fortschrittlich, auch wenn er mit einigen kapitalistischen Interessen verbunden war.[39] Nach Bernsteins Ansicht war der britische Imperialismus demokratisch und daher zustimmungs- und nachahmenswert, w\u00e4hrend der undemokratische wilhelminische deutsche Imperialismus reaktion\u00e4r und gef\u00e4hrlich war.[40] Bernstein war es, der f\u00fcr die ber\u00fcchtigte sozialistische Kolonialpolitik pl\u00e4dierte, die auf dem Zweiten Kongress der Internationalen in Stuttgart 1907 zu einem heiss diskutierten Thema wurde.<\/p>\n<p>Der Stuttgarter Kongress war ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung. Lenin lobte die breite Repr\u00e4sentation des Kongresses: 884 Delegierte aus f\u00fcnfundzwanzig Nationen und f\u00fcnf Kontinenten.[41] Obwohl der Kongress \u00abdie endg\u00fcltige Konsolidierung der Zweiten Internationale &#8230; markierte, die einen sehr betr\u00e4chtlichen Einfluss auf die Art und Richtung der sozialistischen Aktivit\u00e4ten in der ganzen Welt aus\u00fcbte\u00bb, kommentierte Lenin das \u00abbemerkenswerte und traurige Merkmal\u00bb, dass die deutsche Sozialdemokratie eine klare konservative und opportunistische Wende vollzog nahm.\u00bb[42]<\/p>\n<p>Die deutschen Delegierten zum Kongress der Zweiten Internationale waren durch ihren Konservatismus und Revisionismus gekennzeichnet. Insgesamt war die opportunistische Kraft unter den westeurop\u00e4ischen Delegierten stark. Die prokoloniale Gruppe, zu der Van Kol aus Holland, Bernstein und Eduard David aus Deutschland geh\u00f6rten, dominierte den Ausschuss zum Kolonialismus.[43] Sie brachten die \u00abMehrheitsresolution\u00bb ein, die besagte, dass die Vorteile der Kolonien f\u00fcr die Arbeiterklasse \u00fcbertrieben seien und dass der Kongress den Kolonialismus nicht grunds\u00e4tzlich ablehne, da er als zivilisierende Kraft wirken k\u00f6nne.[44] Dieser weitgehende R\u00fcckzug von sozialistischen Prinzipien war in Lenins Worten \u00abungeheuerlich\u00bb, und wir k\u00f6nnen Teile dieser Aussagen, in etwas anderer Form, in den von Warren und Brenner entwickelten Thesen wieder auftauchen sehen. Lenin kommentierte, dass der Begriff der sozialistischen Kolonialpolitik (von Bernstein und anderen) \u00abein heilloses Durcheinander\u00bb sei, und erkl\u00e4rte, dass \u00abder Sozialismus sich nie geweigert hat, auch in den Kolonien f\u00fcr Reformen einzutreten; aber das kann nichts damit zu tun haben, unseren prinzipiellen Standpunkt gegen Eroberungen, Unterwerfung anderer Nationen, Gewalt und Pl\u00fcnderung, die die &#8218;Kolonialpolitik&#8216; ausmachen, zu schw\u00e4chen.\u00bb[45]<\/p>\n<p>Es \u00fcberrascht nicht, dass die Position des Landes der Delegierten im kapitalistischen System ihre Stimmen w\u00e4hrend des Kongresses stark beeinflusste. Die Franzosen, Briten und Italiener waren in der Abstimmung gespalten, w\u00e4hrend die Deutschen, die der Einstimmigkeitsregel unterlagen, alle f\u00fcr die prokoloniale Resolution stimmten.[46] Es waren die Stimmen aus den nichtkolonialen L\u00e4ndern, die die \u00abMinderheitsresolution\u00bb auf dem Kongress durchsetzten, aber es war in der Tat eine sehr knappe Abstimmung: 127 zu 108.[47]<\/p>\n<p>Der Rechtsruck der SPD und anderer europ\u00e4ischer sozialistischer Parteien setzte sich nach dem Zweiten Kongress der Internationale 1907 fort. Es dauerte nur noch wenige Jahre, bis die f\u00fchrenden Parteien, wie die SPD, die Revolution offen verrieten und beschlossen, den Ersten Weltkrieg zu unterst\u00fctzen. Die Zweite Internationale und ihre Politik brachen de facto zusammen.<\/p>\n<p>Die englischen Arbeiter und Arbeiterinnen zur Zeit von Marx und die deutschen Arbeiter und Arbeiterinnen zur Zeit von Lenin erwiesen sich als unf\u00e4hig, eine f\u00fchrende Rolle im Kampf f\u00fcr den Sozialismus zu spielen. Die prokoloniale und proimperialistische Politik hatte die f\u00fchrenden Arbeiterparteien und Gewerkschaften in den imperialistischen L\u00e4ndern eindeutig fest im Griff. Von Marx und Engels bis Lenin versuchten die Sozialisten und Sozialistinnen stets, das revolution\u00e4re Potenzial gegen den Kapitalismus anzuzapfen. Aus den langen und brutalen K\u00e4mpfen gegen den Opportunismus entwickelte sich allm\u00e4hlich die leninistische Einsicht, dass die Revolution und eine neue sozialistische Gesellschaft nicht zuerst aus dem Zentrum des Kapitalismus kommen wird, wo die Arbeiteraristokratie stark ist und die Arbeiterklasse und das Kleinb\u00fcrgertum aufgrund des Imperialismus eher konservativ sind. Die tats\u00e4chlichen sozialistischen Revolutionen des 20. Jahrhunderts gingen vom unterentwickelten Teil Europas (Russland) und allgemeiner vom unterentwickelten Teil der Welt (China und andere L\u00e4nder der Dritten Welt) aus. In Bezug auf die Produktionskr\u00e4fte waren die westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder am weitesten fortgeschritten, aber in Bezug auf die revolution\u00e4re Politik, wie Lenin 1913 brillant zusammenfasste, war Europa r\u00fcckst\u00e4ndig und Asien fortgeschritten. Die Unabh\u00e4ngigkeit und die sozialistischen Revolutionen der Dritten Welt und folglich die Schw\u00e4chung des Imperialismus w\u00fcrden nat\u00fcrlich als Vorbedingung f\u00fcr sozialistische Revolutionen im imperialistischen Kern dienen. [\u2026].<\/p>\n<p><strong>Ist dieses Land nicht auch imperialistisch? Widerspr\u00fcche im \u00abNeuen Imperialismus\u00bb-Narrativ<\/strong><\/p>\n<p>Die Diskussionen \u00fcber den Imperialismus verschwanden ab den sp\u00e4ten 1970er Jahren weitgehend, sind aber seit Beginn des 21. Jahrhunderts wieder aufgetaucht, insbesondere angesichts der aktuellen Weltwirtschaftskrise. Wichtige Forschungen \u00fcber den Sp\u00e4timperialismus oder den Imperialismus der globalen Arbeitsarbitrage unter dem verallgemeinerten Monopolfinanzkapital wurden k\u00fcrzlich von Samir Amin, John Smith, Utsa Patnaik, Prabhat Patnaik und Intan Suwandi ver\u00f6ffentlicht.[48] Viele einflussreiche Linke, wie Hardt, Negri und Harvey, reproduzieren jedoch in Diskussionen \u00fcber den \u00abneuen Imperialismus\u00bb weiterhin die alte konservative Geopolitik in einer aufgefrischten Verpackung.<\/p>\n<p>So argumentieren Hardt und Negri in ihrem Buch Empire, dass der Imperialismus tats\u00e4chlich eine Zwangsjacke f\u00fcr das Kapital schafft und das Kapital sie schliesslich \u00fcberwinden muss.[49] Dieses Argument ist im Wesentlichen eine aktualisierte Version der Bernstein\/Warren\/Brenner-These, die besagt, dass der Kapitalismus die Phase des Imperialismus hinter sich gelassen hat. Was an die Stelle des Imperialismus getreten sei, sei das Empire, ein horizontaler, dezentrierter und deterritorialisierender Weltkapitalismus.[50] Wie John Bellamy Foster argumentiert, ist das Buch von Hardt und Negri eine linke Version der Erz\u00e4hlung vom \u00abEnde der Geschichte\u00bb, die die US-Aussenpolitik in marxistische und postmoderne Begriffe verpackt.[51]<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Warren st\u00fctzten Hardt und Negri ihre Schlussfolgerungen nicht auf empirische Beweise. In einem Teil des Buches lehnten sie die Imperialismustheorie ab, indem sie die Debatte zwischen Lenin und Kautsky in den 1910er Jahren neu interpretierten und irref\u00fchrenderweise behaupteten, dass Kautskys Ultraimperialismusthese mehr mit Marx&#8216; Werk \u00fcbereinstimme. Sie behaupteten auch, dass Lenin grunds\u00e4tzlich mit Kautsky analytisch \u00fcber die Tendenz des Ultraimperialismus \u00fcbereinstimmte, obwohl er zu einer anderen Schlussfolgerung dar\u00fcber kam, was die revolution\u00e4re Antwort sein sollte. F\u00fcr Hardt und Negri bestand die wirkliche, in Lenins Werk implizierte Wahl zwischen globaler kommunistischer Revolution oder Empire (ein neuer Name f\u00fcr Ultraimperialismus).[52]<\/p>\n<p>Wenn Lenin tats\u00e4chlich mit der Zukunft eines stabilen Weltkapitalismus einverstanden war, dann erscheinen die nachfolgenden Revolutionen als verzweifelte Aktionen, um die Realisierung des Ultraimperialismus zu verhindern. Als Lenin das Vorwort zu Nikolai Bucharins Imperialismus und Weltwirtschaft von 1915 schrieb, hatte er seine entscheidendsten Schriften zum Imperialismus noch nicht beendet. Daher kritisierte Lenin vor allem die opportunistischen Implikationen von Kautskys Ultraimperialismus.[53] Er widersprach zwar nicht ausdr\u00fccklich der Theorie einer neuen Phase des Kapitalismus nach dem Imperialismus, aber Lenin wies darauf hin, dass eine solche Vision in der Praxis eine Abkehr von den Problemen der Gegenwart bedeutete. Als er 1916 Imperialismus, das h\u00f6chste Stadium des Kapitalismus, schrieb, verneinte Lenin eindeutig die M\u00f6glichkeit einer ultraimperialistischen Zukunft, da die Ungleichm\u00e4ssigkeit der kapitalistischen Entwicklung und die wechselnde relative St\u00e4rke jede stabile Koalition, Allianz oder ein Imperium verbieten.[54]<\/p>\n<p>Harvey und andere haben eine schw\u00e4chere Version der Bernstein\/Warren\/Brenner-These aufgestellt. N\u00e4mlich, dass es zwar immer noch Imperialismus und Mehrwerttransfer von der Peripherie zum Zentrum gibt, aber entweder rekrutiert das Zentrum st\u00e4ndig neue Mitglieder, oder das Verh\u00e4ltnis von Zentrum und Peripherie kann dank der kapitalistischen Entwicklung umgekehrt werden. Harvey glaubt zum Beispiel, dass der Abfluss von Nettoreichtum vom Osten in den Westen in den letzten Jahrzehnten weitgehend umgekehrt wurde.[55] Auf der Grundlage seiner eigenen Arbeit \u00fcber Superausbeutung und Imperialismus legte Smith eine starke Kritik an Harveys Leugnung des Imperialismus vor.[56] In seiner Antwort behauptete Harvey, dass die traditionelle (starre und unbewegliche) Marxsche Imperialismustheorie unzureichend sei, um die Komplexit\u00e4t des Kapitalismus zu verstehen.[57] Harveys vorgeschlagene Methode behandelt jedoch grunds\u00e4tzlich Handels\u00fcbersch\u00fcsse oder schnelleres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts als Beweis f\u00fcr Imperialismus. Dies ist ziemlich oberfl\u00e4chlich und reduktiv, da sich Imperialismus nicht auf schnelles Wachstum oder Exportgewinne bezieht, sondern auf die Beziehung zwischen dem Zentrum und dem Rest der Welt. Bekanntlich k\u00f6nnen Kolonien oder Peripherien zeitweise enorme \u00dcbersch\u00fcsse aus dem Handel haben, wie z.B. Jamaika aufgrund der Sklaverei. Was die Wachstumsraten des Einkommens angeht, so hatten L\u00e4nder wie Polen und Chile zwischen 1850 und 1900 eine Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf von etwa 2 Prozent, was fast 100 Prozent h\u00f6her war als die britische oder franz\u00f6sische Wachstumsrate in dieser fr\u00fchen imperialistischen Phase.[58]<\/p>\n<p>Harvey definiert Imperialismus als eine widerspr\u00fcchliche Verschmelzung eines territorialen politischen Projekts und der Expansion des Kapitalismus durch Raum und Zeit. Der erste Teil bezieht sich auf eine abstrakte und ahistorische territoriale Logik, w\u00e4hrend der zweite eine diffusionistische Sicht des Kapitalismus impliziert. Ohne jegliche Erw\u00e4hnung der Zentrum-Peripherie-Beziehung oder des Transfers von Mehrwert l\u00e4uft der flache, fluide Kapitalismus in Harveys Verst\u00e4ndnis dessen, was er den Neuen Imperialismus nennt, praktisch auf dasselbe hinaus wie das von Warren, Brenner und den Theoretikern der Zweiten Internationale verfochtene Konzept. [59] Gerade wegen dieses Ausgangspunkts ist es f\u00fcr Harvey ein Leichtes, jede geographische Ver\u00e4nderung der industriellen Aktivit\u00e4ten als das sich ver\u00e4ndernde Zentrum des Imperialismus zu behandeln. Zum Beispiel spricht Harvey jetzt von Ostasien als einer aufsteigenden imperialistischen Kraft, aber, wie Smith hervorhebt, sprach Harvey schon in fr\u00fcheren Schriften von der Machtverschiebung zu den sogenannten Schwellenl\u00e4ndern wie Indien, \u00c4gypten und Ungarn.[60]<\/p>\n<p>Viele dieser Diskussionen (einschliesslich der von Harvey) beziehen sich explizit oder implizit auf China als eine aufstrebende imperialistische Macht, die in einigen Darstellungen sogar mit den Vereinigten Staaten rivalisiert. Es ist unter Konservativen und Liberalen zu einer Art \u00fcberparteilicher Mode geworden, sich gegen das sogenannte imperialistische China zu stellen. Interessanterweise betont auch das US-Aussenministerium in seinen offiziellen Stellungnahmen den Imperialismus Chinas.[61] Der eigent\u00fcmliche Konsens ist selbst ein Ergebnis der Verwirrung und Verzerrung in der Imperialismusfrage seit den 1970er Jahren.<\/p>\n<p>Lassen Sie uns den Fall China genauer untersuchen. Imperialismus beinhaltet letztlich einen Transfer von Mehrwert aus der Peripherie in das imperialistische Zentrum. Trotz seines schnellen Wachstums ist China nicht in der Lage gewesen, solche Profite zu erzielen. In einer umfassenden Studie weist Minqi Li darauf hin, dass China zwar eine ausbeuterische Beziehung zu einigen Rohstoffexporteuren entwickelt hat, insgesamt aber weiterhin eine gr\u00f6ssere Menge an Mehrwert an die Kernl\u00e4nder im kapitalistischen Weltsystem transferiert, als es von der Peripherie erh\u00e4lt.[62] China l\u00e4sst sich am besten als ein halbperipheres Land im kapitalistischen Weltsystem beschreiben.<\/p>\n<p>Als ein halbperipheres Land spielt China in Bezug auf das imperialistische Zentrum meist eine erg\u00e4nzende, statt eine konkurrierende Rolle. In Bezug auf die Exporte konkurriert China haupts\u00e4chlich mit L\u00e4ndern mit niedrigerem Einkommen. Arbeiter und Arbeiterinnen in China verdienen viel weniger als ihre US-Kollegen mit \u00e4hnlichen Qualifikationen, obwohl sich der Unterschied verringert hat. Basierend auf der World Input-Output Database zeigten Suwandi, R. Jamil Jonna und Foster, dass die chinesischen Lohnst\u00fcckkosten zwischen 1995 und 2014 bei etwa 40 Prozent der US-Lohnst\u00fcckkosten blieben, trotz eines leichten Anstiegs in den letzten Jahren.[63] Dieser Unterschied diente als Grundlage f\u00fcr die globale Arbeitsarbitrage und den ungleichen Austausch.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen auch einen Blick auf Chinas Kapitalexport ins Ausland werfen. Chinas Abfluss ausl\u00e4ndischer Direktinvestitionen als Prozentsatz der Bruttokapitalbildung lag 2019 bei 1,9 Prozent, w\u00e4hrend der Weltdurchschnitt bei 6 Prozent lag.[64] Der Grossteil dieser Investitionen ging nach Hongkong und in einige Steueroasen, entweder als Kapitalflucht oder umverpackt als ausl\u00e4ndisches Kapital, um wieder nach Festlandchina zu gelangen. W\u00e4hrend China im Laufe der Jahre enorme Verm\u00f6genswerte im Ausland angeh\u00e4uft hat, sind 2018 fast die H\u00e4lfte davon W\u00e4hrungsreserven, die im Wesentlichen Chinas informellen Tribut an den US-Imperialismus darstellen, indem es f\u00fcr dessen \u00abSeigniorage-Privileg\u00bb bezahlt.[65]<\/p>\n<p>Einige k\u00f6nnten argumentieren, dass China zwar jetzt nicht imperialistisch sei, aber es k\u00f6nnte sich dazu entwickeln. Diese Ansicht k\u00f6nnte zu zuversichtlich sein, was die F\u00e4higkeit des Imperialismus angeht, eine so grosse Bev\u00f6lkerung in seinem Zentrum zu absorbieren. Wie Li anmerkt, bedeutet ein hypothetischer chinesischer Imperialismus einen dramatischen Anstieg des Mehrwerttransfers aus der Peripherie, der sowohl \u00f6konomisch als auch \u00f6kologisch kaum m\u00f6glich sein d\u00fcrfte.[66]<\/p>\n<p>Die chinesischen Eliten sind sich gr\u00f6sstenteils selbst bewusst, dass sie von der gegenw\u00e4rtigen Arbeitsteilung in der Weltwirtschaft immens profitiert haben, und haben ein starkes Verlangen, den Status quo zu erhalten.[67] Dieser Konsens unter den chinesischen Eliten macht sie oft eifriger als viele andere daf\u00fcr stark, die US-gef\u00fchrte Weltordnung zu verteidigen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass zwei der neueren Versionen der Bernstein\/Warren\/Brenner-These \u2013 popul\u00e4r gemacht von Hardt, Negri und Harvey \u2013 nicht in der Lage sind, ein besseres Verst\u00e4ndnis des Weltkapitalismus zu liefern. Mit diesen Theorien verschmelzen antiimperialistische K\u00e4mpfe zu interimperialistischen Rivalit\u00e4ten. Noch wichtiger ist, dass sie eine Wiederbelebung der Politik der Zweiten Internationale signalisieren, die seit dem 19. Jahrhundert die Wurzel des linken und sozialdemokratischen Denkens ist.<\/p>\n<p><strong>Die Zweite Internationale schl\u00e4gt zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Die Behauptung, dass einige L\u00e4nder nicht imperialistisch sind, ist nicht unbedingt eine Verteidigung des Status quo oder der sozialen Beziehungen dieser L\u00e4nder. Es ist die Behauptung, dass Mehrtransfer und imperialistische Ausbeutung die Widerspr\u00fcche in diesen nichtimperialistischen L\u00e4ndern vertiefen. Selbst die Erf\u00fcllung der Grundbed\u00fcrfnisse von Gesundheit und Bildung f\u00fcr die arbeitende Bev\u00f6lkerung w\u00fcrde einen sozialistischen Durchbruch erfordern. Bestimmte L\u00e4nder der Dritten Welt \u2013 vor allem solche mit schw\u00e4cheren und inkompetenteren herrschenden Klassen sowie solche mit einem starken revolution\u00e4ren Erbe \u2013 k\u00f6nnten das potenzielle schwache Glied im gegenw\u00e4rtigen imperialistischen System darstellen. An diesen Orten sind die K\u00e4mpfe der Menschen gegen den US-Imperialismus real und potenziell revolution\u00e4r.<\/p>\n<p>Wenn einige Linke die marxistische Theorie des Imperialismus leugnen oder aufgeben, wird der Kapitalismus zu einem lebendigen, sich entwickelnden System ohne Ende, statt zu einem System des Verfalls und Parasitismus. So werden sie oft unf\u00e4hig, das revolution\u00e4re Potenzial in einem Grossteil der Welt zu sehen. Da der Kapitalismus unbesiegbar zu sein scheint und Sozialismus und Kommunismus v\u00f6llig ausser Reichweite zu sein scheinen, ist es nicht \u00fcberraschend, dass die Politik der Zweiten Internationale in diese allgemeine Atmosph\u00e4re der Desillusionierung eindringt.<\/p>\n<p>Die zeitgen\u00f6ssische Politik der Zweiten Internationale beinhaltet zwei komplement\u00e4re Denkrichtungen. Erstens wird angesichts der Langlebigkeit des Kapitalismus argumentiert, dass das beste Szenario f\u00fcr die Welt ein besserer Kapitalismus ist. Hier bezieht sich \u00abbesser\u00bb oft auf Massnahmen wie Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Mehrparteien-Wahlsysteme, sicheres Privateigentum und andere Merkmale der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, die im imperialistischen Zentrum oft beobachtet werden. Wenn Fortschritt (wieder) als Verbreitung und Nachahmung des US-amerikanischen oder westeurop\u00e4ischen Kapitalismus definiert wird, verb\u00fcnden sich die \u00abProgressiven\u00bb sehr schnell mit den imperialistischen Regierungen bei ihren Angriffen gegen die L\u00e4nder in der Peripherie oder Semiperipherie. W\u00e4hrend die Theoretiker der Zweiten Internationale nicht prinzipiell gegen Kolonialismus und Imperialismus waren, sind die heutigen Liberalen nicht prinzipiell gegen Sanktionen und Regimewechseloperationen in der Dritten Welt. F\u00fcr viele dieser Autoren und Autorinnen, die oft behaupten, Marxisten zu sein, geht es nicht in erster Linie darum, den Kapitalismus zu st\u00fcrzen, sondern den sogenannten autorit\u00e4ren Kapitalismus loszuwerden, ein neuerer Begriff f\u00fcr die \u00abunzivilisierte\u00bb Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die zweite Linie in der zeitgen\u00f6ssischen Politik der Zweiten Internationale konzentriert sich auf die Frage des Imperialismus. Wenn einige Autoren und Autorinnen China ohne weiteres zum imperialistischen Zentrum z\u00e4hlen, sieht der Imperialismus als eine Phase des Kapitalismus sicherlich wie ein nie endender Alptraum aus. Da es keine wirkliche Alternative gibt, ist es sinnvoll, eine bessere Version des Alptraums zu w\u00e4hlen. Genau wie Bernstein, der daf\u00fcr pl\u00e4dierte, zwischen gutem und schlechtem Imperialismus zu unterscheiden, pl\u00e4dieren auch zeitgen\u00f6ssische Autoren wie Harvey f\u00fcr einen reformierten, besseren Imperialismus.<\/p>\n<p>Harvey argumentierte, dass es zwar radikalere L\u00f6sungen gibt, dass es aber vorl\u00e4ufig ausreicht f\u00fcr den Aufbau eines neuen New Deal unter der F\u00fchrung der USA und Europas, sowohl innenpolitisch als auch international, zu k\u00e4mpfen. In dieser Hinsicht ging er so weit, einen \u00abwohlwollenderen &#8218;New Deal&#8216;-Imperialismus zu rechtfertigen, der vorzugsweise durch die Art von Koalition kapitalistischer M\u00e4chte zustande kommt, die Kautsky vor langer Zeit ins Auge fasste\u00bb.[68] F\u00fcr Harvey w\u00e4re dieser New-Deal-Imperialismus angeblich gutartiger als der schlechte Imperialismus, den die Neokonservativen anbieten.<\/p>\n<p>Harveys Konservatismus hat seitdem immer weiter zugenommen, und es ist kein Zufall, dass er Ende 2019 in einem Interview eine besonders reaktion\u00e4re Ansicht \u00e4usserte. In dem Interview argumentiert er, dass das Kapital zu gross sei, um zu scheitern, und erkl\u00e4rt, dass:<\/p>\n<p>\u00abWir k\u00f6nnen uns keine Situation vorstellen, in der wir den Kapitalfluss abschalten, denn wenn wir den Kapitalfluss abschalten, w\u00fcrden 80 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung sofort verhungern, sie w\u00fcrden immobil werden, sie w\u00e4ren nicht in der Lage, sich auf sehr effektive Weise zu reproduzieren. Wir k\u00f6nnen uns also keinen anhaltenden Angriff auf die Kapitalakkumulation leisten. Also ist die Art von Fantasie, die man vielleicht die man vielleicht um 1850 haben konnte \u2013 Sozialisten oder Kommunisten und Andere \u2013, n\u00e4mlich dass wir dieses kapitalistische System zerst\u00f6ren und etwas v\u00f6llig anderes aufbauen k\u00f6nnen, im Moment ein Ding der Unm\u00f6glichkeit.\u00bb[69]<\/p>\n<p>Mit dieser Art des Denkens, das unter Liberalen und vielen Linken vorherrscht, wird jeder m\u00f6gliche innerstaatliche Widerstand gegen den imperialistischen US-Staat herabgemindert. Dies wirft ein besonderes Licht auf die andauernden Konflikte zwischen den Vereinigten Staaten und China. Das Bild eines aufstrebenden Chinas, eines imperialistischen (und doch nicht ganz zivilisierten) Chinas, spricht interessanterweise unterschiedliche Gruppen sowohl in China als auch in den Vereinigten Staaten an. Seit Jahren prahlen die nationalistischen Medien in China mit einem m\u00e4chtigen China, um die Militanz der arbeitenden Bev\u00f6lkerung zu bremsen. Chinesische Linke stehen solchen nationalistischen Behauptungen meist sehr kritisch gegen\u00fcber. Zur gleichen Zeit haben der US-Mainstream und der rechte Fl\u00fcgel ihre Argumente erfolgreich auf der Grundlage der Propaganda eines imperialistischen Chinas gemacht. Unter Ausnutzung von tief verwurzeltem Rassismus und antikommunistischer Geschichte dient sie dem Ziel, China zum S\u00fcndenbock zu machen und die US-Arbeiterklasse zu korrumpieren. Sogar einige linke Beobachter haben unkritisch behauptet, dass China jetzt zum Feind Nummer eins der globalen Arbeiterklasse geworden sei. Wir sehen die Bildung einer heiligen Allianz in den imperialistischen Vereinigten Staaten, die von der reaktion\u00e4ren Politik der Zweiten Internationale beherrscht wird.<\/p>\n<p>Prabhat Patnaik warnte, dass der R\u00fcckzug von Analysen des Imperialismus nur die St\u00e4rkung des rechten Fl\u00fcgels in den Kernl\u00e4ndern und im Globalen S\u00fcden bedeuten w\u00fcrde, was dazu beitragen w\u00fcrde, rassistische, fundamentalistische und fremdenfeindliche Bewegungen hervorzubringen. Diese tiefgreifenden Einsichten sind zunehmend relevant, w\u00e4hrend wir uns in die 2020er Jahre bewegen.<\/p>\n<p>Die (westliche) Linke im imperialistischen Zentrum befindet sich in einem historischen Moment.[70] Ohne eine R\u00fcckbesinnung auf die antiimperialistische Tradition und ohne eine sorgf\u00e4ltige Analyse des in der neoliberalen \u00c4ra entwickelten Imperialismus ist es wahrscheinlich, dass sich die Linke in den n\u00e4chsten ein bis zwei Jahrzehnten weiter von ihrer revolution\u00e4ren Vergangenheit zur\u00fcckziehen wird. Ob wir der Zweiten Internationale oder den Traditionen des sp\u00e4ten Marx, Lenin und Mao folgen sollen, ist eine lebenswichtige Frage f\u00fcr uns alle.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>1) Prabhat Patnaik, &#8222;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.14452\/MR-042-06-1990-10_1\">Whatever Happened to Imperialism?<\/a>&#8222;, Monthly Review 42, Nr. 6 (November 1990): 1-7.<\/p>\n<p>2) Paul Baran, <a href=\"https:\/\/monthlyreview.org\/product\/political_economy_of_growth\/\">The Political Economy of Growth<\/a> (New York: Monthly Review Press, 1957); Andre Gunder Frank, The Development of Underdevelopment (New York: Monthly Review Press, 1966); Harry Magdoff, <a href=\"https:\/\/monthlyreview.org\/product\/age_of_imperialism\/\">The Age of Imperialism<\/a> (New York: Monthly Review Press, 1969); Arghiri Emmanuel, Unequal Exchange (New York: Monthly Review Press, 1972); Samir Amin, <a href=\"https:\/\/monthlyreview.org\/product\/accumulation_on_a_world_scale\/\">Accumulation on a World Scale<\/a> (New York: Monthly Review Press, 1974); Immanuel Wallerstein, The Capitalist World Economy (New York: Cambridge University Press, 1979); Walter Rodney, How Europe Underdeveloped Africa (Washington DC: Howard University Press, 1981).<\/p>\n<p>3) Patnaik, &#8222;Whatever Happened to Imperialism?&#8220;<\/p>\n<p>4) Bill Warren, &#8222;Imperialism and Capitalist Industrialization&#8220;, New Left Review 81 (1973).<\/p>\n<p>5) Arghiri Emmanuel, &#8222;Myths of Development Versus Myths of Underdevelopment&#8220;, New Left Review 85 (1974): 61-82.<\/p>\n<p>6) Philip McMichael, James Petras und Robert Rhodes, &#8222;Imperialism and the Contradictions of Development&#8220;, New Left Review 85 (1974): 83-104.<\/p>\n<p>7) David Slater, &#8222;On Development Theory and the Warren Thesis: Arguments Against the Predominance of Economism&#8220;, Environment and Planning D: Society and Space 5, no. 3 (1987): 263-82.<\/p>\n<p>8) Robert Brenner, &#8222;The Origins of Capitalist Development: A Critique of Neo-Smithian Marxism&#8220;, New Left Review 104 (1977).<\/p>\n<p>9) Paul Sweezy und Maurice Dobb, &#8222;The Transition from Feudalism to Capitalism&#8220;, Science and Society 14, Nr. 2 (1950): 134-67.<\/p>\n<p>10) Paul Sweezy, &#8222;Comments on Professor HK Takahashi\u2019s \u2018Transition from Feudalism to Capitalism,\u2019\u201d&nbsp;Science and Society&nbsp;17, Nr. 2 (1953): 158-64.<\/p>\n<p>11) Rodney Hilton, &#8222;The Transition from Feudalism to Capitalism&#8220;, Science and Society 17, Nr. 4 (1953): 340-48.<\/p>\n<p>12) Louis Proyect argumentiert, dass Brenner lose mit dem analytischen Marxismus verbunden war. Siehe die sehr hilfreiche Diskussion \u00fcber die Brenner-These und ihren politischen Kontext auf seiner Webseite, verf\u00fcgbar unter columbia.edu.<\/p>\n<p>13) Paul Sweezy, &#8222;Comment on Brenner&#8220;, New Left Review 108 (1978): 94-95.<\/p>\n<p>14) James Blaut, &#8222;Robert Brenner in the Tunnel of Time&#8220;, Antipode 26, no. 4 (1994): 351-74.<\/p>\n<p>15) Robert Denemark und Kenneth Thomas, &#8222;The Brenner-Wallerstein Debate&#8220;, International Studies Quarterly 32, Nr. 1 (1988): 47-65.<\/p>\n<p>16) Blaut, &#8222;Robert Brenner in the Tunnel of Time&#8220;.<\/p>\n<p>17) Kenneth Pomeranz, &#8222;The Great Divergence: China, Europe, and the Making of the Modern World Economy (Princeton: Princeton University Press, 2000).<\/p>\n<p>18) Siehe zum Beispiel Robert Brenner, &#8222;Agrarian Class Structure and Economic Development in Pre-Industrial Europe&#8220;, Past and Present 70, no. 1 (1976): 30-75. Diese Art der Argumentation ist nicht einzigartig unter rassistischen und eurozentrischen Schriften. Siehe zum Beispiel Quamrul Ashraf und Oded Galor, &#8222;The &#8218;Out of Africa&#8216; Hypothesis, Human Genetic Diversity, and Comparative Economic Development&#8220;, American Economic Review 103, Nr. 1 (2013): 1-46. Sie folgt der exakten Formel, nur dass sie den Klassenkampf durch genetische Vielfalt ersetzt. Zu viel Vielfalt (Afrikaner) bedeutet weniger Vertrauen, aber zu wenig Vielfalt (Ureinwohner) bedeutet weniger Innovation. Nur Eurasier mit dem richtigen Mass an genetischer Vielfalt, so das Argument, haben es geschafft, die Welt zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>19) Blaut, &#8222;Robert Brenner in the Tunnel of Time&#8220;.<\/p>\n<p>20) Denemark und Thomas, &#8222;The Brenner-Wallerstein Debate&#8220;.<\/p>\n<p>21) Slater, &#8222;On Development Theory and the Warren Thesis&#8220;.<\/p>\n<p>22) Karl Marx und Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4,466.<\/p>\n<p>23) Karl Marx, &#8222;Die britische Herrschaft in Indien&#8220;, in Marx-Engels Werke, Bd. 12 (1853; repr. New York: International Publishers, 1979), 125-33.<\/p>\n<p>24) I. Lenin, &#8222;Opportunism and the Collapse of the Second International&#8220;, in: Lenin Collected Works, Bd. 22 (1916; repr. Moskau: Progress Publishers, 1964), 108-20.<\/p>\n<p>25) Kevin Anderson, Marx at the Margins: On Nationalism, Ethnicity, and Non-Western Societies (Chicago: University of Chicago Press, 2010). Zu den Denkern, die die gleiche These wie Anderson vertreten haben, siehe: Horace B. Davis, <a href=\"https:\/\/monthlyreview.org\/product\/nationalism_and_socialism\/\">Nationalism and Socialism<\/a> (New York: Monthly Review Press, 1967), 59-73; Earl Ofari, &#8222;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.14452\/MR-022-10-1971-03_2\">Marxism, Nationalism, and Black Liberation<\/a>,&#8220; Monthly Review 22, no. 10 (March 1971): 18-34; Kenzo Mohri, &#8222;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.14452\/MR-030-11-1979-04_4\">Marx and &#8218;Underdevelopment&#8216;<\/a>,&#8220; Monthly Review 30, no. 11 (April 1979): 32-42; Suniti Kumar Ghosh, &#8222;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.14452\/MR-035-08-1984-01_5\">Marx on India<\/a>,&#8220; Monthly Review 35, Nr. 8 (Januar 1984): 39-53; John Bellamy Foster, &#8222;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.14452\/MR-052-03-2000-07_2\">Marx and Internationalism<\/a>,&#8220; Monthly Review 52, no. 3 (Juli-August 2000): 11-22.<\/p>\n<p>26) Karl Marx, &#8222;Marx to Vera Zasulich&#8220;, in Marx-Engels Collected Works, Bd. 46 (New York: International Publishers, 1992), 71.<\/p>\n<p>27) Friedrich Engels, &#8222;Engels to Karl Kautsky,\u201d in&nbsp;Marx-Engels Collected Works, vol. 46, 320-23.<\/p>\n<p>28) Frederick Engels, &#8222;<a>On the History of the Communist League<\/a>\u201d in&nbsp;Marx-Engels Collected Works, vol. 26 (New York: International Publishers, 1990), 312-30.<\/p>\n<p>29) Engels, &#8220; On the History of the Communist League&#8220;.<\/p>\n<p>30) Karl Marx, &#8220; K. Marx to Sigfrid Meyer and August Vogt,\u201d in&nbsp;Marx-Engels Collected Works, vol. 43 (New York: International Publishers, 1988), 471-76.<\/p>\n<p>31) Friedrich Engels, Vorwort zu The Condition of the Working-Class in England, englische Ausgabe 1892, in: Marx-Engels Collected Works, Bd. 27 (New York: International Publishers, 1990), 257-69.<\/p>\n<p>32) Friedrich Engels, &#8222;Engels to August Bebel&#8220;, in: Marx-Engels Collected Works, Bd. 47 (New York: International Publishers, 1995), 52-55.<\/p>\n<p>33) Engels, &#8222;Engels to August Bebel&#8220;.<\/p>\n<p>34) I. Lenin, &#8222;The International Socialist Congress in Stuttgar&#8220;, in: Lenin Collected Works, Bd. 13 (Moskau: Progress Publishers, 1972), 82-93.<\/p>\n<p>35) Roger Fletcher, Revisionism and Empire: Socialist Imperialism in Germany 1897-1914 (London: George Allen &amp; Unwin, 1984), 14.<\/p>\n<p>36) Carl Schorske, Carl Schorske,&nbsp;<a>German Social Democracy<\/a>, 1905\u20131917: The Development of the Great Schism (Cambridge, MA: Harvard University Press, 1983), 15, 26-27.<\/p>\n<p>37) Fletcher, Revisionism and Empire, 28.<\/p>\n<p>38) Fletcher, Revisionism and Empire, 30-34; John Short, &#8222;Everyman&#8217;s Colonial Library: Imperialism and Working-Class Readers in Leipzig, 1890-1914&#8220;, German History 21, no. 4 (2003): 445-75.<\/p>\n<p>39) Fletcher, Revisionism and Empire, 155.<\/p>\n<p>40) Fletcher, Revisionism and Empire, 157.<\/p>\n<p>41) Lenin, &#8220; The International Socialist Congress in Stuttgart&#8220;.<\/p>\n<p>42) Lenin, &#8220; The International Socialist Congress in Stuttgart&#8220;.<\/p>\n<p>43) Lenin, &#8220; The International Socialist Congress in Stuttgart &#8222;; Schorske, <a>German Social Democracy<\/a>, 84.<\/p>\n<p>44) Schorske, German Social Democracy, 84.<\/p>\n<p>45) Lenin, &#8220; The International Socialist Congress in Stuttgart &#8222;.<\/p>\n<p>46) Schorske, German Social Democracy, 85.<\/p>\n<p>47) Schorske, German Social Democracy, 84-85.<\/p>\n<p>48) Samir Amin, Modern Imperialism, Monopoly Finance Capital, and Marx&#8217;s Law of Value (New York: Monthly Review Press, 2018); Utsa Patnaik und Prabhat Patnaik, A Theory of Imperialism (New York: Columbia University Press, 2016); John Smith, <a href=\"https:\/\/monthlyreview.org\/product\/imperialism_in_the_twenty-first_century\/\">Imperialism in the Twenty-First Century<\/a> (New York: Monthly Review Press, 2016); Intan Suwandi, <a href=\"https:\/\/monthlyreview.org\/product\/value-chains\/\">Value Chains: The New Economic Imperialism<\/a> (New York: Monthly Review Press, 2019).<\/p>\n<p>49) Antonio Negri und Michael Hardt, Empire (Cambridge: Harvard University Press, 2000), 243.<\/p>\n<p>50) Hardt und Negri, Empire, xii.<\/p>\n<p>51) John Bellamy Foster, &#8222;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.14452\/MR-071-03-2019-07_1\">Late Imperialism: Fifty Years After Harry Magdoff&#8217;s The Age of Imperialism<\/a>&#8222;, Monthly Review 71, no. 3 (Juli-August 2019): 1-19.<\/p>\n<p>52) Hardt und Negri, Empire, 230, 461.<\/p>\n<p>53) I. Lenin, Vorwort zu Nikolai Bucharins Imperialismus und Weltwirtschaft, in: Lenins Gesammelte Werke, Bd. 22, 103f.<\/p>\n<p>54) I. Lenin, Imperialismus, das h\u00f6chste Stadium des Kapitalismus, in: Lenins Gesammelte Werke, Bd. 22, 185-304.<\/p>\n<p>55) David Harvey, &#8222;<a href=\"http:\/\/roape.net\/2018\/02\/05\/realities-ground-david-harvey-replies-john-smith\">Realities on the Ground: David Harvey Replies to John Smith<\/a>&#8222;, Review of African Political Economy, 5. Februar 2018.<\/p>\n<p>56) Smith, Imperialism in the Twenty-First Century; John Smith, &#8220; <a href=\"http:\/\/roape.net\/2018\/01\/10\/david-harvey-denies-imperialism\/\">David Harvey Denies Imperialism<\/a>,&#8220; Review of African Political Economy, 10. Januar 2018.<\/p>\n<p>57) Harvey, &#8222;Realities on the Ground&#8220;.<\/p>\n<p>58) Berechnet auf Basis der Datenbank des Maddison Project. Siehe Jutta Bolt, Robert Inklaar, Herman de Jong, und Jan Luiten van Zanden, &#8220; <a href=\"https:\/\/www.rug.nl\/ggdc\/html_publications\/memorandum\/gd174.pdf\">Rebasing \u2018Maddison\u2019: New Income Comparisons and the Shape of Long-Run Economic Development<\/a>&#8220; (Groningen Growth and Development Centre Research Memorandum 174, University of Groningen, Januar 2018).<\/p>\n<p>59) David Harvey, The New Imperialism (New York: Oxford University Press, 2003), 26.<\/p>\n<p>60) Smith, &#8220; David Harvey Denies Imperialism&#8220;.<\/p>\n<p>61) siehe zum Beispiel &#8222;Secretary Michael R. Pompeo at a Press Availability&#8220;, U.S. Department of State, 15. Juli 2020.<\/p>\n<p>62) Minqi Li, &#8222;China: Imperialism or Semi-Periphery?&#8220; (Arbeitspapier, Department of Economics, University of Utah, 2020).<\/p>\n<p>63) Intan Suwandi, R. Jamil Jonna, und John Bellamy Foster. &#8220; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.14452\/MR-070-10-2019-03_1\">Global Commodity Chains and the New Imperialism<\/a>&#8222;, Monthly Review 70, no. 10 (2019): 1-24.<\/p>\n<p>64) basierend auf dem World Investment Report 2020, der Konferenz der Vereinten Nationen f\u00fcr Handel und Entwicklung, unctad.org.<\/p>\n<p>65) Li, &#8222;China&#8220;.<\/p>\n<p>66) Li, &#8222;China&#8220;.<\/p>\n<p>67) So hat sich China in den letzten Jahren zu einem f\u00fchrenden Verfechter der Globalisierung entwickelt. Der chinesische Staat predigt den Vereinigten Staaten manchmal sogar die Vorteile der gegenw\u00e4rtigen Welt unter der F\u00fchrung der USA. Siehe zum Beispiel \u4e50\u7389\u6210,\u4eba\u6c11\u65e5\u62a5\u4eba\u6c11\u8981\u8bba\uff1a\u7262\u7262\u628a\u63e1\u4e2d\u7f8e\u5173\u7cfb\u53d1\u5c55\u7684\u6b63\u786e\u65b9\u5411, People&#8217;s Daily, 7. September 2020.<\/p>\n<p>68) Harvey, The New Imperialism, 209-11.<\/p>\n<p>69) David Harvey, &#8220; <a href=\"https:\/\/www.democracyatwork.info\/acc_global_unrest\">Anti-Capitalist Chronicles: Global Unrest<\/a>&#8222;, Democracy at Work, 19. Dezember 2019.<\/p>\n<p>70) Die Sozialisten und Sozialistinnen in der Peripherie und Semiperipherie stehen ebenfalls vor ernsthaften Herausforderungen, die eine separate Diskussion verdienen.<\/p>\n<p><em>#Beitragsbild: Stuttgarter Kongress der Zweiten Internationale, 1907.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/monthlyreview.org\/2021\/03\/01\/the-ideology-of-late-imperialism\/?mc_cid=26acc68748&amp;mc_eid=fb1e87a2ed\"><em>monthlyreview.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. M\u00e4rz 2021; \u00dcbersetzung durch Redaktion maulwuerfe.ch mit einigen kleinen K\u00fcrzungen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zhun Xu. Als der renommierte indische marxistische \u00d6konom Prabhat Patnaik 1990 die Frage \u00abWhatever Happened to Imperialism?\u00bb [Was geschah nur mit dem Imperialismus?] stellte, befanden sich die einst lebendigen und einflussreichen Theorieschulen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9494,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[23,50,80,18,12,13,22,46],"class_list":["post-9491","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-buecher","tag-china","tag-friedrich-engels","tag-imperialismus","tag-lenin","tag-marx","tag-politische-oekonomie","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9491"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9495,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9491\/revisions\/9495"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9494"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}