{"id":9500,"date":"2021-04-02T15:01:41","date_gmt":"2021-04-02T13:01:41","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9500"},"modified":"2021-04-02T15:01:43","modified_gmt":"2021-04-02T13:01:43","slug":"was-ist-imperialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9500","title":{"rendered":"Was ist Imperialismus?"},"content":{"rendered":"<p>Halten wir einen Moment inne und \u00fcberlegen, wie wir die Frage beantworten w\u00fcrden: Was ist Imperialismus? Wir sind eine antiimperialistische Bewegung, wir k\u00e4mpfen gegen den Imperialismus und wenn wir auf der Stra\u00dfe angehalten und<!--more--> gefragt werden, wogegen wir zu k\u00e4mpfen versuchen, was sollen wir dann sagen? Es ist sehr wahrscheinlich, dass jede\/r AntiimperialistIn eine andere Definition geben w\u00fcrde, die nicht unbedingt mit der Definition der anderen AntiimperialistInnen \u00fcbereinstimmt. Das mag ein einfaches Problem sein, aber es hat sehr tiefgreifende Konsequenzen: Wenn es keinen Konsens \u00fcber das gemeinsame Verst\u00e4ndnis des Problems gibt, dann kann es auch keinen Konsens \u00fcber die L\u00f6sung geben. Mit anderen Worten, wenn wir uns nicht dar\u00fcber einig sind, wogegen wir k\u00e4mpfen, werden wir wahrscheinlich gegen unterschiedliche Dinge k\u00e4mpfen, so dass es keine Einheit im Kampf gibt.<\/p>\n<p>Wenn Menschen an Imperialismus denken, ist das erste, was ihnen in den Sinn kommt, milit\u00e4rische Intervention oder irgendeine Art von Einmischung in die Angelegenheiten anderer L\u00e4nder. Mit \u201eEinmischung\u201c meinen wir eine Verletzung der Souver\u00e4nit\u00e4t in jedem Bereich, sei es milit\u00e4risch, wirtschaftlich oder kulturell. Daher finden wir manchmal Begriffe wie: Kulturimperialismus, Wirtschaftsimperialismus usw. In diesem Sinne wird der Imperialismus als eine Art aggressive Au\u00dfenpolitik bestimmter L\u00e4nder dargestellt.<\/p>\n<p>Manchmal begegnen wir Vorstellungen von Imperialismus im Sinne von Herrschafts- und Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnissen zwischen L\u00e4ndern. Diese Ideen gehen \u00fcber die Vorstellung einer einfachen Au\u00dfenpolitik hinaus und versuchen, den Imperialismus im Sinne von Machtbeziehungen zwischen den reichen und armen L\u00e4ndern zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die h\u00e4ufigste Definition, die wir finden, ist die klassische Definition von Lenin. Er definiert den Imperialismus in f\u00fcnf Punkten:<\/p>\n<ul>\n<li>die Konzentration des Kapitals erzeugt nationale Monopole,<\/li>\n<li>das Industrie- und Bankkapital verschmilzt zum Finanzkapital, wodurch die Finanzoligarchie entsteht,<\/li>\n<li>der Export von Kapital ersetzt den Export von Waren,<\/li>\n<li>die Bildung von internationalen Monopolen und<\/li>\n<li>die territoriale Aufteilung der Welt zwischen den kapitalistischen M\u00e4chten.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Eine alternative Interpretation<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl die obigen Ans\u00e4tze nicht falsch sind und sie die wesentlichen Merkmale dessen, was Imperialismus ist erfassen, kann man sagen, dass es ihnen nicht gelingt, das Problem in seiner Gesamtheit anzugehen und das ganze Bild zu sehen. Wenn wir uns also auf einen oder wenige Aspekte des Imperialismus konzentrieren, k\u00f6nnen wir falsche Schlussfolgerungen ziehen, die kontraproduktiv sein k\u00f6nnen und unseren Kampf ineffektiv machen oder sogar unseren Absichten zuwiderlaufen.<\/p>\n<p>Das Erreichen einer gemeinsamen Definition ist eine kollektive Arbeit aller AntiimperialistInnen. Wir wollen den ersten Impuls zu diesem Diskussionsprozess geben und eine Definition vorschlagen, die auf den neuesten akademischen Forschungen auf diesem Gebiet von Torkil Lauesen, Zak Cope und Donald Clelland, neben vielen anderen, basiert. Wir bauen auf der Tradition der Theorie des ungleichen Tausches, der Dependenztheorie, der Weltsystemanalyse und der Schule der Global Capitalism School auf.<\/p>\n<p>Obwohl es sehr schwierig ist, ein so komplexes Konzept auf einen einzigen Satz zu reduzieren, m\u00f6chten wir den folgenden vorschlagen:<\/p>\n<p>\u201e<em>Der Imperialismus ist ein hierarchisches System, das auf dem Werttransfer basiert, der seine \u00f6konomische Infrastruktur bildet, die ihrerseits durch den ideologischen, politischen und milit\u00e4rischen \u00dcberbau reproduziert wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel zur Definition liegt in der Konzeptualisierung des Imperialismus als ein integrales Ganzes, dessen Elemente die einzelnen Staaten sind die gemeinsame Prozesse teilen \u2013 das hei\u00dft, es ist ein System. Einzelne Staaten produzieren Wert (wir k\u00f6nnen ihn auch Reichtum, \u00f6konomischen \u00dcberschuss usw. nennen), der nicht notwendigerweise innerhalb ihrer Grenzen bleibt, sondern dank \u00f6konomischer Mechanismen in andere Staaten flie\u00dft. Die Staaten in diesem System bilden eine Hierarchie entsprechend dieses Wertflusses, so dass sich die Staaten, die Wert produzieren und ihn nicht f\u00fcr sich nutzen, am unteren Ende der Hierarchie befinden, w\u00e4hrend die Staaten, die sich den von anderen Staaten geschaffenen Wert aneignen und f\u00fcr sich nutzen, an der Spitze stehen.<\/p>\n<p>Es gibt auch andere Bezeichnungen f\u00fcr diese Einteilung, z.B.: Globaler Norden \u2013 Globaler S\u00fcden, Erste Welt \u2013 Zweite Welt \u2013 Dritte Welt, etc. In der Tradition der Dependenztheorie und der Weltsystemanalyse wird diese Art der Einteilung als Zentrum-Peripherie-Hierarchie bezeichnet und besteht aus drei Elementen:<\/p>\n<ol>\n<li>Peripherie: die L\u00e4nder am unteren Ende der Hierarchie<\/li>\n<li>Zentrum: die L\u00e4nder an der Spitze und<\/li>\n<li>Semi-Peripherie: L\u00e4nder mit einem Zwischenstatus, die von der Wertsch\u00f6pfung der Peripherie profitieren, aber gleichzeitig einen Teil davon an die L\u00e4nder im Zentrum verlieren.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die \u00f6konomische Basis des Systems ist der Kapitalismus und seine Akkumulationslogik. Wenn wir \u00fcber Kapitalismus sprechen, dann im Rahmen von einzelnen Staaten und in abstrakten \u00f6konomischen Begriffen. In der Praxis ist der Imperialismus die real existierende Form des Kapitalismus. Aus diesem Grund kann der Imperialismus auch als globaler Kapitalismus bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Der Imperialismus im Sinne des Wertflusses von der Peripherie zum Zentrum des Systems, ist institutionalisiert und seine Institutionen wurden in jeder Epoche ver\u00e4ndert und angepasst. So k\u00f6nnen wir historische Perioden der Entwicklung des Systems in die Perioden des klassischen Kolonialismus, des Neokolonialismus und des Neoliberalismus unterscheiden.<\/p>\n<p>Der klassische Kolonialismus versuchte nicht-kapitalistische Territorien durch milit\u00e4rische Eroberung in das System einzugliedern, das System durch Gewalt und direkte Verwaltung der kolonialen Gebiete aufrechtzuerhalten und extreme Formen von Zwang, wie zum Beispiel der Sklaverei, anzuwenden um Werte aus den peripheren Arbeitskr\u00e4ften zu extrahieren.<\/p>\n<p>Im Neokolonialismus wurde die direkte Gewaltanwendung durch die formale Unabh\u00e4ngigkeit der peripheren Regionen und deren faktische Abh\u00e4ngigkeit durch milit\u00e4rische \u201eHilfe\u201c und wirtschaftliche \u201eKooperation\u201c ersetzt.<\/p>\n<p>Die aktuelle \u00c4ra des Neoliberalismus basiert auf Institutionen, die \u00fcber der Souver\u00e4nit\u00e4t der Staaten stehen und Marktmechanismen kontrollieren: IWF, Weltbank, etc.<\/p>\n<p>Was die Integrit\u00e4t dieser wirtschaftlichen Basis garantiert, ist der \u00dcberbau des Systems. Der \u00dcberbau manifestiert sich in der milit\u00e4rischen, politischen und ideologischen Politik. W\u00e4hrend milit\u00e4rische Gewalt und politische Beziehungen das Gleichgewicht des \u00f6konomischen Systems der Auspl\u00fcnderung aufrechterhalten, verleiht die Ideologie ihm Legitimit\u00e4t und baut das moralische System auf, um die Stereotypen aufrechtzuerhalten, die es erm\u00f6glichen, dass der Status quo nicht in Frage gestellt wird.<\/p>\n<p>Was meinen wir mit Gleichgewicht im System? Die L\u00e4nder der Peripherie befinden sich in einer Situation, die sie zu st\u00e4ndiger Unterentwicklung verdammt. Eine Situation, die sie \u00e4ndern wollen. Um sie \u00e4ndern zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie das Wirtschaftsmodell \u00e4ndern, zu einem der Logik des Systems widersprechendem Modell. Eine solche Ver\u00e4nderung und m\u00f6gliche Entkopplung kann zu Systemrkisen und zur Blockade im Prozess der Akkumulation von Kapital und Reichtum f\u00fchren. Beispiele dieser Art sind in L\u00e4ndern zu sehen, die sich der Systemlogik widersetzen, wie die Demokratische Volksrepublik Korea, Kuba, Venezuela usw.<\/p>\n<p>In der semi-peripheren Zone haben wir Staaten, die in der Hierarchie des Systems aufsteigen wollen und dabei die L\u00e4nder des Zentrums und deren Hegemonie herausfordern. Heute haben wir das Beispiel von China und Russland, deren Entwicklung eine Gefahr f\u00fcr die Interessen z.B. der USA darstellt. In der Vergangenheit drohte die UdSSR, die wirtschaftliche Infrastruktur des Systems selbst zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die L\u00e4nder am unteren Ende darum k\u00e4mpfen, ihre Position innerhalb der Hierarchie zu verbessern, k\u00e4mpfen die L\u00e4nder im Zentrum darum, ihre dominante Position zu erhalten. Ein Beispiel daf\u00fcr sind die Vereinigten Staaten, die mit allen Mitteln versuchen, ihre hegemoniale Position zu sichern.<\/p>\n<p>In all diesen vorangegangenen Beispielen k\u00f6nnen wir sehen, wie milit\u00e4rische Intervention, politische Einmischung, wirtschaftlicher Druck und ihre ideologische Rechtfertigung dazu dienen, Ver\u00e4nderungen in der Logik des Systems zu verhindern und das \u201eGleichgewicht\u201c zu bewahren, welches das Wohlergehen der wenigen auf Kosten des Elends der vielen garantiert.<\/p>\n<p>Anstatt den Imperialismus als eine Ansammlung von Staaten in Form von mehr oder weniger autonomen Einheiten zu verstehen, schlagen wir daher vor, ihn als ein ganzheitliches System mit gemeinsamen Prozessen zu analysieren.<\/p>\n<p><strong>Die Konsequenzen unserer Interpretation<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir unseren Ansatz mit den anderen Vorstellungen \u00fcber Imperialismus vergleichen, k\u00f6nnen wir einige wichtige Schlussfolgerungen ziehen, welche die Strategie des Kampfes beeinflussen.<\/p>\n<p>Wenn wir \u00fcber Imperialismus im ausschlie\u00dflichen Sinne einer aggressiven und einmischenden Au\u00dfenpolitik sprechen, wird er gew\u00f6hnlich in den Kontext eines bestimmten Landes oder einer bestimmten Macht gestellt, zum Beispiel: \u201eamerikanischer Imperialismus\u201c, \u201efranz\u00f6sischer Imperialismus\u201c, \u201eenglischer Imperialismus\u201c\u2026 Wenn es sich um eine Politik handelt und wir alle unsere Kr\u00e4fte einsetzen, um sie zu stoppen, k\u00f6nnen wir dann sagen, dass das Ende dieser Politik das Ende des Imperialismus bedeutet? Nach unserer Sicht, nein. Aus unserer Sicht ist die aggressive Politik ein Mittel, um die Position in der Hierarchie zu halten, deshalb w\u00fcrde das Ende dieser Politik einfach bedeuten, dass eine andere Macht die Chance hat, einzugreifen und die \u201eBeute\u201c zu machen.<\/p>\n<p>Genauso wenn wir den Imperialismus nur als ein Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis betrachten. K\u00f6nnen wir dann annehmen, dass die Achtung der Souver\u00e4nit\u00e4t des abh\u00e4ngigen Landes dem Imperialismus ein Ende setzen w\u00fcrde? Auch hier: nein. Fr\u00fchere Epochen zeigen uns, dass dies nicht der Fall sein kann. Die Welle des antikolonialen Kampfes und des Kampfes f\u00fcr die nationale Befreiung hat zwar eine ungeheure Emanzipation der unterdr\u00fcckten V\u00f6lker gebracht, wusste aber die Logik der kapitalistischen Akkumulation nicht zu besiegen und geriet wieder in die Position der Abh\u00e4ngigkeit. Der Imperialismus passte sich den neuen Umst\u00e4nden an und fand einen Weg, das \u201eGleichgewicht\u201c wiederherzustellen.<\/p>\n<p>\u00dcber Lenins Definition k\u00f6nnen wir sagen, dass sie zu einer bestimmten historischen Epoche geh\u00f6rt und nicht alle Wege der imperialistischen Entwicklung bis heute widerspiegelt.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr eine gemeinsame Strategie<\/strong><\/p>\n<p>Um unsere Perspektive in die Praxis umzusetzen, w\u00e4re es wichtig, \u00fcber die Methode der Analyse zu sprechen. Die marxistische Tradition bietet uns ein sehr m\u00e4chtiges Werkzeug: die Dialektik. Basierend auf Maos Arbeit \u00fcber den Widerspruch hat der d\u00e4nische antiimperialistische Akademiker Torkil Lauesen in seinem Werk \u201eDer Hauptwiderspruch\u201c einen Weg zur Entwicklung einer Strategie, durch die Analyse von Widerspr\u00fcchen innerhalb des Systems vorgestellt.<\/p>\n<p>Erstens, was ist ein Widerspruch? Vereinfacht kann man sagen, dass es sich um zwei voneinander abh\u00e4ngige Teile handelt, die im Gegensatz zueinander stehen.<\/p>\n<p>Die Prozesse im System werden durch Widerspr\u00fcche entwickelt. Wenn wir zum Beispiel \u00fcber die Beziehungen zwischen denen, die den Wert produzieren, und denen, die ihn sich aneignen, nachdenken, k\u00f6nnen wir Widerspr\u00fcche auf verschiedenen Ebenen identifizieren: zwischen Staaten auf regionaler oder globaler Ebene, zwischen Regionen innerhalb eines Staates, zwischen Klassen innerhalb einer Gesellschaft, usw.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen wir in der gegenw\u00e4rtigen neoliberalen \u00c4ra die Widerspr\u00fcche zwischen dem Staat und der Akkumulation (das Bed\u00fcrfnis der Menschen, den Wohlfahrtsstaat aufrechtzuerhalten, und das Bed\u00fcrfnis der Kapitalisten, ihn zu beseitigen, um die Akkumulation von Reichtum zu erleichtern), zwischen dem Wirtschaftswachstum und den nat\u00fcrlichen Grenzen (das Bed\u00fcrfnis, die Produktion und die M\u00e4rkte auszuweiten, um die Profite zu steigern, auf der einen Seite und die begrenzten Ressourcen des Planeten auf der anderen Seite) finden.<\/p>\n<p>Die Widerspr\u00fcche sind zahlreich, aber nur einer ist dominant. Wenn also der Imperialismus ein System ist, dann ergeben sich alle Widerspr\u00fcche aus seiner Struktur. In diesem Sinne erscheint der wichtigste und dominante Widerspruch in der kapitalistischen Akkumulationslogik. Seine Folgen sind die Konkurrenz zwischen den L\u00e4ndern des Zentrums um den Zugang zu Ressourcen und neuen M\u00e4rkten sowie die Blockierung der Entwicklung der Peripherie (verursacht durch den Werttransfer).<\/p>\n<p>Mit anderen Worten, alle Probleme, die wir heute beobachten: Armut, Kriege, \u00f6kologische Katastrophen, Diskriminierung und Flucht, sind alle feste Bestandteile und gleichzeitig Folgen der kapitalistischen Akkumulationslogik. Sie werden unweigerlich wieder auftauchen, wenn ihr Ursprung, der Hauptwiderspruch des Imperialismus, nicht beseitigt wird. Indem er beseitigt wird, wird auch der Imperialismus beseitigt.<\/p>\n<p>Das Nicht-Erkennen der Hierarchie der Widerspr\u00fcche innerhalb des Systems, kann unsere Kampfstrategie so beeinflussen, dass wir ohne uns dessen bewusst zu sein, am Ende eine Politik, Gruppen oder Bewegungen unterst\u00fctzen, die den Imperialismus st\u00e4rken, anstatt ihn zu schw\u00e4chen. Die h\u00e4ufigste Falle ist der sogenannte \u201edritte Weg\u201c oder \u201eweder-noch\u201c, der sich auf die sekund\u00e4ren Widerspr\u00fcche konzentriert, w\u00e4hrend er die prim\u00e4ren st\u00e4rkt. Beispiele f\u00fcr solche Positionen finden sich in Haltungen wie \u201eWeder Assad noch die NATO\u201c, \u201eWeder Maduro\/Lukaschenko\/Ortega\/(nennen Sie Ihren Lieblings-Diktator) noch die Opposition\u201c, usw. Abgesehen davon, dass sie die Opfer mit den Henkern verwechseln, ignorieren diejenigen, die auf diese Weise argumentieren, auch die Marginalit\u00e4t ihrer eigenen St\u00e4rke und ihre mangelnde F\u00e4higkeit, ein relevanter Akteur zu werden, um ihr ideales Ziel zu verwirklichen. Auf diese Weise wird ihre Haltung zu einer indirekten Unterst\u00fctzung der systemischen Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Deshalb ist es bei der Analyse der Widerspr\u00fcche das Wichtigste:<\/p>\n<ul>\n<li>den lokalen Kampf in einen globalen Kontext zu stellen, in Bezug auf Prozesse und Akteure weltweit,<\/li>\n<li>unseren Platz in diesen Prozessen zu verstehen und wie wir den Kampf st\u00e4rken k\u00f6nnen und<\/li>\n<li>eine klare Strategie zu haben mit dem Ziel, den Imperialismus zu schw\u00e4chen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Transnationaler Fokus<\/strong><\/p>\n<p>Das imperialistische System bzw. der globale Kapitalismus befindet sich in einer systemischen Krise. Das gegenw\u00e4rtige System der Akkumulation hat die Grenzen des Wachstums erreicht und ist von seinen eigenen Widerspr\u00fcchen bedroht. Die Folge kann entweder Transformation oder Zusammenbruch sein. Was wir nicht wissen ist, ob das Endergebnis ein neues System der Auspl\u00fcnderung oder ein gerechteres System sein wird. Was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass ein besseres System nicht von selbst erscheinen wird. Es muss aufgebaut werden und daf\u00fcr brauchen wir eine Bewegung.<\/p>\n<p>Welche Art von Bewegung wird in der Lage sein, eine neue Welt aufzubauen? Das erste Hindernis, das es zu \u00fcberwinden gilt, ist die Vorstellung, dass der Umfang des Kampfes lokal und national sein muss. Der Imperialismus ist globaler Kapitalismus, er ist ein System, das die ganze Welt umfasst und die Grenzen nicht respektiert. Grenzen sind kein Hindernis f\u00fcr das Kapital, sondern nur f\u00fcr die Menschen. Deshalb muss der Fokus der neuen Bewegung von Anfang an global sein. Die Bewegung muss transnational sein. Der antiimperialistische Kampf kann nicht den Zielen des lokalen Kampfes unterworfen werden, da das \u201eLokale\u201c die direkte Folge der globalen Prozesse ist.<\/p>\n<p>Das zweite Hindernis ist die Identifizierung von Gruppen und Bewegungen mit einem antisystemischen Charakter. Nicht alle, die sich selbst als AntiimperialistInnen bezeichnen, schw\u00e4chen den Imperialismus, genauso wie viele Bewegungen, die sich nicht mit dem Antiimperialismus identifizieren, zur Schw\u00e4chung des imperialistischen Systems beitragen k\u00f6nnen (bewusst oder unbewusst). Deshalb muss die neue Bewegung antisystemisch sein und alle Arten von Bewegungen einschlie\u00dfen, die darauf abzielen, der Logik der Kapitalakkumulation ein Ende zu setzen.<\/p>\n<p><em>Der Text wurde von\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/twitter.com\/lindstromvidar\"><em>Vidar Lindstr\u00f8m<\/em><\/a><em>\u00a0aus dem Englischen \u00fcbersetzt. Erstmalig wurde er auf spanisch von der\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/int.frenteantiimperialista.org\/\"><em>Frente Antiimperialista Internacionalista<\/em><\/a><em>\u00a0(FAI) ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Original:\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/anti-imperialist.net\/2020\/11\/04\/what-is-imperialism\/\"><em>https:\/\/anti-imperialist.net\/2020\/11\/04\/what-is-imperialism\/<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.autonomie-magazin.org\/2021\/03\/was-ist-imperialismus\/\">autonomie-magazin.org&#8230;<\/a> vom 2. April 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Halten wir einen Moment inne und \u00fcberlegen, wie wir die Frage beantworten w\u00fcrden: Was ist Imperialismus? 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