{"id":9550,"date":"2021-04-23T08:59:21","date_gmt":"2021-04-23T06:59:21","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9550"},"modified":"2021-04-23T08:59:22","modified_gmt":"2021-04-23T06:59:22","slug":"usa-arbeitskampf-fuer-solidarischen-lockdown-in-autoindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9550","title":{"rendered":"USA: Arbeitskampf f\u00fcr solidarischen Lockdown in Autoindustrie"},"content":{"rendered":"<p><em>Netzwerk der Aktionskomitees f\u00fcr Sicherheit in Autowerken. <\/em>Die Corona-Infektionen in Michigan sind auf Rekordzahlen gestiegen und breiten sich in den Autowerken rasant aus. Daher fordert das \u201eNetzwerk der Aktionskomitees f\u00fcr Sicherheit in Autowerken\u201c eine<!--more--> vierw\u00f6chige Notstilllegung der Autowerke, um Krankheit und Tod zu verhindern. Au\u00dferdem verlangen die Komitees volle Lohnfortzahlung f\u00fcr alle, die nicht arbeiten k\u00f6nnen, bis die Pandemie einged\u00e4mmt ist.<\/p>\n<p>Besonders schlimm ist die Situation in der Region Detroit. Eine gro\u00dfe Anzahl von F\u00e4llen wird aus den Stellantis-Werken gemeldet: Jefferson North (JNAP), Sterling Heights (SHAP) und Sterling Stamping. Diese riesigen Autofabriken sind weiterhin in Betrieb, w\u00e4hrend die Schulbeh\u00f6rden in Detroit beschlossen haben, den Beginn des Pr\u00e4senzunterrichts aufgrund der hohen Covid-19-Infektionszahlen bis zum 11. Mai zu verschieben.<\/p>\n<p>Die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer von der Demokratischen Partei, hat einen Lockdown abgelehnt und damit den Rat der zust\u00e4ndigen Gesundheitsbeh\u00f6rden und anderer Experten in den Wind geschlagen. Ein Lockdown w\u00e4re die einzige M\u00f6glichkeit, den massiven Anstieg einzud\u00e4mmen, der die Krankenhauskapazit\u00e4ten zu \u00fcberfordern droht. Whitmer l\u00e4sst sich ihre kriminelle Politik von den Autokonzernen und den Reichen diktieren. Zur Rechtfertigung f\u00fchrt sie an, dass die Arbeiter selbst daf\u00fcr verantwortlich seien, sich und ihre Familien zu sch\u00fctzen!<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit der\u00a0<em>World Socialist Web Site\u00a0<\/em>schilderten JNAP-Arbeiter, dass in der Endmontage am Freitag die Tagschicht protestierte und die Produktion gestoppt wurde. Zuvor war ein Arbeiter nach Hause geschickt worden, der positiv auf Covid-19 getestet worden war.<\/p>\n<p>Durch die Arbeitsniederlegung standen die B\u00e4nder still, und die gesamte erste Schicht wurde vorzeitig nach Hause geschickt. So viele Arbeiter sind entweder krank oder stehen unter Quarant\u00e4ne, dass Managementpersonal an das Band geholt wurde, um die Produktion weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Proteste dauerten offenbar bis in den Freitagabend an. Viele Arbeiter meldeten sich krank oder nahmen Urlaub, um eine Infektion zu umgehen.<\/p>\n<p>Das Management hat die ohnehin unzul\u00e4nglichen Sicherheitsregeln, die im letzten Fr\u00fchjahr als Reaktion auf spontane Streiks in den Autowerken eingef\u00fchrt wurden, l\u00e4ngst aufgegeben. Anfang der Woche kam es zu Protesten, nachdem das Management es vers\u00e4umt hatte, zu Schichtbeginn Masken auszugeben.<\/p>\n<p>Ein Arbeiter aus Jefferson sagte uns: \u201eWir wollen, dass verschiedene \u00c4nderungen jetzt stattfinden. Sp\u00e4ter k\u00f6nnte es f\u00fcr einige von uns zu sp\u00e4t sein. Was immer wir also tun m\u00fcssen, ich bin bereit. Sie haben uns in diese Lage gebracht, in der dir die H\u00e4nde gebunden sind. Es ist, als ob du ins Gesicht geschlagen wirst und nichts tun kannst, weil du deinen Job brauchst. Wir m\u00fcssen das \u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p>Unterdessen breitet sich das Coronavirus in den Autowerken in Michigan unkontrolliert aus. Nach Angaben von\u00a0<em>Bloomberg News\u00a0<\/em>arbeiteten am Dienstag fast 10 Prozent der Belegschaft von SHAP, also 630 Arbeiter, aus Covid-19-bedingten Gr\u00fcnden nicht. Die Belegschaft ist nach monatelangen Zwangs\u00fcberstunden an der Belastungsgrenze angelangt. Die Arbeiter berichten, dass sie auch nach direktem Kontakt mit infizierten Personen nicht in Quarant\u00e4ne gehen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Ein SHAP-Arbeiter erkl\u00e4rte: \u201eIch w\u00fcrde sch\u00e4tzen, dass etwa 10 Prozent der Arbeiter hier Covid haben. Einer meiner Kollegen erz\u00e4hlte mir, dass er bei der Arbeit auf erh\u00f6hte Temperatur und Corona getestet wurde und das Ergebnis negativ war. Aber er f\u00fchlte sich nicht wohl. Also ging er zum Betriebsarzt, wo ihm gesagt wurde, dass er kein Problem habe und die Firma ihn nicht nach Hause schicken w\u00fcrde. Er f\u00fchlte sich so krank, dass er auf dem Weg nach Hause im Krankenhaus anhielt und eingeliefert wurde \u2013 er war Covid-positiv.<\/p>\n<p>Hier werden von Stellantis keine Regeln befolgt. Jemand wird positiv getestet, aber niemand, der in der N\u00e4he dieser Person arbeitet, wird getestet oder unter Quarant\u00e4ne gestellt. Niemandem wird gesagt, er solle nach Hause gehen, niemandem in der N\u00e4he dieser Arbeiter, die positiv auf Covid getestet wurden, wird auch nur die M\u00f6glichkeit gegeben, sich und seine Familie zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Es gibt keinen gro\u00dfen Unterschied darin, wie die Pandemie von Pr\u00e4sident Biden im Vergleich zu Trump gehandhabt wird. Wo bleiben die Entscheidungen? \u00dcberall um uns herum sterben Menschen und die Aktienkurse steigen. Es ist nicht zu fassen, was hier l\u00e4uft.\u201c<\/p>\n<p>Arbeiter berichten, dass die Automobilarbeitergewerkschaft UAW Drohungen und Einsch\u00fcchterungen einsetzt, um Arbeiter davon abzuhalten, Erkrankungen zu melden. Dadurch solle \u201ePanik\u201c verhindert werden. Gleichzeitig m\u00fcssen Arbeiter, die positiv auf Covid-19 getestet werden oder in Quarant\u00e4ne sind, hohe b\u00fcrokratische H\u00fcrden \u00fcberwinden, um weiter ihren Lohn zu erhalten. Das f\u00fchrt dazu, dass Arbeiter krank zur Arbeit gehen.<\/p>\n<p>Der Arbeiter aus Jefferson sagte: \u201eNiemand h\u00e4lt sich an die Empfehlungen, um die Sicherheit aller zu gew\u00e4hrleisten. Das Unternehmen m\u00f6chte weiter produzieren, aber auf wessen Kosten? Wo werde ich unter die Erde gebracht? Es ist mir egal, ob die Leute geimpft wurden oder nicht. Jeder muss sich von den anderen fernhalten. Wir haben nicht mal Zeit, unsere Arbeitspl\u00e4tze zu reinigen.<\/p>\n<p>Die UAW sagt uns, wir sollen es niemandem erz\u00e4hlen, wenn wir krank sind! Was soll das? Ich sorge mich um meine Kollegen! Einige kenne ich seit 20 Jahren. Wenn ich krank bin, sollen meine Kollegen das erfahren! Wir m\u00fcssen uns testen lassen!\u201c<\/p>\n<p>Ein anderer Jefferson-Arbeiter beschreibt, wie die Werke zu Infektionsherden werden. \u201eWir sind in Detroit, das ist im Moment ein Covid-Hotspot. Wir kommen also mit vielen Menschen in Kontakt, wenn wir tanken oder einkaufen gehen oder unsere Angeh\u00f6rigen besuchen. Wir sind mit vielen Leuten in Kontakt.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen die Produktion einstellen. Wir m\u00fcssen uns die Zeit nehmen und richtige Sicherheitsregeln ausarbeiten. In Michigan gibt es die meisten F\u00e4lle \u2013 das ist an und f\u00fcr sich schon Grund genug. Aber dann auch noch in einer Fabrik mit anderen Menschen zu sein, mit Kindern zusammen zu sein, die wieder in die Schule gehen, von denen man nicht wei\u00df, wo sie sind und was sie tun \u2013 es ist so einfach, sich anzustecken.\u201c<\/p>\n<p>Die schnelle Ausbreitung der t\u00f6dlichen und ansteckenden B.1.1.7-Variante des Coronavirus in Michigan k\u00fcndigt eine neue Stufe der Pandemie an. Sie wird sich in anderen Gebieten des Landes wiederholen, wenn jetzt keine Sofortma\u00dfnahmen ergriffen werden. Die Biden-Administration und die herrschende Klasse haben gezeigt, dass sie nicht die notwendigen Gesundheitsma\u00dfnahmen ergreifen werden, um die Pandemie zu kontrollieren. Sie sind den Konzernen verpflichtet.<\/p>\n<p>Letzten M\u00e4rz rebellierten die Autoarbeiter gegen die Versuche des Managements und der Gewerkschaften, die Produktion w\u00e4hrend der ersten Welle der Pandemie aufrechtzuerhalten, und f\u00fchrten eine Reihe von spontanen Streiks im ganzen Land durch. Dies erzwang einen zweimonatigen Stillstand der Autoindustrie in ganz Nordamerika und rettete unz\u00e4hlige Leben innerhalb und au\u00dferhalb der Werke.<\/p>\n<p>Heute, wie auch schon vor einem Jahr, kann nur die unabh\u00e4ngige Aktion der Arbeiter Leben retten.<\/p>\n<p>Das Netzwerk der Aktionskomitees f\u00fcr Sicherheit in Autowerken fordert:<\/p>\n<ul>\n<li>Angesichts der gef\u00e4hrlichen Bedingungen mit der unkontrollierten Ausbreitung von Corona m\u00fcssen alle Autowerke f\u00fcr vier Wochen stillgelegt werden bzw. so lange, bis Impfungen verf\u00fcgbar sind und unabh\u00e4ngige Gesundheitsexperten festgestellt haben, dass die Pandemie unter Kontrolle ist.<\/li>\n<li>Alle Besch\u00e4ftigten ohne Arbeit m\u00fcssen w\u00e4hrend der Stilllegung unb\u00fcrokratisch und ohne Verz\u00f6gerungen den vollen Lohn erhalten.<\/li>\n<li>Wir fordern die Bildung und Ausweitung von Sicherheitskomitees, die von der unternehmensfreundlichen Gewerkschaft UAW unabh\u00e4ngig sind. Diese m\u00fcssen den Kampf zur Rettung von Leben organisieren.<\/li>\n<li>Vereinigt die Automobilarbeiter mit Lehrern, Arbeitern bei Amazon, Logistik- und Gesundheitsarbeitern, um einen wissenschaftlich fundierten Ansatz zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie zu fordern, einschlie\u00dflich der Stilllegung von nicht lebensnotwendiger Produktion. Organisiert einen kollektiven Kampf, der dem menschlichen Leben Vorrang vor dem Unternehmensprofit einr\u00e4umt.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>#Bild: Vor dem FCA-Montagewerk in Warren, Michigan, 18. <\/em><em>Mai 2020 (AP Photo\/Paul Sancya)<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2021\/04\/21\/rank-a21.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. April 2021 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Netzwerk der Aktionskomitees f\u00fcr Sicherheit in Autowerken. Die Corona-Infektionen in Michigan sind auf Rekordzahlen gestiegen und breiten sich in den Autowerken rasant aus. 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