{"id":9565,"date":"2021-04-26T08:37:05","date_gmt":"2021-04-26T06:37:05","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9565"},"modified":"2021-04-26T08:37:06","modified_gmt":"2021-04-26T06:37:06","slug":"neokolonialismus-weisse-vorherrschaft-und-die-herausforderung-durch-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9565","title":{"rendered":"Neokolonialismus, wei\u00dfe Vorherrschaft und die Herausforderung durch China"},"content":{"rendered":"<p><em>Franklin Frederick. &#8222;Die europ\u00e4ische Rasse hat vom Himmel empfangen oder durch eigene Anstrengung eine so unbestreitbare \u00dcberlegenheit \u00fcber alle anderen Rassen erlangt, die die gro\u00dfe Menschheitsfamilie bilden, dass der Mensch, der in unserem Land<\/em><!--more--> <em>durch seine Laster und Unwissenheit auf der letzten Sprosse der sozialen Leiter steht, immer noch der erste unter den Wilden ist&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><em>Alexis de Tocqueville (1805-1859)<\/em><\/p>\n<p>Der einflussreiche US-Think Tank &#8222;Atlantic Council&#8220; ver\u00f6ffentlichte Anfang dieses Jahres einen wichtigen Artikel \u00fcber China<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote1_qa5fiyi\">1<\/a>\u00a0mit dem Titel\u00a0<em>The Longer Telegram<\/em>. Dieser Titel ist eine direkte Anspielung auf das gleichnamige Dokument, das der amerikanische Diplomat George Kennan, einer der Hauptarchitekten der US-Au\u00dfenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946 verfasst hat. Kennan vertrat in seinem Text die Ansicht, dass die USA ihre bisherige Allianz mit der UdSSR vollst\u00e4ndig aufgeben und eine aggressive Haltung gegen\u00fcber dem ehemaligen Verb\u00fcndeten einnehmen sollten; er gilt daher als eines der Basisdokumente, die den Kalten Krieg begr\u00fcndeten. Das aktuelle The Longer Telegram des Atlantic Council stellt China in \u00e4hnlicher Weise als &#8222;Feind&#8220; in den Kontext eines neuen Kalten Krieges.<\/p>\n<p>Der Atlantic Council ist eine Organisation, die gro\u00dfe multinationale Unternehmen auf der einen und den Nordatlantikpakt (Nato) auf der anderen Seite zusammenbringt. Personen wie Henry Kissinger geh\u00f6ren dem Vorstand an und zu den Ehrenmitgliedern geh\u00f6ren etwa Ex-Au\u00dfenministerin Condoleezza Rice und der fr\u00fchere Nationale Sicherheitsberater und Au\u00dfenminister General Colin Powell.<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote2_toj946g\">2<\/a>\u00a0Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass die vom Atlantic Council vertretenen Ansichten dem Konsens der imperialistischen Weltelite entsprechen und dass China f\u00fcr diese Elite tats\u00e4chlich eine \u201aBedrohung darstellt. Dass der Atlantic Council in seinem Dokument zu China auf George Kennan Bezug nimmt, ist aufschlussreich. 1948 definierte George Kennan die Position und Interessen der USA folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben etwa 50 Prozent des Reichtums der Welt, aber nur 6,3 Prozent der Bev\u00f6lkerung&#8230;. In dieser Situation k\u00f6nnen wir nicht umhin, das Objekt von Neid und Missgunst zu sein. Unsere eigentliche Aufgabe in der kommenden Periode ist es, ein Beziehungsgeflecht zu entwerfen, das uns in die Lage versetzt, diese Position der Ungleichheit aufrechtzuerhalten\u2026 Wir brauchen uns nicht vorzumachen, dass wir uns heute den Luxus von Altruismus und Weltbegl\u00fcckung leisten k\u00f6nnen\u2026 Wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren, von vagen\u2026 und unrealistischen Zielen wie Menschenrechten, steigendem Lebensstandard und Demokratisierung zu sprechen. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem wir mit klaren Machtkonzepten agieren m\u00fcssen. Je weniger wir dann durch idealistische Parolen eingeschr\u00e4nkt sind, desto besser.&#8220;<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote3_siae5uz\">3<\/a><\/p>\n<p>Um &#8222;diese Position der Ungleichheit aufrechtzuerhalten&#8220; (wie Kennan schrieb ) betrieben die USA und ihre westlichen Verb\u00fcndeten eine aggressive neokoloniale Politik, um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung anderer Nationen zu behindern und sie als subalterne Lieferanten von Rohstoffen und billigen Arbeitskr\u00e4ften zu halten. Chinas unverzeihliches &#8218;Verbrechen&#8216; in den Augen des Westens war, dass es sein &#8218;offenkundiges Schicksal&#8216; \u00fcberwunden hat, nur eine weitere Kolonie zu sein.<\/p>\n<p>Der ber\u00fcchtigte Opiumkrieg im 19. Jahrhundert \u00f6ffnete China f\u00fcr die Ausbeutung durch den Westen. Einer der anerkanntesten Vertreter des westlichen liberalen Denkens im 19. Jahrhundert, John Stuart Mill, war ein Verfechter dieses Krieges. Ein anderer wichtiger Vertreter des Liberalismus, Alexis de Tocqueville, bezog sich so auf China:<\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr mich w\u00e4re es untr\u00f6stlich, wenn ich, bevor ich sterbe, nicht sehe, dass China sich endlich \u00f6ffnet und das Auge Europas mit seinen Waffen eindringt.&#8220;<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote4_ygeng1p\">4<\/a><\/p>\n<p>Laut Noam Chomsky hatte der Opiumkrieg folgenden Effekt:<\/p>\n<p>&#8222;Gro\u00dfbritannien baute das umfangreichste Drogenhandelsunternehmen der Welt auf; so etwas hat es noch nie gegeben. Sie waren nicht nur in der Lage, zum ersten Mal nach China einzudringen, sondern die Opiumgewinne unterst\u00fctzten auch das\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Britisch-Indien\">Raj,<\/a>\u00a0die Kosten der britischen Marine und sie steuerten sehr bedeutendes Kapital bei, das die industrielle Revolution in England vorantrieb.&#8220;<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote5_cd3sewz\">5<\/a><\/p>\n<p>Von diesem Sieg im Opiumkrieg an galt China als Kolonie \u2013 und nicht nur des Westens. Der japanische Imperialismus begann ab 1931 mit Exkursionen auf chinesischem Gebiet mit dem Ziel, sich die immensen Naturreicht\u00fcmer dieses Landes anzueignen und 1937 begann Japan mit \u00e4u\u00dferster Gewalt den Krieg gegen China. Die Zivilbev\u00f6lkerung war grenzenloser Grausamkeit seitens der japanischen Armee ausgesetzt. Massenvergewaltigungen und Morde waren g\u00e4ngige Praxis, wie im traurig-ber\u00fchmten Fall der Stadt Nanking.<\/p>\n<p>F\u00fcr China begann der Zweite Weltkrieg im Jahr 1937 und es wird gesch\u00e4tzt, dass das Land in diesem Krieg zwischen zehn und 20 Millionen Menschen verloren hat. F\u00fcr die Alliierten bedeutete die Niederlage und Eingliederung Japans in die Umlaufbahn des westlichen Kapitalismus, dass China eine Rohstofflieferanten-Kolonie bleiben w\u00fcrde, die zur Unterentwicklung verdammt war. Am Ende des Krieges wurden von Japan keine Reparationen an China gezahlt, wie sie Deutschland an die Alliierten zahlen musste. Es gab auch keinen Marshall-Plan f\u00fcr China, um bei der wirtschaftlichen Erholung nach den Zerst\u00f6rungen des Krieges zu helfen. Was es in China gab, war die Chinesische Revolution.<\/p>\n<p>Es ist ein Gemeinplatz, die wirtschaftliche Erholung Deutschlands nach dem Krieg als &#8222;deutsches Wunder&#8220; zu bezeichnen. Aber nichts ist vergleichbar mit dem Wiederaufbau Chinas.<\/p>\n<p>Mit einer industriellen Basis, die viel kleiner war als von Nachkriegsdeutschland und die zudem viel gr\u00f6\u00dfere Zerst\u00f6rungen erlitten hatte, au\u00dferdem ohne jegliche Unterst\u00fctzung wie die der USA f\u00fcr Deutschland, sowie mit einem B\u00fcrgerkrieg konfrontiert, der bis zum Sieg der Revolution 1949 andauerte, schaffte es China allen Widerst\u00e4nden zum Trotz in einem Zeitraum von 72 Jahren (von 1949 bis 2021) nicht nur, seinem &#8218;offenkundiges Schicksal&#8216; als Kolonie zu entkommen, sondern es verwandelte sich faktisch in die gr\u00f6\u00dfte Macht der Welt. Dank China hat bereits eine stille Revolution von unvorstellbarem Ausma\u00df stattgefunden: Das wirtschaftliche Gravitationszentrum des Planeten hat sich nach mehr als 500 Jahren Dominanz der atlantischen Achse wieder nach Asien verschoben. Mehr noch, China stellt auch eine der Grundannahmen der westlichen Zivilisation in Frage: die wei\u00dfe Vorherrschaft.<\/p>\n<p>Das Tocqueville-Zitat zu Beginn dieses Textes offenbart die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der ein renommierter Vertreter der europ\u00e4ischen Zivilisation \u00fcber die eigene &#8222;angeborene&#8220; \u00dcberlegenheit, die Grundlage der wei\u00dfen Vorherrschaft reflektiert. Es war diese &#8222;\u00dcberlegenheit&#8220;, die einerseits die Sklaverei und andererseits die koloniale Ausbeutung rechtfertigte, ohne die sich der Kapitalismus nicht entwickelt h\u00e4tte. Die wei\u00dfe Vorherrschaft ist untrennbar mit dem Kapitalismus verbunden.<\/p>\n<p>Friedrich Hayek, der ber\u00fchmte und angesehene \u00d6konom, der so viel zur Etablierung der derzeit dominierenden Auspr\u00e4gung des Kapitalismus im Westen \u2013 des Neoliberalismus \u2013 beigetragen hat, gibt die enge Verbindung seines Denkens mit Rassismus und wei\u00dfer Vorherrschaft offen zu. Als Hayek 1946 das Gr\u00fcndungstreffen der Mont-P\u00e9lerin-Gesellschaft in der Schweiz plante \u2013 der erste neoliberale Think Tank und Vorbild f\u00fcr alle sp\u00e4teren, wie den Atlantic Council und das ebenfalls sehr einflussreiche Atlas Network \u2013 schickte er einen Rundbrief an alle, die er zu dem Treffen in der Schweiz einladen wollte. Darin skizzierte er seine \u00dcberlegungen zu den Zielen des vorgeschlagenen Treffens und schrieb:<\/p>\n<p>&#8222;Zwar ist die Philosophie der Freiheit, die die Basis f\u00fcr eine solche gemeinsame Anstrengung bilden m\u00fcsste, nicht leicht in ein paar S\u00e4tzen zu definieren, doch fand ich den Vorschlag weithin akzeptabel, dass die Ideale, die den Werken von Lord Acton und Alexis de Tocqueville zugrunde liegen, als vereinbartes Fundament dienen k\u00f6nnten, von der eine solche gemeinsame Anstrengung ausgehen k\u00f6nnte.&#8220;<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote6_mk981h6\">6<\/a><\/p>\n<p>Die vorangegangenen Zitate von Tocqueville zeigen seine Identifikation mit der wei\u00dfen Vorherrschaft. Was Lord Acton (1834 &#8211; 1902) betrifft, der andere von Hayek zitierte Autor, der als &#8222;vereinbarte Grundlage&#8220; dienen kann, so war er einer der einflussreichsten Politiker im England seiner Zeit. \u00dcber ihn gen\u00fcgt es zu sagen, dass er w\u00e4hrend des US-B\u00fcrgerkriegs die Sklavenhalter in den S\u00fcdstaaten unterst\u00fctzte und ihre Niederlage zutiefst bedauerte. Tocqueville und Lord Acton, Sklaverei und wei\u00dfe Vorherrschaft, bilden also die &#8222;breit akzeptierte&#8220; Basis des Neoliberalismus von Friedrich Hayek.<\/p>\n<p>Nach dem B\u00fcrgerkrieg wurden Chinesen in die USA importiert, um als sklaven\u00e4hnliche Arbeiter im Eisenbahnbau und anderen Jobs zu dienen, die zuvor von Schwarzen Sklaven verrichtet worden waren \u2013 und sie wurden von den Verfechtern der wei\u00dfen Vorherrschaft in den USA gleicherma\u00dfen verachtet und unterdr\u00fcckt. Dass ein Volk und ein Land, das von wei\u00dfen Rassisten als `minderwertig` angesehen wurde, heute zu ihrem gr\u00f6\u00dften Rivalen geworden ist, kann die imperiale Elite, die sich zutiefst mit der vermeintlichen rassischen, kulturellen und wirtschaftlichen `\u00dcberlegenheit` des Westens identifiziert, nicht leicht akzeptieren.<\/p>\n<p>Schlimmer noch: China hat nicht nur den Status als Kolonie verlassen, sondern hilft anderen Nationen in ihrem Kampf gegen den imperialen Neokolonialismus, wie in Lateinamerika. In einem Artikel zu diesem Thema\u00a0<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote7_tdbdlch\">7<\/a>, berichtet Yanis Iqbal:<\/p>\n<p>&#8222;China ist in Lateinamerika auf dem Vormarsch und fordert damit implizit die unipolare Hegemonie des US-Imperiums und seine Monroe-Doktrin heraus. In den sp\u00e4ten 1990er-Jahren betrug der Gesamthandel (Importe und Exporte) zwischen China und Lateinamerika etwa f\u00fcnf bis acht Millarden US-Dollar pro Jahr. Der bilaterale Handel wuchs seit der Jahrtausendwende enorm an und erreichte 2014 \u00fcber 255 Milliarden Dollar. Zwischen 1999 und 2014 stiegen die chinesischen Importe aus Lateinamerika um mehr als das Vierzigfache und die Exporte in die Region um mehr als das F\u00fcnfundzwanzigfache.&#8220;<\/p>\n<p>Und zu Chinas wichtiger Unterst\u00fctzung f\u00fcr progressive Regierungen in Lateinamerika f\u00fcgt er hinzu:<\/p>\n<p>&#8222;Linke Regierungen in Lateinamerika haben den Ausbau der Beziehungen zu China als eine M\u00f6glichkeit gesehen, ihren politischen Spielraum zu erweitern: Es macht sie weniger anf\u00e4llig f\u00fcr die Bedingungen des\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Washington_Consensus\">Washington Consensus<\/a>\u00a0und erm\u00f6glicht ihnen, frei von \u00e4u\u00dferem Druck eine alternative Sozialpolitik zu verfolgen. Um ein Beispiel zu nennen: Als die Nationalversammlung in Ecuador 2010 ein Gesetz verabschiedete, das die Neuverhandlung von Vertr\u00e4gen mit transnationalen Unternehmen der \u00d6lindustrie verlangte, zeigten sich chinesische Unternehmen eher bereit als westliche, die neuen Handelsbedingungen zu akzeptieren.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;In Bolivien fand ein Joint Venture zwischen dem chinesischen Unternehmen Jungie Mining und der Bergbaukooperative Alto Canutillos bei Konsultationen heraus, dass die \u00f6rtliche Gemeinde in Tacobamba gegen die Er\u00f6ffnung einer Zinnverarbeitungsanlage in der N\u00e4he der Mine war, und die Firma stimmte zu, den Standort der Anlage an einen 25 Meilen entfernten Ort zu verlegen und vermied so einen Konflikt. Diese Art der kooperativen Haltung respektiert die soziale Basis der sozialistischen Organisationen und tr\u00e4gt zu deren politischer Konsolidierung bei.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;In Venezuela nutzte die chavistische Regierung chinesische Kredite, um ihre Sozialprogramme zu finanzieren, was nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, wenn sie die Mittel auf den internationalen Kapitalm\u00e4rkten h\u00e4tte aufnehmen m\u00fcssen. In einer Situation, in der die imperialistische Kriegstreiberei der US-Regierung und die Missbilligung der sozialistischen Politik Venezuelas durch die Finanzm\u00e4rkte zu einem sehr niedrigen Rating im internationalen Kreditsystem f\u00fchrten, war der Kredit aus China eine gute M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Regierung, ihr Wirtschaftsprogramm zu finanzieren.&#8220;<\/p>\n<p>Der imperiale Neokolonialismus hat auch einen Vorschlag f\u00fcr Lateinamerika, was der Atlantic Council selbst durch seine nach eigenen Angaben &#8222;global anerkannteste&#8220; Initiative, den &#8218;Global Citizen Award&#8216; offenbart. Es handelt sich um eine Auszeichnung, die j\u00e4hrlich &#8222;an Personen verliehen wird, die herausragende Beitr\u00e4ge zur St\u00e4rkung der transatlantischen Beziehungen geleistet haben&#8220;.<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote8_fx755ah\">8<\/a><\/p>\n<p>Im Jahr 2018 war Mauricio Macri, der damalige Pr\u00e4sident Argentiniens, einer der Auserw\u00e4hlten, die diese prestigetr\u00e4chtige Auszeichnung erhielten.<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote9_a2xd6pw\">9<\/a>\u00a0Auf seiner Website gab der Atlantic Council bekannt, dass er &#8222;dem argentinischen Pr\u00e4sidenten Mauricio Macri den Preis f\u00fcr seine unerm\u00fcdlichen Bem\u00fchungen verlieh, Argentiniens Rolle als wichtiger Global Player zu erneuern. Der Preis wurde Pr\u00e4sident Macri auch f\u00fcr sein Engagement verliehen, Argentinien auf einen nachhaltigen Weg zu bringen und damit das Versprechen einer wohlhabenden Zukunft f\u00fcr das argentinische Volk einzul\u00f6sen&#8220;.<\/p>\n<p>Und weiter der Atlantic Council:<\/p>\n<p>&#8222;Als Mauricio Macri 2015 sein Amt antrat, \u00fcbernahm er ein Erbe von Misswirtschaft und riesigen Haushaltsdefiziten, Argentinien stand vor tiefen strukturellen Problemen. In fast drei Jahren als Pr\u00e4sident hat er Argentinien wieder zu einer wichtigen regionalen und globalen F\u00fchrungsrolle verholfen, indem er die Glaubw\u00fcrdigkeit durch ein transparentes neues Statistikamt und die erneute \u00d6ffnung f\u00fcr die internationalen Finanzm\u00e4rkte wiederhergestellt hat.&#8220;<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t von Macris Regierung ist jedoch ganz anders als diese vom Atlantic Council pr\u00e4sentierte Vision. Die Auslandsverschuldung Argentiniens lag am Ende der Regierung von Christina Kirchner bei 25,7 Prozent des BIP oder rund 170 Milliarden Dollar.<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china#footnote10_0clmnjj\">10<\/a>\u00a0Am Ende der Regierung Macri betrug die Verschuldung 63,7 Prozent des BIP, rund 285 Milliarden. Der Atlantic Council selbst anerkennt, dass sich die Situation in Argentinien verschlechtert hat, und stellt im gleichen Text \u00fcber die Vergabe an Macri fest: &#8222;Am 26. September stimmte der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) zu, seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr Argentinien auf 57,1 Milliarden Dollar zu erh\u00f6hen, das gr\u00f6\u00dfte Darlehen in der Geschichte des Fonds, das \u00fcber drei Jahre ausgezahlt werden soll.&#8220;<\/p>\n<p>Warum sollte Argentinien den &#8222;gr\u00f6\u00dften Kredit in der Geschichte des Fonds&#8220; brauchen, wenn alles so gut l\u00e4uft? Ein solcher Kredit wurde w\u00e4hrend der Regierung von Christina Kirchner nicht ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat die Armut in Argentinien unter der Regierung Macri exponentiell zugenommen \u2013 und genau daf\u00fcr wurde er mit dem Global Citizen Award des Atlantic Council &#8218;ausgezeichnet&#8216;. Macri versetzte Argentinien in den Zustand einer Kolonie zur\u00fcck, indem er das Land wieder in die imperiale Sph\u00e4re und unter die Kontrolle des IWF stellte und die fortschrittlichen Errungenschaften der vorherigen Kirchner-Regierungen zerst\u00f6rte.<\/p>\n<p>Der Fall Argentinien ist nicht der einzige. In Bolivien und Brasilien, beides L\u00e4nder, in denen die Staatsstreiche mit ausdr\u00fccklicher Unterst\u00fctzung des Imperiums und seiner Think Tanks Atlantic Council und Atlas Network stattfanden, bestand das Hauptziel ebenfalls darin, die erreichten sozialen und wirtschaftlichen Fortschritte zu stoppen \u2013 und wenn m\u00f6glich umzukehren.<\/p>\n<p>Die Jahre der Regierung von Evo Morales in Bolivien haben dem Land unbestreitbare Fortschritte gebracht. Es gen\u00fcgt zu sagen, dass das BIP Boliviens im Jahr 2005 bei 9,57 Milliarden Dollar lag und im Jahr 2013 bei 30,66 Milliarden Dollar. Die extreme Armut, die 2006 noch 38 Prozent der Bev\u00f6lkerung betraf , ist auf 16 Prozent im Jahr 2018 gesunken.<\/p>\n<p>Die Putschregierung von Jeanine \u00c1\u00f1ez versuchte, alle vorangegangenen Errungenschaften r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und scheiterte nur, weil sie dank des Widerstands des bolivianischen Volkes nur von kurzer Dauer und ihre Wahlniederlage gegen den neuen Pr\u00e4sidenten Luis Arce von der Bewegung zum Sozialismus (MAS) verheerend war; ein weiterer Beweis daf\u00fcr, dass die von der Putschregierung durchgef\u00fchrte Politik nur den Interessen der Elite und des Imperiums diente und nicht der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in Bolivien.<\/p>\n<p>Im Brasilien von Jair Bolsonaro k\u00f6nnte die Situation nicht schlechter sein: Brasilien war w\u00e4hrend der Regierungszeit von Pr\u00e4sidentin Dilma Rousseff die sechstgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt. Heute ist Brasilien bereits auf den zw\u00f6lften Platz gefallen. Es ist ein viel, viel \u00e4rmeres Land als zuvor. Genau das, was dem neokolonialen imperialen Projekt entspricht, wie es vom Atlantic Council vertreten wird.<\/p>\n<p>Und es ist kein Zufall, dass sowohl die Anh\u00e4nger von Janine \u00c1\u00f1ez als auch von Jair Bolsonaro zahlreiche rassistische Angriffe auf Indigene und Schwarze ver\u00fcbt und damit \u00f6ffentlich ihre &#8218;Solidarit\u00e4t&#8216; mit der Ideologie der wei\u00dfen Vorherrschaft der imperialen Metropole ausgedr\u00fcckt haben.<\/p>\n<p>Der chilenische Pr\u00e4sident Sebastian Pi\u00f1era erhielt 2019 ebenfalls den &#8218;Global Citizen Award&#8216; des Atlantic Council \u2013 und nicht zuf\u00e4llig sieht er sich immer wieder mit Protesten auf der Stra\u00dfe gegen seine Regierung konfrontiert: Die Chilenen wollen keine Kolonie bleiben. Die Auszeichnungen des Atlantic Council f\u00fcr Macri und Pi\u00f1era zeigen, dass die Regierungen, die dem internationalen Kapital \u2013 und damit dem Imperialismus \u2013 am untert\u00e4nigsten sind, die meiste Unterst\u00fctzung und internationale &#8222;Anerkennung&#8220; durch neoliberale Think Tanks und ihr neokoloniales Projekt erhalten.<\/p>\n<p>Kuba, eine weitere Nation, die durch ihre Revolution dem kolonialen Schicksal entkam, wird seit Jahrzehnten mit Sanktionen und Blockaden bestraft. Die Entwicklung Kubas zu stoppen, war eine Priorit\u00e4t f\u00fcr das Imperium. Aber China ist auch ein wichtiger Partner und Investor in Kuba. Und die chinesische Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Entwicklung kubanischer Impfstoffe gegen Covid-19 hat die lukrative westliche Pharmaindustrie in Panik versetzt, da Impfstoffe aus China und Kuba in L\u00e4ndern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens zu viel niedrigeren Preisen angeboten werden.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Ironie ist, dass es der Kommunistischen Partei Chinas durch ihre massiven Investitionen in die Infrastruktur, vor allem im Rahmen der Belt and Road Initiative, gelingt, in Asien das zu erreichen, was die aufgekl\u00e4rte Bourgeoisie der USA in den drei\u00dfiger Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem &#8218;New Deal&#8216; in ihrem eigenen Land zu erreichen versuchte.<\/p>\n<p>Der Regierung von Franklin D. Roosevelt gelang es jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt, diese Wirtschaftspolitik umzusetzen, weil die autorit\u00e4rsten und reaktion\u00e4rsten Sektoren des US-amerikanischen Kapitalismus enormen Widerstand leisteten und sogar einen Staatsstreich planten, um den Pr\u00e4sidenten zu st\u00fcrzen. Dennoch bildete der &#8218;New Deal&#8216; die Grundlage f\u00fcr die Entwicklung der US-Wirtschaft w\u00e4hrend ihrer gr\u00f6\u00dften Expansions- und Wachstumsphase im 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Aber es sind genau die r\u00fcckschrittlichen Kr\u00e4fte des Kapitalismus \u2013 organisiert als neoliberale Ordnung \u2013 die damals den &#8218;New Deal&#8216; in den USA erbittert bek\u00e4mpften, die heute den Westen dominieren und versuchen, dem Rest der Welt den Neokolonialismus aufzuzwingen.<\/p>\n<p>Das Imperium und die wei\u00dfe Vorherrschaft sind im Krieg gegen die Entwicklung, gegen die Emanzipation von Nationen, gegen die kulturelle, soziale und wirtschaftliche Vielfalt. Aber wie China, Russland, Bolivien, Argentinien, Ecuador, Kuba und Venezuela gezeigt haben, sind auch andere Wege m\u00f6glich. Und die verschiedenen V\u00f6lker der Welt in ihren vielen Farben, Geschlechtern und Lebensweisen, sind zunehmend solidarisch vereint im Aufbau einer menschlicheren Zukunft.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/249565\/neokolonialismus-herausforderung-china\"><em>amerika21.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. April 2021 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Franklin Frederick. &#8222;Die europ\u00e4ische Rasse hat vom Himmel empfangen oder durch eigene Anstrengung eine so unbestreitbare \u00dcberlegenheit \u00fcber alle anderen Rassen erlangt, die die gro\u00dfe Menschheitsfamilie bilden, dass der Mensch, der in unserem Land<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9566,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7,3],"tags":[8,50,18,45,22,37,46],"class_list":["post-9565","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","category-schweiz","tag-altersvorsorge","tag-china","tag-imperialismus","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie","tag-service-public","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9565"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9565\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9567,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9565\/revisions\/9567"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9566"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}