{"id":958,"date":"2016-02-01T09:56:04","date_gmt":"2016-02-01T07:56:04","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=958"},"modified":"2016-10-13T11:52:36","modified_gmt":"2016-10-13T09:52:36","slug":"antirassismus-und-antifaschismus-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=958","title":{"rendered":"Antirassismus und Antifaschismus in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wir ver\u00f6ffentlichen hier den Vortrag von Wladek Flakin von der Revolution\u00e4ren Internationalistischen Organisation (RIO) \u00fcber Antirassismus und Antifaschismus, der auf dem <a href=\"http:\/\/klassegegenklasse.org\/ueber-200-menschen-bei-das-andere-davos-in-zuerich\/\">Veranstaltungswochenende \u201eDas andere Davos\u201c<\/a> in Z\u00fcrich gehalten wurde.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>In der Schweiz spielt sich der Aufstieg der rechtsnationalen Kr\u00e4fte noch in der Verschleierung einer b\u00fcrgerlichen Massenpartei \u2013 der Schweizerischen Volkspartei (SVP) \u2013 ab. Sie hatte schon in den 1980-er Jahren keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit sehr weit rechts agierenden Formationen, die sie zu einem grossen Teil in sich aufnahm, etwa die Republikaner und die Autopartei und grosse Teile der damaligen Nationalen Aktion. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Heute, in einer Zeit wo der offene und zunehmend militante Rassismus europaweit wieder zu einem Vehikel des Aufbaus von Massenparteien wird, sind auch dreiste Griffe nach eindeutigen Referenzen kein Tabu: So hat der SVP Nationalrat mit dem h\u00f6chsten Stimmenanteil im Kanton Z\u00fcrich, Roger K\u00f6ppel, k\u00fcrzlich in seiner Zeitung, der Weltwoche, das Genie von Herman G\u00f6ring hervorgestrichen, dem Hauptverantwortlichen f\u00fcr die Shoa und die Massenschl\u00e4chterei an der russischen und ukrainischen Bev\u00f6lkerung an der deutschen Ostfront. Er marschierte kurz nach dieser braunen Offenbarung mit dem milliardenschweren Chefideologen der Partei, Christoph Blocher, an der traditionellen Jahrestagung der Partei, der Albisg\u00fcetlitagung, in den Festsaal ein. Unter allgemeinem Applaus.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der SVP gelang es \u00fcber die vergangenen 25 bis 30 Jahre, um das Thema des Rassismus und einer verlogenen radikaldemokratischen Geste herum eine Massenbasis aufzubauen, die geschickt genutzt werden kann in einer forschen Durchsetzung einer harten Austerit\u00e4tspolitik. Die SVP hat, im Gegensatz etwa zum Front National in Frankreich, der Lega in Italien oder der AfD in Deutschland kein Sozialprogramm. Diese Kombination macht sie zusammen mit einem forschen\u00a0Zugriff auf die anti-kommunistischen und\u00a0autorit\u00e4ren Ressentiments in der breiten Bev\u00f6lkerung\u00a0zu einem famosen Instrument der Schweizer Grossbourgeoisie, um den Umbau der Gesellschaft in ihrem Sinne politisch breit abzust\u00fctzen. [Redaktion <em>maulwuerfe.ch<\/em>]<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/strong><\/p>\n<p><em>Wladek Flakin. <\/em>Jeden Tag steht man auf und jeden Tag ist es schlimmer als am Vortag. Jeden Tag brennen Unterk\u00fcnfte von Gefl\u00fcchteten \u2013 im Jahr 2015 gab es rund 800 solche Angriffe.<\/p>\n<p>Wir erleben eine Erosion der sozialen Basis der traditionellen Rechten in der Bundesrepublik. Fr\u00fcher hatten diese Leute Parteien und Zeitungen, denen sie vertrauen konnten. Jetzt rechnen sie die CDU zum \u201elinken Einheitsbrei\u201c. Jetzt geh\u00f6rt der Springer-Verlag mit ihrer BILD-Zeitung zur \u201eL\u00fcgenpresse\u201c.<\/p>\n<p>Springer hat ein Monster geschaffen, das nicht mehr auf ihn h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Fast 70 Jahre lang funktionierte das bundesrepublikanische Regime nach dem Motto von Franz-Josef Strau\u00df: Rechts von der CSU darf es keine Partei geben. Die Union war sehr erfolgreich darin, die rechtesten Spinner*innen einzubinden. Das ist auch ein Grund, warum es bei uns \u2013 im Gegensatz zu \u00d6sterreich oder zur Deutschschweiz \u2013 so lange keine rechtspopulistische Partei gab. Dieses Milieu war zufrieden in der Union. Doch genau diese Einbindung wackelt. Deswegen blicken viele Spitzenfunktion\u00e4r*innen der neuen rechten Bewegungen in Deutschland auf jahrzehntelange Karrieren in der CDU und der FDP zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Frage, die in der Luft h\u00e4ngt, lautet:<\/p>\n<p><strong>Entsteht eine neue faschistische Bewegung in Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Jeden Tag werden Gefl\u00fcchtete angegriffen. Bei den Pegida-Aufm\u00e4rschen in Dresden, Leipzig und anderen St\u00e4dten werden vermeintliche Gegner*innen zusammengeschlagen. Also wir brauchen uns nicht vor \u00dcbertreibungen zu f\u00fcrchten, wenn wir \u00fcber Faschismus reden.<\/p>\n<p>Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Was ist Faschismus \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde die These aufstellen, den Faschismus k\u00f6nnen wir nicht anhand programmatischer Kriterien definieren. Klar, Nazis sind immer nationalistisch, immer rassistisch \u2013 aber das ist die CSU in Bayern auch.<\/p>\n<p>F\u00fcr Nazis ist das Programm fast nebens\u00e4chlich. Sie fordern einfach das, was der Mob will. Pegida will zum Beispiel, das \u201edas Volk\u201c herrscht \u2013 was soll das denn hei\u00dfen? Hitler hat den Arbeiter*innen versprochen, dass er das Kapital enteignet, und dem Kapital versprochen, dass er die Arbeiter*innen unterdr\u00fcckt. Dieser Widerspruch interessiert seine Basis nicht.<\/p>\n<p>Der Nationalsozialismus sei keine Bewegung, die sich auf Ideen st\u00fctzt, hie\u00df es von einem NSDAP-Funktion\u00e4r.<\/p>\n<p>Also was unterscheidet einen Rechtspopulisten vom einem Faschisten? Auch der Rechtspopulist m\u00f6chte, dass \u201efremde\u201c Menschen ermordet werden. Aber in seinen Augen ist der b\u00fcrgerliche Staat f\u00fcr das Morden zust\u00e4ndig. Ein Faschist dagegen nimmt das Morden in die eigenen H\u00e4nde.<\/p>\n<p>Dieser \u00dcbergang zur \u201edirekten Aktion\u201c seitens der \u201ewild gewordenen Kleinb\u00fcrger*innen\u201c (Lenin) ist also ein wichtiges Element f\u00fcr die Entstehung einer faschistischen Bewegung. Der niedrige Finanzbeamte, der sich spontan entschlie\u00dft, das Nachbarhaus anzuz\u00fcnden, weil er die Gefl\u00fcchteten da drin nicht mag.<\/p>\n<p>Es gibt hunderte solche Taten von \u201eWutb\u00fcrger*innen\u201c, oder um mit einer klaren wissenschaftlichen Sprache zu sprechen, von kleinb\u00fcrgerlichen Schichten, die vom Ruin bedroht sind (oder sich so f\u00fchlen). \u201eFaschismus ist keine Meinung, sondern eine kleinb\u00fcrgerliche Massenbewegung im Interesse des Gro\u00dfkapitals\u201c, so kann also eine kurze Definition lauten.<\/p>\n<p>Wenn sich diese Einzelt\u00e4ter zusammenschlie\u00dfen und sich auf einen \u201eF\u00fchrer\u201c einigen k\u00f6nnen, dann haben wir es mit Faschismus zu tun. Aber noch ist die Situation so: \u201eViele F\u00fchrerlein k\u00e4mpfen um den Mob\u201c, wie Tobi Hansen vor kurzem sagte.<\/p>\n<p>Vor zwei Wochen haben \u00fcber 200 organisierte Nazis eine Stra\u00dfe in der linken Bastion Leipzig-Connewitz verw\u00fcstet. Ein b\u00fcrgerlicher Historiker behauptete, das sei der schlimmste rechte Stra\u00dfenterror seit 1938. Ein Kolumnist in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt: \u201eRund um Pegida und AfD hat sich der Nukleus einer B\u00fcrgerkriegspartei gebildet.\u201c Das stimmt nicht ganz. Und dennoch gibt es eine neue Qualit\u00e4t rechter Gewalt.<\/p>\n<p>Das geschieht alles nicht in einem luftleeren Raum. Der Fall \u201eNSU\u201c, eine rechte Terrorgruppe, die zehn Jahre lang morden konnte, machte deutlich, wie eng die deutschen Geheimdienste mit Nazis verflochten sind. Ich kann auf dieser Stelle nicht angemessen darauf eingehen. Von daher nur ein Beispiel: Der ehemalige Chef des sogenannten Verfassungsschutzes in Th\u00fcringen, der die Nazigruppe finanzierte, in der sich die sp\u00e4teren NSU-Mitglieder politisierte, entpuppte sich in einem Interview mit einem rechtsradikalen Internetfernsehsender als ein Pegida-Anh\u00e4nger. Und der aktuelle Chef des Verfassungsschutzes in Sachsen kann \u00fcberraschenderweise bei Pegida keinen rechtsextremen Hintergrund erkennen. Stattdessen stuft die gleiche Beh\u00f6rde die Gewerkschaft ver.di als linksextrem ein.<\/p>\n<p>Wie auch immer. Leider werden wir erst nach der Revolution erfahren, wie tief die Verstrickung der Geheimdienste mit diesen Kr\u00e4ften wirklich sind.<\/p>\n<p><strong>Die Entwicklung der AfD<\/strong><\/p>\n<p>Jetzt kommen wir zur AfD, der \u201eAlternative f\u00fcr Deutschland\u201c.<\/p>\n<p>Gegr\u00fcndet wurde diese Partei vom ekelerregendsten Abschaum der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft: Den Wirtschaftsprofessor*innen. Also von jenen Priestern des Neoliberalismus, die sich auch noch als Wissenschaftler*innen feiern lassen.<\/p>\n<p>Ihre Hypothese war, dass ein Teil der Bourgeoisie unzufrieden mit der Euro-Politik von Merkel war. M\u00f6glicherweise war das Gro\u00dfkapital f\u00fcr eine kurze Zeit verunsichert. Aber bald entschied man sich, dass die Gesch\u00e4fte fabelhaft liefen. So blieb der AfD nur diese \u201ewildgewordene Kleinb\u00fcrger*innen\u201c als soziale Basis \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Wirtschaftsprofessor Bernd L\u00fccke und ehemaliger Kapitalistenverbandspr\u00e4sident Olaf Henkel wurden vor einem Jahr zusammen mit anderen \u201emoderaten\u201c Kr\u00e4ften aus der AfD rausgedr\u00e4ngt. Sie sagen jetzt, aus ihrer AfD sei eine \u201eNPD Light\u201c geworden. Ich werde ihnen an dieser Stelle nicht widersprechen.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die Spitze, auch der gesamte Auftritt ver\u00e4nderte sich: Vor den Bundestagswahlen im September 2013 war ich zum Beispiel bei einer zentralen Wahlkampfveranstaltung der AfD am Brandenburger Tor in Berlin. Da waren h\u00f6chstens ein paar hundert Leute. Die Spa\u00dfpartei DIE PARTEI konnte sich direkt davor stellen mit Schildern: \u201eJede Wahrheit braucht einen Trottel, der sie ausspricht.\u201c Niemand machte sich da Sorgen.<\/p>\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter, im November letzten Jahres, demonstrierte die AfD im gleichen Viertel. Diesmal waren es 5.000 Menschen, umgeben von Bullen, die gegen\u00fcber Linken und Journalist*innen sehr aggressiv auftraten. Ein klassischer rechtsextremer Aufmarsch.<\/p>\n<p>Mit ihrer neuen F\u00fchrung befindet sich die AfD jedoch weiter im typischen Dilemma jeder rechtsradikalen Partei in Deutschland nach \u201945. Man muss sich vom Nationalsozialismus distanzieren, um im \u00f6ffentlichen Diskurs Geh\u00f6r zu finden. Selbst die originelle Nazipartei nach \u201945, die Sozialistische Reichspartei (SRP), grenzte sich offiziell vom Faschismus ab.<\/p>\n<p>Doch auch bei SRP, NPD, Repulikanern, DVU und \u00e4hnlichen Partei: Die aktive Basis wird mit den Wahlerfolgen selbstbewusster und plaudert immer st\u00e4rker ihre Bewunderung zum Hitler-Regime aus.<\/p>\n<p>Die aktuelle AfD-F\u00fchrung um Frauke Petry und Alexander Gauland galten fr\u00fcher als rechter Fl\u00fcgel der Partei \u2013 aber nun stehen sie ihrerseits unter Druck von Hardcore-Rechten wie Bj\u00f6rn H\u00f6cke. H\u00f6cke verteidigt einen \u201ebiologischen Rassismus\u201c, d.h. er will die \u00dcberlegenheit der wei\u00dfen Rasse wissenschaftlich begr\u00fcnden. Petry distanziert sich halbherzig von solchen Thesen, aber kann auch nichts gegen H\u00f6cke unternehmen.<\/p>\n<p>Also die AfD ist zurzeit die Partei, die alle Nazis sammelt. Dadurch k\u00f6nnte sie bei den drei anstehenden Landtagswahlen bis zu 15% der Stimmen bekommen. Aber gleichzeitig droht immer die Gefahr, dass sie ihr \u201eb\u00fcrgerliches\u201c Image verliert.<\/p>\n<p><strong>Was macht die antifaschistische und antirassistische Bewegung dagegen?<\/strong><\/p>\n<p>Kurze Antwort: Noch viel zu wenig. Es gibt eine depressive Stimmung.<\/p>\n<p>\u201eTumbleweed in Spreetown\u201c hie\u00df es auf einem linken Blog. Gegen die Gro\u00dfdemo der AfD in Berlin kamen nur knapp 1.000 Gegendemonstrant*innen auf die Stra\u00dfe \u2013 und das in der Hochburg der deutschen Linken schlechthin.<\/p>\n<p>Viel wird dar\u00fcber diskutiert, woran diese Schw\u00e4che liegt. Ich m\u00f6chte die These aufstellen, dass es zurzeit an klaren linken Antworten mangelt. Wie Erich Fried meinte: \u201eEin Faschist, der nichts ist als ein Faschist, ist ein Faschist. Ein Antifaschist, der nichts ist als ein Antifaschist, ist kein Antifaschist.\u201c<\/p>\n<p>Seit etwa 2011 gibt es eine k\u00e4mpferische Refugee-Bewegung in Deutschland. Vor allem seit Beginn der sogenannten Fl\u00fcchtlingskrise war die Solidarit\u00e4t aus der Bev\u00f6lkerung \u00fcberw\u00e4ltigend. Gefl\u00fcchtetenunterk\u00fcnfte wussten nicht wohin mit den vielen Sachspenden. So viele Menschen wollen Deutschunterricht anbieten, dass teilweise in den Unterk\u00fcnften Einzelunterricht stattfindet.<\/p>\n<p>Aber das sind alles staatliche Aufgaben \u2013 der Staat hat sich mit seinen eigenen Gesetzen verpflichtet, Asylbewerber*innen mit Essen, Unterkunft und Deutschunterricht auszustatten. Warum sollten lohnabh\u00e4ngige Menschen staatliche Aufgaben in ihrer Freizeit \u00fcbernehmen? Vor allem, wenn dieses \u201eStaatsversagen\u201c, wenn dieses menschenverachtende Chaos in den \u00c4mtern und den Unterk\u00fcnften politisch gewollt ist?<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t kann Assistenzialismus werden \u2013 also Hilfe ohne eine politische Perspektive f\u00fcr eine wirkliche L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Dabei gibt es ein riesiges politisches Problem: Die Kosten der Krise sind f\u00fcr einen imperialistischen Staat wie die BRD verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gering. Und dennoch sind sie nicht unbedeutend. Wer soll diese Kosten \u00fcbernehmen? Die CDU sagt: \u201eDie lohnabh\u00e4ngige Bev\u00f6lkerung soll zahlen \u2013 mit einer Abgabe f\u00fcr Benzin oder dem Verzicht von Sch\u00fcler*innen an staatlichen Schulen auf ihre Turnhallen.\u201c<\/p>\n<p>Die AfD sagt: Niemand soll diese Kosten \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Und die LINKE sagt \u2013 ja, was sagt die Linke eigentlich?<\/p>\n<p>Sarah Wagenknecht, die fr\u00fcher als junge Steinzeitstalinistin galt, stimmt mit der AfD und der CSU \u00fcberein und wirbt f\u00fcr die Abschiebung \u201ekrimineller Ausl\u00e4nder\u201c \u2013 konkret sagte sie: \u201eWer Gastrecht missbraucht, hat Gastrecht verwirkt\u201c \u2013 als ob das Asylrecht ein \u201eGastrecht\u201c w\u00e4re. Daf\u00fcr bekam sie viel Zustimmung von Nazis. Oskar Lafontaine, der ebenfalls als \u201elinker\u201c in der Linkspartei gilt, wirbt seit seiner Zeit als SPD-Vorsitzender vor Jahrzehnten konsequent f\u00fcr \u201eObergrenzen\u201c f\u00fcr Migrant*innen. Und Bodo Ramelow, Ministerpr\u00e4sident des Landes Th\u00fcringen, schiebt jeden Tag Menschen \u2013 auch Kinder ab \u2013, an manchen Tagen bis zu 200.<\/p>\n<p>Dabei ist eine linke Antwort auf die Krise genauso einfach wie verst\u00e4ndlich:<\/p>\n<p><strong>Das Kapital muss zahlen<\/strong><\/p>\n<p>Konkretes Beispiel: In Deutschland herrscht immer krassere Wohnungsnot. Dadurch werden Gefl\u00fcchtete und arme Menschen mit deutscher Staatsb\u00fcrger*innenschaft gegeneinander ausgespielt.<\/p>\n<p>Doch laut offiziellen Sch\u00e4tzungen stehen 1,7 Millionen Wohneinheiten in der BRD leer. Das w\u00e4re eine eigene Wohnung sogar f\u00fcr jeden S\u00e4ugling, der im Jahr 2015 angekommen ist. Und man h\u00e4tte immer noch ein paar Hunderttausende frei. In Berlin stehen aktuell rund 50.000 Wohnungen aus spekulativen Gr\u00fcnden leer \u2013 daf\u00fcr m\u00fcssen Gefl\u00fcchtete in einem alten Flughafenhangar leben!<\/p>\n<p>Ganz aktuell: Am Donnerstag gab es eine B\u00fcrger*innenversammlung, um dar\u00fcber zu informieren, dass noch mehr Gefl\u00fcchtete am Flughafen untergebracht werden m\u00fcssen. \u201eEigentum ist gesch\u00fctzt.\u201c<\/p>\n<p>Also die L\u00f6sung ist einfach: Enteignen.<\/p>\n<p>Franz-Josef Degenhardt sang dazu:<\/p>\n<p>\u201eDie richtige L\u00f6sung von diesem Problem,<\/p>\n<p>die solln wir vergessen<\/p>\n<p>die solln wir vergessen,<\/p>\n<p>weil die richtige L\u00f6sung von diesem Problem<\/p>\n<p>ist f\u00fcr einige, aber nur f\u00fcr sehr wenige,<\/p>\n<p>nicht angenehm.\u201c<\/p>\n<p>Und diese L\u00f6sung ist f\u00fcr einige sehr wenige \u2013 f\u00fcr das Gro\u00dfkapital \u2013 unangenehm.<\/p>\n<p>Also wer kann die soziale Basis einer fortschrittlichen L\u00f6sung darstellen?<\/p>\n<p>In erster Linie selbstverst\u00e4ndlich die Jugend. Seit 2013 gab es in ganz Deutschland lokale Schulstreiks gegen Rassismus. Bis zu 7.000 junge Menschen nahmen daran teil. Am 28. April soll es nun einen bundesweiten Schulstreik geben.<\/p>\n<p>Es ist manchmal doch sch\u00f6n: Die alten rassistischen M\u00e4nner gehen auf die Stra\u00dfe und sagen: \u201eEs geht um die Zukunft unserer Kinder!\u201c Und ihre Kinder gehen auf die Stra\u00dfe und sagen: \u201eRefugees Welcome\u201c.<\/p>\n<p>Aber vor allem muss die Arbeiter*innenbewegung eine antirassistische Bewegung tragen. Beim Bundeskongress der Gewerkschaft ver.di im September letzten Jahres sprachen zwei Gefl\u00fcchtete von den Tausenden, die in der Messehalle nebenan untergebracht waren. \u201eWir wollen keine Almosen\u201c sagten sie, \u201ewir wollen unsere Rechte\u201c. Dann kommt der Gewerkschaftsvorsitzende auf die B\u00fchne und sagt: \u201eWir spenden euch 10.000 Euro!\u201c Almosen. Der Typ kann die Leute gar nicht h\u00f6ren, egal wie laut sie reden.<\/p>\n<p>Es gibt zum Gl\u00fcck Basisgruppen der Gewerkschaften, die die gemeinsame Organisierung mit Refugees fordern. Denn f\u00fcr jede Schikane gegen Migrant*innen zahlen letztendlich die Arbeiter*innen. Wenn eine Gruppe von Lohnabh\u00e4ngigen f\u00fcr weniger Lohn arbeiten muss, bekommen alle weniger Lohn.<\/p>\n<p>Karl Liebknecht forderte: \u201edie v\u00f6llige Gleichstellung der Ausl\u00e4nder mit den Inl\u00e4ndern auch in bezug auf das Recht zum Aufenthalt im Inlande. Fort mit dem Damoklesschwert der Ausweisung! Das ist die erste Voraussetzung daf\u00fcr, da\u00df die Ausl\u00e4nder aufh\u00f6ren, die pr\u00e4destinierten Lohndr\u00fccker und Streikbrecher zu sein.\u201c<\/p>\n<p>Also eine Antwort der Klasse ist n\u00f6tig. Die autonome Antifa kommt gut mit Nazigruppen zurecht, aber weniger mit einer rechten Massenbewegung.<\/p>\n<p>Wie wir vor wenigen Tagen <a href=\"http:\/\/klassegegenklasse.org\/nach-heidenau-connewitz-rigaer-gewerkschaften-muessen-verteidigung-organisieren\/\"><strong>in einem Artikel<\/strong><\/a> schrieben: \u201eDie pers\u00f6nliche Aufopferung hat leider Grenzen. Die umfassende Antwort ist deshalb nicht Selbstschutz einzelner Linksradikaler, sondern kollektiver Selbstschutz der Jugend und der Arbeiter*innenklasse, die Gefl\u00fcchtete als ihren entrechtetsten Teil mit ins Boot holen muss. Diese Aktivit\u00e4t der Klasse kann von individuellen heroischen Aktionen nicht ersetzt werden.\u201c<\/p>\n<p>Die Organisationen der Arbeiter*innenklasse, mit den Kampfmitteln der Arbeiter*innenklasse, sind die einzige Kraft, die die Rechte aufhalten.<\/p>\n<p>Also wie ich ganz am Anfang sagte: Jeden Tag ist die Situation in Deutschland schlimmer als am Vortag. Deswegen brauchen wir eine starke revolution\u00e4re Linke \u2013 unabh\u00e4ngig von den Reformist*innen \u2013 die daf\u00fcr k\u00e4mpft, dass das Kapital f\u00fcr die Krise zahlt. Eine solche Linke, die in der Arbeiter*innenbewegung verankert ist, bietet die einzige Rettung.<\/p>\n<p><em>Quelle: Klassegegenklasse.org vom 28. Januar 2016<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir ver\u00f6ffentlichen hier den Vortrag von Wladek Flakin von der Revolution\u00e4ren Internationalistischen Organisation (RIO) \u00fcber Antirassismus und Antifaschismus, der auf dem Veranstaltungswochenende \u201eDas andere Davos\u201c in Z\u00fcrich gehalten wurde.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,3],"tags":[39,34,76],"class_list":["post-958","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-international","category-schweiz","tag-deutschland","tag-faschismus","tag-neue-rechte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=958"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/958\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":961,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/958\/revisions\/961"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}