{"id":9590,"date":"2021-04-30T10:44:13","date_gmt":"2021-04-30T08:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9590"},"modified":"2021-04-30T10:44:15","modified_gmt":"2021-04-30T08:44:15","slug":"gewerkschaften-unter-corona-versagen-auf-der-ganzen-linie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9590","title":{"rendered":"Gewerkschaften unter Corona: Versagen auf der ganzen Linie!"},"content":{"rendered":"<p><em>Mattis Molde. <\/em>Im letzten Jahr haben \u00fcber eine Million Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, 477.000 sozialversicherungspflichtig und 526.000 geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte hat es getroffen. Das antwortet die Bundesregierung auf eine Anfrage der LINKEN. Dar\u00fcber<!--more--> hinaus sollen 128.000 regul\u00e4r Besch\u00e4ftigte im verarbeitenden Gewerbe entlassen werden, vor allem in der Metall- und Elektroindustrie. Allerdings sei diese Branche bereits vor der Coronapandemie von einem strukturellen Wandel gezeichnet gewesen sei, schreibt die Regierung.<\/p>\n<p>Eine Million Menschen verlieren ihre Existenz und die Regierung schiebt das auf Pandemie und Strukturwandel. Sie hat ihr Politsprech schon so verinnerlicht, dass f\u00fcr sie struktureller Wandel gleichbedeutend mit der Zerst\u00f6rung von Arbeitspl\u00e4tzen ist. Nat\u00fcrlich sagt die Regierung nicht, was wirklich los ist:<\/p>\n<p>Die Unternehmen lassen die Besch\u00e4ftigten f\u00fcr die Krise bezahlen. Sie planen, das auch weiterhin zu tun. In der Metallindustrie stehen weitere 300.000 Arbeitspl\u00e4tze zur Disposition, zigtausende im Handel, und das ist noch lange nicht alles. Die Regierung benennt diese Angriffe nicht. Sie beschw\u00f6rt den \u201eZusammenhalt der Gesellschaft\u201c, den es f\u00fcr die KapitalistInnen mitnichten gibt. Was sie zusammenhalten, ist ihr Kapital \u2013 koste es, was es wolle. Und sie laden die Kosten der Gesellschaft und den arbeitenden Menschen auf.<\/p>\n<p>Eine Situation, in der sich Unmut zusammenbraut. Er richtet sich gegen die Regierung \u2013 aber oft unter falschen Vorzeichen und mit rechten und reaktion\u00e4ren Parolen. Regierung und Staat kommt das sehr gelegen: Sie wollen auf jeden Fall diejenigen aus dem Feuer nehmen, die in diesem System profitieren und die es gerade auch in und trotz der Krise tun: die Gro\u00dfkapitalistInnen.<\/p>\n<p>Dass dieser Unmut nicht die wirklich Verantwortlichen trifft, ist das Verdienst der Gewerkschaften, genauer gesagt ihrer F\u00fchrungen.<\/p>\n<p><strong>Versagen oder Absicht?<\/strong><\/p>\n<p>Die Pandemie hat die Krise der Gewerkschaften nicht erzeugt, aber noch offensichtlicher gemacht.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaftsf\u00fchrung akzeptiert nicht nur millionenfache Jobverluste, sondern auch Niederlagen bei Lohnrunden und Einbr\u00fcche in die Tarifvertr\u00e4ge. Sie tr\u00e4gt die Coronapolitik der Regierung im Interesse des Gro\u00dfkapitals mit, verfolgt eine Politik der nationalen Einheit und deckt damit auch den anhaltenden Jo-Jo-Lockdown auf Kosten der arbeitenden Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Die Krise trifft unterschiedliche Gruppen von Besch\u00e4ftigten auf verschiedene Weise. So kann Kurzarbeit f\u00fcr relative gut bezahlte Besch\u00e4ftigte eine ertr\u00e4gliche L\u00f6sung sein, f\u00fcr andere, z.\u00a0B. im Niedriglohnbereich, nicht. Viele bekommen sie noch nicht mal angeboten, sondern werden sofort entlassen. Deshalb hilft das Herumdoktern an Teill\u00f6sungen \u2013 und das ist das Maximum, das Gewerkschaften in diesem Jahr geleistet haben \u2013 letztlich nicht weiter. Deshalb ist eine \u00fcbergreifende, also politische Bewegung n\u00f6tig.<\/p>\n<p>In Zeiten allgemeiner Krise ist eine einheitliche Bewegung ein entscheidender Faktor daf\u00fcr, K\u00e4mpfe in einzelnen Betrieben oder Branchen zu gewinnen. Aber die Gewerkschaftsf\u00fchrungen haben nicht nur die Ans\u00e4tze f\u00fcr eine allgemeine Bewegung gegen die Abw\u00e4lzung der Krisenlasten nicht gef\u00f6rdert, sondern bislang aktiv jeden hoffnungsvollen Ansatz im Keim erstickt. Streiks und Tarifrunden wurden in den Sand gesetzt. Solidarit\u00e4t hei\u00dft nur noch gemeinsamer Verzicht \u2013 wo gemeinsamer Kampf so wichtig w\u00e4re!<\/p>\n<p>Entsprechend steht nicht ein einziger Erfolg, nicht ein einziger Sieg f\u00fcr die Gewerkschaftsbewegung zu Buche. Es gibt nur diese schrecklichen Teil\u201eerfolge\u201c, bei denen \u201eSchlimmeres\u201c vermieden wurde, weil Schlimmes von vornherein akzeptiert worden war: \u201eErfolge\u201c, f\u00fcr die immer der Preis stets h\u00f6her war, als das Erreichte wert ist. Und alles wird so sch\u00f6ngeredet oder zurechtgelogen wie eine Verlautbarung von Andreas Scheuer oder Jens Spahn.<\/p>\n<p>Mit ihrem Vorgehen ist die F\u00fchrung auch daf\u00fcr verantwortlich, dass Tausende den Gewerkschaften den R\u00fccken gekehrt haben. Die Mitgliederzahlen haben einen neuen historischen Tiefstand in einer Zeit erreicht, wo sie dringend gebraucht w\u00fcrden. Die Funktion\u00e4rInnen geben die Schuld daran der Basis, die sich nicht wehren kann. In den Organisationsstrukturen kommt sie praktisch nicht mehr vor. Das innergewerkschaftliche Leben wurde noch weiter erstickt, daf\u00fcr ist Corona immer n\u00fctzlich. Zu Beginn der Pandemie schon wurde die Anweisung des ver.di-Vorstandes bekannt, dass jede einzelne Verlautbarung von ihm genehmigt werden m\u00fcsse. Diskussion ist kaum mehr m\u00f6glich. In Internetforen d\u00fcrfen Fragen gestellt werden, deren Zulassungen die AdministratorInnen pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Das hat zu einer Situation gef\u00fchrt, wo f\u00fcr die Mehrheit der Werkt\u00e4tigen Gewerkschaft nicht mehr stattfindet. Sie werden nicht nach Tarif bezahlt und haben keine Betriebsr\u00e4te. Insbesondere Besch\u00e4ftigte in Leiharbeit verdanken ihre miese Lage der Zustimmung der Gewerkschaften zu dieser rechtlosen Lage. Aber auch Werkvertrags- und andere prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte haben weder das Geld \u00fcbrig f\u00fcr Mitgliedsbeitr\u00e4ge noch wirkliche Vorteile aus einer Mitgliedschaft. Und f\u00fcr die meisten B\u00fcrokratInnen \u201elohnt\u201c es sich auch nicht, Ressourcen f\u00fcr die Organisierung dieser Schichten aufzuwenden. Dies w\u00fcrde n\u00e4mlich regelm\u00e4\u00dfig Konflikt mit den Unternehmen bedeuten. Aber sie wollen nicht k\u00e4mpfen, sie wollen mit ihren SozialpartnerInnen verhandeln.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es weiterhin engagierte Gewerkschaftssekret\u00e4rInnen, die versuchen, beispielsweise Besch\u00e4ftigte im Handel oder in den Fleischfabriken zu unterst\u00fctzen gegen die widerw\u00e4rtigen Formen der Ausbeutung, die dort stattfinden. Aber das Gesamtbild der DGB-Gewerkschaften wird dadurch gepr\u00e4gt, dass der m\u00e4chtigste Einzelverband, die IG Metall, noch nicht mal in \u201eihren\u201c Betrieben gegen prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse vorgeht. In der Automobilproduktion w\u00e4re es ein Leichtes, mit Aktionen, Warn- oder Vollstreiks richtig Druck auf die Unternehmen auszu\u00fcben. Selbst die Verweigerung von Sonderschichten und \u00dcberstunden k\u00f6nnte sie z.\u00a0B. derzeit empfindlich treffen.<\/p>\n<p><strong>IG Metall<\/strong><\/p>\n<p>Aber die Betriebsr\u00e4te und die IGM sind so sehr dem Profit verpflichtet, dass sie akzeptieren, dass bald die H\u00e4lfte der Besch\u00e4ftigten in der Autoproduktion f\u00fcr Werkvertr\u00e4ge und Leiharbeit arbeitet. Da geht es nicht nur um Firmenprofite, sondern um internationalen Wettbewerb, um Deutschlands F\u00fchrungsrolle in Europa und seine Position in der Welt. Diese Arbeit\u201enehmer\u201cvertreterInnen decken deshalb auch den Abgasbetrug und die R\u00fcstungsexporte. Sie unterst\u00fctzen Rationalisierung und Digitalisierung, die ihrerseits zehntausende Arbeitspl\u00e4tze kosten, ja auch Verlagerungen in Niedriglohnl\u00e4nder, die sie dann \u201esozial\u201c gestalten, und nat\u00fcrlich die erh\u00f6hte Ausbeutung in diesen.<\/p>\n<p>Die abgelaufene Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie verdeutlicht diese Politik exemplarisch:<\/p>\n<p>Es gibt dieses Jahr keine Erh\u00f6hung der L\u00f6hne und Geh\u00e4lter oder \u2013 um das Tarifvokabular zu benutzen \u2013 der Monatsentgelte. Diese wurden zuletzt im April 2018 um 4,3\u00a0% erh\u00f6ht. Die n\u00e4chste m\u00f6gliche Erh\u00f6hung kann ab Oktober 2022 kommen: also nach mindestens viereinhalb Jahren Stillstand!<\/p>\n<p>Es gibt f\u00fcr 2021 lediglich eine Einmalzahlung von 500 Euro netto. Sie wird Coronapr\u00e4mie genannt, damit die gesetzliche Regelung dazu genutzt werden kann: Es m\u00fcssen keine Steuern gezahlt werden. Au\u00dferdem wurde ein \u201eTransformationsgeld\u201c erfunden. Es ist eine j\u00e4hrliche Sonderzahlung, die vierte neben dem \u201eWeihnachtsgeld\u201c, dem Urlaubsgeld und dem \u201etariflichen Zusatzgeld\u201c (T-ZUG). Rechnerisch betr\u00e4gt es 2,3\u00a0% des Monatsentgeltes. Dieses muss nicht gezahlt werden. Wahlweise kann auch die Arbeitszeit abgesenkt werden. Das kann jede\/r Besch\u00e4ftigte individuell tun, es k\u00f6nnen aber auch betriebliche Regelungen zwischen Betriebsrat und Management vereinbart werden.<\/p>\n<p>Weil mit 2,3\u00a0\u00a0% nicht mal eine Arbeitsstunde pro Woche finanziert werden kann, er\u00f6ffnet der Tarifvertrag auch noch die M\u00f6glichkeit, das Urlaubs- und \u201eWeihnachtsgeld\u201c daf\u00fcr einzusetzen. Das nennt sich dann \u201eTeillohnausgleich\u201c und l\u00fcgt damit: Es ist kein \u201eLohnausgleich\u201c in dem Sinne, dass ein Teil der Arbeitszeitverk\u00fcrzung vom Unternehmen \u201eausgeglichen\u201c w\u00fcrde, sondern die Besch\u00e4ftigten verlieren exakt den Betrag, den sie erarbeitet h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die Flexibilisierung im Sinne des Kapitals geht also weiter mit neuen Puffern nach unten zur schon l\u00e4nger vereinbarten \u201etariflichen\u201c Kurzarbeit und zu den \u201eEntlastungen\u201c der Unternehmen von Urlaubs- und \u201eWeihnachtsgeld\u201c bei Kurzarbeit.<\/p>\n<p>Zusammengefasst: keine Erh\u00f6hung der Monatsentgelte f\u00fcr 4,5 Jahre, nur Einmalzahlungen und Sonderzahlungen, die auch ohne Zustimmung der Besch\u00e4ftigten entfallen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Pr\u00e4mien f\u00fcr Stammbelegschaften<\/p>\n<p>Das ist das Tarifergebnis. Zugleich haben aber die Stammbelegschaften der Autokonzerne \u201ePr\u00e4mien\u201c f\u00fcr das abgelaufene Jahr 2021 erhalten:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei Daimler erhalten diese zus\u00e4tzliche 500 Euro und eine \u201eCorona\u201c-Pr\u00e4mie von 1000 Euro.<\/li>\n<li>Bei VW sind es 2700 Euro, nach 4950 Euro im letzten Jahr.<\/li>\n<li>Bei BMW kann ein\/e durchschnittliche\/r FacharbeiterIn diesmal mit zus\u00e4tzlichen 2160 Euro rechnen. In Top-Jahren betrug diese Pr\u00e4mie \u00fcber 9000 Euro. Dazu ein zus\u00e4tzlicher Beitrag f\u00fcr die Betriebsrente in H\u00f6he von 450 Euro.<\/li>\n<li>Porsche: Die Besch\u00e4ftigten erhalten f\u00fcr ihre Leistung eine Sonderzahlung von bis zu 7850 Euro.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Damit \u00fcbersteigen diese \u201ePr\u00e4mien\u201c das von der IG Metall so hoch gepriesene Tarifergebnis um ein Mehrfaches. Auch wenn sie dieses Jahr geringer ausfallen, w\u00e4ren sie f\u00fcr die prek\u00e4r in den Autobuden malochenden ArbeiterInnen das Vielfache eines Monatslohnes. Aber sie bewirken nicht nur eine Spaltung der Belegschaften in diesen Konzernen, sondern auch eine innerhalb der IG Metall: Die Masse bekommt ein Tr\u00f6pfchen Tariferh\u00f6hung, wenn sie es \u00fcberhaupt bekommt. Die Belegschaften, die von ihrem Organisationsgrad, ihrer Kampfkraft und ihrer wirtschaftlichen Wirkung die st\u00e4rkste Waffe in einem Tarifkampf darstellen w\u00fcrden, werden aus diesem Kampf rausgenommen und auf Pr\u00e4mienverhandlungen orientiert. Tats\u00e4chlich wurde zum Beispiel Daimler Sindelfingen komplett aus der Tarifrunde ausgeklinkt: \u00dcberstunden statt Warnstreiks.<\/p>\n<p>Damit wurde aber nicht nur die Kampfkraft dieser Belegschaften f\u00fcr eine echte Lohnerh\u00f6hung f\u00fcr alle beeintr\u00e4chtigt, es wurde auch das zentrale Thema dieser Tarifrunde, die Verteidigung der Arbeitspl\u00e4tze, sabotiert. Gerade daf\u00fcr hatten sich viele bedrohte Belegschaften mobilisiert, teilweise weit \u00fcber die \u201egeplanten\u201c Aktionen hinaus. Die Tarifrunde war die gro\u00dfe Chance, das hohe Engagement von bedrohten Belegschaften mit der hohen Wirksamkeit von \u00fcberausgelasteten Betrieben zu verbinden.<\/p>\n<p>Es war die bewusste Entscheidung der IG Metall-F\u00fchrung, genau das nicht zu tun: Kampfbuden aus der Tarifrunde ausklinken, keine Solidarit\u00e4t organisieren, keine gemeinsamen Konferenzen der bedrohten Belegschaften, stattdessen so viele Abwicklungsvertr\u00e4ge wie m\u00f6glich noch vor und w\u00e4hrend der Tarifrunde unterschreiben: bei Bosch, bei Daimler Untert\u00fcrkheim, bei Mahle oder Conti.<\/p>\n<p><strong>Der Charakter der B\u00fcrokratie<\/strong><\/p>\n<p>Das Beispiel der IG Metall ist nicht deshalb so wichtig, weil andere Branchen zweitrangig sind oder die dort Besch\u00e4ftigten nicht k\u00e4mpfen k\u00f6nnten. Im Gegenteil: Es belegt, dass die Spaltung und Entsolidarisierung der Gewerkschaften auf allen Ebenen eine durchgehende politische Strategie ist, die dem Zweck dient, die Politik der Regierung und die Bed\u00fcrfnisse des Kapitals durchzusetzen.<\/p>\n<p>Im Tarifkampf des \u00f6ffentlichen Dienstes \u00fcbersetzte sich diese dahingehend, das zuvor geschm\u00e4hte \u201eDiktat der Arbeitgeberverb\u00e4nde\u201c zu akzeptieren und lediglich das Geldvolumen zwischen den Branchen umzuverteilen, weil klar war, dass aus dem Gesundheitswesen ein st\u00e4rkerer Druck kam.<\/p>\n<p>Das ist eine durchg\u00e4ngige Politik einer kastenartigen, b\u00fcrokratischen Schicht, die in den Gewerkschaften eine Politik zugunsten des Kapitals betreibt. Nat\u00fcrlich muss diese als \u201eInteressen\u201cpolitik verkleidet werden, und das geht nur, in dem jeweils behauptet wird, dass sie im Namen einer bestimmten Gruppe geschehe: Im Interesse der Besch\u00e4ftigten des Gesundheitswesens sollen die anderen Reallohnverzicht \u00fcben. Im Namen der von Entlassung Bedrohten sollen die anderen auf Entgelt verzichten. Ja und nat\u00fcrlich sollen die Porsche-Leute mehr f\u00fcr sich rausholen, wenn sie es k\u00f6nnen. Aber der eigentliche Gewinner ist immer das Kapital.<\/p>\n<p>Aber weil es Schichten gibt, die tats\u00e4chlich bessergestellt werden, und zwar ganz bewusst, weil diese von der B\u00fcrokratie dazu erzogen werden, ihre Privilegien h\u00f6her zu sch\u00e4tzen als die Solidarit\u00e4t aller, verf\u00fcgt die B\u00fcrokratie auch \u00fcber eine St\u00fctze in den Gewerkschaften, obwohl ihre Strategie letztlich auch die Position dieser ArbeiterInnenaristokratie untergr\u00e4bt.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrokratie hat derzeit die nahezu absolute Macht in den DGB-Gewerkschaften, gerade auch weil sie die Industriegewerkschaften beherrscht. Es gibt keinen Fl\u00fcgel im Apparat, der dagegen Widerstand leistet. Auch die Anh\u00e4ngerInnen und Mitglieder der LINKEN ordnen sich dieser Strategie unter, so wie sich diese Partei generell dieser Politik unterordnet, auch wenn sie SPD-Rezeptur reinsten Wassers ist.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass einzelne Betriebsratsmitglieder oder auch Gewerkschaftssekret\u00e4rInnen im Einzelfall ein offensiveres Vorgehen an den Tag legen k\u00f6nnen \u2013 wenn der Druck von unten st\u00e4rker wird. Aber das kann und wird keine grundlegende und nachhaltige Ver\u00e4nderung bewirken: Die Strukturen sind so angelegt, dass alle Macht beim Apparat liegt. Wenn die Bewegung ersch\u00f6pft ist, \u00fcbernehmen die Apparate wieder.<\/p>\n<p>Das gleiche Spiel l\u00e4uft ab, wenn Betriebe oder Branchen sich neu organisieren. Nat\u00fcrlich sollen und m\u00fcssen sich diese neu gewonnenen AktivistInnen mit den KollegInnen derselben Branche\u00a0 verbinden. Aber die Kontrolle \u00fcber diese Verbindungen hat die B\u00fcrokratie. Wenn diese neuen AktivistInnen nicht von vorneherein verstehen, warum sie von der B\u00fcrokratie bisher nicht wertgesch\u00e4tzt worden sind, wenn sie deren Politik nicht verstehen und bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen, werden sie deren Man\u00f6vern hilflos ausgeliefert sein, sich anpassen oder sich rausdr\u00e4ngen lassen.<\/p>\n<p><strong>Eine organisierte Opposition ist n\u00f6tig!<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt nur einen Weg: Eine klassenk\u00e4mpferische, antib\u00fcrokratische Opposition aufbauen, eine, die sich nicht auf den Kampf um einzelne Entscheidungen beschr\u00e4nkt oder auf einzelne Betriebe. Die jeden Konflikt nutzt, um die gesamten Zusammenh\u00e4nge zwischen Kapitalismus, seiner Krise und der Politik der reformistischen Gewerkschaften und Parteien aufzuzeigen. Die Niederlagen nicht besch\u00f6nigt, sondern auf die notwendigen Konsequenzen hinweist.<\/p>\n<p>Eine Opposition aufzubauen, wird nicht leicht fallen, der Apparat ist m\u00e4chtig. Aber auch wenn seine Konzeption in vielen F\u00e4llen funktioniert, wie oben beschrieben, so scheitert sie doch mit Zunahme der Systemkrise immer mehr. Oder um ein Beispiel zu geben: Gegen den Abbau von 400.000 Arbeitspl\u00e4tzen allein in der Autoindustrie werden 2,3\u00a0% \u201eTransformationsgeld\u201c aus dem neuen Tarifvertrag nicht helfen.<\/p>\n<p>Es gibt kleine Ans\u00e4tze f\u00fcr eine solche Opposition. Aber sie muss zu einer klassenk\u00e4mpferischen Basisbewegung werden: Klassenkampf statt Sozialpartnerschaft mit dem Kapital, Kontrolle der Gewerkschaft durch die Basis anstelle der B\u00fcrokratie!<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2021\/04\/29\/gewerkschaften-unter-corona-versagen-auf-der-ganzen-linie\/\"><em>Neue Internationale&#8230;<\/em><\/a><em> vom 3. April 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mattis Molde. 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