{"id":9618,"date":"2021-05-05T14:51:10","date_gmt":"2021-05-05T12:51:10","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9618"},"modified":"2021-05-05T14:51:12","modified_gmt":"2021-05-05T12:51:12","slug":"bolsonaro-hilft-heineken-und-carrefour-privatisieren-amazonasgebiet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9618","title":{"rendered":"Bolsonaro hilft: Heineken und Carrefour privatisieren Amazonasgebiet"},"content":{"rendered":"<p><em>Edel Moraes und J\u00f6rg Nowak. <\/em>Die Geschichte der Allianzen zwischen Gro\u00dfkapital und Faschismus hat viele Kapitel, die kontinuerlich weitergeschrieben werden, aber selten gab es ein so h\u00e4ssliches und verabscheuungsw\u00fcrdiges Beispiel wie<!--more--> die aktuelle Zusammenarbeit der transnationalen Unternehmen Heineken und Carrefour mit der Bolsonaro-Regierung in Brasilien.<\/p>\n<p>Worum geht es? In einem weiteren Versuch, sich der Verantwortung f\u00fcr den Schutz des brasilianischen Teils des Amazonas-Regenwaldes zu entledigen, der 60 Prozent der Gesamtfl\u00e4che Amazoniens ausmacht, bot der brasilianische Umweltminister Ricardo Salles Anfang Februar 2021 132 Naturschutzgebiete in Brasilien zur \u201cAdoption\u201d durch private Unternehmen an, die dann angeblich Ma\u00dfnahmen zum Umweltschutz in diesen Gebieten finanzieren w\u00fcrden.\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Link:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.gov.br\/mma\/pt-br\/assuntos\/areasprotegidasecoturismo\/adoteumparque\">https:\/\/www.gov.br\/mma\/pt-br\/assuntos\/areasprotegidasecoturismo\/adoteumparque<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Projekt l\u00e4uft unter dem Motto \u201cAdoptiere einen Park\u201d und stellt nicht nur eine neue Form des Greenwashings f\u00fcr die beteiligten Unternehmen dar, sondern wird wahrscheinlich auch als M\u00f6glichkeit f\u00fcr diese Unternehmen dienen, ihre Umweltverschmutzung zu steigern, da sie diese Gebiete als CO2-Kreditzverbuchen \u00a0k\u00f6nnen. Bolsonaro hat auf dem Weltklimagipfel am 22. und 23. April 2021 \u00c4u\u00dferungen gemacht, die andeuten, dass Brasilien seine W\u00e4lder als CO2-Kredite nutzen will.<\/p>\n<p>Abgesehen von diesen fragw\u00fcrdigen Man\u00f6vern h\u00e4lt Privatisierung selten, was ihre Bef\u00fcrworter versprechen, wie man an der Privatisierung der Energiem\u00e4rkte in Brasilien sehen kann: hohe Energiepreise f\u00fcr private Verbraucher und miserable Qualit\u00e4t der Netzwartung. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Privatisierung von Naturschutzgebieten zu Umweltzerst\u00f6rung und Eingriffen in das Leben der Gemeinschaften f\u00fchrt, die in den zur \u201eAdoption\u201c vorgeschlagenen Gebieten leben. Das Programm dient auch als Deckmantel f\u00fcr die Tatsache, dass die Regierung Bolsonaro alle Arten von Programmen zum Schutz der Umwelt gestrichen hat, obwohl die f\u00fcr den Schutz notwendigen Mittel zwar vorhanden sind, aber ungenutzt bleiben.<\/p>\n<p><strong>Privatisierung gegen Errungenschaften sozialer K\u00e4mpfe<\/strong><\/p>\n<p>Der ruchloseste Aspekt des vorgeschlagenen Programms besteht darin, dass fast die H\u00e4lfte der 132 Schutzgebiete, die in der ersten Phase zur \u201cAdoption\u201d angeboten werden, Schutzgebiete sind, die aus den K\u00e4mpfen der Bev\u00f6lkerungen hervorgegangen sind, die in diesen Gebieten in einer \u00f6kologisch nachhaltigen Form leben. Bislang wurden acht Schutzgebiete adoptiert, zwei davon von Heineken und Carrefour. Die letzten beiden sind seit Jahren gesetzlich als Extraktivismus-Reservate (reserva extrativista \u2013 RESEX) ausgewiesen, die gemeinsam vom brasilianischen Staat und der dort lebenden Bev\u00f6lkerung verwaltet werden.<\/p>\n<p>Der Amazonas ist kein Produkt der Natur, sondern ein Produkt des Jahrtausende langen Stoffwechsels zwischen menschlicher Bev\u00f6lkerung und nat\u00fcrlicher Umwelt. Seit dem Beginn der kolonialen Invasion Brasiliens wurde ein Teil des Amazonasgebiets f\u00fcr Landwirtschaft, St\u00e4dte oder Bergbauprojekte gerodet. Ein betr\u00e4chtlicher Teil der Bev\u00f6lkerungen, die aus Afrika, Europa und Asien nach Brasilien kamen, schlossen sich den amerindianischen Bev\u00f6lkerungen in ihrer traditionellen Lebensweise an und lebten vom Reichtum des Waldes und der Wasserfl\u00e4chen, ohne den Wald zu roden. Dies erm\u00f6glicht es diesen Bev\u00f6lkerungen auch heute noch, einen Teil der Waldprodukte auf lokalen M\u00e4rkten zu verkaufen, ohne in Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse in ihrer Arbeit zu geraten. Noch wichtiger ist, dass der Zugang zu den nat\u00fcrlichen Territorien nicht nur den Zugang zu Nahrungsmitteln erm\u00f6glicht und damit ein gewisses Ma\u00df an Autonomie von der Geldwirtschaft bietet, sondern auch die Grundlage f\u00fcr das Gemeinschaftsleben und die soziale Reproduktion bildet<\/p>\n<p>Eine der j\u00fcngsten historischen Formen dieses Kampfes f\u00fcr den Erhalt der kollektiven Territorien ist der Nationale Rat der Extraktivistischen Bev\u00f6lkerungen (CNS), der verschiedene traditionelle Gemeinschaften umfasst, die vom Sammeln von Fr\u00fcchten und N\u00fcssen, vom Fischfang und von der Subsistenzlandwirtschaft in kleinem Ma\u00dfstab leben und so dazu beitragen, die nat\u00fcrlichen Gebiete intakt zu halten. Der CNS wurde 1985 als Nationaler Rat der Kautschukzapfer von Chico Mendes und seinen Mitstreitern gegr\u00fcndet. F\u00fcr sein Umweltengagement erhielt Mendes 1987 den UN Global 500 Prize. Er wurde im Dezember 1988 von Auftragskillern ermordet, die von Gro\u00dfgrundbesitzern geschickt wurden, mit denen er in Konflikt geraten war.<\/p>\n<p>Die Idee von Chico Mendes, Schutzgebiete f\u00fcr die traditionellen Gemeinschaften zu schaffen, die in ganz Brasilien etwa 12 Millionen Menschen z\u00e4hlen, trug Fr\u00fcchte und heute gibt es 94 der extraktivistischen Reservate (RESEX) und 32 Reservate f\u00fcr nachhaltige Entwicklung (RDS). Die RESEX umfassen eine Fl\u00e4che von 15,5 Millionen Hektar, von denen sich 15 Millionen im Amazonasgebiet befinden, w\u00e4hrend die RDS weitere 8,6 Millionen Hektar umfassen. Bei all diesen Modellen wird den traditionellen Gemeinschaften das Recht einger\u00e4umt, diese Gebiete zu nutzen, die rechtlich entweder im Besitz des Bundesstaates oder in den H\u00e4nden anderer Ebenen des brasilianischen Staates bleiben. Die RESEXs sind mit einer Konzession verbunden, die den Organisationen, die die traditionellen Gemeinschaften vertreten, zur Nutzung dieser Gebiete erteilt wird. Die Verwaltung \u00fcbernehmen Umweltschutzinstitutionen des Staates. Obwohl diese gemeinsame Verwaltung nicht ohne M\u00e4ngel ist und zum Teil zu Konflikten zwischen staatlichen Organen und traditionellen Gemeinschaften f\u00fchrt, hat die Schaffung der RESEX zu einem erheblich st\u00e4rkeren Schutz dieser Gebiete gef\u00fchrt, in denen gro\u00dfe kommerzielle Aktivit\u00e4ten per Gesetz verboten sind. In den RESEX- und RDS-Gebieten leben ca. 600.000 Menschen.<\/p>\n<ul>\n<li>Link:\u00a0<a href=\"https:\/\/revistas.ufpr.br\/made\/article\/view\/63011\/36929\">30 Anos do Legado de Chico Mendes | Allegretti | Desenvolvimento e Meio Ambiente (ufpr.br)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Unternehmen gegen traditionelle Gemeinschaften<\/strong><\/p>\n<p>Die beiden von Heineken und Carrefour \u201cadoptierten\u201d Gebiete sind RESEX und die Bev\u00f6lkerungen, die in diesen Gebieten lebt und sie mitverwaltet, wurde nicht nur nicht gefragt, ob sie \u201cadoptiert\u201d werden wollen, sie wurden nicht einmal dar\u00fcber informiert. Von den 132 Schutzgebieten, die das Umweltministerium zur \u201eAdoption\u201c angeboten hat, sind 50 Resex, was ein Zeichen daf\u00fcr ist, dass die derzeitige Regierung die Selbstbestimmung dieser Gemeinschaften, die das Ergebnis eines jahrzehntelangen Kampfes ist, abschaffen will.<\/p>\n<p>Im Fall von Heineken wurde die RESEX Quilombo do Frechal (9.300 Hektar) im n\u00f6rdlichen Bundesstaat Maranh\u00e3o adoptiert. Die Bev\u00f6lkerung in dieser RESEX stammt von versklavten Arbeitern ab, die aus der Sklaverei geflohen sind und ihre eigenen Siedlungen, die Quilombos, gegr\u00fcndet haben. Carrefour hat die RESEX do Lago do Cuni\u00e1 (75.800 Hektar) im Bundesstaat Rond\u00f4nia \u00fcbernommen. Dieses Vorgehen verst\u00f6\u00dft nicht nur gegen die von Brasilien ratifizierte Konvention 169 der ILO, die das Recht indigener und traditioneller Gemeinschaften regelt, bei Regierungspl\u00e4nen, die ihre Territorien betreffen, konsultiert zu werden, sondern auch gegen verschiedene nationale Gesetze, die diese und andere Schutzgebiete regeln. Das Programm \u201cAdopt a Park\u201d schlie\u00dft sogar indigene Territorien ein, was gegen Artikel 231 der brasilianischen Verfassung von 1988 verst\u00f6\u00dft. Wenn dieses Projekt von Salles und Bolsonaro durchgeht, wird es einen gef\u00e4hrlichen Pr\u00e4zedenzfall schaffen. Der CNS hat \u00fcber den Bundesstaat Amazonas eine \u00f6ffentliche Untersuchung eingeleitet, wie die Zeitung Estado de S\u00e3o Paulo am 13. April 2021 berichtet hat.<\/p>\n<p>Warum engagieren sich Heineken und Carrefour als transnationale Konzerne in der brasilianischen Umweltpolitik? Beide Unternehmen halten wichtige M\u00e4rkte in Brasilien. Heineken hat einen Anteil von 20 Prozent am brasilianischen Biermarkt, mit seiner eigenen Hausmarke und mit lokalen Marken wie Devassa, Glacial, Kaiser, Eisenbahn und Schin, die Heineken 2017 von einem Konkurrenten \u00fcbernommen hat. Mit diesem Portfolio ist Heineken der zweitgr\u00f6\u00dfte Bierbrauer in Brasilien, w\u00e4hrend der brasilianische Markt der lukrativste f\u00fcr das globale Unternehmen ist.<\/p>\n<p>Carrefour ist bereits seit einigen Jahren die zweitgr\u00f6\u00dfte Einzelhandelskette in Brasilien und wurde mit der \u00dcbernahme der Kette Grupo Big im M\u00e4rz 2021 zum gr\u00f6\u00dften Einzelh\u00e4ndler in Brasilien, sowohl mit seiner eigenen Marke Carrefour und dem Low-Budget-Supermarkt Acatad\u00e3o und einer Reihe anderer Marken. Mit der neuen Akquisition hat sich der Kundenstamm von Carrefour in Brasilien sch\u00e4tzungsweise von 45 auf 60 Millionen Kunden erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Das Programm \u201eAdoptiere einen Park\u201c wurde offiziell am 9. Februar 2021 vom brasilianischen Umweltministerium in Anwesenheit seines Leiters Ricardo Salles, des brasilianischen Pr\u00e4sidenten Jair Bolsonaro und des lateinamerikanischen Pr\u00e4sidenten von Carrefour, Noel Prioux, gestartet. Die brasilianische Regierung plant, alle 334 f\u00f6deralen Schutzgebiete in das Programm einzubeziehen, und die erste Phase bietet 132 Einheiten im Amazonasbecken zur \u201cAdoption\u201d an. Der anf\u00e4ngliche Investitionspreis betr\u00e4gt R$50 (Reals) pro Hektar, oder 10 Euro f\u00fcr ausl\u00e4ndische Unternehmen. Die brasilianische Regierung erwartet, mit dem Programm 32 Milliarden R$ pro Jahr einzunehmen.<\/p>\n<p><strong>Mutwillige Umweltzerst\u00f6rung<\/strong><\/p>\n<p>Die Logik des Programms folgt einer \u00e4hnlichen, die Bolsonaro auf dem Weltklimagipfel am 22. und 23. April 2021 vorgestellt hat. W\u00e4hrend alle Umweltschutzprogramme in Brasilien die niedrigsten Finanzmittel seit Jahren erhalten, werden der illegale Handel mit Holz und illegaler Bergbau ermutigt, ihre Aktivit\u00e4ten auszuweiten. Einige \u201cGreenwashing\u201d-Mechanismen, die eine Bezahlung durch Dritte vorsehen, sollen diesen Weg der Zerst\u00f6rung begleiten.<\/p>\n<p>Zum Beispiel wurde das Programm f\u00fcr Schutzgebiete Amazoniens (ARPA), das 2002 mit internationaler finanzieller Unterst\u00fctzung gegr\u00fcndet wurde, von der Regierung Bolsonaro eingestellt, obwohl noch Mittel in H\u00f6he von 215 Millionen US$ bereitstehen, die derzeit nicht verwendet werden. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem Amazonien-Fonds, der vor allem von Deutschland und Norwegen unterst\u00fctzt wurde, dessen Finanzierung aber 2019 eingestellt wurde. Dennoch sind in dem Fonds noch etwa 600 Millionen US$ vorhanden sind, die ebenfalls seit Beginn der Pr\u00e4sidentschaft Bolsonaros nicht ausgegeben wurden.<\/p>\n<p>Nach dem j\u00fcngsten Weltklimagipfel beschuldigte Umweltminister Salles die Regierungen Deutschlands und Norwegens, die Verwendung der Gelder in diesem Fonds gestoppt zu haben. Die norwegische Botschaft reagierte schnell und behauptete, die brasilianische Regierung habe die Governance-Struktur des Fonds im Juni 2019 ohne vorherige Absprachen demontiert. Es ist also nicht ein Mangel an Geld, der die brasilianische Regierung daran hindert, Umweltschutz zu f\u00f6rdern, sondern der Mangel an politischer Motivation.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wird gegen Minister Salles durch die Bundespolizei ermittelt, weil er eine der gr\u00f6\u00dften Operationen gegen illegalen Holzhandel im Dezember 2020 behindert hat, bei der die Bundespolizei eine riesige Menge Holz im Bundesstaat Par\u00e1 sichergestellt hat. Der f\u00fcr die Ermittlungen zust\u00e4ndige Polizeibeamte, ein ehemaliger Freund Bolsonaros, wurde nach Beginn der Ermittlungen im April 2021 entlassen. Unterdessen l\u00e4uft beim Obersten Gerichtshof ein Ermittlungsverfahren gegen die Regierung Bolsonaro wegen der Nichtverwendung der Gelder aus dem Amazonas-Fonds.<\/p>\n<p>Die Reaktionen von Umweltsch\u00fctzern auf \u201cAdoptiere einen Park\u201d waren harsch. Die etablierte Organisation Observat\u00f3rio do Clima (Klimabeobachtungsstelle) kommentierte bissig \u201cAdoptiere einen \u00d6kozid\u201d<\/p>\n<ul>\n<li>Link:\u00a0<a href=\"http:\/\/revistaecologico.com.br\/sou-ecologico\/adote-um-ecocida-novo-programa-ambiental-do-governo-federal-e-alvo-de-criticas\/\">Sou Ecol\u00f3gico | \u2018Adote um Ecocida\u2019: novo programa ambiental do Governo Federal \u00e9 alvo de cr\u00edticas (revistaecologico.com.br)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>und etwa 50 Basisorganisationen und NGOs unterzeichneten einen Brief, in dem sie das Programm kritisierten, darunter der CNS, die Nationale Koordination der Quilombola-Gemeinden (CONAQ), die Bewegung der landlosen Arbeiter\/innen (MST), Brasiliens gr\u00f6\u00dfter Gewerkschaftsverband CUT, die katholische Organisation Commiss\u00e2o Pastoral da Terra und die Organisation Carta de Bel\u00e9m, die im Zuge des Weltsozialforums in Bel\u00e9m 2006 gegr\u00fcndet wurde.<\/p>\n<ul>\n<li>Link:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cartadebelem.org.br\/saldao-do-governo-bolsonaro-sobre-as-unidades-de-conservacao-organizacoes-e-movimentos-sociais-se-mobilizam-contra-o-programa-adote-um-parque\/\">Sald\u00e3o do governo Bolsonaro sobre as unidades de conserva\u00e7\u00e3o! Organiza\u00e7\u00f5es e Movimentos Sociais se mobilizam contra o programa \u201cAdote um Parque\u201d \u2013 Grupo Carta de Bel\u00e9m (cartadebelem.org.br)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Unternehmerische \u201eUmsicht\u201c in der Pandemie<\/strong><\/p>\n<p>Die offensichtliche Frage ist, warum Carrefour und Heineken sich auf eine solche Art und Weise \u201eengagieren\u201c, die nicht nur die Verletzung der Rechte mehrerer Bev\u00f6lkerungsgruppen, die Verletzung zahlreicher Gesetze, sondern auch eine v\u00f6llig ineffiziente Form des Umweltschutzes beinhaltet.<\/p>\n<p>Carrefour stand in Brasilien im Zentrum einer Reihe von Vorf\u00e4llen, bei denen direkte Mitarbeiter und von dem Unternehmen beauftragte Sicherheitskr\u00e4fte exzessive Gewalt angewendet haben. Im Jahr 2009 wurde ein Ladendieb von einem Filialleiter und Sicherheitskr\u00e4ften gefoltert und get\u00f6tet, und 2013 wurde ein schwarzer Kunde f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr einen Dieb gehalten und von Sicherheitskr\u00e4ften gefoltert. In j\u00fcngerer Zeit, am 19. November 2020, wurde ein schwarzer m\u00e4nnlicher Kunde nach einem verbalen Schlagabtausch mit zwei Sicherheitsleuten ermordet, w\u00e4hrend eine Supermarktmitarbeiterin versuchte, Umstehende daran zu hindern, den Vorfall zu filmen. Dieser letzte Vorfall ereignete sich einen Tag vor dem Tag des Schwarzen Bewusstseins in Brasilien und f\u00fchrte zu verschiedenen Demonstrationen vor Carrefour-Filialen.<\/p>\n<p>Es wird interessant sein, wie die CSR-Abteilungen f\u00fcr soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit dieser Unternehmen versuchen werden, diese Form des \u201eEngagements\u201c zu verkaufen, die eklatant die Rechte der Bev\u00f6lkerungen verletzt, die oft seit Jahrzehnten und Jahrhunderten in diesen Gebieten leben. Wahrscheinlich wetten die \u201ehigh potentials\u201d bei Heineken und Carrefour darauf, dass die Pandemie eine gro\u00dfartige Gelegenheit ist, sich an einem gl\u00e4nzenden, gut aussehenden Projekt des \u00f6kologischen und sozialen Engagements zu beteiligen. Aber sie k\u00f6nnten sich irren, und insbesondere Carrefour scheint darauf erpicht zu sein, seiner ohnehin schon miserablen Erfolgsbilanz einen weiteren Shitstorm hinzuzuf\u00fcgen. Dass diese Deals zur Privatisierung von Naturschutzgebieten zu einer Zeit abgeschlossen wurden, als Brasilien in einer der schlimmsten Phasen der Covid-19-Pandemie steckte, sagt einiges \u00fcber das Fehlen einer minimalen Sensibilit\u00e4t auf Seiten dieser Unternehmensf\u00fchrer aus.<\/p>\n<p>Interessanterweise wies ein k\u00fcrzlich erschienener Bericht in der Financial Times darauf hin, dass das \u201cAdopt a Park\u201d-Programm aufgrund seiner mangelnden \u00f6kologischen Glaubw\u00fcrdigkeit f\u00fcr die meisten Investoren uninteressant sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<ul>\n<li>Link: Bryan Harris: Investors urge Brazil to use green bonds to save the Amazon, 2 May, 2021.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/e1d37f89-9cb6-48f6-8930-8c464c272adf\">https:\/\/www.ft.com\/content\/e1d37f89-9cb6-48f6-8930-8c464c272adf<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/brasilien\/politik-brasilien\/greenwashing-mit-bolsonaro-heineken-und-carrefour-privatisieren-das-amazonasgebiet\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 5. Mai 2021<\/em><\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Edel Moraes und J\u00f6rg Nowak. 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