{"id":9665,"date":"2021-05-18T08:24:43","date_gmt":"2021-05-18T06:24:43","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9665"},"modified":"2021-05-18T08:24:45","modified_gmt":"2021-05-18T06:24:45","slug":"kuba-ist-das-sozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9665","title":{"rendered":"Kuba \u2013Ist das Sozialismus?"},"content":{"rendered":"<p><em>Katharina Anetzberger. <\/em><strong>Kuba wurde im letzten Jahr f\u00fcr seine \u00c4rzte, die weltweit im Kampf gegen Covid-19 im Einsatz waren, gefeiert und sogar f\u00fcr den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. International wird die Insel in der Karibik sonst als kommunistisch ge\u00e4chtet \u2013 aber<\/strong><!--more--> <strong>was hat es mit dem Sozialismus auf Kuba wirklich auf sich?<\/strong><\/p>\n<p>Die Covid-Pandemie hat in \u00d6sterreich die katastrophalen Folgen des jahrzehntelangen Sozialabbaus sichtbar gemacht. Das Gerangel um die Impfstoffe, bei dem wie selbstverst\u00e4ndlich die \u00e4rmeren L\u00e4nder von den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen aus den kapitalistischen Zentren heraus niedergetrampelt werden, entlarvt das Beschw\u00f6ren von gemeinsamer Pandemie-Bek\u00e4mpfung als leeres Gerede.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen sendet Kuba \u00c4rzt_innen rund um die Welt. Die Internationale Medizinische Brigade\u00a0<em>Henry Reeve<\/em>\u00a0(benannt nach einem K\u00e4mpfer f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Kubas von den spanischen Kolonialherren) ist \u00fcberall da im Einsatz, wo um Hilfe gerufen wird: in Indonesien nach Erdbeben, in Westafrika aufgrund der Ebola-Pandemie, in Haiti wegen der von UNO-Soldaten eingeschleppten Cholera. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie war die Gesundheitsbrigade in mehr als 60 L\u00e4ndern weltweit im Einsatz.<\/p>\n<p><strong>Kuba und Corona<\/strong><\/p>\n<p>Die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/ard\/video\/weltspiegel\/kuba-aerzte-zum-verschicken\/das-erste\/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3dlbHRzcGllZ2VsLzQ1YmI0YWRlLTgzMzktNDFkOC1hN2YzLWMyYWE3ZTk3ZWRkYw\/\">\u00c4rztin Ana Perez<\/a>\u00a0reiste als Teil der Brigade nach Angola. Bei ihrer Abschiedsfeier steht Perez gemeinsam mit ihren Kolleg_innen im wei\u00dfen Kittel und milit\u00e4rischer Haltung, sie recken die F\u00e4uste und rufen \u201e\u00a1Hasta la Victoria Siempre!\u201c \u2013 F\u00fcr immer bis zum Sieg!, jenen ber\u00fchmt gewordenen Abschiedsgru\u00df von Ernesto Che Guevara. Wir \u201ezeigen, dass wir w\u00fcrdige Repr\u00e4sentanten unseres solidarischen Landes sind\u201c, erkl\u00e4rt Perez.<\/p>\n<p>Zur Pandemiebek\u00e4mpfung im eigenen Land ziehen Mediziner_innen t\u00e4glich von Haus zu Haus, um die Menschen auf Symptome zu pr\u00fcfen und ihnen den Gang in die Praxis zu ersparen. So sollten Infektionsketten erst gar nicht entstehen.<\/p>\n<p>Dass Kuba derart viele \u00c4rzte hat, liegt vor allem an der kostenlosen Ausbildung. Freie Bildung und kostenlose Gesundheitsversorgung z\u00e4hlten zu den ersten Errungenschaften der Revolution: \u00fcberall wurden Schulen und Krankenh\u00e4user errichtet, mobile Bibliotheken, etwa in Bussen, wurden in die l\u00e4ndlichen Regionen geschickt und offensive Alphabetisierungskampagnen sollten die Menschen jeden Alters erreichen. Au\u00dferdem sind die \u00c4rzte ein \u201eExportgut\u201c. Andere L\u00e4nder zahlen f\u00fcr ihren Einsatz, dieses Geld wiederum flie\u00dft in Kubas Gesundheitssystem. Trotzdem stehen auch in Kuba die Krankenh\u00e4user derzeit kurz vor dem Kollaps. Nach jahrzehntelangen Wirtschaftsblockaden fehlt es an Medikamenten und technischer Ausr\u00fcstung.<\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Kubas ist der Tourismus, der aufgrund der steigenden Covid-Zahlen brachliegt. Kubas Hoffnung ist ein eigener Impfstoff \u2013 gleich f\u00fcnf verschiedene wurden entwickelt. F\u00fcr die vielversprechendsten, Soberana 02 und Abdala, wird mit einer\u00a0<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2021\/04\/249290\/impfkampagne-kuba\">Zulassung im Juli<\/a>\u00a0gerechnet.\u00a0<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2021\/04\/249290\/impfkampagne-kuba\">100 Millionen Dosen<\/a>\u00a0sollen bis Ende des Jahres produziert werden; nach Einsch\u00e4tzung der Washington Post ist es wahrscheinlich, dass Kuba eines der ersten L\u00e4nder mit Herdenimmunit\u00e4t sein wird. Das Tourismusministerium setzte gleich einen neuen Slogan auf: \u201eStr\u00e4nde, Karibik, Mojitos und ein Impfstoff\u201c. Der Plan ist aber nicht nur, mit den Impfstoffen Touristen aus dem Westen anzulocken, sondern der Export vor allem in L\u00e4nder des globalen S\u00fcdens.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t, von Anfang an eines der Schlagworte der internationalen Arbeiter_innenbewegung, schreibt sich Kuba mit Initiativen wie der \u00c4rztebrigade gro\u00df auf die Fahnen. Seit dem Zusammenbruch des ehemaligen Verb\u00fcndeten Sowjetunion ist die Karibikinsel eines der letzten verbliebenen \u201erealsozialistischen\u201c L\u00e4nder der Welt. Doch der Wettstreit mit dem westlichen Imperialismus ist nicht vorbei. Umso gr\u00f6\u00dfer wiegt f\u00fcr Kuba die Entsendung von 53 \u00c4rzten nach Norditalien im M\u00e4rz letzten Jahres. Ein europ\u00e4isches Land im Zentrum des Kapitalismus ist auf die Hilfe der als kommunistisch ge\u00e4chteten Insel angewiesen \u2013 ein enormer ideologischer Sieg f\u00fcr Kuba.<\/p>\n<p><strong>\u201e\u00a1Hasta la Victoria Siempre!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Aber wie sehen die ideologischen Pfeiler Kubas aus? Wie viel Sozialismus steckt tats\u00e4chlich in der kubanischen Revolution?<\/p>\n<p>Noch im Mai 1959, wenige Monate nach dem Sieg der Revolution, erkl\u00e4rte Castro, Kuba solle einen Weg gehen \u201ezwischen dem Kapitalismus, der die Menschen aushungert, und dem Kommunismus, der ihre wirtschaftlichen Probleme l\u00f6st, aber daf\u00fcr die Freiheiten unterdr\u00fcckt, die ihnen so teuer sind. [\u2026] Wir sind weder mit dem einen noch mit dem anderen einverstanden.\u201c<\/p>\n<p>Mit Kommunismus meinte Castro die staatskapitalistischen oder \u201erealsozialistischen\u201c Diktaturen Osteuropas, die mit der Befreiung der Arbeiterklasse nichts gemein hatten. Die Rebellenarmee verfolgte weder das eine noch das andere Ziel. Unter den An\u00adf\u00fchrern waren lediglich Guevara und Fidels Bruder Ra\u00fal Castro dem \u201eRealsozialismus\u201c nahe stehend. Ihr Ziel war in erster Linie der Sturz des Diktators Ba\u00adtista und die endg\u00fcltige Befreiung Kubas von jeder Fremdherrschaft. Kubas Geschichte war von Kolonialis\u00admus gepr\u00e4gt, aber auch von Unabh\u00e4ngigkeitskrie\u00adgen. Der bekannteste daraus hervorgegangene Held ist Jos\u00e9 Mart\u00ed \u2013 der kubanische Nationalheld schlechthin. Castro sah sich selbst in Mart\u00eds Tradition, und dieser Ansatz eines antikolonialen, nationalen Befreiungskampfes war die treibende Kraft der Re\u00advolution. Der Anwalt<\/p>\n<p>Fidel Castro trat schon 1952 bei der Pr\u00e4sidentenwahl f\u00fcr die antikommunistisch eingestell\u00adten Orthodoxen (Anh\u00e4nger Mart\u00eds) an, und wurde prompt Batista gef\u00e4hrlich. Batista setzte kurzerhand die Ver\u00adfassung au\u00dfer Kraft und riss die Macht an sich. Am 26. Juli 1953 startete Castro mit 165 Mitstrei\u00adtern seinen legend\u00e4ren Angriff auf die Moncada- Kaserne in Santiago de Cuba, was ihn landesweit bekannt machte. Noch heute ist der 26. Juli der Re\u00advolutionsfeiertag und gab der\u00a0<em>Movimiento 26 de Julio<\/em>\u00a0(M26) ihren Namen.<\/p>\n<p>Nach seiner Haft ging Castro 1955 ins Exil nach Mexiko, wo er Ra\u00fal und Guevara traf. Mit 82 Mann nahmen sie am 25. November 1956 mit der \u201eGranma\u201c Kurs auf Kuba. Bei der Ankunft war der vereinbarte Aufstand der M26 niedergeschlagen, die Rebellen gerieten in einen Hinterhalt und nur zw\u00f6lf M\u00e4nner konnten sich in die Bergregion der Sierra Maestra retten. Die 1925 im Zuge einer Streikbewegung gegr\u00fcndete PCC, die\u00a0<em>Partido Comunista de Cuba<\/em>, begegnete den Rebellen anfangs skeptisch, unterst\u00fctzte sie aber ab Mitte 1958. In der Silvesternacht desselben Jahres floh Batista au\u00dfer Landes, am 1. Januar 1959 zogen die Revolution\u00e4r_innen nach Jahren des Guerillakampfes siegreich in Havanna ein.<\/p>\n<p><strong>Antikolonialismus<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUnsere Revolution ist nicht rot, sondern olivgr\u00fcn. Sie tr\u00e4gt die Farbe der Rebellenarmee der Sierra Maestra\u201c, verk\u00fcndete Castro im Mai 1959 und betonte damit einmal mehr den Fokus auf die Befreiung der Nation anstatt auf die der ausgebeuteten Klassen. Nichtsdestotrotz wurde die PCC als einzige Partei nicht verboten. F\u00fcr die besitzende Klasse wurde es ungem\u00fctlich: Gro\u00dfgrundbesitzer wurden enteignet und das Land umverteilt, die Mieten wurden um 30 bis 50 Prozent gesenkt, ebenso die Preise f\u00fcr Strom und Medikamente, die L\u00f6hne der einfachen Arbeiter_innen hingegen erh\u00f6ht<\/p>\n<p>Da Castro finanzielle Hilfen der USA, der\u00a0<em>Weltbank<\/em>\u00a0und des IWF ablehnte \u2013 zu oft hatten die USA versucht, Kuba unter ihre Herrschaft zu bringen \u2013 und stattdessen Gespr\u00e4che mit der Sowjetunion aufnahm, kam es zum offenen Bruch mit den USA. Als kleiner Staat war Kuba auf Verb\u00fcndete angewiesen; aufgrund der Ablehnung gegen\u00fcber den USA kam nur die Sowjetunion in Frage. Diese wiederum verfolgte aufgrund der N\u00e4he Kubas zur US-K\u00fcste geostrategische Interessen. US-Konzerne auf Kuba weigerten sich, das von der Sowjetunion kommende Erd\u00f6l zu verarbeiten. Kurzerhand verstaatlichte Castro die Industrie und landete f\u00fcr die USA auf der Liste der zu bek\u00e4mpfenden Kommunisten. Kuba wurde zu einem Hauptschauplatz des Kalten Krieges.<\/p>\n<p>1960 verh\u00e4ngten die USA ein Handelsembargo \u00fcber Kuba, es folgten mehrere Anschl\u00e4ge und Attentatsversuche, v.a. auf Castro. Im April 1961 starteten die USA die \u201eInvasion in der Schweinebucht\u201c: von der CIA angeheuerte Exilkubaner griffen am Playa Gir\u00f3n an, wurden jedoch besiegt \u2013 eine schmachvolle Niederlage f\u00fcr die USA. 1962 beschloss die Sowjetunion als Reaktion auf in der T\u00fcrkei stationierte US-Atomraketen seinerseits Atomwaffen auf Kuba zu postieren. Der knappe Ausgang der sogenannten Kubakrise ist bekannt.<\/p>\n<p>Der eigenen Linie treu (und der sowjetischen entgegen) unterst\u00fctzte Kuba Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen weltweit, wie jene Algeriens oder Angolas, mit Geld, Waffen und Soldaten. Kuba sah sich als Vorreiter und veranstaltete 1966 die erste\u00a0<em>Trikontinentale Konferenz<\/em>. Dort sollten die nationalen Befreiungsbewegungen Lateinamerikas, Asiens und Afrikas geb\u00fcndelt werden.<\/p>\n<p><strong>Patria o muerte \u2013 Vaterland oder Tod<\/strong><\/p>\n<p>Kubas Nationalbewusstsein gr\u00fcndet auf der Revolution. An jeder Wand prangen Bildnisse der Rebellen und Schriftz\u00fcge wie \u201eSocialismo o muerte\u201c (Sozialismus oder Tod) oder \u201ePatria o muerte\u201c \u2013 Vaterland oder Tod. Und hier wird der Widerspruch wieder sichtbar: Sozialismus und Vaterland sind schwer zusammenzubringen. \u201eDie Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben\u201c, schreiben Marx und Engels im Kommunistischen Manifest. Das Vaterland bzw. \u201edie Nation\u201c ist mit dem B\u00fcrgertum entstanden und sichert in erster Linie das Recht auf Eigentum. In der eigenen Nation wird dieses \u201eRecht\u201c mit der Polizei durchgesetzt, im Wettkampf mit anderen Nationen mit dem Milit\u00e4r (Kampf um Rohstoffe etc.). Im Gegensatz zum Kampf der kapitalistischen Staaten untereinander steht die Klasse der Arbeitenden aber im Kampf mit denjenigen, die von ihrer Arbeit profitieren \u2013 der Kampf der Arbeiter_innen ist also nicht der gegen andere Staaten, sondern der gegen die Ausbeuter, die Kapitalisten, egal welcher Nation diese angeh\u00f6ren.<\/p>\n<p><em>Kubas Nationalbewusstsein gr\u00fcndet auf der Revolution. An jeder Wand prangen Bildnisse der Rebellen und Schriftz\u00fcge<\/em>.\u00a0<em>Bild:\u00a0<\/em>Guille \u00c1lvarez (Unsplash)<\/p>\n<p>In Bezug auf L\u00e4nder, in denen weder das B\u00fcrgertum weit entwickelt noch die Industriearbeiterklasse zahlenm\u00e4\u00dfig gro\u00df genug ist, verfasste der russische Revolution\u00e4r Leo Trotzki die Theorie der \u201ePermanenten Revolution\u201c. Das Proletariat solle \u2013 in Kooperation mit den Bauern \u2013 die antifeudale Revolution direkt in die sozialistische weiterf\u00fchren. Dadurch w\u00fcrden die Verh\u00e4ltnisse in den weiter entwickelten, imperialistischen Staaten ins Wanken gebracht und der Sozialismus k\u00f6nne weiterverbreitet werden. In Kuba jedoch spielte weder die Arbeiter_innenklasse noch die Bauernschaft eine tragende Rolle. Castros Aufruf zu einem Generalstreik im April 1958 blieb ohne Folgen. Die Rebellenarmee bestand in erster Linie aus Intellektuellen der Mittelklasse, denen sich nach und nach Bauern anschlossen. Der Trotzkist Tony Cliff sprach in Bezug auf Kuba (wie auch auf Maos China) von einer umgelenkten permanenten Revolution: wenn die Arbeiter_innenklasse in einer revolution\u00e4ren Situation passiv bleibt, k\u00f6nnen kleinb\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte, wie K\u00fcnstler oder Intellektuelle, die Revolution in eine nicht-sozialistische Bahn \u201eumlenken\u201c.<\/p>\n<p>Guevara leitete aus seiner Erfahrung die \u201eFokustheorie\u201c ab, wonach die objektiven Faktoren einer Revolution, wie die Entwicklung eines Industrieproletariats, umgangen und durch die Guerillak\u00e4mpfer selbst geschaffen werden k\u00f6nnten. In seinem Kubanischen Tagebuch schreibt er: \u201eAus vielen aufrichtigen Bem\u00fchungen einfacher Menschen ist das Geb\u00e4ude der Revolution entstanden; unser Auftrag ist, das Gute zu entwickeln, das Edle in jedem Einzelnen, und jeden Menschen zu einem Revolution\u00e4r zu machen.\u201c Zwar setzte er sich f\u00fcr die Weltrevolution ein, doch sein Ansatz, den Unterdr\u00fcckten die Befreiung bringen zu k\u00f6nnen, weicht grundlegend von der marxistischen \u00dcberzeugung ab, der zufolge eine Revolution einzig als selbst\u00e4ndige Aktion von der Arbeiter_innenklasse verwirklicht werden kann. Anstatt durch eine Revolution von unten wurde die neue Staatsausrichtung von oben vorgegeben.<\/p>\n<p>Zwangsweise bildete sich in Kuba eine neue herrschende Klasse und um Castro ein wahrer F\u00fchrerkult. \u201eComandante en Jefe de la Revoluci\u00f3n Cubana\u201c (Oberbefehlshaber der kubanischen Revolution) und \u201eM\u00e1ximo L\u00edder\u201c (Oberster F\u00fchrer) waren seine Titel. Statt im Sozialismus m\u00fcndete Kuba, \u00e4hnlich der Sowjetunion, im Staatskapitalismus. Die Produktionsmittel geh\u00f6ren einer b\u00fcrokratischen Elite im Staat, die Arbeiter_innen hatten weder politische noch \u00f6konomische Macht errungen.<\/p>\n<p><strong>Kuba heute<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion brachen auch in Kuba Unruhen aus \u2013 so wenig das russische Imperium sozialistisch war, so wenig waren es seine Satellitenstaaten. Castro lie\u00df erstmals Menschen legal die Insel verlassen und musste sich neue Verb\u00fcndete suchen. Einen solchen fand er in Hugo Ch\u00e1vez, den Pr\u00e4sidenten Venezuelas und Vertreter des \u201eSozialismus des 21. Jahrhunderts\u201c. Im Gegenzug f\u00fcr verbilligtes \u00d6l schickte Kuba Lehr_innen und \u00c4rzt_innen. Als diese bei weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung verschiedene Sehschw\u00e4chen feststellten, flog Kuba diese Menschen kurzerhand ein und nahm auf Staatskosten Operationen vor. Die \u201eOperation Wunder\u201c wurde auch auf andere lateinamerikanische L\u00e4nder ausgeweitet.<\/p>\n<p>Doch den Errungenschaften der Revolution stehen massive Repressionen gegen\u00fcber. Castro internierte Homosexuelle in Konzentrationslagern, unliebsame Journalist_innen und Schriftsteller_innen wurden ebenso weggesperrt oder ins Exil gedr\u00e4ngt. Was Kuba heute als seine Tugenden verkauft, ist vor allem aus der Not heraus entstanden. Die Insel wird als wahres Bio-Paradies angesehen, Pestizide sind beinahe komplett verboten und vom weltweit grassierenden Bienensterben ist Kuba nicht betroffen. In den St\u00e4dten entstehen mehr und mehr Farmen, sogenannte Organop\u00f3nicos. Allerdings ist das notwendig, da aufgrund des Embargos der Gro\u00dfteil der Nahrung auf der Insel selbst hergestellt werden muss und die Menschen zur Selbstversorgung und damit zur Nutzung jeder freien Fl\u00e4che gezwungen sind. Das Pestizidverbot entstand nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und damit, den ausbleibenden \u00d6l-Lieferungen \u2013 einem Grundbestandteil von D\u00fcngemittel. Als 2017 der Hurrikan Irma \u00fcber den Atlantik fegte, fielen in Havanna die Balkone in den \u00e4rmeren Vierteln wie \u00fcberreife \u00c4pfel von den H\u00e4usern und begruben Menschen unter sich. Der Staat entsandte das Milit\u00e4r f\u00fcr die Aufr\u00e4umarbeiten aber zuallererst nach Varadero, einem beliebten Urlaubsparadies.<\/p>\n<p>Ein sozialistisches Paradies ist Kuba nicht. Es ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie viel der Traum einer Welt ohne Ungerechtigkeit erreichen kann, selbst innerhalb einer kapitalistisch organisierten Welt. Auch in anderen sowjetischen Satellitenstaaten, wie der DDR, war der Zugang zu Sozial- und Gesundheitsleistungen im Gegensatz zu \u201ewestlichen\u201c Staaten viel leichter \u2013 vergleichbar vielleicht mit den Errungenschaften der Sozialdemokraten im \u201eRoten Wien\u201c. Kuba ist ein Beispiel daf\u00fcr, dass ein einziges Land nicht in der Lage ist, den Sozialismus zu verwirklichen \u2013 \u00e4hnlich wie in der Sowjetunion in ihren Anfangsjahren, war der Druck, mit der globalen Wirtschaft mithalten zu m\u00fcssen, um \u00fcberlebensf\u00e4hig zu sein, zu gro\u00df. \u201eSozialismus in einem Land\u201c, wie Stalin propagierte, ist zum Scheitern verurteilt. Als Teil einer letzten Bastion, die sich gegen den US-gef\u00fchrten Imperialismus stellt, muss Kuba selbstverst\u00e4ndlich von allen Linken verteidigt werden. Dazu m\u00fcssen wir es aber nicht k\u00fcnstlich tiefrot einf\u00e4rben.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/linkswende.org\/kuba-ist-das-sozialismus\/\"><em>linkswende.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. Mai 2021<\/em><\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katharina Anetzberger. 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