{"id":9669,"date":"2021-05-19T09:24:33","date_gmt":"2021-05-19T07:24:33","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9669"},"modified":"2021-05-19T09:24:35","modified_gmt":"2021-05-19T07:24:35","slug":"israel-unterdrueckt-generalstreik-im-westjordanland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9669","title":{"rendered":"Israel unterdr\u00fcckt Generalstreik im Westjordanland"},"content":{"rendered":"<p><em>Jean Shaoul. <\/em><strong>Die Israelischen Verteidigungsstreitkr\u00e4fte (IDF) reagierten mit brutaler Repression auf einen pal\u00e4stinensischen Generalstreik im besetzten Westjordanland und in arabischen St\u00e4dten in Israel.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Der Streik, ein \u201eTag des Zorns\u201c, wurde vom arabischen High Follow-up-Komitee f\u00fcr arabische B\u00fcrger Israels, ausgerufen, um gegen die Bombardierung des Gazastreifens und die zunehmende Repression in Ost-Jerusalem zu protestieren. Das Komitee rief zur Solidarit\u00e4t \u201evom Meer bis zum Fluss\u201c auf.<\/p>\n<p>Die Aktion wurde sowohl von der Hamas als auch von der Fatah, der Regierungspartei des Pr\u00e4sidenten der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde, Mahmoud Abbas, unterst\u00fctzt und war die erste von Pal\u00e4stinensern sowohl in den besetzten Gebieten als auch in Israel. Die historische Aktion sah die Bestreikung aller pal\u00e4stinensischen Arbeitspl\u00e4tze, Unternehmen, Gesch\u00e4fte und Schulen vor.<\/p>\n<p>Die Sicherheitskr\u00e4fte reagierten mit t\u00f6dlicher Gewalt, t\u00f6teten drei Pal\u00e4stinenser und verletzten mindestens 63 weitere im Westjordanland.<\/p>\n<p>Die Truppen feuerten mit Tr\u00e4nengas und scharfer Munition auf Hunderte von Pal\u00e4stinensern, die Reifen verbrannten und Steine auf einen Milit\u00e4rkontrollpunkt in Al-Birah bei Ramallah warfen, wobei ein Pal\u00e4stinenser get\u00f6tet und 70 weitere verletzt wurden. Schwere Zusammenst\u00f6\u00dfe wurden auch aus anderen St\u00e4dten gemeldet, darunter Hebron, Bethlehem, Nablus und Budrus.<\/p>\n<p>Bereits am Montag hatten israelische Soldaten im Fl\u00fcchtlingslager al-Arroub n\u00f6rdlich von Hebron einen pal\u00e4stinensischen Teenager erschossen und verhindert, dass Krankenwagen den 18-j\u00e4hrigen Obaida Akram Jawabra erreichten. Am Dienstag t\u00f6teten israelische Soldaten in Hebron Fayyad Zahda, weil er angeblich Waffen bei sich hatte.<\/p>\n<p>Israels Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu genehmigte am Montag die schwersten Luftangriffe auf Gaza und erkl\u00e4rte, der Krieg werde \u201eso lange wie n\u00f6tig\u201c mit \u201evoller Wucht\u201c fortgesetzt. Er f\u00fcgte hinzu, Israel wolle der Hamas, einer Gruppierung der Muslimbruderschaft, die im Gazastreifen herrscht, einen \u201ehohen Preis abverlangen\u201c.<\/p>\n<p>Bei der Fortsetzung dieses verbrecherischen Kriegs gegen eine gr\u00f6\u00dftenteils wehrlose Bev\u00f6lkerung genie\u00dft Netanjahu die volle Unterst\u00fctzung von US-Pr\u00e4sident Joe Biden, der mehrfach erkl\u00e4rt hat, Israel habe das \u201eRecht auf Selbstverteidigung\u201c. Am Sonntag hinderten die USA die Vereinten Nationen zum dritten Mal in einer Woche daran, einen zahnlosen Aufruf zum Waffenstillstand zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Zuvor hatte UN-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres die imperialistischen M\u00e4chte gewarnt, der Konflikt zwischen Israel und den Pal\u00e4stinensern drohe au\u00dfer Kontrolle zu geraten und sch\u00fcre nicht nur in den besetzten Pal\u00e4stinensergebieten und Israel Extremismus und kommunale Gewalt, sondern in der ganzen Region. Biden erkl\u00e4rte am Sonntagabend, Netanjahu habe in einem Telefonat einen Waffenstillstand ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Neben den USA haben sich auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und der Sudan offen auf die Seite Israels gestellt \u2013 diese vier arabischen Staaten haben das Abraham-Abkommen mit der Netanjahu-Regierung unterzeichnet, das die Beziehungen zu Israel normalisiert. Der\u00a0<em>Guardian<\/em>\u00a0schrieb: \u201eAm Wochenende kursierte in den VAE, Bahrain und Kuwait der Hashtag ,Palestine is not my cause\u2018 (Pal\u00e4stina geht mich nichts an), offenbar als staatlich unterst\u00fctzte Reaktion.\u201c<\/p>\n<p>Die Angriffe auf den Gazastreifen in der Nacht von Sonntag auf Montag waren heftiger, dauerten l\u00e4nger und erstreckten sich \u00fcber ein gr\u00f6\u00dferes Gebiet als diejenigen in der vorherigen Nacht, bei denen 42 Pal\u00e4stinenser get\u00f6tet wurden. Berichten zufolge warfen 54 Kampfflugzeuge innerhalb von 20 Minuten 110 Pr\u00e4zisionssprengk\u00f6rper auf 35 Ziele ab. Die Zahl der Toten in der belagerten Enklave liegt bereits bei \u00fcber 200, darunter befinden sich zwei \u00c4rzte, mindestens 35 Frauen und 58 Kinder. Seit Beginn der Angriffe am letzten Montag wurden au\u00dferdem 1.300 Menschen verwundet. Mehr als 700 Wohnh\u00e4user und 80 Geb\u00e4ude wurden zerst\u00f6rt, wodurch mehr als 40.000 Menschen vertrieben wurden, denen es an Nahrung und den lebensnotwendigsten G\u00fctern fehlt. In Israel wurden zehn Menschen, darunter zwei Kinder und ein Soldat, durch die aus dem Gazastreifen abgefeuerten Geschosse get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der Opfer von Israels Angriffen sind Zivilisten. Laut der pal\u00e4stinensischen Nachrichtenagentur Wafa richteten sich die Angriffe gegen Wohnh\u00e4user und Regierungsgeb\u00e4ude, darunter ein vierst\u00f6ckiges Wohnhaus nahe dem al-Shifa-Krankenhaus, der wichtigsten medizinischen Einrichtung in Gaza. Laut anderen lokalen Medienberichten wurde auch die K\u00fcstenstra\u00dfe im Westen der Stadt, Sicherheitsgeb\u00e4ude und offene Gebiete getroffen. Der f\u00fcr Gaza zust\u00e4ndige Energiekonzern erkl\u00e4rte, die Luftangriffe h\u00e4tten eine Versorgungsleitung vom einzigen Kraftwerk der Stadt in den S\u00fcden des Stadtgebiets besch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Laut dem Sprecher der Israelischen Verteidigungskr\u00e4fte (IDF), Brigadegeneral Hidai Zilberman, haben israelische Kampfflugzeuge zum dritten Mal 15 Kilometer des unterirdischen Tunnelnetzwerks der Hamas sowie neun Wohnh\u00e4user zerst\u00f6rt, die angeblich hochrangigen Hamas-Kommandanten geh\u00f6rten. Zuvor wurden bereits die H\u00e4user zahlreicher Hamas-Funktion\u00e4re und Kommandanten zerst\u00f6rt, darunter diejenigen des Hamas-F\u00fchrers Yahya Sinwar und seines Bruders Muhammed.<\/p>\n<p>Laut der Organisation Islamischer Dschihad wurde einer ihrer Anf\u00fchrer, Hussam Abu Harbid, get\u00f6tet. Die Hamas hatte zuvor die Ermordung von 20 ihrer Anf\u00fchrer best\u00e4tigt. Laut den IDF ist die tats\u00e4chliche Zahl der get\u00f6teten hohen milit\u00e4rischen Anf\u00fchrer jedoch viel h\u00f6her.<\/p>\n<p>Der pal\u00e4stinensische Au\u00dfenminister Riyad al-Maliki und die israelische Menschenrechtsorganisation B&#8217;tselem haben Israel Kriegsverbrechen gegen Zivilisten im Gazastreifen vorgeworfen. Als Beispiele nannten sie die Bombardierung eines Hauses in einem Fl\u00fcchtlingslager, bei dem zehn Menschen get\u00f6tet wurden und eine ganze Familie bis auf ein Baby ausgel\u00f6scht wurde, die Zerst\u00f6rung eines Geb\u00e4udes, in dem sich Medienorganisationen wie Associated Press und Al Jazeera befanden und die Zerst\u00f6rung eines 13-st\u00f6ckigen B\u00fcro- und Wohnhauses. Die IDF hatten Vorher-Nachher-Bilder ver\u00f6ffentlicht und sich mit ihren Verbrechen ger\u00fchmt.<\/p>\n<p>Die israelischen Streitkr\u00e4fte wissen genau, dass bei ihren Angriffen auf \u201emilit\u00e4rische\u201c Ziele zivile Todesopfer unvermeidbar sind. Der\u00a0<em>Guardian<\/em>\u00a0zitierte einen Sprecher des israelischen Milit\u00e4rs, laut dem die Angriffe am Montag die \u201eunterirdische milit\u00e4rische Infrastruktur\u201c der Hamas getroffen haben. Laut der Zeitung gab die Pressestelle des Sprechers bekannt, dass durch den Angriff \u201edie unterirdische Anlage zusammenbrach, woraufhin auch die Fundamente der zivilen H\u00e4user zusammenbrachen, weshalb es unbeabsichtigte Todesopfer gab\u201c.<\/p>\n<p>Auch im Westjordanland haben israelische Sicherheitskr\u00e4fte ihren Terror gegen die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung verst\u00e4rkt. Laut dem Gesundheitsministerium der Pal\u00e4stinenserbeh\u00f6rde (PA) wurden seit dem 7. Mai 21 Pal\u00e4stinenser get\u00f6tet und weiter 3.728 verwundet, mindestens 441 davon durch scharfe Munition. Die meisten wurden im Verlauf von Demonstrationen get\u00f6tet oder verwundet, die \u00fcberall in den besetzten Gebieten ausgebrochen waren und ihren vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt in den Nakba-Protesten am 14. Mai fanden. Das Datum war damit der blutigste Tag seit April 2002.<\/p>\n<p>Der urspr\u00fcngliche Ausl\u00f6ser der Proteste war Israels St\u00fcrmung der al-Aqsa-Moschee w\u00e4hrend des Ramadan und die geplante Vertreibung von pal\u00e4stinensischen Familien aus den Ost-Jerusalemer Stadtteilen Scheich Jarrah und Silwan nahe der besetzten Altstadt. Diese Pl\u00e4ne sind Teil von Israels geplanter ethnischer S\u00e4uberung von Pal\u00e4stinensern.<\/p>\n<p>In pal\u00e4stinensischen D\u00f6rfern leidet die Bev\u00f6lkerung auch zunehmend unter Angriffen bewaffnete Siedler, die dabei vom Milit\u00e4r gesch\u00fctzt werden. Widerstand gegen diese Pogrome wird von den Soldaten mit Gummigeschossen oder scharfer Munition unterdr\u00fcckt. Die IDF haben mittlerweile 24 Bataillone im Westjordanland stationiert, d.h. fast doppelt so viele wie normalerweise. Die Grenzpolizei wurde abgezogen, um die wachsenden Unruhen der Pal\u00e4stinenser in Israel selbst zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Netanjahu und die politische F\u00fchrung Israels haben ihren faschistischen Verb\u00fcndeten gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Entsendung von bewaffneten Siedlern, rechten Fu\u00dfballhooligans und ultranationalistischen Fanatikern in die D\u00f6rfer und St\u00e4dte gegeben, in denen pal\u00e4stinensische B\u00fcrger wohnen. \u00dcber das Wochenende dauerte die Gewalt im ganzen Land an, u.a. in Ost-Jerusalem. Ein Dutzend Menschen wurde get\u00f6tet und fast eintausend weitere verhaftet, darunter 850 Pal\u00e4stinenser. In Lod haben die Beh\u00f6rden nach der Ermordung eines Pal\u00e4stinensers durch einen j\u00fcdischen Chauvinisten den Ausnahmezustand ausgerufen, eine n\u00e4chtliche Ausgangssperre verh\u00e4ngt und Nicht-Einwohnern den Zutritt zur Stadt verwehrt.<\/p>\n<p>Bisher hat die Staatsanwaltschaft nur Pal\u00e4stinenser angeklagt. Die meisten der 116 Anklagen wurden wegen Gewalt gegen Polizeibeamte erhoben.\u00a0<em>Ha&#8217;aretz<\/em>\u00a0wurde mitgeteilt, man wolle \u201ebald\u201c weitere Klagen erheben, angeblich auch gegen j\u00fcdische B\u00fcrger, die an Gewalt gegen Pal\u00e4stinenser beteiligt waren.<\/p>\n<p>Am Freitag wurde Scheich Kamal Al-Khatib, der stellvertretende F\u00fchrer des n\u00f6rdlichen Ablegers der Islamischen Bewegung in Israel, in der Stadt Kfar Kana im Norden des Landes von der Polizei verhaftet. Ihm wird Aufwiegelung vorgeworfen, was zu Zusammenst\u00f6\u00dfen gef\u00fchrt hat, bei denen 28 Menschen verletzt wurden, vier davon schwer.<\/p>\n<p>Laut\u00a0<em>Ha&#8217;aretz<\/em>\u00a0hat die Polizei die schwersten F\u00e4lle von Gewalt an den Inlandsgeheimdienst Shin Bet \u00fcbergeben. Zuvor hatte Netanjahu versprochen, die Polizei brauche bei ihrer Unterdr\u00fcckung der Unruhen und Zusammenst\u00f6\u00dfe keine Untersuchungsverfahren zu f\u00fcrchten.<\/p>\n<p><em>#Bild: <\/em>Ein Pal\u00e4stinenser trauert um seinen Vater, dessen Leiche ins Leichenschauhaus gebracht wird. Der Mann wurde am 17. Mai bei einem israelischen Luftangriff get\u00f6tet, der die obersten Stockwerke eines Gewerbegeb\u00e4udes zerst\u00f6rte und das nahegelegene Gesundheitsministerium und das wichtigste Krankenhaus von Gaza besch\u00e4digte. (AP Photo\/Khalil Hamra)<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2021\/05\/19\/isra-m19.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 19. Mai 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean Shaoul. Die Israelischen Verteidigungsstreitkr\u00e4fte (IDF) reagierten mit brutaler Repression auf einen pal\u00e4stinensischen Generalstreik im besetzten Westjordanland und in arabischen St\u00e4dten in Israel.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9670,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,5],"tags":[25,35,11,49,17,33],"class_list":["post-9669","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-palaestina","tag-rassismus","tag-repression","tag-widerstand","tag-zionismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9669","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9669"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9669\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9671,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9669\/revisions\/9671"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9670"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9669"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9669"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}