{"id":972,"date":"2016-02-08T09:37:44","date_gmt":"2016-02-08T07:37:44","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=972"},"modified":"2016-02-08T09:38:07","modified_gmt":"2016-02-08T07:38:07","slug":"972","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=972","title":{"rendered":"Schweizer Banken und die Waffenproduktion"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auch im Jahre 2015 investierten Schweizer Banken wieder kr\u00e4ftig in die lukrative R\u00fcstungsindustrie. Wie der aktuelle Bericht \u00abDon\u2019t Bank on the Bomb\u00bb zeigt, schrecken sie dabei auch nicht vor Investitionen in Unternehmen zur\u00fcck, die im Bereich der Atomwaffentechnologie t\u00e4tig sind.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212; <\/strong><\/p>\n<p><em>(agkkz)<\/em> Wie so oft in den vergangenen Jahren f\u00fcrchteten Finanzmarktspezialisten auch nach den Anschl\u00e4gen von Paris Turbulenzen am Markt. Tats\u00e4chlich scheint sich dieser jedoch mittlerweile an solche Angriffe gew\u00f6hnt zu haben. Denn die Aktienindexe fielen nicht in die Keller und einige Bereiche, wie etwa die R\u00fcstungsindustrie, konnten gar von den Anschl\u00e4gen profitieren. So erh\u00f6hte sich der Kurs des franz\u00f6sischen Milit\u00e4rtechnik-Unternehmen Thales nach den Anschl\u00e4gen zwischenzeitlich um 10%. Der amerikanische Arca-R\u00fcstungswerteindex, welcher die 14 gr\u00f6ssten amerikanischen Waffenbauer umfasst, konnte in der gleichen Zeit ebenfalls um 4% zulegen. Kein Wunder gilt die R\u00fcstungsindustrie seit l\u00e4ngerem als lukrativer Standort f\u00fcr m\u00f6gliche Investitionen.<\/p>\n<p>Dies ist auch Schweizer Banken bewusst. So besitzt beispielsweise die Z\u00fcrcher Kantonalbank Anteile des israelischen Drohnenherstellers \u00abElbit Systems\u00bb, die Credit Suisse verf\u00fcgt \u00fcber Aktien des amerikanischen Streumunitionsproduzenten Textron und die UBS ist beim deutschen R\u00fcstungskonzern Rheinmetall oder auch beim amerikanischen Waffenproduzenten \u00abNorthrop Grumman\u00bb beteiligt. Eine solche Liste mit finanziellen Beteiligungen von Schweizer Banken an der internationalen R\u00fcstungsindustrie liesse sich beliebig erweitern. So ist mittlerweile weltweit an fast jedem gr\u00f6sseren an der B\u00f6rse gehandelten R\u00fcstungsbetrieb Schweizer Kapital beteiligt. Solange dabei der Profit stimmt, unterscheiden die Finanzinstitutionen auch nicht zwischen den einzelnen Segmenten. Wenn also beispielsweise selbst mit der zerst\u00f6rerischen Atomwaffentechnologie Kapital akkumuliert werden kann, dann wird auch dort nicht vor Investitionen zur\u00fcckgeschreckt. Weil dieser spezifische Bereich der R\u00fcstungsindustrie jedoch moralisch ge\u00e4chteter als vergleichbare Kriegsprodukte ist, wurde er bis anhin relativ breit erforscht und bietet sich so als Einstieg in die schier endlos erscheinende Verstrickung von Schweitzer Kapital und der R\u00fcstungsindustrie an.<\/p>\n<p><strong>\u00abDon\u2019t Bank on the Bomb\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Beispielsweise publiziert eine holl\u00e4ndische ForscherInnengruppe seit 2012 einen j\u00e4hrlichen Finanzbericht unter dem Namen \u00abDon\u2019t Bank on the Bomb\u00bb. Darin versuchen sie m\u00f6glichst alle Transaktionen von Unternehmen aufzulisten, welche in den vergangenen Jahren im Bereich der Atomwaffenindustrie Investitionen oder dergleichen get\u00e4tigt haben. Dadurch k\u00f6nnen sie unter anderem belegen, dass alleine die Schweizer Finanzinstitute in diesem Jahr mit 6,1 Milliarden Dollar an Unternehmen beteiligt waren, die in irgendeiner Form mit dem Bau von Atomwaffen in Verbindung stehen. Was konkret bedeutet, dass die Banken in solche Firmen investieren, deren Geld verwalten oder auch Kredite vergeben. Gr\u00f6sster Geldgeber ist dabei die UBS, die mit rund 5,1 Milliarden Dollar involviert ist, danach kommt die CS mit einem wesentlich kleineren aber immer noch hohen Betrag. Besonders oft wird dabei in Mischkonzerne wie Airbus, Boeing oder BAE Systems investiert. Diese sind einerseits marktf\u00fchrend und produzieren andererseits allesamt sowohl Waren im Bereich der zivilen Luftfahrt wie auch unterschiedliche G\u00fcter der R\u00fcstungsindustrie. Damit l\u00e4sst sich nicht nur das finanzielle Risiko der Transaktionen minimieren, sondern auch die Investition im Bereich der Atomwaffentechnologie gekonnt verdecken.<\/p>\n<p>Auch kleinere Banken lassen sich diesen Markt nicht entgehen. So hat beispielsweise die Swisscanto Holding, ein Gemeinschaftsunternehmen der Kantonalbanken, seit 2011 5 Millionen US Dollar in den franz\u00f6sischen Konzern Safran investiert. Dieser produziert unter anderem Antriebskomponenten der mit thermonuklearen Sprengk\u00f6rpern best\u00fcckten Raketen der franz\u00f6sischen Marine. Dem hinzu kommt ein in den letzten Jahren verringerter Aktienanteile des englischen Atom-U-Boot Herstellers RollsRoyce. Diese Investitionen w\u00e4ren eigentlich gem\u00e4ss dem Schweizer Recht verboten. Denn seit 2013 gilt ein vom Parlament erlassenes Finanzierungsverbot von Atomwaffen. Dies betrifft sowohl die direkte Finanzierung, also beispielsweise die Gew\u00e4hrung von Krediten zum Bau einer atomaren Waffen, als auch die indirekte Unterst\u00fctzung, beispielsweise \u00fcber die Beteiligung an Unternehmen, die solche Waffen herstellen. Das Verbot von indirekter Finanzierung gilt allerdings nur dann, wenn damit die direkte Unterst\u00fctzung umgangen werden soll. Dies ist in der Realit\u00e4t aber fast nie nachweisbar. Exemplarisch antwortete etwa die Swisscanto vor zwei Jahren auf kritische Anfrage lapidar damit, dass Safran nur Teile, nicht aber die ganze Rakete herstelle und dass die Atomwaffen im Besitz der franz\u00f6sischen Regierung seien: \u00abDeshalb erachten wir Safran als Lieferant und nicht als Hersteller von Atomwaffen.\u00bb Im selben Wortlaut verk\u00fcndete die Swisscanto auch die Rechtm\u00e4ssigkeit ihrer Beteiligung an Rolls-Royce: \u00abDie Gruppe liefert Nuklearantriebe f\u00fcr U-Boote des englischen Milit\u00e4rs. Dazu geh\u00f6ren auch U-Boote, die atomare Raketen abschiessen k\u00f6nnen. Die U-Boote werden von anderen Unternehmen gebaut. Deshalb erachten wir auch RollsRoyce als Lieferanten und nicht als Hersteller von Atomwaffen.\u00bb So l\u00e4cherlich diese Antworten klingen, so gut funktionieren sie im Gesch\u00e4ftsleben. Denn damit k\u00f6nnen sich die Banken erfolgreich verteidigen und auch zwei Jahre nach dem gesetzlichen Verbot ihr Geld weiterhin lukrativ in der bei der Atomwaffenherstellung beteiligten R\u00fcstungsindustrie anlegen.<\/p>\n<p><strong>Schweizerische Nationalbank und die US-R\u00fcstungsindustrie<\/strong><\/p>\n<p>Dabei investiert neben den private Banken auch die SNB in R\u00fcstungsunternehmen. So besass die Nationalbank 2015 alleine in den USA Anteile im Wert von gut 550 Millionen Franken an verschiedenen Firmen der R\u00fcstungsindustrie. Darunter fallen beispielsweise Aktien im Umfang von 37 Millionen Franken von Lockheed Martin. Diese produzieren neben ihrem Hauptsegment im Bereich der milit\u00e4rischen und zivilen Luftfahrt auch Landminen oder Streumunition. Andere von der SNB unterst\u00fctzte Unternehmen sind etwa die in der Atomwaffenproduktion beteiligte Honeywell International, der Produzent von Marschflugk\u00f6rpern Raytheon oder die ebenfalls Streumunition herstellende Firma General Dynamic. Diese Investitionen erstaunen, liess die SNB doch vor zwei Jahren noch verlauten, auf solche Investitionen zuk\u00fcnftig verzichten zu wollen. So wurde im Gesch\u00e4ftsbericht von 2013 noch grossm\u00e4ulig verk\u00fcndet: \u00abDie Nationalbank beschloss im Jahr 2013, nicht in Aktien von Unternehmen zu investieren, die international ge\u00e4chtete Waffen produzieren.\u00bb Doch entgegen diesen Ank\u00fcndigungen wurden die Anteile im letzten Jahr gar noch erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Dies funktioniert, weil sich auch die Schweizerische Nationalbank geschickt gegen die Vorw\u00fcrfe zu verteidigen weiss. Dabei kennt sie vor allem zwei Argumentationsstrategien. Erstens beruft sich die SNB auf nicht genannte Forschungsinstitutionen, die in den jeweiligen F\u00e4llen zu anderen Analysen der genannten Unternehmen k\u00e4men. Was heisst, dass die Nationalbank aufgrund verschiedener selbst in Auftrag gegebener Gutachten trotz objektiver Sachlage schlicht verneint, dass die entsprechenden Firmen wie beispielsweise General Dynamic oder Lockheed Martin Produkte wie Streumunition oder Landminen herstellen. Und solange es sich nur um normale Waffen handelt, sieht die Nationalbank auch kein Problem darin, ihr Geld in entsprechende Unternehmen zu investieren. Zweitens argumentiert die SNB mit ihrer Anlagestrategie: \u00abK\u00f6nnten wir keine Titel von grossen Flugzeug- und R\u00fcstungsherstellern mehr kaufen, riskierten wir, nicht mehr passiv anlegen zu k\u00f6nnen, indem wir Indizes abbilden.\u00bb Die passive Anlage unterscheidet sich von der aktiven dadurch, dass sie vor allem den grossen und etablierten B\u00f6rsenindizes folgen. Dabei geht es im Gegensatz zum aktiven Handel am Aktienmarkt nicht darum, besser als der Markt zu sein \u2013 sprich sich Profite dadurch zu erhoffen, dass man Entwicklungen fr\u00fchzeitig erkennt und so zur richtigen Zeit am richtigen Ort vor anderen Mitbewerbern investiert \u2013 sondern entlang der Marktentwicklung l\u00e4ngerfristige Gewinne zu erzielen. Der Vorteil liegt vor allem darin, dass damit Betreuungskosten und Risiken minimiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und mit der R\u00fcstungsindustrie liegt die SNB dabei nat\u00fcrlich goldrichtig. Denn diese ist sowohl krisensicher als auch relativ unabh\u00e4ngig von weiteren Marktschwankungen. Dies liegt nicht nur daran, dass der Kapitalismus in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden f\u00fcr Kriege zu haben ist und so auch zuk\u00fcnftig auf Waffen angewiesen sein wird, sondern auch daran, dass die jeweiligen Abnehmer die mit gen\u00fcgend Geld ausgestatteten Staaten und ihr Milit\u00e4r selbst sind. So konnte beispielsweise gut 80% des von Lockheed Martin 2014 erwirtschafteten Umsatzes durch Verk\u00e4ufe an die US-Regierung gewonnen werden, bei Raytheon waren es in der gleichen Periode immerhin noch 72%. Und auch in anderen Bereichen sieht es \u00e4hnlich aus. Honeywell etwa produziert 85% der nicht-nuklearen Komponenten der amerikanischen Nuklearwaffen und konnte erst k\u00fcrzlich zusammen mit General Dynamics einen neuen Langzeitvertrag bei der US-Marine ergattern. Damit kann die SNB in ihrer langfristigen Anlagestrategie dankend auf die Monopolstellung der US-R\u00fcstungsindustrie zur\u00fcckgreifen, die aus Gr\u00fcnden der nationalen Sicherheit auch zuk\u00fcnftig gew\u00e4hrleistet sein wird. Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind dabei wie immer diejenigen, welche die Waffen in den H\u00e4nden der Imperialisten an ihrem eigenen Leib zu sp\u00fcren bekommen. Oder immer mehr auch in den H\u00e4nden von jenen, welche die ImperialstInnen jahrhundertelang gez\u00fcchtet haben und sich nun ihrer Kontrolle entziehen.<\/p>\n<p><em>Quelle: Aufbau 83, Januar \/ Februar 2016 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch im Jahre 2015 investierten Schweizer Banken wieder kr\u00e4ftig in die lukrative R\u00fcstungsindustrie. 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