{"id":9753,"date":"2021-06-07T09:21:14","date_gmt":"2021-06-07T07:21:14","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9753"},"modified":"2021-06-09T08:47:22","modified_gmt":"2021-06-09T06:47:22","slug":"26-juni-2021-streik-am-unispital-lausanne-chuv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9753","title":{"rendered":"23. Juni 2021: Streik am Unispital Lausanne (CHUV)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im CHUV (Waadtl\u00e4nder Unispital in Lausanne) ruft die Vollversammlung der Belegschaft am 23. Juni zum Streik auf! Damit zeigen die ArbeiterInnen den Weg im Kampf f\u00fcr bessere Arbeits- und Gesundheitsbedingungen. Interview mit David Gygax, Gewerkschafter des VPOD Waadt und Verantwortlicher f\u00fcr das CHUV. Das Interview wurde von Sereina Weber und Dersu Heri gef\u00fchrt.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Der Streik muss von den Angestellten selbst gef\u00fchrt werden\u00bb<\/em><\/p>\n<p><strong>Wir sind von dem Mut und der Entschlossenheit der ArbeiterInnen im CHUV sehr begeistert! K\u00f6nntest du uns erkl\u00e4ren, was bei der Vollversammlung des Personals am 25. Mai passiert ist? Wie wurde die Entscheidung getroffen, einen Streik auszurufen?<\/strong><\/p>\n<p><em>David Gygax:<\/em> Die Frage eines Streiks war in der Tat das ganze letzte Jahr \u00fcber aufgeworfen worden. Die Pandemie hat die Arbeitsbedingungen im CHUV noch einmal massiv verschlechtert. So diskutieren die ArbeiterInnen seit September 2020 \u00fcber ihre Forderungen und vor allem dar\u00fcber, wie sie diese verteidigen k\u00f6nnen. Im September stellte die Personal-GV drei Hauptforderungen an den Waadtl\u00e4nder Staatsrat und die Spitalleitung: eine Lohnerh\u00f6hung, mehr Personal und eine faire Covid-Pr\u00e4mie f\u00fcr alle. Im Oktober veranstalteten wir eine grosse Demonstration f\u00fcr das Gesundheitspersonal in Lausanne. Im Februar schliesslich wurde eine Covid-Pr\u00e4mie von 900 Franken gew\u00e4hrt, die jedoch einen Grossteil der ArbeiterInnen ausschloss. Das ist emp\u00f6rend und hat die ArbeiterInnen sehr ver\u00e4rgert! Ausserdem wurden die anderen Forderungen einfach ignoriert. An der Vollversammlung am 25. Mai zogen wir also Bilanz, dass wir unsere Kampfmethoden st\u00e4rken und radikalisieren m\u00fcssen. So entstand der Aufruf zum Streik, der schliesslich fast einstimmig angenommen wurde.<\/p>\n<p><strong>Ja, wir k\u00f6nnen sehr gut sehen, wie der Vorschlag f\u00fcr einen Streik organisch aus der Bewegung der Lohnabh\u00e4ngigen entstanden ist. Die Situation der ArbeiterInnen (und Patienten) im CHUV ist jedoch \u00e4hnlich wie anderswo in der Schweiz. Wie erkl\u00e4rst du dir die besonders mutige und offensive Haltung des Krankenhauspersonals in Lausanne?<\/strong><\/p>\n<p>Ich sehe mehrere Elemente. Erstens ist das CHUV-Personal Teil des \u00f6ffentlichen Dienstes, der in der Waadt eine gewisse Tradition des Streiks hat. Hier ist der Streik etwas, das existiert, das als legitim angesehen wird.<\/p>\n<p>Zweitens hat der VPOD eine gute Pr\u00e4senz im CHUV. Wir sollten es nicht \u00fcbertreiben, wir tun, was wir k\u00f6nnen. Aber die ArbeiterInnen kennen uns, sie vertrauen uns auf eine gewisse Art und Weise. Also werden wir gemeinsam mit den ArbeiterInnenn aktiv, organisieren Treffen, Kundgebungen, Demonstrationen. Wir haben es geschafft, eine Form der kollektiven Organisation aufzubauen, die uns eine gewisse Handlungsf\u00e4higkeit verleiht. Drittens hat die Situation des Covid viele Probleme im Gesundheitssektor und insbesondere im CHUV aufgezeigt. Es gab also ein gewisses Bewusstsein f\u00fcr das Thema. Gleichzeitig nehmen die Probleme der ArbeiterInnen zu. F\u00fcr uns war es also der Moment, in die Offensive zu gehen. Wir m\u00fcssen und k\u00f6nnen etwas erreichen.<\/p>\n<p><strong>Jetzt, wo der Aufruf zum Streik erfolgt ist, was sind die n\u00e4chsten Schritte des Kampfes?<\/strong><\/p>\n<p>Im Moment ist der Aufruf zum Streik nur ein Slogan, es gibt noch keine wirklichen Streikenden. Aber wir haben die Legitimation der Vollversammlung der Belegschaft, die von vielen ArbeiterInnenn unterst\u00fctzt wird. Jetzt geht es darum, m\u00f6glichst viele ArbeiterInnen von der Notwendigkeit eines Streiks zu \u00fcberzeugen. Der erste Schritt ist, wenn m\u00f6glich, die Gr\u00fcndung eines Streikkomitees, das sich aus ArbeiterInnenn zusammensetzt. Es ist wichtig, dass der Streik \u00fcber die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter hinausgeht. Zweitens muss der Streik von den ArbeiterInnenn selbst gef\u00fchrt werden. Sie sind die Einzigen, die die Mobilisierung und vor allem den Streiktag organisieren und die Dienste koordinieren k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich geht es auch darum, w\u00e4hrend des Streiks den Minimalbetrieb der Notfallstation zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Bei all dieser Arbeit, den Streik vorzubereiten, gibt es einige Schwierigkeiten, mit denen wir konfrontiert werden: zum Beispiel die extrem dichten Arbeitszeiten oder die gestaffelten Zeitpl\u00e4ne zwischen den ArbeiterInnen innerhalb desselben Dienstes oder zwischen den Diensten, was die Mobilisierung kompliziert macht. Ausserdem unterst\u00fctzt der SBK (Schweizerischer Berufsverband der Pflegenden) den Aufruf zum Streik nicht, was sehr schade ist. Unser Ziel ist es jedoch, zu streiken, das Krankenhaus lahmzulegen, um den wahren Wert der Arbeit zu zeigen. Es geht uns nicht um einen einfachen Aktionstag mit einer kleinen Solidarit\u00e4tsdemonstration. Wir wollen einen echten, massiven Streik haben.<\/p>\n<p><strong>Ein wichtiges Element w\u00e4re aus unserer Sicht die Ausweitung des Kampfes auf andere Krankenh\u00e4user und Einrichtungen. Ein gemeinsamer Kampf der Besch\u00e4ftigten im Gesundheitssektor w\u00fcrde die Streikkraft enorm st\u00e4rken. Welche Chancen siehst du f\u00fcr die CHUV-ArbeiterInnen, ihre Kollegen in anderen Regionen mit in den Kampf zu ziehen? Und welche Rolle sollten die Gewerkschaften dabei spielen?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00f6chten wir, dass sich der Kampf ausbreitet, dass sich andere Krankenh\u00e4user auf die gleiche Weise mobilisieren. Es gibt objektive Faktoren, die eine nationale Koordination verhindern, wie der F\u00f6deralismus. Und es gibt subjektive Faktoren, wie den sozialen Frieden, den Arbeitsfrieden. Der sozialpartnerschaftliche Ansatz hat einen starken Einfluss auf die Gewerkschaftsf\u00fchrung. Sie neigen dazu, sich an die Chefs oder an die Presse zu wenden, um zu verhandeln. Wir sind also auf das Wohlwollen der Arbeitgeber angewiesen. Wenn die Gewerkschaft zum Beispiel einen grossen Generalarbeitsvertrag f\u00fcr 250.000 Besch\u00e4ftigte abschliessen will, ohne die Arbeiter zu mobilisieren, dann wissen die Bosse, dass wir nichts bekommen werden. Im CHUV und anderswo versucht die Gewerkschaft, die ArbeiterInnen anzusprechen und gewerkschaftliche Kollektive aufzubauen. Mit ihnen ist es uns inzwischen zumindest gelungen, eine gewisse Vertrauensbasis zu schaffen. Dazu m\u00fcssen wir Vollversammlungen der Belegschaft organisieren, wir m\u00fcssen den Arbeitern zuh\u00f6ren und wir m\u00fcssen uns auf Methoden des kollektiven Kampfes einigen. Wir haben wenig Kr\u00e4fte daf\u00fcr, im Kanton Waadt sind wir zwei Gewerkschafter f\u00fcr das Gesundheitswesen, die auch stark mobilisiert sind und an der Demonstration vom 23. Juni teilnehmen werden, nur einer f\u00fcr das CHUV. Das zeigt, dass es auch in der Schweiz durchaus m\u00f6glich ist, gewerkschaftliche Aufbauarbeit zu leisten. Ich glaube, dass diejenigen, die diese Herangehensweise der Gewerkschaften direkt am Arbeitsplatz und einer Gewerkschaftsarbeit des Kampfes teilen, sich auf nationaler Ebene koordinieren sollten. Es ist eine unserer Schw\u00e4chen, dass wir nicht \u00fcber ein solches gewerkschafts- und berufs\u00fcbergreifendes Netzwerk verf\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>David, vielen Dank! Du hast unsere ganze Solidarit\u00e4t mit den Arbeitern im Kampf!<\/strong><\/p>\n<p><em>In den kommenden Wochen werden AktivistInnen vom Funke eine Solidarit\u00e4tskampagne durchf\u00fchren. Wir werden in Genf und in der Deutschschweiz vor Krankenh\u00e4usern und Berufsschulen pr\u00e4sent sein, um \u00fcber die Lehren des Streiks am CHUV zu berichten und vor allem mit jungen Lohnabh\u00e4ngigen zu diskutieren, wie sie sich in ihren eigenen Einrichtungen organisieren k\u00f6nnen. Macht mit bei dieser wichtigen und inspirierenden Arbeit!<\/em><\/p>\n<p><em>Der beste Weg, die CHUV-Angestellten zu unterst\u00fctzen, ist, sich mit den Kolleginnen und Kollegen im eigenen Betrieb zusammenzuschliessen und gemeinsam f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen und Gesundheit zu k\u00e4mpfen!<\/em><\/p>\n<p>Am Tag des Streiks (23. Juni) organisieren wir in Bern einen solidarischen Streikposten\/Kundgebung.<\/p>\n<p>Am 24. Juni organisieren wir eine Onlinediskussion: \u00ab<a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/event\/gesundheit-vor-profit-wie-kann-die-pflege-kaempfen\/\">Gesundheit vor Profit! Wie kann die Pflege k\u00e4mpfen?<\/a>\u00bb<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/arbeiterinnenbewegung\/gewerkschaften\/streik-am-chuv-interview-mit-dem-vpod-sekretaer\/#more-17339\"><em>derfunke.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. Juni 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im CHUV (Waadtl\u00e4nder Unispital in Lausanne) ruft die Vollversammlung der Belegschaft am 23. Juni zum Streik auf! Damit zeigen die ArbeiterInnen den Weg im Kampf f\u00fcr bessere Arbeits- und Gesundheitsbedingungen. 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