{"id":9770,"date":"2021-06-10T10:50:25","date_gmt":"2021-06-10T08:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9770"},"modified":"2021-06-10T10:50:26","modified_gmt":"2021-06-10T08:50:26","slug":"myanmar-anhaltender-widerstand-trotzt-der-militaerischen-unterdrueckung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9770","title":{"rendered":"Myanmar: Anhaltender Widerstand trotzt der milit\u00e4rischen Unterdr\u00fcckung"},"content":{"rendered":"<p><em>Mark Goudkamp.<\/em><strong> Die politische Situation in Myanmar entwickelt sich weiterhin schnell. Am 16. April gab das Komitee, welches das entlassene Parlament vertritt, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit bekannt, die Abgeordnete von Aung San Suu Kyis National League for Democracy (NLD), Protestf\u00fchrerinnen, Protestf\u00fchrer, Politiker und Politikerinnen der nationalen Minderheiten einschlie\u00dft.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Regierung bem\u00fcht sich um internationale Anerkennung. Doch die Association of Southeast Asian Nations (ASEAN), mit ihrer Politik der \u201eNichteinmischung\u201c in die Mitgliedsstaaten, hat stattdessen den Putschistenf\u00fchrer General Min Aung Hlaing zu ihrem Treffen am 24. April in Jakarta eingeladen.<\/p>\n<p>Das ehemalige Parlament hat die Forderung der Protestbewegung angenommen, die undemokratische Verfassung von 2008 abzuschaffen. Die Demonstrierenden feierten, indem sie dieses Dokument, das dem Milit\u00e4r (dem Tatmadaw) 25 Prozent der Sitze im Parlament garantiert hatte, \u00f6ffentlich verbrannten.<\/p>\n<p>Trotz der \u00fcberw\u00e4ltigenden Wahlniederlage des Milit\u00e4rs in 2015 war die NLD nicht bereit, die Macht, Korruption oder Unterdr\u00fcckung von Minderheiten durch die Tatmadaw in Frage zu stellen. Im November 2019 verteidigte Suu Kyi sogar die ethnischen S\u00e4uberungen des Milit\u00e4rs an den Rohingya vor dem Internationalen Gerichtshof. Aber die noch dem\u00fctigendere Niederlage im vergangenen November veranlasste die Gener\u00e4le, den Coup vom 1. Februar zu starten.<\/p>\n<p>Angesichts des Ausma\u00dfes des Aufstandes k\u00f6nnte Hlaing es bedauern, ein Abkommen zerschlagen zu haben, welches ihm erlaubt h\u00e4tte, von zwei riesigen vom Milit\u00e4r kontrollierten Mischkonzernen (Myanmar Economic Corporation und Myanmar Economic Holdings Limited) zu profitieren.<\/p>\n<p>Drei Monate sp\u00e4ter treibt die interethnische Solidarit\u00e4t Myanmar in einer Weise auf eine f\u00f6derale Demokratie zu, wie es vor dem Putsch unvorstellbar war. Die nationalen Minderheiten f\u00fchlten sich von Suu Kyi und den Tendenzen der NLD zum Bamar-Chauvinismus verraten. Jetzt haben sie sich jedoch verpflichtet, den Coup zu bek\u00e4mpfen. Tausende von Demonstrantinnen und Demonstranten (und einige abtr\u00fcnnige Soldaten) aus der Bamar-Mehrheit haben Zuflucht in von ethnischen Rebellen gehaltenen Gebieten gesucht.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit zeigt die Bewegung des zivilen Ungehorsams in Myanmar im Angesicht der Repression einen unglaublichen Trotz. Bei Redaktionsschluss wurden fast 750 Menschen von der Junta get\u00f6tet. Mehr als 3.200 wurden inhaftiert.<\/p>\n<p>Das Vorgehen der Tatmadaw war in den Zentren der Arbeiterklasse, in denen Streiks und Proteste stattfanden, besonders hart. Yangons Gemeinden Hlaing Thayar, Shwepyitha, S\u00fcd-Dagon und Nord-Okkalapa stehen alle unter Kriegsrecht. Nach dem Massaker vom 14. M\u00e4rz an 60 Arbeiterinnen, Arbeitern und Studierenden in Hlaing Tharyar in West-Yangon, wo sich etwa 300 Bekleidungsfabriken befinden, flohen etwa 100.000 Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter in ihre l\u00e4ndlichen Herkunftsorte.<\/p>\n<p>Am Tag der Streitkr\u00e4fte am 27. M\u00e4rz wurden landesweit 114 Menschen get\u00f6tet, w\u00e4hrend Vertreterinnen und Vertreter aus Russland, China, Indien, Thailand, Vietnam, Laos, Pakistan und Bangladesch einer aufwendigen Milit\u00e4rparade in der Hauptstadt Naypyidaw beiwohnten.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf die Einnahme eines milit\u00e4rischen Au\u00dfenpostens durch die Karen National Liberation Army bombardierte die Junta am selben Abend mit aus Russland gelieferten Flugzeugen Karen-D\u00f6rfer. Tausende flohen an die thail\u00e4ndische Grenze, wurden aber von den thail\u00e4ndischen Beh\u00f6rden zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Die Tatmadaw f\u00fchrte daraufhin Luftangriffe auf die von den Kachin kontrollierten Gebiete an der Grenze zu China durch.<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r hat es auf Protest- und Streikf\u00fchrerinnen und Streikf\u00fchrer abgesehen. Am 15. April wurde Wai Moe Naing, ein Anf\u00fchrer des Streikkomitees in Monywa, w\u00e4hrend eines Protestkonvois mit dem Motorrad \u00fcberfahren und ohne medizinische Behandlung festgehalten. Daw Myo Aye, Direktorin der Solidarity Trade Union of Myanmar, wurde in ihrem B\u00fcro festgenommen, w\u00e4hrend gegen Moe Sandar Myint von der Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiterinnen ein Haftbefehl vorliegt.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz geht der zivile Ungehorsam unter dem Motto \u201ekeine Anerkennung, keine Beteiligung\u201c weiter. Die Streiks der Eisenbahnerinnen, Bankangestellten, Lehrern und Staatsbediensteten legen weiterhin die Wirtschaft lahm.<\/p>\n<p>Westliche Nationen (aber nicht Australien) haben Sanktionen gegen Myanmars Milit\u00e4rchefs, deren Familien und der Armee nahestehende Unternehmen verh\u00e4ngt. Auf der anderen Seite wurden Russland und China von den Demonstrierenden weithin als Unterst\u00fctzer des Putsches verurteilt (China, welches von Suu Kyis Regierung profitierte, hat dies bestritten).<\/p>\n<p>Die Linke sollte sich bedingungslos hinter die Streiks und Proteste stellen, die Forderung nach einem Waffenembargo unterst\u00fctzen und Unternehmen, die weiterhin in Myanmar t\u00e4tig sind, blo\u00dfstellen. APHEDA (der internationale Fl\u00fcgel des Australian Council of Trade Unions) und Amnesty International \u00fcbten Druck auf Woodside Petroleum aus, den Betrieb einzustellen. Die s\u00fcdkoreanische Gewerkschaftsbewegung erzwang k\u00fcrzlich eine \u00e4hnliche Verpflichtung des Stahlgiganten POSCO.<\/p>\n<p>Einige Kritikerinnen und Kritiker im Westen stellen den Widerstand als abh\u00e4ngig von westlicher Finanzierung und dominiert von Forderungen nach westlicher Intervention dar. Solche Forderungen sind aufgetaucht, aber sie sind marginal. Viele Anf\u00fchrerinnen und Anf\u00fchrer der Bewegung trauen den westlichen Regierungen nicht, da sie sich noch gut daran erinnern, wie diese w\u00e4hrend der \u201eDemokratisierung\u201c im vergangenen Jahrzehnt voreilig die Sanktionen aufgehoben haben, damit Konzerne von Myanmars nat\u00fcrlichen Ressourcen profitieren konnten.<\/p>\n<p>Echte Sozialist:innen stehen zur Selbstt\u00e4tigkeit von Myanmars Arbeitenden, Studierenden, Aktivisten und Aktivistinnen der Minderheiten, deren Tapferkeit zu \u00dcberl\u00e4ufen ermutigt hat, sogar unter einigen Journalist:innen der staatlichen Medien.<\/p>\n<p>Laut einem Tatmadaw-Offizier, der k\u00fcrzlich \u00fcbergelaufen ist, sind drei Viertel der 400.000 Soldatinnen und Soldaten des Landes gegen die Niederschlagung der Proteste. Sie davon zu \u00fcberzeugen, aus der Reihe zu tanzen, ist keine leichte Aufgabe, aber es wird entscheidend sein, wenn die Revolution gewonnen werden soll.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/myanmar-anhaltender-widerstand-trotzt-der-militaerischen-unterdrueckung\/\"><em>diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 10. Juni 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mark Goudkamp. Die politische Situation in Myanmar entwickelt sich weiterhin schnell. Am 16. 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