{"id":9789,"date":"2021-06-15T10:31:09","date_gmt":"2021-06-15T08:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9789"},"modified":"2021-06-15T10:31:11","modified_gmt":"2021-06-15T08:31:11","slug":"vermoegen-der-reichen-und-superreichen-im-ersten-corona-jahr-explodiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9789","title":{"rendered":"Verm\u00f6gen der Reichen und Superreichen im ersten Corona-Jahr explodiert"},"content":{"rendered":"<p><em>Elisabeth Zimmermann. <\/em>Die Corona-Pandemie hat das Ausma\u00df an sozialer Ungleichheit auf der ganzen Welt enorm versch\u00e4rft. Das zeigt einmal mehr der Global Wealth Report, der am 10. Juni 2021 ver\u00f6ffentlicht wurde. Seine Autoren von der Boston Consulting Group (BCG) hatten zun\u00e4chst einen R\u00fcckgang bei den Verm\u00f6gen erwartet. Aber ihre Untersuchungen zeigen, dass in der gleichen Zeit, in der die Corona-Pandemie<!--more--> w\u00fctete, die Reichen und Superreichen ihre Verm\u00f6gen auf nie gekannte H\u00f6chstwerte steigern konnten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend nach offiziellen Zahlen mehr als 3,8 Millionen Menschen an Covid-19 starben, stieg der Reichtum an Finanz- und Sachverm\u00f6gen, einschlie\u00dflich der Immobilien, im letzten Jahr um 8,3 Prozent. Das weltweite Gesamtverm\u00f6gen abz\u00fcglich der Schulden belief sich damit auf 431 Billionen Dollar (rund 355 Billionen Euro), eine unvorstellbar hohe Zahl mit zw\u00f6lf Nullen, die das F\u00fcnffache des weltweiten Bruttoinlandsprodukts \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Laut dem Bericht der BCG stieg allein das private Finanzverm\u00f6gen um 8 Prozent auf den Rekordwert von 250 Billionen Dollar. Dazu trugen vor allem die steigenden Aktienkurse bei.<\/p>\n<p>Wie die\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>\u00a0immer wieder\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/12\/30\/pers-d30.html\">berichtet<\/a>\u00a0hat, explodierten die Aktienm\u00e4rkte dank der Corona-Hilfen und \u201eRettungspakete\u201d kapitalistischer Regierungen in H\u00f6he von Hunderten Milliarden Dollar, Euro, Pfund, usw.. Diese Summen wurden den Konzernen und Banken in den Rachen geworfen, und sie befeuerten eine allgemeine Profite-vor-Leben-Politik, die die Arbeiterklasse weltweit zwingt, trotz der Gefahren durch Covid-19 weiter zu arbeiten.<\/p>\n<p>Laut dem Global Wealth Report stieg die Zahl der Superreichen im letzten Jahr um etwa zehn Prozent auf 60.000, die gut 15 Prozent des weltweiten Verm\u00f6gens besitzen. Um zu den Superreichen zu geh\u00f6ren, muss man ein Nettoverm\u00f6gen von mindestens 100 Millionen Dollar besitzen.<\/p>\n<p>Die Aktienkurse stiegen parallel zu den durch Covid-19 bedingten Todeszahlen. Allein in Deutschland sind mittlerweile 90.000 Todesopfer zu beklagen. Gleichzeitig wuchs hier die Zahl der Superreichen, die \u00fcber 100 Millionen Dollar besitzen, um 186 auf 2900 Personen. Deutschland befindet sich damit an dritter Stelle hinter den USA (20.600 Superreiche) und China (7800 Superreiche). Es folgen Frankreich mit 2500 und das Vereinigte K\u00f6nigreich mit 2100 Superreichen.<\/p>\n<p>Die Zahl der Dollar-Million\u00e4re in Deutschland erh\u00f6hte sich um 35.000 auf 542.000 Personen, wobei der Anstieg nur zum Teil mit dem Anstieg des Euro-Kurses gegen\u00fcber dem Dollar zu tun hat. Vor allem gilt: Reiche und Superreiche haben weltweit im Krisenjahr 2020 so viel Reichtum angeh\u00e4uft wie nie zuvor. Sie haben von der Not und dem Elend profitiert, in das aufgrund der Pandemie Hunderte Millionen Menschen auf der ganzen Welt gest\u00fcrzt wurden.<\/p>\n<p>Der\u00a0<em>Tagesspiegel<\/em>, der am 10. Juni \u00fcber diese Entwicklung berichtete, enth\u00e4lt eine Auflistung der zehn reichsten Personen in Deutschland, gest\u00fctzt auf die Forbes-Liste, mit Angabe ihres Verm\u00f6gens im Jahr 2019 und 2021 in Milliarden Dollar. Auf den ersten f\u00fcnf Pl\u00e4tzen finden sich folgende f\u00fcnf Personen:<\/p>\n<ul>\n<li>Beate Heister und Karl Albrecht junior (Aldi S\u00fcd): Ihr gemeinsames Verm\u00f6gen stieg in diesen zwei Jahren von 36,1 Mrd. Dollar (2019) auf 39,2 Mrd. Dollar (2021) \u2013 ein Anstieg um 3,1 Mrd. Dollar.<\/li>\n<li>Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland): von 22,6 Mrd. Dollar (2019) auf 36,9 Mrd. Dollar (2021) \u2013 ein Anstieg um 14,3 Mrd. Dollar (der h\u00f6chste Anstieg in dieser Aufz\u00e4hlung).<\/li>\n<li>Susanne Klatten (BMW): von 21 Mrd. Dollar (2019) auf 27,7 Mrd. Dollar (2021) \u2013 ein Anstieg um 6,7 Mrd. Dollar.<\/li>\n<li>Klaus-Michael K\u00fchne (K\u00fchne &amp; Nagel, Spedition): Er hat sein Verm\u00f6gen von 12,9 Mrd. Dollar (2019) auf 26,3 Mrd. Dollar (2021) mehr als verdoppelt!<\/li>\n<li>Stefan Quandt (BMW): von 17,5 Mrd. Dollar (2019) auf 21,6 Mrd. Dollar (2021) \u2013 ein Anstieg um 4,1 Mrd. Dollar.<\/li>\n<\/ul>\n<p>An zehnter Stelle folgt Andreas Spr\u00fcngmann &amp; Familie (Hexal). Sie geh\u00f6ren zu den Gro\u00dfaktion\u00e4ren von BionTech, dem Unternehmen, das mit dem gleichnamigem Impfstoff in den letzten Monaten riesige Profite erzielt hat. Das Verm\u00f6gen der Spr\u00fcngmanns hat sich ebenfalls mehr als verdoppelt, von 4,4 Mrd. Dollar (2019) auf 11 Mrd. Dollar (2021) \u2013 ein Anstieg um 6,6 Mrd. Dollar.<\/p>\n<p>Auch Ugur Sahin, Gr\u00fcnder und CEO von BionTech, hat einen gro\u00dfen Sprung auf die Liste der Superreichen in Deutschland geschafft. Mit einem Verm\u00f6gen von 7,7 Mrd. Dollar steht er auf Platz 20.<\/p>\n<p>Alle genannten Personen sind unmittelbare Profiteure der Pandemie. Entweder besitzen sie Anteile an Unternehmen des Lebensmittelhandels, bzw. Supermarktketten wie Aldi, Lidl, Kaufland. Oder sie f\u00fchren Logistikkonzerne wie K\u00fchne &amp; Nagel, die ebenfalls gro\u00dfe Gewinne erzielten, oder Pharmaunternehmen wie die BionTech-Eigner. Die Gro\u00dfaktion\u00e4re von BMW, Susanne Klatten und Stefan Quandt, profitierten von den steigenden Aktienkursen, die auf der Aufrechterhaltung der Produktion trotz Pandemie und auf Restrukturierungsma\u00dfnahmen auf Kosten der Arbeiter beruhen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die Reichen und Superreichen ein schwindelerregend hohes Verm\u00f6gen anh\u00e4uften, hat sich die Lage f\u00fcr die Arbeiterklasse verschlechtert. Tausende mussten mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben f\u00fcr die Profite-vor-Leben-Politik der herrschenden Klasse bezahlen.<\/p>\n<p>Unternehmensvorst\u00e4nde und Gewerkschaften haben die Pandemie als Vorwand genutzt, um den Abbau von Hunderttausenden Arbeitspl\u00e4tzen zu planen und auszuarbeiten. \u00dcberall, wo Arbeiter gegen Entlassungen, Betriebsschlie\u00dfungen, Lohnsenkungen und Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen k\u00e4mpfen, sind sie mit einem Kampf an zwei Fronten konfrontiert: Sie stehen nicht nur den Konzernvorst\u00e4nden und Aufsichtsr\u00e4ten gegen\u00fcber, sondern auch den Betriebsr\u00e4ten und Gewerkschaften, die als Co-Manager aufs engste mit jenen zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Schon im Februar dieses Jahres war die Arbeitslosigkeit um 500.000 auf 2,7 Millionen angestiegen. Viele geringf\u00fcgig und im Niedriglohnbereich Besch\u00e4ftigte haben au\u00dferdem ihren Arbeitsplatz verloren, ohne in der offiziellen Statistik erw\u00e4hnt zu werden.<\/p>\n<p>Im Mai dieses Jahres befanden sich immer noch 2,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit, mit den entsprechenden Lohneinbu\u00dfen.<\/p>\n<p>\u00dcber 40 Prozent der Arbeiter mussten im vergangenen Jahr Einkommensverluste hinnehmen, und Arbeiter mit niedrigerem Einkommen waren besonders stark betroffen. Hinzu kommt, dass auch die Inflationsrate im Mai auf 2,5 Prozent angestiegen ist, wobei die Preise f\u00fcr Energie und Lebensmittel besonders stark anstiegen.<\/p>\n<p>Schon vor zwei Jahren, im Jahr 2019, hatte die Armutsquote in Deutschland mit 15,9 Prozent (13,2 Millionen Menschen) einen historischen H\u00f6chststand erreicht. Die Pandemie hat nun die soziale Ungleichheit noch einmal stark versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Die Konzentration von Reichtum an der Spitze der Gesellschaft und von Arbeitslosigkeit und Armut im unteren Bereich hat ein Ausma\u00df an sozialer Polarisierung hervorgebracht, das mit demokratischen Herrschaftsformen nicht mehr vereinbar ist. Einmal mehr bereitet sich die herrschende Klasse auf Diktatur und Faschismus vor. Davon zeugen immer neue Enth\u00fcllungen \u00fcber rechtsextremistische Verschw\u00f6rungen im Staatsapparat, bei Bundeswehr, Polizei und Geheimdiensten.<\/p>\n<p>Die vielen Milliarden, welche die Pandemie-Profiteure horten und durch Pl\u00fcnderung der Staatskassen angeh\u00e4uft haben, m\u00fcssen zur\u00fcckgeholt werden! Sie sind f\u00fcr die Befriedigung gesellschaftlicher Bed\u00fcrfnisse dringend notwendig. Die Konzerne und Finanzinstitute m\u00fcssen in demokratisch kontrollierte \u00f6ffentliche Versorgungsbetriebe umgewandelt werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr dieses Programm k\u00e4mpft die Sozialistische Gleichheitspartei (SGP), die deutsche Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, in der Bundestagswahl. Nur die internationale Mobilisierung der Arbeiterklasse f\u00fcr ein sozialistisches Programm kann der weiteren ungez\u00fcgelten Bereicherung der Finanzoligarchie ein Ende setzen und der Gefahr von Faschismus und Krieg entgegentreten.<\/p>\n<p><em>#Bild: Susanne Klatten am BMW-Stand, IAA 2017 (Bild: Olaf Kosinsky \/ CC BY-SA 3.0 DE)<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2021\/06\/15\/reic-j15.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. Juni 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elisabeth Zimmermann. 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