{"id":9800,"date":"2021-06-16T14:38:29","date_gmt":"2021-06-16T12:38:29","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9800"},"modified":"2021-06-16T14:38:30","modified_gmt":"2021-06-16T12:38:30","slug":"biotechnologie-und-finanzsystem-corona-als-enwickelter-stamokap","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9800","title":{"rendered":"Biotechnologie und Finanzsystem: Corona als enwickelter Stamokap"},"content":{"rendered":"<p><em>Wilma Ruth Albrecht. <\/em><strong>\u201eAufgrund der im Ersten Weltkrieg in Deutschland zu beobachtenden Interessenverstrickung zwischen Staat und Wirtschaft sieht Lenin in seiner 1917 erschienenen Schrift &#8222;Staat und Revolution&#8220; das Wesen des Stamokap in der totalen Verschmelzung der Monopolmacht der Wirtschaft mit der Regierungsmacht zu einem sich wechselseitig bedingenden einheitlichen Machtkomplex.\u201c[1]<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>(1) Dass das Finanzkapital das entwickelte kapitalistisch verfasste Wirtschaftssystem dominiert, \u00f6konomische Monopolisierungs- und politisch-milit\u00e4rische Expansionsprozesse f\u00f6rdert, weiss man schon l\u00e4nger als hundert Jahre &#8211; etwa seit John A. Hobson: Der Imperialismus (1902), Rudolf Hilferding: Das Finanzkapital (1910) oder Wladimir I. Lenin: Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus (1917).<\/p>\n<p>Dieser Einfluss des Finanzkapitals auf die Realwirtschaft erfolgte zun\u00e4chst \u00fcber Banken.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Einfluss der Banken und Versicherungen durch den der Investitionsagenten (Fonds, Verm\u00f6gensgesellschaften), die gegenw\u00e4rtig die Aktienm\u00e4rkte beherrschen, erg\u00e4nzt. Es bildete sich ein Finanzmarkt-Kapitalismus (Paul Windolf, 2005) und eine Finanzoligarchie (Albrecht, 2020) heraus. Damit ging einher, dass die Produktion nicht mehr (nur oder allein) auf den zeitlich festgelegten Zinssatz des vorgeschossenen (fiktiven) Kapitals der Banken ausgerichtet wurde; sondern auf das Anlageverhalten zur Profitmaximierung und Renditensicherung der Investmentbanken und -fonds. Da Investitionen dieser Institutionen in die Realwirtschaft kurzfristiger erfolgen k\u00f6nnen, wird das Wirtschaftssystem schnelleren Entscheidungen ausgesetzt, damit auch verletzbarer.<\/p>\n<p>Ebenfalls bekannt ist, dass unter den Akteuren des Finanzmarktkapitals, zwischen seinen M\u00e4rkten (Aktiengesellschaften, Banken, Versicherungen, Investmentfonds, Ratingagenturen sowie Verm\u00f6gensverwaltungen) und dem Staat sowohl enge Verflechtung als auch Konkurrenz herrscht. Dies ergibt sich aus dem \u00f6konomischen Zwang zur unternehmensbezogenen Profitrealisierung. Er n\u00f6tigt auch zu immer st\u00e4rker werdenden machtpolitischen Einfluss von Industrie- und Finanzkonzernen mittels Lobbyismus (wie auch schon Jahrzehnte bekannt in seiner institutionalisiertenForm z.B. \u00fcber Conseil on Foreign Relation [1921], Atlantikbr\u00fccke [1952], Bilderberg-Konferenz [1954], World Economic Forum [1971], Trilaterale Kommission [1973], Group of Thirty [1978]) auf Staat und Gesellschaft. Der Staat wird vom gesamtgesellschaftlichen Interessenvermittler und Agent f\u00fcrs Kapital zu einem \u00f6konomischen und polit-sozialen integralen Bestandteil des Kapitals selbst: Die Herrschaft des Staatsmonopolistischen Kapitalismus (STAMOKAP) bildet und etabliert sich.<\/p>\n<p>Seit den 1980er Jahren, nachdem es schon in den 1970ern mit der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars, der keynesianistischen Staatsverschuldungspolitik zur \u00dcberwindung zyklischer Wirtschaftskrisen und der Abl\u00f6sung des politischen Kolonialismus durch den wirtschaftlichen gekommen war, gelang es dem Finanzkapital ausgehend vom anglo-amerikanischen Raum (Thatcherismus 1979-1990; Reaganomics 1981-1993), mehr und mehr das Staatshandeln kaum verdeckt zu korrumpieren, um staatliche oder gemeinwirtschaftliche T\u00e4tigkeitsfelder zu privatisieren und staatliche Regulierungen auszuhebeln. Dies war auch m\u00f6glich wegen der zunehmenden Staatsverschuldung, die mit einer Abh\u00e4ngigkeit vom internationalen Finanzmarkt einhergeht.<\/p>\n<p>Diese Ausweitung des Finanzmarktsektor und die Ausbildung zunehmend parasit\u00e4rer Gesch\u00e4ftsfelder und Sektoren f\u00fchrte auch zu erh\u00f6hter Krisenanf\u00e4lligkeit seit Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts: 1998: Zypernkrise, 2000: Dotcom-Blase, 2007\/8: US-Hypothekenkrise und Weltfinanzkrise, 2009: Griechenlandkrise, 2011: Eurokrise, Herbst 2019: Einbruch des Repomarktes und M\u00e4rz 2020: weltweiter Finanzeinbruch. Diese Krisen im Finanzsystem beinhalten das Potential eines Zusammenbruchs des gesamten Weltfinanz- und damit Weltwirtschaftssystems (Kaufmann\/Muzzupappa, 2020[2]).<\/p>\n<p>Auch gef\u00e4hrden sie die Macht der Herrschenden, wenn offensichtlich wird, dass die Rettung des Finanzsystems zu einer tiefgreifender Auspl\u00fcnderung und Verarmung breiter Volksmassen f\u00fchren muss. Denn die Regierungen der grossen Wirtschaftsr\u00e4ume hatten Schulden aufgenommen, um einen Grossteil der privaten \u201efaulen\u201c Finanzanleihen zu garantieren und das Finanzsystem zu st\u00fctzen. \u201eSo verdoppelten sich die weltweiten Staatsschulden zwischen 2007 und 2019 auf 70 Billionen US-Dollar. Staatliche und private Schulden addiert, erreichten 2019 den Rekord von 255 Billionen US-Dollar. Das entsprach \u00fcber 320% der Weltwirtschatfsleistung. Und bedeutet: Die globale Wirtschaftsleistung war noch st\u00e4rker durch Kredit vorfinanziert und dadurch aufrechterhalten worden.\u201c (Kaufmann\/Muzzupappa, 2020)<\/p>\n<p>Unter dem Deckmantel der Corona-Krise konnte nicht nur der Zusammenbruch des Finanzsystems; sondern auch seine Rettung mit Milliarden Steuergeldern versteckt werden. Allein die EU sch\u00fcttete 2020 f\u00fcr ihre Mitgliedsl\u00e4nder 500 Mrd. Euro an Zusch\u00fcssen und 250 Mrd. Euro an Darlehen aus (Europ\u00e4ische Kommission: Eurostat\/Statista), hinzu kommen allein f\u00fcr die BRD 2020 haushaltswirksame Massnahmen von 353,3 Mrd \u20ac und Garantien von 819,7 Mrd. \u20ac. (BMF) und eine Aussetzung der Schuldenbremse mit einer Schulden\u00fcberschreitung im Bundeshaushalt von 164,2 Mrd. \u20ac. (BMF).<\/p>\n<p>(2) Mit der Rettung des Finanzsystems soll zugleich aber auch der digital-finanzielle-Komplex gest\u00e4rkt werden. Deshalb beinhalten die sog. Coronahilfen auch immer F\u00f6rderung der Digitalisierung in jedweder Form. Dieser digital-finanzielle Komplex besteht aus (a) den Digitalgiganten Amazon, Google, Microsoft, Netflix, Apple, (b) den Wallstreet-Banken erg\u00e4nzt um USB-Schweiz, Deutsche Bank und HSBC-Bank sowie (c) den gr\u00f6ssten Verm\u00f6gensverwaltungen Blackrock, Vaneguard u. a. Diese gelten jetzt schon jetzt durch die Politik der \u201eLockdowns\u201c als die Profiteure der Corona-Krise.<\/p>\n<p>Einher mit der Krise ging und geht die Erschliessung von Gesch\u00e4fts- und Profitfelder im Bereich neuer Technologien wie im Energiesektor, bei der weiteren Digitalisierung, innerhalb von Computer-, Multimedia- und Telekommunikation sowie von mathematisierter Wissenserschliessung und -vermarktung f\u00fcr Waren und Dienstleistungen. Hierzu geh\u00f6rt auch das Gesch\u00e4ftsfeld der Biotechnologie mit eigener Medizintechnik und (vorsorgenden) Gesundheitstechnologie.<\/p>\n<p>Unter Biotechnologie versteht man die Form von marktbezogener Wissenschaft, die sich mit der Nutzung von Enzymen, Zellen und Kleinorganismen und deren technologischen Anwendung besch\u00e4ftigt. Ziel sind Diagnosemethoden und Heilverfahren auf der Basis chemischer Verbindungen.<\/p>\n<p>Moderne biotechnische Verfahren kommen im 20. Jahrhundert im Kontext der Chemieindustrie auf und umfassen mikrobielle und enzymische Umwandlung organischer Stoffe. Mit der Kl\u00e4rung von Struktur und Wirkungsweise der Desoxyribonukleins\u00e4ure (DNA) und den damit einhergehenden M\u00f6glichkeiten der Beeinflussung bis Ver\u00e4nderungen des Erbgutes startete 1990 das Humangenomprojekt mit dem Ergebnis der Entschl\u00fcsselung und Sequenzierung des menschlichen Genoms. Darauf baut Gentechnik, Gentherapie und Stammzellenforschung auf, mit deren Hilfe rekombiniert hergestellte Proteine der Pharmazie zug\u00e4nglich gemacht wurden.<\/p>\n<p>Das Marktvolumen dieser biotechnischen Unternehmen (Pflanzen-, Tier- und Menschenbereich) erreichte 1999 ein Nettovolumen von 10 Mrd. US-Dollar. Eine spezielle Untergruppe in der Biotechnologie stellt die sogenannte \u201eRote Biotechnologie\u201c mit ihren gentechnischen Anwendungsbereichen f\u00fcr den Menschen dar. In der sog. Coronakrise erlangte sie mit mRNA (messenger ribonucleic acid)-Impfstoffen besondere Bedeutung als einstr\u00e4ngige S\u00e4ure mit genetischen Informationen.<\/p>\n<p>(3) Im Zusammenhang mit der weltweiten Coronahysterie 2020\/2021 wurde f\u00fcr die Arzneimittelindustrie und speziell f\u00fcr Impfstoffhersteller ein ungeheuer grosser Markt aufgeschlossen, zumal propagiert wurde, dass die gesamte Menschheit (B. Gates) und in Deutschland fast die gesamte Bev\u00f6lkerung (A. Merkel) geimpft werden solle und auch m\u00fcsse. Deshalb sch\u00e4tzt das Finanz- und Analyseunternehmen \u201eMorningstar\u201c f\u00fcr 2021 ein zu erwartetes Umsatzvolumen von 67 Mrd. US-D f\u00fcr Covid-19-Impfstoffe (Der Umsatz der R\u00fcstungsindustrie umfasste 2019 166 Mrd. US-D).<\/p>\n<p>(4) Zwei dieser Biotech-Unternehmen sollen etwas n\u00e4her betrachtet werden: BioNTech und CUREVAC.<\/p>\n<p>Biontech (=Biopharmaceutical New Technologies) mit dem Ziel der Entwicklung von Medikamenten auf mRNA-Basis f\u00fcr die Krebstherapie wurde 2008 mit staatlicher Unterst\u00fctzung gegr\u00fcndet. Vorausgegangen war die erfolgreiche Teilnahme der am Unternehmen beteiligten Forscher an der vom ganzdeutschen Bundesministeriums f\u00fcr Forschung und Technologie initi\u00ederten Gr\u00fcndungsoffensive Biotechnologie 2005, um diesen Sektor nach dem Zusammenbruch des \u201eNeuen Marktes\u201c Anfang der Nullerjahre wieder zu beleben. Unter den 58 zu f\u00f6rdernden Projekten befand sich auch eines zur Krebsbek\u00e4mpfung der Medizinischen Klinik der Universit\u00e4t Mainz.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit diesem Projekt kam es zur Unternehmensgr\u00fcndung. An ihr beteiligt waren die die Onkologen Christoph Huber (*1944), Ugar Sahin (*1965), die \u00c4rztin \u00d6zlem T\u00fcreci (1967) sowie als Kapitalgeber die Zwillingsbr\u00fcder Andreas und Thomas Str\u00fcngmann (*1950); diese stiegen mit 180 Mio US-Dollar ins Unternehmen ein. Die Str\u00fcngmann-Br\u00fcder kamen aus einem Elternhaus, das vormals die Generika-Firma Durachemie (1950) und 1986 die Generika-Firma HEXAL (Holzkirchen in Bayern) besass. Nach dem Verkauf dieser Firma 2005 an die Schweizer NOVATIS-Gruppe f\u00fcr 7,5 Mrd. US-Dollar stiegen die Br\u00fcder in die Exklusivgruppe der Welt-Milliard\u00e4re auf. 2003 gr\u00fcndeten sie die Stiftung \u201eFrankfurt Institut for Advanced Studies\u201c, ein public-private-partnership-Projekt mit der Universit\u00e4t Frankfurt, der Max-Planck-Gesellschaft etc. und eben BioNTech.<\/p>\n<p>Nach der Gr\u00fcndungsphase 2008-2013, begann 2014-2018 die Zeit der Kommerzialisierung mit erweiterter Forschung, Patentanmeldungen und Publizierung; so dass 2019 der B\u00f6rsengang an der Nasdaq als BNTX mit 150 Mio US-Dollar erfolgte. Es kam zu einer Kooperation mit J.P.Morgan, Merrill Lynch, UBS, SBB, so dass die Bewertung des Unternehmens rasch auf 3,1 Mrd. US-Dollar stieg. Ebenfalls 2019 fand eine Kooperation mit der Gates-Foundation statt.<\/p>\n<p>Mit der Corona-Krise ging im M\u00e4rz 2020 eine Zusammenarbeit mit Pfizer und Forsun Pharma (Shanghai) einher. Sie f\u00fchrte zur Entwicklung des Covid-19-Impfstoffes Tozinameran. Im September erhielt BioNTech-Pfizer von der BRD- F\u00f6rdermittel in H\u00f6he von 325 Mio. Euro und einen Kredit der Europ\u00e4ischen Zentralbank [EZB] (als von 19 Staaten der Europ\u00e4ischen Union [EU], der sogenannten Eurozone) von 100 Mio. Euro. Im Dezember 2020 erfolgte die vorl\u00e4ufige Zulassung des Impfstoffes, der zun\u00e4chst \u00fcberteuert zu 54,08 Euro je Impfdosis den Regierungen angeboten wurde.<\/p>\n<p>Das Unternehmerkonsortium BioNTech plant bis 2023 in Singapur eine Produktionsanlage f\u00fcr mRNA-Impfstoffe und Therapeutika mit einer Kapazit\u00e4t von 100 Mio Impfdosen pro Jahr und einem Umsatz von 5 Mrd. US-Dollar. Auch die anderen Covid-Impfstoffentwickler erh\u00f6hen ihre Produktionskapazit\u00e4ten &#8211; sei es durch neue eigene Produktionsst\u00e4tten, sei es durch Zusammenarbeit mit fremden in- und ausl\u00e4ndischen Herstellern von Impfstoffen und Arnzeimittel: die EU hat zu Jahresbeginn 2021 2,3 Mrd. Impfdosen bestellt, darunter 600 Mio bei BioNTech-Pfizer, 405 Mio bei Curevac, 400 Mio bei Astrazeneca und 400 Mio bei Johnson&amp;Johnsen (so der der stern 1. 2. 2021); denn es gilt, etwa 80% der EU-Bev\u00f6lkerung durchzuimpfen.<\/p>\n<p>Das biopharmazeutische Unternehmen Curevac wurde 2000 aus einem akademischen Forschungsprojekt (Biologie, Chemie, Immunologie) der Universit\u00e4t T\u00fcbingen heraus gegr\u00fcndet von G\u00fcnther Jung (*1937), Hans-Georg Rammensee (*1953), Igmar Hoerr (*1968), Florian von der M\u00fclbe und Steve Pascolo (*1970) und von der Landesregierung Baden-W\u00fcrttemberg durch Bereitstellung von universit\u00e4ren Laborr\u00e4umen und -materialien gef\u00f6rdert. 2003 wurde in T\u00fcbingen eine internationale Konferenz zu mRNA-Heilmethoden durchgef\u00fchrt und das Biologiezentrum T\u00fcbingen mit 18 Mitarbeitern eingerichtet.<\/p>\n<p>2006-2014 finanzierte Dietmar Hopp (*1940, Mitgr\u00fcnder der IT-Firma Systemanalyse und Programmentwicklung [SAP]) mit seiner \u201eDievini Hopp BionTech Holding\u201c Curevac zun\u00e4chst mit 80 Mill. Euro; 2012 hielt Hopp 90% des 145 Mio Euro umfassenden Kapitals, im Februar 2015 engagierten sich auch die Bill und Melinda Gates Stiftung mit 46 Mio Euro und B\u00f6hringer Ingelheim mit 35 Mio Euro an diesem Unternehmen; 2016 kamen als weitere Investoren die L-Bank (Ba-W\u00fc) und die Baden-W\u00fcrttembergische Versorgungsanstalt f\u00fcr \u00c4rzte, Zahn\u00e4rzte und Tier\u00e4rzte mit 26,5 Mill. Euro hinzu, 2017 der US-Pharmakonzern Elly&amp;Co mit 45 Mio und die EIB mit 75 Mio Euro. Allerdings scheiterte 2017 das Vorhaben der Entwicklung eines mRNA-Krebs-Impfstoffs.<\/p>\n<p>Im Mai 2018 wurde der US-Manager Daniel B. Menichella Vorsitzender des Aufsichtsrates von CureVac. Im Februar 2019 wieder traf Cepi, die Impfallianz der Gates-Stiftung, eine Vereinarung in H\u00f6he von 34 Mio US-Dollar mit Curevac \u00fcber die Entwicklung von Impfstoffen. Mit der Corona-Krise sprudelte geradezu das Geld: zum Beispiel beteiligte sich im Juni 2020 die BRD \u00fcber die KfW mit 300 Mio. Euro und erlangte einen 23% Anteil am Unternehmen, im Juli 2020 unterzeichneten Curevac und der britische Pharma-Konzern GlaxoSmithKlein einen Kooperationsvertrag \u00fcber die Entwicklung von Impfstoffen auf mRNA-Basis \u00fcber 150 Mio. Euro, im September 2020 erhielt das Unternehmen \u00f6ffentliche F\u00f6rdermittel in H\u00f6he von 252 Mio Euro f\u00fcr die Entwicklung von Impfstoffen gegen Corona. Zuvor ging das Unternehmen im August an die US-B\u00f6rse Nasdaq, wo es mit 2,3 Mrd. US-Dollar bewertet wurde. Aktien-Haupteigent\u00fcmer sind \u201eDievini Hopp BioTech Holding\u201c mit 49,5%, KfW mit 17% und Glaxo mit 18,5%.<\/p>\n<p>Diese beide Firmengeschichten verdeutlichen: Sie entwickelten sich als sogenannte start-ups erst als Grossinvestoren einen profitablen Markt zu erkennen glaubten, etwa um die Jahre 2018\/19, der Staat sich mit Steuermitteln auch finanziell beteiligte und das Produkt, hier Impfungstoff, auch institutionell abgesichert werden konnte.<\/p>\n<p>In einem Interview in der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung (NZZ 23. 2. 2021) erz\u00e4hlte der Curevac-Mitgr\u00fcnder Igmar Hoerr unter anderem, dass er und Florian von der M\u00fclbe urspr\u00fcnglich einen Masernimpfstoff entwickeln wollten, jedoch f\u00fcr diesen \u201eCent-Markt\u201c keine Investoren fanden: \u201eWir waren damals unterwegs Geld einzusammeln. Und wenn wir mit Impfstoffen f\u00fcr Infektionskrankheiten gekommen w\u00e4ren, h\u00e4tte uns niemand Geld gegeben. Wir waren durch den Markt gezwungen.\u201c (SWR aktuell 11. 12. 2020) Deshalb orientierten sie sich auf einen Massenimpfstoff zur Tumortherapie.<\/p>\n<p>2003 sei es zu einem Treffen mit Friedrich von Bohlen aus der Krupp-Familie, selbst ein Biotech-Gr\u00fcnder, gekommen. Zu diesem Treffen habe er den Schweizer Investmentbanker Chris Tanner mitgebracht. Nach der Pr\u00e4sentation ihres biotech-start-up habe von Bohlen gemeint: \u201eHerr Hoerr, wenn das wirklich klappt, werden Sie einen Millionenmarkt haben. Ihre Firma wird eine Revolution ausl\u00f6sen.\u201c Deshalb investierte von Bohlen 2004 in Curevac und gewann auch Dietmar Hopp (SAP), der dabei war, selbst eine Biotech-Holding aufzubauen, als weiteren Financier.<\/p>\n<p>Beide erkannten, dass langfristig gesehen mit mRNA-Methoden, die anregen k\u00f6nnten, jedes Protein im K\u00f6rper zu produzieren, die \u201emolekulare und digitale Transformation der Medizin\u201c (Business Insider 28. 10. 2020) eingeleitet und ein weltweiter neuer Markt erschlossen werden w\u00fcrde. Hopp wiederum stellte die Verbindung zu Bill Gates, den die Junggr\u00fcnder in Paris trafen und der sich 2015 an der Firma beteiligte, her. Auch zum TESLA-Chef Elon Musk bestehen Verbindungen im Zusammenhang mit dem Vorhaben, mRNA-Drucker f\u00fcr die individualisierte Krebstherapie herzustellen.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Marktaussichten intervenierten die deutschen Biotech-Unternehmen BioNTech und Curevac auch erfolgreich bei der Bundesregierung Merkel und der EU, um die Forderung der Biden-Administration, die Impfstoffpatente offen allen Staaten zur Verf\u00fcgung zu stellen, zur\u00fcckzuweisen. Von Bohlen erkl\u00e4rt: \u201eZum ersten Mal in der Biotech-Geschichte kommen zwei oder drei (erfolgreiche) Firmen nicht aus den USA. [\u2026] Wenn die Firmen alle Amerikaner w\u00e4ren, glaube ich nicht, dass sie [die US-Amerikaner] diesen Vorschlag gemacht h\u00e4tten.\u201c (The Irish Times 19. 5. 2021)<\/p>\n<p>Schliesslich wird die im Zusammenhang mit Corona gef\u00fchrte aggressive Impfstoffkampagne auch als T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr weitere Gesch\u00e4ftsfelder betrachtet. So teilte von Bohlen im angef\u00fchrten Interview mit, er habe mit \u201eMolecular Health\u201c eine Datenbank gegr\u00fcndet, die auf \u201emolekularer Ebene den biologischen Prozess im K\u00f6rper analysiert und aufzeichnet, um Krankheiten an gezielte Medikamente anzugleichen\u201c (The Irish Times 19.5.2021).<\/p>\n<p>(5) Am Beispiel der Biotech-Technologie l\u00e4sst sich exemplarisch der sogenannte \u201ewissenschaftlich-technische Transformationsprozess\u201c im STAMOKAP nachzeichnen. Hier geht es nicht allein um die Durchdringung des Staates durch Monopole und die damit einhergehende Unterordnung von Politik und Gesellschaft unter Monopolinteressen, sondern der Staat agiert eigenst\u00e4ndig, um \u00fcber F\u00f6rderung von Innovationen den Gesamtprozess der Kapitalakkumulation in Gang zu halten. Dabei bildet sich folgendes Muster heraus: Staatliche F\u00f6rderung von zumeist von Hochschulforschern gegr\u00fcndeten start-up-Unternehmen \u2192 Beteiligung privater Geldgeber \u2192 Einstieg verschiedener internationaler Investoren \u2192 B\u00f6rsengang \u2192 Erschliessung neuer M\u00e4rkte sowohl mithilfe massiven staatlichen Finanzf\u00f6rderung als auch in politischer Hinsicht \u2192 nationale Erprobungsphase \u2192 internationaler Konkurrenzkampf der Unternehmen und Staaten um neue M\u00e4rkte. Und die makabre Ironie des Gesamtvorgangs: infolge der Staatsinitiative am Beginn dieses Prozesses erscheint es schlichten Gem\u00fctern als handelte es sich um sozialistische Massnahmen.<\/p>\n<p>\u00dcber alle Description oder Prozessbeschreibungen hinaus lassen sich zwei Grundz\u00fcge als Muster analytisch erkennen: einmal handelt es sich um reale sozio\u00f6konomische und organisationssoziologische Entwicklungen im letzten Jahrzehnt der globalen Bipolarit\u00e4t, den 1980er Jahren, die den erheblich angestiegenen wirtschaftlichen und politischen Machtballungen[3] entsprechen; und zum anderen bildete sich in den 1980er Jahren im finanzkapitalistisch entwickelten Westen ein mehrstufiges Verfahren zum Investitionsprozess heraus (mit in Deutschland besonders wirksamen staatsinterventionistischen), das anf\u00e4nglich in kleinen Einheiten, oft Projekten, und zunehmend als start up begann und schliesslich nach \u00dcbernahmen durch finanzstarke Gruppierungen zu global t\u00e4tigen Unternehmen mit global finanzoligarchischer Dominanz f\u00fchrte.<\/p>\n<p>(6) In diesem Kurzbeitrag wurde aufgezeigt, dass es sich bei der Erschliessung des Gesch\u00e4ftsfeldes Biotechnologie zusammen mit Medizin- und Gesundheitsvorsorgetechnik um ein langfristiges Projekt handelt, das viel Kapital, sei es aus \u00f6ffentlichen Steuermitteln, sei es von Anlage suchenden Privatinvestoren aufsaugt. Vor allem Privatinvestoren erwarten Gewinn auf ihr vorgeschossenes Kapital. Und auch wenn das Finanzkapital wild spekuliert \u2026 Profite lassen sich letztlich nur in der Realwirtschaft erzielen. Und da das urspr\u00fcngliche Ziel von BioNTech und Curevac, ein Krebsmittel auf mRNA-Basis zu entwickeln, nicht erreicht wurde, es \u00fcberhaupt offen bleibt, die Krebskrankheit ausrotten zu k\u00f6nnen, kam die sogenannte Corona-Pandemie mit seinem \u201edummen Virus\u201c (Hoerr) wie bestellt, um mit dem relativ einfach herzustellenden mRNA-Impfstoff gegen Covid 19 Renditeerwartungen zu erf\u00fcllen. Immerhin kostete eine Impfstoffdosis von Biontec 12 \u20ac, von Curevac 10 \u20ac, von Moderna 14,69 \u20ac, von AstraZeneca 1,78 \u20ac und von Johnsen&amp;Johnsen 6,44 \u20ac (Business Insider 18. 12. 2020).<\/p>\n<p><strong>Fussnoten:<\/strong><\/p>\n<p>[1] Wirtschaftslexion 24. Ausgabe 2020; <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftslexikon24.com\/d\/stamokap\/stamokap.htm\">http:\/\/www.wirtschaftslexikon24.com\/d\/stamokap\/stamokap.htm<\/a><\/p>\n<p>[2] Stefan Kaufmann; Antonella Muzzupappa, Crash Kurs Krise. Wie die Finanzm\u00e4rkte funktionieren. Eine kritische Einf\u00fchrung. Berlin: Bertz+Fischer, 2020, 175 S.<\/p>\n<p>[3] Immanuel Wallerstein et.al., Dynamics of Global Crisis. London: Macillan, 1982, 248 p.; James S. Coleman, The Asymmetrical Society. New York: Syracuse University Press, 1982, xii\/191p.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch\/wirtschaft\/theorie\/corona-als-entwickelter-stamokap-6480.html\">untergrund-bl\u00e4ttle.ch&#8230;<\/a> vom 16. Juni 2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilma Ruth Albrecht. \u201eAufgrund der im Ersten Weltkrieg in Deutschland zu beobachtenden Interessenverstrickung zwischen Staat und Wirtschaft sieht Lenin in seiner 1917 erschienenen Schrift &#8222;Staat und Revolution&#8220; das Wesen des Stamokap in der totalen Verschmelzung &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9801,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[121,22],"class_list":["post-9800","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-covid-19","tag-politische-oekonomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9800","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9800"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9800\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9802,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9800\/revisions\/9802"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9801"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9800"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9800"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9800"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}