{"id":9820,"date":"2021-07-06T16:41:06","date_gmt":"2021-07-06T14:41:06","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9820"},"modified":"2021-07-06T16:41:07","modified_gmt":"2021-07-06T14:41:07","slug":"die-bundeswehr-und-ihre-kaempfenden-mensch-maschinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9820","title":{"rendered":"Die Bundeswehr und ihre k\u00e4mpfenden Mensch-Maschinen"},"content":{"rendered":"<p><em>Norbert H\u00e4ring.<\/em> Das Development, Concepts and Doctrine Centre (DCDC) der britischen Armee hat in Zusammenarbeit mit dem Amt f\u00fcr Wehrplanung der Bundeswehr die zuk\u00fcnftigen Auswirkungen der Human Augmentation (HA) untersucht, um eine Grundlage f\u00fcr detailliertere Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet zu schaffen.<!--more--><\/p>\n<p>Es geht dabei um alles, was Menschen k\u00fcnstlich leistungsf\u00e4higer machen kann, von Augmented-Reality-Brillen \u00fcber\u00a0Gentechnik und genetischer Auswahl bis zu\u00a0Gehirn-Maschinen-Schnittstellen und Drogen. Das DCDC hat die Ergebnisse des gemeinsamen Nachdenkens und Forschens in einer Studie mit dem Titel \u201eHuman Augmentation \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/human-augmentation-the-dawn-of-a-new-paradigm\">The Dawn of a New Paradigm<\/a>\u201c ver\u00f6ffentlicht (Menschliche Optimierung \u2013 Beginn eines neuen Paradigmas). Das Vorwort hat der Direktor Generalmajor Wolfgang Gaebelein, Direktor des Amtes f\u00fcr Wehrplanung zusammen mit seinem britischen Pendant geschrieben.<\/p>\n<p>Auf der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/human-augmentation-the-dawn-of-a-new-paradigm\">Webseite der britischen Regierung<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundeswehr.de\/de\/organisation\/weitere-bmvg-dienststellen\/planungsamt-der-bundeswehr-\/human-augmentation-verbindung-mensch-maschine-planungsamt-5016384\">derjenigen der Bundeswehr<\/a>\u00a0wird in Mitteilungen auf die Ver\u00f6ffentlichung der Studie hingewiesen. Die deutsche Variante ist sehr zur\u00fcckhaltend formuliert, die britische spricht Klartext :<\/p>\n<p>Das Projekt umfasst Forschungsarbeiten deutscher, schwedischer, finnischer und britischer Verteidigungsexperten, um zu verstehen, wie sich neu entstehende Technologien wie Gentechnik, Bioinformatik und die M\u00f6glichkeit von Gehirn-Computer-Schnittstellen auf die Zukunft von Gesellschaft, Sicherheit und Verteidigung auswirken k\u00f6nnten. Die ethischen, moralischen und rechtlichen Herausforderungen sind komplex und m\u00fcssen gr\u00fcndlich bedacht werden, aber menschliche Optimierung k\u00f6nnte den Beginn einer neuen \u00c4ra strategischer Vorteile mit m\u00f6glichen Auswirkungen auf das gesamte Spektrum der Streitkr\u00e4fteentwicklung signalisieren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie ethischen, moralischen und rechtlichen Herausforderungen m\u00fcssen gr\u00fcndlich bedacht werden\u201c, hei\u00dft es treuherzig. Doch das \u201eaber\u201c dahinter deutet schon an, dass dies so ernst nicht gemeint ist, und in der Studie selbst liest man, dass es auf das Ethik-Klimbim letztlich nicht ankommen wird, denn:<\/p>\n<p>Der Imperativ, menschliche Optimierung zu nutzen, k\u00f6nnte letztendlich nicht durch ein explizites ethisches Argument diktiert werden, sondern durch das nationale Interesse. L\u00e4nder m\u00fcssen m\u00f6glicherweise technische Optimierungen des Menschen entwickeln, oder sie riskieren, Einfluss, Wohlstand und Sicherheit an diejenigen abzugeben, die dies tun. (\u2026)\u00a0 Die \u00f6ffentliche Meinung, vor allem in Demokratien, wird einen gro\u00dfen Einfluss auf die Bereitschaft eines Landes haben, die menschliche Optimierung zu akzeptieren, aber weder die \u00f6ffentliche Meinung noch Ethiker werden \u00fcber die Zukunft der menschlichen Optimierung entscheiden. Stattdessen werden es wahrscheinlich die Regierungen entscheiden, basierend auf dem nationalen Interesse an Wohlstand, Sicherheit und Schutz.\u201c<\/p>\n<p>Das nationale Interesse an Wohlstand steht zuvorderst, das wirtschaftliche Interesse also. Das erinnert nicht zuf\u00e4llig an den Ausspruch vom deutschen Wohlstand, der am Hindukusch verteidigt wird. Technisch optimierte Soldaten sind n\u00e4mlich nicht in erster Linie n\u00fctzlich, um gegen \u00e4hnlich ausger\u00fcstete feindliche Armeen zu k\u00e4mpfen. Daf\u00fcr hat man Panzer, Drohnen, Kampfflugzeuge, Raketen und Bomben. Solche Soldaten sind vor allem n\u00fctzlich, wenn eine technisch \u00fcberlegene Armee gegen eine Bev\u00f6lkerung und deren Partisanen k\u00e4mpft, sei es in Afghanistan, Mali oder dem eigenen Land. Das sind in erster Linie Technologien f\u00fcr B\u00fcrgerkriege und Besatzungsarmeen.<\/p>\n<p>Die Technologien lassen wir wieder die britische Regierung beschreiben:<\/p>\n<p>Technologien der menschlichen Optimierung bieten ein breites Spektrum an M\u00f6glichkeiten f\u00fcr heute und f\u00fcr die Zukunft. Es gibt ausgereifte Technologien, die heute mit \u00fcberschaubaren politischen Erw\u00e4gungen integriert werden k\u00f6nnten, wie z. B. personalisierte Ern\u00e4hrung, Wearables und Exoskelette. Es gibt andere Technologien in der Zukunft, die ein gr\u00f6\u00dferes Potenzial versprechen, wie Gentechnik und Gehirn-Computer-Schnittstellen. Menschliche Optimierung wird in Zukunft immer relevanter werden, weil sie das Bindemittel zwischen den einzigartigen F\u00e4higkeiten von Menschen und Maschinen ist. Die Gewinner zuk\u00fcnftiger Kriege werden nicht diejenigen sein, die \u00fcber die fortschrittlichste Technologie verf\u00fcgen, sondern diejenigen, die die einzigartigen F\u00e4higkeiten von Mensch und Maschine am effektivsten integrieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Welche F\u00e4higkeiten vor allem gesucht sind, wird durch Zitieren eines Instituts der US-Armee verdeutlicht:<\/p>\n<p>Wenn die aktuellen Vorhersagen korrekt sind, hat die genetische Modifikation bei weitem das gr\u00f6\u00dfte Potenzial f\u00fcr die Verbesserung des Menschen. Laut der United States Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), k\u00f6nnte die genetische Modifikation genutzt werden, um Supersoldaten zu schaffen, die \u201eohne Gnade t\u00f6ten, nicht m\u00fcde werden, keine Angst zeigen und sich eher wie eine Maschine als ein Mensch verhalten\u201c.\u201c<\/p>\n<p>Schon bemerkenswert, dass man als Regierung so etwas im heutigen Europa ver\u00f6ffentlichen kann, ohne einen Skandal zu provozieren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/news\/mensch-maschinen-soldaten\/\"><em>norberthaering.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. Juli 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Norbert H\u00e4ring. 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