{"id":9847,"date":"2021-07-14T08:54:15","date_gmt":"2021-07-14T06:54:15","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9847"},"modified":"2021-07-14T08:54:16","modified_gmt":"2021-07-14T06:54:16","slug":"corona-krise-wer-bezahlt-die-zeche-wirklich-was-geht-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9847","title":{"rendered":"Corona-Krise: Wer bezahlt die Zeche wirklich? Was geht ab?"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00d6si. <\/em><strong>Eines vorne weg: Ich kann beruflich (wie \u00fcbrigens Millionen andere Kolleginnen und Kollegen in diesem Land) weder im Homeoffice noch im \u201emobilen Arbeiten\u201c t\u00e4tig sein, weil man den Job als Ausbilder f\u00fcr Schreinerlehrlinge schlecht von Zuhause aus machen kann, weil Azubis keine tonnenschweren Tischkreiss\u00e4gen und Hobelmaschinen, Furnierpressen und Werkb\u00e4nke daheim in ihren<\/strong><!--more--> <strong>Wohnzimmern rumstehen haben und weil man schlecht theoretisch, \u00fcber einen Bildschirm, erkl\u00e4ren kann, wie sich eine Holzbohle verh\u00e4lt, wenn sie sich im S\u00e4geblatt verklemmt und einem dann pl\u00f6tzlich um die Ohren fliegt. Meinen Job aber, so wichtig und sinnvoll er auch sein mag, w\u00fcrde ich keinesfalls als unmittelbar lebensnotwendig bezeichnen.<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem arbeite ich aktuell live in der Ausbildungswerkstatt eines Bildungstr\u00e4gers. Wir tragen alle die (mittlerweile) vorgeschriebenen Masken (FFP2 oder medizinisch) \u2013 8 Stunden am Tag, mit den vorgeschriebenen Pausen (nach 75 Minuten k\u00f6rperlicher Arbeit mit FFP2-Maske ist eine halbe Stunde Pause vorgeschrieben) dazwischen. Immerhin, denn unser Betrieb und die Gesch\u00e4ftsleitung geh\u00f6ren wenigstens nicht zu der direkten \u201eCorona-Leugner-Fraktion\u201c. Aber sicher f\u00fchlt man sich dennoch nicht. W\u00fcrde die Arbeitspflicht ausgesetzt, k\u00f6nnten auch wir, die Lehrlinge und ich, zu Hause bleiben und uns so besser vor einer Ansteckung und Erkrankung sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Andere haben es da allerdings noch viel \u201ebeschissener\u201c erwischt, wie die Blog-Seite der Initiative zero-covid deutlich macht (alle nachfolgenden Zitate sind\u00a0<em>kursiv<\/em>\u00a0dargestellt und aus der Blog-Seite von Zero-covid im Zeitraum Ende Januar \u2013 Anfang M\u00e4rz 2021 entnommen.):<\/p>\n<p><em>\u201eEin Angestellter einer Baumarkt-Kette berichtet (\u2026): Ich arbeite f\u00fcr eine gro\u00dfe Baumarkt-Kette. Meine Erfahrung mit dem Covid-Jahr auf Arbeit: Abst\u00e4nde werden weder von KundInnen, noch von KollegInnen eingehalten. OP-Masken (billig-Import) gibt\u2019s eine pro 8-Stunden-Schicht, manche MitarbeiterInnen tragen aber auch tagelang dieselbe. Desinfektionsmittelspender werden zu einem Drittel mit Reinigungsbenzin gestreckt, aus Kostengr\u00fcnden. Aber halb so schlimm, das Desinfektionsmittel selbst ist ohnehin nicht gegen Coronaviren geeignet, sondern wirkt antibakteriell. Kontaktfl\u00e4chen werden nur auf Eigeninitiative desinfiziert. Das Ergebnis: 20 Personen in Quarant\u00e4ne, 5 positiv, 3 schwere Verl\u00e4ufe, 1 Verlauf mit massiven, bleibenden Nierensch\u00e4den. Daf\u00fcr 2020 den besten Umsatz seit Jahren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine andere Kollegin berichtet folgendes:<\/p>\n<p><em>\u201eIch arbeite in einem Bio-Supermarkt. Wir m\u00fcssen die Kundschaft ohne Op-Maske\/FFP2Maske des Gesch\u00e4fts verweisen. Wir selber sollen aber keine FFP2 Masken tragen, da wir sonst zu h\u00e4ufig Pause machen m\u00fcssten. Manche tragen also weiterhin Stoffmasken, wenn sie im Gesch\u00e4ft Regale einr\u00e4umen. Im Pausenbereich und im B\u00fcro der Filialleitung sitzen weiterhin alle ohne Maske miteinander. Fr\u00fch vor Arbeitsbeginn tr\u00e4gt fast niemand bei der Warenverr\u00e4umung eine Maske. Die Abst\u00e4nde werden dabei auch nicht eingehalten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nur Einzelf\u00e4lle aus \u201eSchwarze-Schaf-Branchen? Durchaus nicht, wie Berichte aus Kitas und Schulen zeigen:<\/p>\n<p><em>\u201eBericht einer Erzieherin aus Berlin: Bei uns ist es mittlerweile gang und g\u00e4be, dass ein positiv getestetes Kind keinerlei Konsequenzen f\u00fcr unsere Einrichtungen nach sich zieht, solange schon \u00fcber 48h seines letzten Besuchs zur\u00fcckliegen! Keine Ahnung wer sich das ausgedacht hat! Hatten schon mehrere F\u00e4lle \u2013 positive Kinder\u2013, wo wir Montag morgen erfahren haben, dass Kind X positiv (so auch Mutter, Schwester etc.) ist, aber da es die Woche davor Donnerstag oder Freitag zuletzt da war, ist rein gar nichts passiert. Aufgrund dieses Vorgehens des Gesundheitsamtes haben sich schon zwei Kolleginnen eine Corona-Infektion eingefangen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Oder wie hier, wo gleich richtig gelogen und betrogen wird:<\/p>\n<p><em>\u201eIch bin Erzieher in einer Kita. W\u00e4hrend in den Medien so getan wird, als h\u00e4tten wir geschlossen, bzw. w\u00e4ren im Notbetrieb, haben wir regul\u00e4r ge\u00f6ffnet. Von 75 Kindern kommen aktuell 60. Diese verteilen sich auf 4 Gruppen. Kinder und Personal der jeweiligen Gruppen sollen sich nicht \u00fcberschneiden, aber benutzen die gleichen Garderoben. Eltern und Kinder treffen sich in ihrer Freizeit gruppen\u00fcbergreifend zum Spielen. OP- und FFP2-Masken wurden erst nach mehrfachem Nachfragen gestellt. Im Gespr\u00e4ch mit der Leitung wurde mir gesagt, wie wichtig es f\u00fcr Kinder ist, dass sie auch Gestik und Mimik von Erzieher*innen sehen und dass meine Angst \u00fcbertrieben w\u00e4re und zu hoffen bleibt, dass sich das nicht auf Kinder und Kolleg*innen abf\u00e4rbt. Dabei tue ich nicht mehr als das, was das Gesundheitsamt empfiehlt: Ich trage FFP2-Maske (Atempausen mit Abstand sind nicht m\u00f6glich und werden nicht erm\u00f6glicht, weil das Tragen auf Freiwilligkeit beruht), l\u00fcfte regelm\u00e4\u00dfig und desinfiziere nach dem Essen die Tische\u2026 Ich mache den Eltern keinen Vorwurf, dass sie ihre Kinder bringen, nur ein solidarischer Lockdown w\u00fcrde erm\u00f6glichen, dass wir alle zuhause bleiben ohne uns und andere in Gefahr zu bringen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine F\u00f6rderschullehrerin berichtet:<\/p>\n<p><em>\u201eMeine Schulleitung versuchte vor Weihnachten verzweifelt eine Schulschlie\u00dfung zu erwirken, weil mehr und mehr Lehrkr\u00e4fte und Sch\u00fclerInnen infiziert waren und wir \u00fcberhaupt nicht absehen konnten, wer am n\u00e4chsten Tag dran ist. Die einzige Sorge des Schulamts waren Regressanspr\u00fcche der Eltern. Niemals ging es um unsere Gesundheit! Ich bin noch recht neu im Schuldienst und liebe meinen Job, niemals h\u00e4tte ich gedacht, dass mein Arbeitgeber derartig auf mich schei\u00dft (Entschuldigt die Ausdrucksweise).Ich hatte gro\u00dfes Gl\u00fcck, weil ich (und \u00fcbrigens auch mein Mann, den ich angesteckt habe) wieder gesund sind. Von meinen Kolleginnen leiden zwei unter Langzeitfolgen, die eine riecht und schmeckt bis heute nichts, die andere leidet unter Schw\u00e4cheanf\u00e4llen und Herzrasen. Zum Gl\u00fcck sind Kinder ja nicht ansteckend.<\/em>\u00a0(\u2026)\u00a0<em>Achja: Die Kommune m\u00f6chte au\u00dferdem die Zahl der Reinigungskr\u00e4fte von derzeit 4 auf 3 k\u00fcrzen. Kein Scherz.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bei vielen Berufsgruppen wird in der \u00f6ffentlichen Diskussion und von Seiten der Verantwortlichen automatisch so getan, als w\u00e4re es gar nicht m\u00f6glich zuhause zu bleiben. Allerdings w\u00e4ren Erzieherinnen, bis auf eine Notbetreuung z.B. f\u00fcr Kinder von Krankenschwestern oder \u00c4rzten, bei einem hundertprozentigen Shutdown<a href=\"https:\/\/www.kaz-online.de\/artikel\/wer-zahlt-die-zeche-was-geht-ab#ref-1\">[1]<\/a>\u00a0keineswegs \u00fcberlebensnotwendig, viele von ihnen k\u00f6nnten kurzzeitig von ihrer Arbeitspflicht entbunden werden<a href=\"https:\/\/www.kaz-online.de\/artikel\/wer-zahlt-die-zeche-was-geht-ab#ref-2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn der Impfstoff reicht sollen nun immerhin ab Mitte M\u00e4rz endlich auch Erzieherinnen geimpft werden.<\/p>\n<p>Aber was ist eigentlich mit den Arbeiterinnen und Arbeitern, deren Arbeit unbestritten lebensnotwendig ist, wie z.B. Kassiererinnen im Supermarkt oder Reinigungskr\u00e4fte. Werden diese Berufsgruppen denn bei den Impfungen auch \u201epriorisiert\u201c, \u00e4hnlich dem Krankenhauspersonal? Ich habe davon bis jetzt noch nichts geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Beispielsweise hatte meine Frau letztes Jahr im M\u00e4rz noch ein Schreiben von ihrem Chef, dass sie als Reinigungskraft in den B\u00fcros einer gro\u00dfen Supermarktkette \u201esystemrelevant\u201c ist, damit sie dies jederzeit, bei einer Kontrolle durch Polizei oder Ordnungsamt auf dem Weg zur Arbeit nachweisen konnte. Fr\u00fcher geimpft soll sie nun deswegen aber nicht werden. Auch ein \u00e4hnliches Schreiben wie letztes Jahr hat sie mittlerweile nicht mehr bekommen.<\/p>\n<p>Vielleicht sollen die \u201eSystemrelevanten\u201c ja gar nicht mehr so viel dr\u00fcber nachdenken (wie letzte Jahr, als noch von den Balkonen geklatscht werden musste), was dies eigentlich bedeuten soll \u201esystemrelevant\u201c und wieso sie, die den Laden wirklich am Laufen halten dann so beschissen bezahlt und behandelt werden. Und wieso sie, wenn sie doch so wichtig f\u00fcr unser System sind, nicht auch besonders gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p><strong>Selbst und st\u00e4ndig?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Schw\u00e4gerin z.B. arbeitet als \u201eselbst\u00e4ndige\u201c Plakatekleberin (keine Ahnung, wie man das korrekt nennt) f\u00fcr gro\u00dfe Veranstaltungen im Ruhrpott: Konzerte, Theatervorstellungen, Lesungen usw. Keine Veranstaltungen = keine Plakate = keine Kohle mehr, so einfach funktioniert das im Kapitalismus. Und das nun seit \u00fcber einem Jahr. Coronahilfe hat sie sofort letztes Jahr beantragt, dann hat sie tats\u00e4chlich ein paar Monate sp\u00e4ter Geld bekommen, `n paar tausend Euro, die sie aber nicht f\u00fcr ihren Lebensunterhalt verwenden darf, nur f\u00fcr ihren \u201eBetrieb\u201c, soll hei\u00dfen die olle verrostete Karre mal wieder so richtig auf Vordermann bringen. Vor kurzem hat sie dann auch noch ein Schreiben vom Amt erhalten, dass sie gerne schon wieder mit der R\u00fcckzahlung der 7.000,- Euro beginnen k\u00f6nne, mitten im zweiten Lockdown, wo bereits die zweite Coronahilfe beantragt war und zwischenzeitlich kein einziges Plakat verklebt worden ist.<\/p>\n<p>Bei zero-covid wird der \u201eZustand\u201c so beschrieben:<\/p>\n<p><em>\u201eHallo, mein Name ist Alex und ich arbeite in einer Gastst\u00e4tte in K\u00f6ln. Zu meinen Aufgaben geh\u00f6ren neben Service auch die Verwaltung, Zahlungsverkehr und Lohnbuchhaltung, so dass ich sowohl die Perspektive als Arbeitnehmer, als auch die der Gastronomen selbst beleuchten m\u00f6chte. Zur Arbeitnehmerperspektive l\u00e4sst sich sagen, dass wir uns gl\u00fccklich sch\u00e4tzen k\u00f6nnen, bei uns im Betrieb viel mit zu reden haben. Ansonsten w\u00e4ren die letzten 10 Monate wohl nervlich und finanziell kaum tragbar gewesen: Seit dem ersten Lockdown im M\u00e4rz 2020 kommen fast alle von uns nicht auf unsere normalen Stunden und so prek\u00e4r wie die L\u00f6hne nun mal in der gesamten Branche sind, ist auch der Wegfall\/ die Abnahme von Trinkgeld ein gro\u00dfes Problem. Das hat bei uns im Normalbetrieb etwa ein Drittel des Gesamtverdienstes ausgemacht, der in Schlie\u00dfungszeiten einfach so wegf\u00e4llt. Auch als wir zwischendurch wieder \u00f6ffnen durften, war dies h\u00f6chstens die H\u00e4lfte von dem, was davor reingekommen ist, da wir im Laden unsere Pl\u00e4tze halbieren mussten.<\/em><\/p>\n<p><em>Niemand von uns w\u00fcrde sich allerdings gerade freuen, wenn wir wieder aufmachen d\u00fcrften: Die derzeitigen Infektionszahlen sind derart hoch, dass es an f\u00fcr sich richtig ist, bis diese sinken, die Restaurants, Bars und Kneipen geschlossen zu halten, aber eben nicht nur die und den Einzelhandel!<\/em><\/p>\n<p><em>Die geltenden Regeln haben wir zwar immer umgesetzt, jedoch war uns sp\u00e4testens Anfang Oktober selbst nicht mehr wohl dabei: Masken waren f\u00fcr G\u00e4ste nur im stehen\/beim Gang auf die Toilette vorgeschrieben, als ob das f\u00fcr die Verteilung von Viren in der Luft eine Rolle spielen w\u00fcrden, ob die Leute sitzen oder nicht. Das gr\u00f6\u00dfte Problem f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten in der Gastronomie ist aber derzeit wohl das d\u00fcrftige Kurzarbeiter*innengeld: Das sind 60, 70 (nach 4 Monaten) oder 80(nach 7 Monaten) Prozent vom Nettogehalt(!). Auch der h\u00f6chste Satz langt eigentlich hinten und vorne nicht, da die meisten Arbeitnehmer*innen entweder Mindestlohn oder knapp dr\u00fcber verdienen, ein erheblicher Teil aus dem Trinkgeld kommt und deswegen garnicht ersetzt wird und es au\u00dferdem f\u00fcr Minijobber*innen gar keine Ersatzleistungen gibt. Wenn diese sich nicht irgendwie anders durchschlagen k\u00f6nnen, bleibt eigentlich nur um K\u00fcndigung zu bitten, weil man bei K\u00fcndigung durch die Arbeitnehmer*innen immer bef\u00fcrchten muss, dass das Jobcenter f\u00fcr ALGII erst einmal eine Sperre verh\u00e4ngt, man sei ja selbst verantwortlich. Wenn man dann auch noch, wie sehr viele, den Gastrojob zur Finanzierung des Studiums macht, muss man sich exmatrikulieren, da es f\u00fcr eingeschriebene Studierende kaum m\u00f6glich ist, ALGII zu bekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir haben aber auch, zum Gl\u00fcck, bei uns im Laden einen vollen \u00dcberblick \u00fcber die Arbeitgeber*innenseite, wo es nicht besser aussieht: Durch zigmalige nachtr\u00e4gliche \u00c4nderungen soll jetzt die Soforthilfe aus dem ersten Lockdown zur\u00fcckgezahlt werden, die vor Monaten beantragte Novemberhilfe ist noch nicht angekommen (von Dezember ganz zu schweigen) und die Auszahlung von Kurzarbeiter*innengeld dauert mindestens 3, aber auch mal 6 Wochen. Nach dem miesen Jahr 2020 sind einfach keine R\u00fccklagen mehr vorhanden und selbst Geld verdienen d\u00fcrfen wir nicht, so dass wir alle auf die p\u00fcnktlichen Zahlungen angewiesen sind. Wir sind deswegen unfassbar w\u00fctend, dass sich hier nun \u00fcber 2 Monate Zeit gelassen wird, Krankenkassen, Miete und Steuern p\u00fcnktlich gezahlt werden muss und dann zum Vorstrecken der L\u00f6hne einfach kein Geld mehr da ist. Das viel zu niedrige Kurzarbeitergeld kommt also erst an, wenn es auf dem Konto des Betriebes eingeht, ganz so, als h\u00e4tten wir irgendwelche Ersparnisse, von denen wir wochenlang \u00fcberleben k\u00f6nnten.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind uns sicher, dass wir es mit einer Fortsetzung der jetzigen Ma\u00dfnahmen nicht schaffen, das n\u00e4chste Jahr zu \u00fcberleben. (\u2026) Es ist schei\u00dfe zu wissen, dass sich auch die n\u00e4chsten Monate keine Aussicht auf Besserung erkennen l\u00e4sst und im verstaubten Gastraum mit St\u00fchlen oben zu stehen, w\u00e4hrend die U-Bahnen jeden morgen brechend voll sind mit Menschen, die zur Arbeit m\u00fcssen. Wir alle sehen #ZeroCovid als sozial und epidemologisch einzig vertretbaren Weg an, dieser Misere zu begegnen und haben deshalb die Initiative von Anfang an unterst\u00fctzt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>In der DDR wurde jeder Schlagers\u00e4nger vom Staat bezahlt<\/strong><\/p>\n<p>Es verwundert mich nicht, dass viele aus der Gruppe der Solo- bzw. besser Scheinselbst\u00e4ndigen diesen ganzen Zirkus, diese \u201eLeutverarsche\u201c nicht mehr mitmachen wollen. Die Menschen haben ja recht. Aber sie ziehen die falschen Schl\u00fcsse aus ihrer Misere. Sie sagen: \u201eOb ich jetzt an Corona krepiere oder in meinem eigenen Wirtshaus \u201averhungere\u2018, wo ist da der Unterschied?\u201c Statt einen kompletten solidarischen Shutdown zu fordern, wollen viele einfach zur \u201eNormalit\u00e4t\u201c zur\u00fcckkehren. Sie k\u00f6nnen sich in unserem System gar nicht vorstellen, dass z.B. die Arbeitspflicht bei voller Bezahlung ausgesetzt werden k\u00f6nnte. Und sie haben ja Recht, im Kapitalismus wird sowas nicht einfach beschlossen. Und warum nicht? Weil so eine Ma\u00dfnahme auf die Rechnung der Kapitalisten gehen w\u00fcrde, ihre Profite schm\u00e4lern w\u00fcrde. Wo k\u00e4men wir denn da hin, daheimbleiben, faulenzen<a href=\"https:\/\/www.kaz-online.de\/artikel\/wer-zahlt-die-zeche-was-geht-ab#ref-3\">[3]<\/a>\u00a0und die volle Kohle kassieren. Wo blieben denn da die Riesenprofite von Mercedes, VW und Konsorten? Doch nicht etwa da, wo sie erarbeitet wurden, bei den Arbeitern?<\/p>\n<p>In einem sozialistischen Land, wie beispielsweise die DDR es war, wo die Arbeiterklasse herrscht, kann und wird sowas beschlossen (siehe China). Hier bei \u201euns\u201c geht es, bei allem, was halbherzig beschlossen wird, ausschlie\u00dflich um die \u201eSicherheit\u201c der Wirtschaft, Milliardenhilfen gehen an die Monopolindustrie, sofort und ohne Tilgungsplan, die Arbeitslosenkasse wird ausger\u00e4umt f\u00fcr Kurzarbeitergeld und beispielsweise \u201ebeim Daimler\u201c wird das beste Ergebnis seit Jahren erzielt (Daimler AG Konzernergebnis stieg um 48% auf 4,0 Mrd. \u20ac<a href=\"https:\/\/www.kaz-online.de\/artikel\/wer-zahlt-die-zeche-was-geht-ab#ref-4\">[4]<\/a>).<\/p>\n<p>Alle R\u00e4der stehen still \u2026<\/p>\n<p>Dass die Zust\u00e4nde in den gro\u00dfen Industriebetrieben nicht viel besser sind, zeigt der Bericht eines Arbeiters bei Audi (\u201eDas Virus hat keinen Werksausweis \u2013 oder doch?\u201c aus Auf Draht aus M\u00fcnchen, hier abgedruckt auf Seite 21). Aber als kleines abschlie\u00dfendes Schlaglicht m\u00f6chte ich doch noch folgende Schilderung und Schlussfolgerung aus dem ersten Blog-Eintrag #Schichtgeschichten 1 vom 20. Januar 2021 zitieren:<\/p>\n<p><em>Der Inzidenzwert in unserem Werk liegt konstant \u00fcber 500, teilweise \u00fcber 1.000. Aber die Zahlen werden nicht ver\u00f6ffentlicht. Die Ver\u00f6ffentlichung von solchen Zahlen w\u00e4re eine sinnvolle Erg\u00e4nzung der Forderungen. Sonst sind die Forderungen von ZeroCovid genau richtig. Sie werden nur nicht durch eine Petition durchkommen. Wir m\u00fcssen aus der Bewegung eine gewerkschaftliche Bewegung machen, die Streik als ihr Kampfmittel zur Durchsetzung der Forderungen erkennt.<\/em><\/p>\n<p>Stimmt genau!<\/p>\n<p><strong>Fussnoten<\/strong><\/p>\n<p><em>1 Shutdown hei\u00dft: Wir schr\u00e4nken unsere direkten Kontakte auf ein Minimum ein \u2013 und zwar auch am Arbeitsplatz! Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen nicht erfolgreich sein, wenn sie nur auf die Freizeit konzentriert sind, aber die Arbeitszeit ausnehmen. Wir m\u00fcssen die gesellschaftlich nicht dringend erforderlichen Bereiche der Wirtschaft f\u00fcr eine kurze Zeit stilllegen. Fabriken, B\u00fcros, Betriebe, Baustellen, Schulen m\u00fcssen geschlossen und die Arbeitspflicht ausgesetzt werden, zitiert nach dem Aufruf von zero-covid, zero-covid.org\/.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>2 Unter dem jetzigen hin-und Her ist es jedoch eine Wahl zwischen Pest und Cholera, ob Schulen und Kindertagesst\u00e4tten geschlossen werden oder offen bleiben, sind es doch gerade diejenigen Arbeiterfamilien, die am meisten unter Schlie\u00dfungen leiden, die sowieso schon unter versch\u00e4rften Ausbeutungsbedingungen, wie z.B. zu kleinen Wohnungen, leben.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Doch dass nicht einmal dort zeitweilig geschlossen wird, wo Infektionen auftreten, dass nicht einmal die einfachsten Schutzma\u00dfnahmen f\u00fcr Kinder und Kolleginnen und Kollegen selbstverst\u00e4ndlich sind, ist einer der vielen Skandale der augenblicklichen Chaospolitik.<\/em><\/p>\n<p><em>3 Friedrich M\u00e4rz meinte dazu im Bild-Politiktalk \u201eDie richtigen Fragen\u201c im September 2020: \u201eWir m\u00fcssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gew\u00f6hnen, dass wir ohne Arbeit leben k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen zur\u00fcck an die Arbeit\u201c. (zitiert nach\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/bibliothek\/zitat\/?author=Friedrich%20Merz\"><em>www.jungewelt.de\/bibliothek\/zitat\/?author=Friedrich%20Merz<\/em><\/a><em>) Alles klar?\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>4 Vgl. hierzu mbpassionblog,\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/blog.mercedes-benz-passion.com\/2021\/02\/daimler-ag-konzernergebnis-stieg-um-48-auf-40-mrd-e\/\"><em>blog.mercedes-benz-passion.com\/2021\/02\/daimler-ag-konzernergebnis-stieg-um-48-auf-40-mrd-e\/<\/em><\/a><em>\u00a0vom 18. Februar 2021, der etwas andere blog.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.kaz-online.de\/artikel\/wer-zahlt-die-zeche-was-geht-ab\"><em>kaz-online.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 14. Juli 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6si. 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