{"id":9867,"date":"2021-07-19T08:32:32","date_gmt":"2021-07-19T06:32:32","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9867"},"modified":"2021-07-19T08:32:33","modified_gmt":"2021-07-19T06:32:33","slug":"85-jahre-seit-dem-ausbruch-des-spanischen-buergerkriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9867","title":{"rendered":"85 Jahre seit dem Ausbruch des Spanischen B\u00fcrgerkriegs"},"content":{"rendered":"<p><em>Alejandro L\u00f3pez. <\/em>Vor 85 Jahren, am 17. Juli 1936, setzte die spanische Armee unter F\u00fchrung von General Francisco Franco einen faschistischen Putsch in Gang, um die gew\u00e4hlte Regierung der Zweiten Republik in Spanien zu st\u00fcrzen. \u00dcberall in Spanien reagierten Arbeiter und Bauern mit einem bewaffneten Aufstand. Sie gr\u00fcndeten Fabrikkomitees und stellten Milizen auf, um die faschistischen Truppen zu bek\u00e4mpfen. Der Spanische<!--more--> B\u00fcrgerkrieg, der von 1936 bis 1939 anhalten sollte, hatte begonnen.<\/p>\n<p>Der Spanische B\u00fcrgerkrieg war eine der gro\u00dfen Schlachten des 20. Jahrhunderts zwischen der internationalen Arbeiterklasse und dem Faschismus in Europa. Nazi-Deutschland und das faschistische Italien schickten zehntausende Soldaten zur Unterst\u00fctzung Francos. W\u00e4hrend die herrschenden Klassen Gro\u00dfbritanniens, Frankreichs und der USA eine Politik verfolgten, bei der sie sich offiziell aus den spanischen Angelegenheiten heraushielten und gleichzeitig milit\u00e4rische Hilfe f\u00fcr die Republik blockierten, genoss der Aufstand der Arbeiter gegen den Faschismus die massenhafte Sympathie der internationalen Arbeiterklasse. Zehntausende gingen nach Spanien, um gegen Franco zu k\u00e4mpfen. In den antifaschistischen Internationalen Brigaden kamen fast 60.000 Freiwillige aus 53 L\u00e4ndern zusammen.<\/p>\n<p>Vom Ausgang des Spanischen B\u00fcrgerkriegs hing nicht nur das Schicksal Spaniens, sondern ganz Europas und der Welt insgesamt ab. In Frankreich versch\u00e4rfte die Volksfrontregierung unter Premierminister L\u00e9on Blum nach dem franz\u00f6sischen Generalstreik im Mai und Juni 1936 ihre Polizeirepression gegen die Arbeiter. In den Vereinigten Staaten f\u00fchrte eine m\u00e4chtige Streikbewegung zum Aufbau von Massengewerkschaften in der Industrie. Eine siegreiche sozialistische Revolution in Spanien h\u00e4tte Dutzende Millionen Arbeiter auf der ganzen Welt aufger\u00fcttelt.<\/p>\n<p>Doch das Ergebnis war eine Niederlage der Arbeiterklasse, durch die die faschistischen Kr\u00e4fte gest\u00e4rkt wurden. Sie bereitete dem Hitler-Regime den Boden, um f\u00fcnf Monate nach Francos Siegesrede am 1. April 1939 den Zweiten Weltkrieg zu beginnen. Dieser Krieg sollte 75 Millionen Todesopfer fordern, darunter sechs Millionen Juden, die von den Nazis im Holocaust ermordet wurden.<\/p>\n<p>In Spanien selbst starben 500.000 Menschen im B\u00fcrgerkrieg \u2013 bei einer Bev\u00f6lkerung von 23,6 Millionen. Eine weitere halbe Million wurde zur Flucht ins Exil gezwungen und 150.000 Arbeiter, K\u00fcnstler und linke Intellektuelle wurden hinter den faschistischen Linien ermordet. Nach dem Ende des Krieges wurden 20.000 Unterst\u00fctzer der Republik erschossen und laut Sch\u00e4tzungen eine Million Menschen in 300 Konzentrationslagern und Gef\u00e4ngnissen eingesperrt. Francos Regime sollte vier Jahrzehnte \u00fcberdauern und st\u00fcrzte erst inmitten von Massenprotesten und Streiks im Jahr 1978.<\/p>\n<p>Die Niederlage der Arbeiterklasse war nicht unvermeidlich. Es ist jedoch unm\u00f6glich, \u00fcber diese Niederlage zu sprechen, ohne den unvers\u00f6hnlichen Konflikt zwischen der trotzkistischen Bewegung und dem Stalinismus zu diskutieren.<\/p>\n<p>Als sich der B\u00fcrgerkrieg entwickelte, erkl\u00e4rte Leo Trotzki, der gemeinsam mit Lenin die Oktoberrevolution angef\u00fchrt und die Rote Armee befehligt hatte, dass der Sieg m\u00f6glich sei, wenn die Arbeiter die Macht eroberten und den Krieg gegen Franco mit den Methoden der Revolution f\u00fchrten. Dar\u00fcber hinaus betonte er, dass diese Strategie erfordere, dass eine neue internationale revolution\u00e4re F\u00fchrung der Arbeiterklasse \u2013 die Vierte Internationale \u2013 aufgebaut w\u00fcrde, um gegen den Stalinismus zu k\u00e4mpfen. Die Vierte Internationale wurde dann w\u00e4hrend des Spanischen B\u00fcrgerkriegs im September 1938 in Paris gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Durch den Spanischen B\u00fcrgerkrieg wurden Trotzkis Warnungen vor der konterrevolution\u00e4ren Rolle des Stalinismus in verheerender Weise best\u00e4tigt. Als der B\u00fcrgerkrieg ausbrach, bereitete die sowjetische B\u00fcrokratie die Gro\u00dfen S\u00e4uberungen vor, bei der sie die pseudo-juristischen Verdrehungen des ersten Moskauer Schauprozesses im August 1936 als Vorwand nutzte, um die noch lebenden Anf\u00fchrer der Oktoberrevolution unter den alten Bolschewiki zu ermorden. Auch in Spanien f\u00fchrten die sowjetische B\u00fcrokratie und die stalinistische Kommunistische Partei Spaniens (Partido Comunista de Espa\u00f1a, PCE) einen blutigen Kampf gegen die Revolution.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er die Spanische Republik mit Waffen unterst\u00fctzte, forderte der Kreml die Arbeiter auf, die Volksfrontregierung aus b\u00fcrgerlich-liberalen, sozialdemokratischen, stalinistischen und anarchistischen Kr\u00e4ften zu unterst\u00fctzten. Moskau stellte sich gegen Arbeiterorganisationen wie die Fabrik- und Versorgungskomitees mit dem Ziel, sie aufzul\u00f6sen. Die antifaschistischen Milizen sollten dem kapitalistischen Staat untergeordnet werden. Und w\u00e4hrend Stalins Geheimpolizei die noch lebenden Anf\u00fchrer der Oktoberrevolution ermordete, was in dem t\u00f6dlichen Anschlag auf Trotzki am 20. August 1940 in seinem mexikanischen Exil in Coyoac\u00e1n durch Ramon Mercader gipfelte, folterte und ermordete sie systematisch die Revolution\u00e4re in Spanien.<\/p>\n<p>Der Spanische B\u00fcrgerkrieg best\u00e4tigte die revolution\u00e4re Rolle der internationalen Arbeiterklasse und \u2013 in negativer Form \u2013 die entscheidende Rolle der revolution\u00e4ren F\u00fchrung. Die Lehren des B\u00fcrgerkriegs sind von brennender Aktualit\u00e4t. Heute wendet sich die herrschende Klasse erneut offen faschistischen und autorit\u00e4ren Herrschaftsformen zu \u2013 von den Putschdrohungen neofranquistischer Armeeoffiziere in Spanien \u00fcber den Aufstieg neofaschistischer Bewegungen in ganz Europa bis zur Verwandlung der Republikanischen Partei in den USA zu einer immer offener faschistischen Organisation unter Trump.<\/p>\n<p><strong>Francos Putsch und der Aufstand der Arbeiter<\/strong><\/p>\n<p>Francos Putsch war ein Pr\u00e4ventivangriff auf eine wachsende revolution\u00e4re Bewegung in der Arbeiterklasse. Die soziale Krise infolge der Gro\u00dfen Depression der 1930er Jahre und eine Revolte in der Armee brachten die spanische Monarchie im Jahr 1931 zu Fall und f\u00fchrten zur Gr\u00fcndung der Zweiten Spanischen Republik. Dies beschleunigte indessen nur das Anwachsen des Klassenkampfs, der 1934 mit einem militanten Streik der Bergleute in Asturien offen zum Ausbruch kam. Franco stand an der Spitze der Armee, die den Streik in Blut ertr\u00e4nkte und dabei mindestens 2.000 Arbeiter t\u00f6tete und weitere 30.000 gefangen nahm. Dar\u00fcber hinaus wurden mehrere Tausend entlassen.<\/p>\n<p>Die Volksfrontregierung in Spanien gewann die Wahl im Februar 1936 auf der Grundlage von Versprechen \u00fcber soziale Reformen. Die Volksfront war eine Koalition aus den b\u00fcrgerlichen Republikanern, der sozialdemokratischen Partido Socialista (PSOE), der stalinistischen Kommunistischen Partei Spaniens (PCE) und der links-zentristischen Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit (POUM). Die Koalition wurde von au\u00dfen von der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft Confederaci\u00f3n Nacional del Trabajo (CNT) unterst\u00fctzt. W\u00e4hrend sich die Volksfront bem\u00fchte, den Klassenkampf einzud\u00e4mmen, k\u00e4mpften sich die Massen voran, besetzten Fabriken und Landfl\u00e4chen, befreiten politische Gefangene und setzten eine Streikwelle gegen Armutsl\u00f6hne in Gang.<\/p>\n<p>Als die herrschende Klasse von der Furcht vor dem Verlust ihrer Privilegien und Profite ergriffen wurde, putschten Teile des Offizierskorps, um die wachsende Massenbewegung in Blut zu ertr\u00e4nken. Am Morgen des 17. Juli 1936 flog Franco nach Marokko, um sich an die Spitze der Spanischen Armee in Afrika zu stellen, die 30.000 Soldaten umfasste. Er funkte dann ein Manifest an die Garnisonen auf dem spanischen Festland, in dem er die Truppen zur Besetzung von St\u00e4dten aufrief.<\/p>\n<p>Die Volksfrontregierung war von dem Putsch durch ungew\u00f6hnliche milit\u00e4rische \u00dcbungen in Marokko und Nordspanien bereits Wochen vorab gewarnt. Doch den Arbeitern enthielt sie ihre Informationen vor, da sie bef\u00fcrchtete, die revolution\u00e4re Bewegung der Massen dadurch weiter anzutreiben. Nach dem Putsch forderten die Arbeiter Waffen von der Regierung, um sich der faschistischen Rebellion entgegenzustellen. Die Regierung lehnte ab.<\/p>\n<p>Doch die Arbeiter, die in vielen F\u00e4llen lediglich \u00fcber Jagdgewehre oder Messer verf\u00fcgten, begannen mit dem Kampf gegen den Putsch. In Barcelona, einer der am st\u00e4rksten industrialisierten St\u00e4dte Spaniens, baute die Arbeiterklasse bewaffnete Verteidigungskomitees auf und stellte sich der Armee mit Gewehren, Sprengstoff und motorisierten Fahrzeugen entgegen. Arbeiter riefen die Soldaten auf, die Befehle ihrer Offiziere zu verweigern. Innerhalb von 24 Stunden blockierten und entwaffneten die Arbeiter von Barcelona die Kr\u00e4fte in Katalonien, die Franco unterst\u00fctzten.<\/p>\n<p>Arbeiter in Madrid, Valencia, Bilbao und Gij\u00f3n folgten dem Beispiel der Arbeiter in Barcelona. Die Bergleute aus Asturien schickten eine Abordnung von 5.000 Sprengstoff-Spezialisten, um die K\u00e4mpfe in Madrid zu unterst\u00fctzen. In M\u00e1laga verf\u00fcgten die Arbeiter anfangs nicht \u00fcber Waffen und benutzten Benzin, um Barrikaden anzuz\u00fcnden, von denen die Armeekasernen umringt waren. Die spanischen Matrosen erschossen viele ihrer Offiziere und Matrosenkomitees \u00fcbernahmen die Kontrolle \u00fcber die Kriegsschiffe der Flotte der Spanischen Republik.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Faschisten auf einen schnellen milit\u00e4rischen Sieg \u00fcber die Arbeiterklasse hofften, hatten sie in Wirklichkeit eine revolution\u00e4re Antwort provoziert. Mit Arbeiterkomitees und Milizen, die in den St\u00e4dten und an der Front aktiv waren, entstand eine Situation der Doppelherrschaft zwischen diesen Organisationen auf der einen und dem kapitalistischen Staat unter F\u00fchrung der Volksfrontregierung auf der anderen Seite.<\/p>\n<p>Stadtteilkomitees, Verteidigungskomitees und Arbeiterkontrollkomitees in den Fabriken beherrschten Barcelona und praktisch einen Gro\u00dfteil Kataloniens. Diese Arbeiterorgane enteigneten Fabriken, Geb\u00e4ude und Land, organisierten, bewaffneten und transportierten Milizion\u00e4re, bildeten Patrouillen gegen faschistische Provokateure, nahmen die Fabrikproduktion ohne Direktoren wieder auf und beschlagnahmten Autos, Lastwagen und Lebensmittel. George Orwell beschrieb die revolution\u00e4re Atmosph\u00e4re in seinem ber\u00fchmten Werk\u00a0<em>Mein Katalonien<\/em>:<\/p>\n<p><em>Zum erstenmal war ich in einer Stadt, in der die arbeitende Klasse im Sattel sa\u00df. Die Arbeiter hatten sich praktisch jedes gr\u00f6\u00dferen Geb\u00e4udes bem\u00e4chtigt und es mit roten Fahnen oder der rot-schwarzen Fahne der Anarchisten beh\u00e4ngt. Auf jede Wand hatte man Hammer und Sichel oder die Anfangsbuchstaben der Revolutionsparteien gekritzelt. Fast jede Kirche hatte man ausger\u00e4umt und ihre Bilder verbrannt. Hier und dort zerst\u00f6rten Arbeitstrupps systematisch die Kirchen. Jeder Laden und jedes Caf\u00e9 trugen eine Inschrift, dass sie kollektiviert worden seien. Man hatte sogar die Schuhputzer kollektiviert und ihre K\u00e4sten rot und schwarz gestrichen.<\/em><\/p>\n<p>Hinsichtlich seiner unmittelbaren Ziele war der faschistische Putsch ein Fehlschlag und war zun\u00e4chst in einer unterlegenen Position. Die Faschisten hatten etwa ein Drittel Spaniens unter ihrer Kontrolle \u2013 die Provinzen Altkastilien und Galicien im Norden, Teile des S\u00fcdens nahe Sevilla, Spanisch-Marokko und die Balearen. Gr\u00f6\u00dftenteils waren diese Regionen l\u00e4ndlich gepr\u00e4gt und ohne gr\u00f6\u00dfere Industrie. Die Armee der Faschisten bestand aus Bauern, die gewaltsam rekrutiert wurden, und Marokkanern, die vom spanischen Imperialismus unterdr\u00fcckt wurden.<\/p>\n<p>Franco selbst erkl\u00e4rte damals pessimistisch, dass der B\u00fcrgerkrieg \u201eenorm schwierig und blutig\u201c sein werde. \u201eUnsere Armee ist nicht sonderlich stark, es scheint zweifelhaft, ob die Guardia Civil eingreifen wird, und viele Offiziere werden mit der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung gehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Bedingungen des Sieges der Massen im B\u00fcrgerkrieg gegen die Armee der Unterdr\u00fccker\u201c, schrieb Trotzki, \u201esind im Wesen sehr einfach.\u201c Der Faschismus, erkl\u00e4rte er, sei eine Form der \u201eb\u00fcrgerlichen Reaktion\u201c, die \u201eerfolgreich nur mit den Kr\u00e4ften und Methoden der proletarischen Revolution zu bek\u00e4mpfen ist.\u201c Auf der Grundlage der Lehren des Russischen B\u00fcrgerkriegs, der ein Jahrzehnt fr\u00fcher zu Ende gegangen war, beharrte Trotzki: \u201eDie Strategie des B\u00fcrgerkriegs muss die Regeln der Kriegskunst mit den Aufgaben der sozialen Revolution paaren.\u201c Er erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p><em>Die revolution\u00e4re Armee muss die dringendsten Sofortma\u00dfnahmen der sozialen Revolution nicht nur verk\u00fcnden, sondern in den eroberten Provinzen auch unverz\u00fcglich verwirklichen: Enteignung der vorhandenen Lebensmittel-, Manufakturwaren- und anderen Vorr\u00e4te und ihre Abgabe an die Bed\u00fcrftigen, Neuaufteilung der Wohnst\u00e4tten im Interesse der Werkt\u00e4tigen und insbesondere der Kriegerfamilien, Enteignung des Bodens und des landwirtschaftlichen Inventars im Interesse der Bauern, Errichtung der Arbeiterkontrolle \u00fcber die Produktion und der Sowjetmacht anstelle der fr\u00fcheren B\u00fcrokratie.<\/em><\/p>\n<p>Die Loyalit\u00e4t innerhalb von Francos Armee w\u00e4re leicht zu ersch\u00fcttern gewesen. Die 30.000 Marokkaner in der Afrika-Armee hatten kein eigenes Interesse daran, f\u00fcr den spanischen Imperialismus zu k\u00e4mpfen. Was die spanische Bauernschaft betraf, so hatte sie seit der Ausrufung der Republik im April 1931 stets um Land gek\u00e4mpft. Etwa 1,5 Millionen b\u00e4uerliche Kleinbesitzer besa\u00dfen nur 4-Morgen-Parzellen, wodurch sie gezwungen waren, f\u00fcr ihr \u00dcberleben auf gr\u00f6\u00dferen G\u00fctern zu arbeiten. Im Gegensatz dazu besa\u00dfen 50.000 Mitglieder des Landadels die H\u00e4lfte der gesamten spanischen Anbaufl\u00e4che, und 10.000 Landbesitzer besa\u00dfen 100 oder mehr Hektar. Millionen besa\u00dfen kein Land und arbeiteten auf den gro\u00dfen Landg\u00fctern.<\/p>\n<p>Die Volksfrontregierung weigerte sich jedoch sowohl, den Bauern Land zu geben, als auch der spanischen Kolonie in Marokko das Recht auf Selbstbestimmung und Unabh\u00e4ngigkeit zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p><strong>Bolschewismus und die Politik der Volksfront<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Volksfrontparteien ihre Beziehungen zur Sowjetb\u00fcrokratie nutzten, um sich als Sympathisanten der Oktoberrevolution, der Sowjetunion und der Arbeiter auszugeben, standen sie der sich entfaltenden revolution\u00e4ren Bewegung in der spanischen Arbeiterklasse in Wirklichkeit unvers\u00f6hnlich feindlich gegen\u00fcber. Nachdem sie die Arbeiterklasse daran gehindert hatten, die Klassenk\u00e4mpfe, die in Spanien nach 1931 ausgebrochen waren, durch eine siegreiche Revolution zu Ende zu bringen, wandten sie sich gewaltsam gegen den revolution\u00e4ren Kampf, den die Arbeiterklasse gegen Franco f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Trotzki zog eine Parallele zwischen der Volksfront in Spanien und der b\u00fcrgerlichen Provisorischen Regierung, die in Russland nach dem Sturz des Zaren im Februar 1917 hervorgetreten war. Lenin und Trotzki f\u00fchrten die Bolschewiki im Widerstand gegen die Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re an, die die Provisorische Regierung unterst\u00fctzten und gegen die \u00dcbernahme der Macht durch die Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te (Sowjets) waren. Nachdem sich die Provisorische Regierung im August 1917 zum Komplizen des letztlich gescheiterten Putschversuchs von General Lawr Kornilow gemacht hatte, f\u00fchrten die Bolschewiki die Arbeiterklasse an, um die Regierung im Oktober zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Am Tag vor dem Beginn von Francos Putsch, ver\u00f6ffentlichte Trotzki einen Artikel zur Volksfront in Spanien und zur POUM, in dem er die Erfahrungen der Russischen Revolution von 1917 in Erinnerung rief. Er schrieb:<\/p>\n<p><em>In Wirklichkeit ist die Volksfront die Hauptfrage proletarischer Klassenstrategie\u00a0in dieser Epoche. Sie bietet auch das beste Kriterium f\u00fcr die Differenz zwischen Bolschewismus und Menschewismus. Denn es wird oft vergessen, dass das gro\u00dfe historische Beispiel der Volksfront die Februarrevolution von 1917 ist. Vom Februar bis zum Oktober waren die Menschewiki und die Sozialrevolution\u00e4re, die eine sehr gute Parallele zu den \u201eKommunisten&#8216; und den Sozialdemokraten bilden, in engstem B\u00fcndnis und in einer dauernden Koalition mit der b\u00fcrgerlichen Partei der Kadetten, mit denen sie zusammen eine Reihe von Koalitionsregierungen bildeten. Unter dem Zeichen dieser Volksfront befand sich die ganze Masse der Bev\u00f6lkerung, einschlie\u00dflich der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenr\u00e4te. Freilich nahmen die Bolschewiki an den R\u00e4ten teil. Aber sie machten nicht die geringsten Konzessionen an die Volksfront. Ihre Forderung lautete, diese Volksfront zu zerbrechen,\u00a0das B\u00fcndnis mit den Kadetten zu zerst\u00f6ren und eine echte Arbeiter- und Bauernregierung zu schaffen. [\u201eDie niederl\u00e4ndische Sektion und die Internationale\u201c, 15.\/16. Juli 1936]<\/em><\/p>\n<p>Die stalinisierte Kommunistische Internationale hatte einen scharfen Rechtsruck vollzogen, nachdem die deutsche Bourgeoisie im Jahr 1933 Hitler an die Macht gebracht hatte. Diese Katastrophe war durch die Rolle der KPD erm\u00f6glicht worden, die mit str\u00e4flicher Leichtfertigkeit sozialdemokratische Arbeiter zu \u201eSozialfaschisten\u201c erkl\u00e4rt und einen vereinten Kampf der Arbeiterklasse gegen die Gefahr der Naziherrschaft abgelehnt hatte. Angesichts der wachsenden milit\u00e4rischen Bedrohung durch Nazideutschland nach Hitlers Macht\u00fcbernahme lie\u00df Stalin diese Politik fallen und suchte nun sogar bei der b\u00fcrgerlichen Konterrevolution nach politischen Verb\u00fcndeten.<\/p>\n<p>Bei seinem Ruf nach B\u00fcndnissen mit \u201edemokratischen\u201c imperialistischen Staaten wie Gro\u00dfbritannien und Frankreich gegen den Faschismus in Deutschland und Italien, befahl Stalin den kommunistischen Parteien, kapitalistische Regierungen, die von der liberalen Bourgeoisie gef\u00fchrt wurden, zu unterst\u00fctzen und sich ihnen, wenn m\u00f6glich, anzuschlie\u00dfen. Die kommunistischen Parteien in den jeweiligen Staaten \u00fcbernahmen die Aufgabe, die K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse gegen die als \u201eantifaschistisch\u201c bezeichneten kapitalistischen Regierungen zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Im August 1936 begann das stalinistische Regime den ersten der Moskauer Prozesse, in dem f\u00fchrende alte Bolschewiki wie Grigori Sinowjew, Lew Kamenjew und Karl Radek angeklagt wurden, eine terroristische Organisation gebildet zu haben, die mit Trotzki im Exil zusammengearbeitet h\u00e4tte. S\u00e4mtliche Angeklagten wurden auf Basis von L\u00fcgen angeklagt, zum Tode verurteilt und erschossen. Dies war der Beginn der Gro\u00dfen S\u00e4uberungen, die einen politischen Genozid an Vertretern des revolution\u00e4ren Marxismus in der Sowjetunion darstellten. Fast eine Million Menschen wurden ermordet.<\/p>\n<p>Trotzki fasste die Volksfront als die Allianz des b\u00fcrgerlichen Liberalismus mit der GPU, der mit Blut beschmierten stalinistischen Geheimpolizei, zusammen. Das Eingreifen der Sowjetb\u00fcrokratie und der Volksfront in Spanien geschah mit dem Ziel, die sich entwickelnde Revolution zu erw\u00fcrgen, ihre f\u00fchrenden Vertreter zu ermorden, die Arbeiterklasse zu terrorisieren und zu verhindern, dass ihre K\u00e4mpfe eine g\u00e4nzlich bewusste revolution\u00e4re Form annehmen.<\/p>\n<p><strong>Die Volksfront sabotiert den Kampf gegen den Faschismus<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend des gesamten Spanischen B\u00fcrgerkriegs, in dessen Verlauf die imperialistischen Demokratien die Spanische Republik isoliert hielten, war die Sowjetunion der einzige Waffenlieferant der Republik. Der Kreml lieferte minderwertige Waffen und verlangte die Bezahlung in Gold oder Rohstoffen. Durch ihren Einfluss auf die republikanische Regierung stellte die stalinistische Kommunistische Partei Spaniens (PCE) sicher, dass sowjetische Lieferungen wie Artillerie und Flugzeuge nur in die von der PCE kontrollierten Zentren geschickt wurden \u2013 auf Kosten anderer wichtiger Gebiete wie der Aragon-Front, die von Arbeitermilizen kontrolliert wurde.<\/p>\n<p>Die Stalinisten nutzten ihre Position in der Regierung, um Milizen der CNT und der POUM zu sabotieren, indem sie sie an die schwierigsten Fronten verlegten und die daraus resultierenden Niederlagen benutzten, um die Aufl\u00f6sung der Arbeitermilizen und ihre Ersetzung durch Einheiten zu fordern, die von der Volksfront kontrolliert wurden. In\u00a0<em>Revolution und Konterrevolution in Spanien<\/em>\u00a0erkl\u00e4rte der trotzkistische Autor Felix Morrow, wie die Volksfront die Kriegsf\u00fchrung sabotierte und einen m\u00f6rderischen Kampf gegen die Arbeiterklasse f\u00fchrte:<\/p>\n<p><em>General Pozas initiierte im Juni eine angebliche Generaloffensive. Nach mehreren Tagen von Artillerie- und Luftk\u00e4mpfen wurde der 29. Division (fr\u00fcher die Lenin-Division der POUM) und anderen Einheiten der Befehl zum Vorr\u00fccken gegeben. Aber am Tag des Vormarsches waren weder Artillerie noch Luftwaffe da, um ihn zu sch\u00fctzen. Pozas behauptete sp\u00e4ter, dies w\u00e4re geschehen, weil die Luftwaffe Bilbao verteidigt hat \u2013 aber der Tag des Vormarsches lag drei Tage nach der Einnahme Bilbaos durch Franco. Die POUM-Soldaten begriffen voll und ganz, dass sie bewusst gef\u00e4hrdet wurden.<\/em><\/p>\n<p>Die Sowjetb\u00fcrokratie wies die PCE an, gegen die Arbeiterkomitees zu agitieren. Unter dem Slogan \u201eErst den Krieg gewinnen, dann die Revolution machen\u201c wurde die PCE zum eifrigsten Verteidiger von Recht und Ordnung, mit dem Ziel, jede unabh\u00e4ngige Aktion der Arbeiterklasse zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die Stalinisten verbreiteten Ger\u00fcchte, um die Arbeiter zu demoralisieren und zum Mord an Revolution\u00e4ren aufzurufen. Sie behaupteten, dass die POUM und die CNT von faschistischen Agenten infiltriert seien, und erkl\u00e4rten, dass beide \u201eobjektiv faschistisch\u201c seien. PCE-Sekret\u00e4r Jos\u00e9 Diaz schrieb: \u201eUnsere Hauptfeinde sind die Faschisten. Dazu geh\u00f6ren jedoch nicht nur die Faschisten selbst, sondern auch die Agenten, die f\u00fcr sie arbeiten. &#8230; Einige nennen sich Trotzkisten. \u2026 Wenn das jeder wei\u00df, wenn die Regierung das wei\u00df, warum behandelt sie sie nicht wie Faschisten und vernichtet sie erbarmungslos?\u201c<\/p>\n<p>Auf der Grundlage dieser konterrevolution\u00e4ren politischen Linie entwickelte die PCE eine soziale Basis unter wohlhabenden Schichten der Gesellschaft, die eine sozialistische Revolution zutiefst f\u00fcrchteten. In seinem 1991 erschienenen Werk\u00a0<em>The Spanish Civil War: Revolution and Counterrevolution<\/em>\u00a0schreibt der Historiker Burnett Bolloten:<\/p>\n<p><em>Die PCE gab der st\u00e4dtischen Mittelschicht und den b\u00e4uerlichen Schichten auf dem Land eine m\u00e4chtige Dosis neuer Hoffnung und Lebendigkeit. \u2026 Diese neuen Rekruten wurden nicht von kommunistischen Prinzipien angezogen, sondern von der Hoffnung darauf, etwas vom alten Gesellschaftssystem retten zu k\u00f6nnen. \u2026 Von Anfang an trat die Kommunistische Partei daher vor den verzweifelten Mittelschichten nicht nur als Verteidigerin, sondern als \u00fcberzeugte K\u00e4mpferin f\u00fcr die Republik und das geordnete Regierungshandeln auf. (Aus dem Englischen)<\/em><\/p>\n<p>Mit Hilfe der Stalinisten gelang es der Volksfront, die Arbeitermilizen zu zerschlagen, die Republikanische Armee zu st\u00e4rken, die Pressezensur wieder einzuf\u00fchren und die von den Arbeitern und Bauern beschlagnahmten H\u00f6fe und Fabriken an die Bourgeoisie zur\u00fcckzugeben.<\/p>\n<p>Der Stalinismus konnte sein konterrevolution\u00e4res Programm nur durchsetzen, weil sich keine der gro\u00dfen Arbeiterorganisationen der Volksfront entgegenstellte und f\u00fcr eine revolution\u00e4re Politik k\u00e4mpfte. Die Verantwortung daf\u00fcr liegt insbesondere bei der zentristischen POUM unter F\u00fchrung von Andreu Nin.<\/p>\n<p>Die POUM weigerte sich, einen systematischen Kampf gegen die Volksfront zu f\u00fchren oder eine revolution\u00e4re Perspektive f\u00fcr die K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse unter der Volksfrontregierung voranzutreiben. Nin kannte Trotzki seit \u00fcber anderthalb Jahrzehnten und geh\u00f6rte der Linken Opposition an, dem Vorl\u00e4ufer der Vierten Internationale. H\u00e4tte er versucht, die POUM mit Trotzkis Kampf zur Gr\u00fcndung der Vierten Internationale zu verbinden, h\u00e4tte dies der Entwicklung der trotzkistischen Bewegung einen m\u00e4chtigen Impuls gegeben.<\/p>\n<p>Stattdessen schnitt Nin die Mitgliedschaft der POUM vom Trotzkismus ab und bildete opportunistische B\u00fcndnisse, die auf taktischen und lediglich nationalen Erw\u00e4gungen beruhten \u2013 eine Orientierung, die ihn ins Lager der Volksfront und der kapitalistischen Staatsmaschine f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Im Januar 1936 unterzeichnete die POUM das Volksfrontabkommen. Als sich die Arbeiter in Katalonien gegen Francos Putsch erhoben, trat Nin im September 1936 als Justizminister der regionalen katalanischen Volksfrontregierung bei und versuchte, die Arbeiterklasse der Regierung unterzuordnen. Nin reiste sogar in die Stadt Lleida, um das dortige Arbeiterkomitee aufzul\u00f6sen, das von POUM-Mitgliedern angef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Ab diesem Zeitpunkt hatte Nin jedoch seinen Zweck f\u00fcr die Konterrevolution erf\u00fcllt. Nachdem eine stalinistische Kampagne die POUM als trotzkistisch denunziert hatte, wurde sie aus der Regierung hinausgeworfen. Sogar danach war die POUM noch st\u00e4ndig darum bem\u00fcht, wieder in die kapitalistische Regierung aufgenommen zu werden.<\/p>\n<p><strong>Die Maiereignisse von Barcelona im Jahr 1937<\/strong><\/p>\n<p>Der Bankrott von Nins Orientierung auf die Volksfront wurde w\u00e4hrend der Maiereignisse von 1937 ein weiteres Mal offenkundig, als der katalanische Regionalstaat und die Beh\u00f6rden in Madrid mit Unterst\u00fctzung der Stalinisten einen milit\u00e4rischen Angriff auf die Telefonzentrale in Barcelona starteten, die von Arbeitern seit Juli 1936 besetzt gehalten wurde. Dieser Angriff erfolgte, w\u00e4hrend in der Arbeiterklasse die Wut \u00fcber den wachsenden Hunger, den Mangel an Wohnraum und die marktfreundliche Politik wuchs. Er rief einen erneuten Arbeiteraufstand hervor.<\/p>\n<p>Die Arbeiterklasse erhob sich spontan, um die Errungenschaften der Revolution zu verteidigen, und eroberte den gr\u00f6\u00dften Teil der Stadt mit Ausnahme einer kleinen Enklave im Zentrum, die von stalinistischen und republikanischen Kr\u00e4ften kontrolliert wurde. Vier Tage lang wurde Barcelona de facto von Arbeitern kontrolliert. Die Arbeiterklasse h\u00e4tte die Macht in Barcelona \u00fcbernehmen und f\u00fcr eine revolution\u00e4re Machtergreifung in ganz Spanien k\u00e4mpfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Doch die entscheidende Frage, die sich erneut stellte, war die der revolution\u00e4ren F\u00fchrung. Die POUM- und die CNT-F\u00fchrung, die von den Ereignissen \u00fcberrascht worden waren, riefen w\u00e4hrend der Woche der Stra\u00dfenk\u00e4mpfe zu einem Waffenstillstand auf und dr\u00e4ngten Arbeiter, die Barrikaden aufzuheben. Nur die mit der Vierten Internationale verbundene kleine Gruppe der Bolschewiki-Leninisten rief zusammen mit einigen einfachen Mitgliedern der POUM und der anarchistischen \u201eFreunde von Durruti\u201c die Arbeiter auf, die Macht zu \u00fcbernehmen, und widersetzte sich den Forderungen nach einem Waffenstillstand.<\/p>\n<p>H\u00e4tte die POUM unnachgiebig eine revolution\u00e4re Politik verfolgt und die Bildung einer Arbeiterregierung und den Sturz des Volksfrontregimes gefordert, so h\u00e4tten sich ihre 40.000 Mitglieder an die Spitze der Arbeiterklasse gestellt. Durch den Maiaufstand signalisierte die Arbeiterklasse ihre Bereitschaft f\u00fcr eine revolution\u00e4re Politik \u2013 die erneute Bildung unabh\u00e4ngiger Arbeiterorganisationen und einen Kampf um die Macht. Doch stattdessen verwandelte sich die POUM in die linke Flanke der Volksfront, die sich dann brutal der POUM entledigte, sobald sie sich dazu in der Lage sah.<\/p>\n<p>Sobald die Barrikaden nach den Maitagen aufgehoben waren, ver\u00fcbte die Volksfront massenhafte konterrevolution\u00e4re Gewalt an der Arbeiterklasse. Die POUM wurde verboten und ihre F\u00fchrung verhaftet. Nin selbst wurde entf\u00fchrt und barbarisch gefoltert, bei lebendigem Leibe geh\u00e4utet und anschlie\u00dfend von sowjetischen GPU-Agenten hingerichtet.<\/p>\n<p>Tausende militante Arbeiter wurden in behelfsm\u00e4\u00dfigen, von der PCE betriebenen Geheimgef\u00e4ngnissen inhaftiert, und etwa 20.000 Gefangene wurden in Arbeitslager geschickt. Hunderte wurden ermordet. Trotzkis Sekret\u00e4r Erwin Wolf, der Trotzkist Hans David Freund, POUM-Mitglied Kurt Landau und CNT-Anarchisten, die die Kollaboration der CNT mit den Stalinisten kritisierten, wurden s\u00e4mtlich ermordet. Der Historiker Agust\u00edn Guillam\u00f3n schreibt in\u00a0<em>Insurrection: Die blutigen Ereignisse des Mai 1937 in Barcelona<\/em>\u00a0(2020):<\/p>\n<p><em>Bis 1938 waren die Revolution\u00e4re entweder unter der Erde [tot, d. \u00dc.], im Gef\u00e4ngnis oder im Untergrund. Die Zahl der Antifaschisten im Gef\u00e4ngnis ging in die Tausende. Hunger, Luftangriffe und stalinistische Repressionen waren die Herren und Meister von Barcelona. Die Milizen und die Arbeit waren militarisiert worden. In ganz Spanien herrschte nun b\u00fcrgerliche Ordnung, sowohl im franquistischen als auch im republikanischen Lager. Die Revolution wurde nicht von Franco im Januar 1939 niedergeschlagen; Negr\u00edns Republik hatte das viele Monate vorher getan.<\/em><\/p>\n<p>Der Krieg sollte noch zwei Jahre dauern, doch er bestand aus einem ununterbrochenen Vormarsch von Francos Streitkr\u00e4ften, w\u00e4hrend die Volksfrontregierung Franco um Friedensverhandlungen anflehte. Barcelona fiel ohne nennenswerten Widerstand. Im M\u00e4rz 1939 putschte Oberst Segismundo Casado auf republikanischem Boden und forderte ein Friedensabkommen mit den Faschisten. Franco akzeptierte jedoch nur eine bedingungslose Kapitulation. Im folgenden Monat marschierten Francos Truppen in Madrid ein und setzten dem B\u00fcrgerkrieg ein Ende.<\/p>\n<p>Die Arbeiterklasse f\u00fchrte einen heldenhaften Kampf, doch die stalinistische Konterrevolution und der Zentrismus bahnten dem Sieg des Faschismus den Weg. Trotzki widerlegte jene, die diese Niederlage der Arbeiterklasse anlasteten. Auf seinem Schreibtisch in Coyoac\u00e1n wurde nach seiner Ermordung durch Mercader im August 1940 ein Artikel mit dem Titel \u201eKlasse, Partei und F\u00fchrung\u201c gefunden. Er antwortete auf eine franz\u00f6sische stalinistische Zeitschrift,\u00a0<em>Que faire<\/em>, die die Niederlage auf die \u201eUnreife der Arbeiterklasse und die mangelnde Unabh\u00e4ngigkeit der Bauernschaft\u201c schob. Trotzki schrieb:<\/p>\n<p><em>Die historische Verf\u00e4lschung besteht darin, die Verantwortung f\u00fcr die spanische Niederlage den arbeitenden Massen aufzuladen und nicht den Parteien, die die revolution\u00e4re Bewegung der Massen gel\u00e4hmt oder einfach zerbrochen haben. Die Anw\u00e4lte der POUM leugnen einfach die Verantwortung der F\u00fchrer, um sich damit vor ihrer eigenen Verantwortung dr\u00fccken zu k\u00f6nnen. Diese Philosophie der Ohnmacht, die versucht, Niederlagen als notwendige Glieder in der Kette \u00fcberirdischer Entwicklungen hinzunehmen, ist total unf\u00e4hig, Fragen nach solch konkreten Faktoren wie Programmen, Parteien, Pers\u00f6nlichkeiten, die die Organisatoren der Niederlagen waren, \u00fcberhaupt aufzuwerfen, und weigert sich, dies zu tun. Diese Philosophie des Fatalismus und der Schw\u00e4che ist dem Marxismus als der Theorie der revolution\u00e4ren Aktion diametral entgegengesetzt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Lehren aus dem Spanischen B\u00fcrgerkrieg<\/strong><\/p>\n<p>85 Jahre nach Beginn des Spanischen B\u00fcrgerkriegs und mehr als ein Jahrhundert nach der Oktoberrevolution sagen diese Ereignisse mit jedem Tag mehr \u00fcber die heutige Politik aus. Drei Jahrzehnte nach der stalinistischen Aufl\u00f6sung der Sowjetunion im Jahr 1991 ist keiner der Widerspr\u00fcche des Kapitalismus gel\u00f6st, die dem Aufstieg des Faschismus im 20. Jahrhundert zugrunde lagen. Die Arbeiterklasse ist nach wie vor mit Wirtschaftskrisen, wachsender sozialer Ungleichheit, imperialistischer Milit\u00e4rgewalt und der Herrschaft eines wachsenden Polizeistaats konfrontiert.<\/p>\n<p>Die herrschende Klasse antwortet auf diese Probleme, die durch die Coronavirus-Pandemie enorm beschleunigt wurden, indem sie sich dem politischen Erbe des europ\u00e4ischen Faschismus im 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Der Putsch des ehemaligen US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump vom 6. Januar, der von Teilen des amerikanischen Staatsapparats und der Republikanischen Partei unterst\u00fctzt wurde und in dessen Verlauf mehrere tausend Rechtsextremisten das Kapitol in Washington D.C. st\u00fcrmten, brachte dies am sch\u00e4rfsten zum Ausdruck. General Mark Milley, der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff, bezeichnete dies k\u00fcrzlich als einen \u201eReichstagsmoment\u201c und bezog sich dabei auf den Reichstagsbrand von 1933, den Hitler als Vorwand nutzte, um diktatorische Vollmachten zu ergreifen und massenhaften Terror gegen die Arbeiterklasse zu entfesseln.<\/p>\n<p>Der Putschversuch war nicht einfach das Produkt von Trumps gest\u00f6rtem Charakter, sondern hatte seine Wurzeln in einer t\u00f6dlichen Krise des amerikanischen und des Weltkapitalismus. Jede imperialistische herrschende Klasse wendet sich der extremen Rechten zu. Das deutsche politische Establishment erhebt die rechtsextreme Alternative f\u00fcr Deutschland zur offiziellen Opposition und \u00fcberh\u00e4uft rechtsextreme Professoren wie J\u00f6rg Baberowski mit Geldern, w\u00e4hrend sie die Verbrechen der Nazis verharmlosen. Sowohl in Frankreich als auch in Spanien agitieren rechtsextreme Offiziere \u00f6ffentlich f\u00fcr einen Milit\u00e4rputsch und rufen zu Massent\u00f6tungen auf.<\/p>\n<p>Die Verteidigung sozialer und demokratischer Rechte und der Kampf gegen den Krieg erfordern einen politischen Kampf der internationalen Arbeiterklasse, der auf den Lehren der blutigen Niederlage im Spanischen B\u00fcrgerkrieg beruht. Wie Trotzki betonte, sind dies der revolution\u00e4re Internationalismus, die politische Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiterklasse und die unvers\u00f6hnliche Opposition gegen alle Formen des b\u00fcrgerlichen Nationalismus, des Stalinismus, der Sozialdemokratie und des kleinb\u00fcrgerlichen Radikalismus.<\/p>\n<p>Die Verteidigung demokratischer Rechte kann nur durch den Kampf der Arbeiterklasse f\u00fcr den Sozialismus erfolgen. Dies erfordert den Aufbau einer revolution\u00e4ren F\u00fchrung, die den politischen Nachfahren des Volksfrontlertums unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcbersteht. Diese Kr\u00e4fte wurden von der herrschenden Klasse jahrzehntelang f\u00e4lschlicherweise als \u201elinks\u201c bezeichnet. W\u00e4hrend sie die soziale Basis, die ihre stalinistischen und sozialdemokratischen politischen Vorfahren noch in der Arbeiterklasse hatten, v\u00f6llig verloren haben, bleibt ihre gewaltbereite Feindseligkeit gegen\u00fcber der Arbeiterklasse und der sozialistischen Revolution bestehen.<\/p>\n<p>In Spanien hat der immer schnellere Zusammenbruch des parlamentarisch-demokratischen Regimes, das 1978 vom franquistischen Regime und Santiago Carrillos PCE zusammengeschustert wurde, die pseudolinke Partei Podemos entlarvt. Sie ist seit zwei Jahren an der Macht und hat ein Programm umgesetzt, das aus Bankenrettungen, Rentenk\u00fcrzungen und dem Bau von Konzentrationslagern f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge besteht. Sie half dabei, die EU-Politik der Herdenimmunit\u00e4t umzusetzen \u2013 eine Politik, die Profite vor Leben stellt und zu 100.000 Toten in Spanien und 1,1 Millionen Toten in Europa gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Diese absto\u00dfende Bilanz beruht auf dem Erbe des Volksfrontlertums. In der Tat war der ehemalige Podemos-F\u00fchrer Pablo Iglesias mit Carrillo per Du, bevor dieser im Jahr 2012 starb. Als PCE-Jugendf\u00fchrer w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs spielte Carrillo eine wichtige Rolle in der konterrevolution\u00e4ren Gewalt gegen die Trotzkisten und die Arbeiterklasse. Kurz vor seinem Tod r\u00fchmte sich Carrillo, dass \u201ein den 1930er Jahren kein kommunistischer K\u00e4mpfer, der gebeten worden w\u00e4re, Trotzki zu ermorden, sich dessen verweigert h\u00e4tte&#8216;. Iglesias reagierte mit einem wohlwollenden Nachruf auf Carrillo in der Zeitung\u00a0<em>P\u00fablico<\/em>\u00a0und schrieb: \u201eSantiago war trotz allem einer von uns. Jetzt und f\u00fcr immer.&#8216;<\/p>\n<p>Es \u00fcberrascht nicht, dass Podemos den Spanischen B\u00fcrgerkrieg kleinredet. Podemos-Mitbegr\u00fcnder I\u00f1igo Errej\u00f3n erkl\u00e4rte sogar, dass er dagegen sei, die \u00f6ffentliche Debatte \u201eauf die Erinnerung an den Spanischen B\u00fcrgerkrieg zur\u00fcck\u201c zu bringen. \u201eDas ist ein Szenario, das den \u00c4lteren Angst macht und den Jungen nicht so viel bedeutet, da es vor langer Zeit passiert ist. Wir sind uns zwar im Klaren dar\u00fcber, auf welcher Seite wir in einer solchen Auseinandersetzung stehen w\u00fcrden, aber wir wissen auch, dass man mit Nostalgie keine Schlachten gewinnt, sondern dass Niederlagen leider auch Niederlagen sind.\u201c In der Tat ist Podemos klar, dass sie im Spanischen B\u00fcrgerkrieg auf der Seite der stalinistischen Konterrevolution stehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><em>#Bild: Arbeiter feiern am 19. Juli 1936 auf den Stra\u00dfen von Barcelona den Sieg \u00fcber die franquistische Milit\u00e4rrebellion<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2021\/07\/18\/pers-j18.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 19. Juli 2021 mit einer leichten K\u00fcrzung durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alejandro L\u00f3pez. Vor 85 Jahren, am 17. Juli 1936, setzte die spanische Armee unter F\u00fchrung von General Francisco Franco einen faschistischen Putsch in Gang, um die gew\u00e4hlte Regierung der Zweiten Republik in Spanien zu st\u00fcrzen. &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9868,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,5],"tags":[10,39,34,61,56,75,12,20,42,28,83,4,21,46,17,118],"class_list":["post-9867","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-kampagnen","tag-breite-parteien","tag-deutschland","tag-faschismus","tag-frankreich","tag-grossbritannien","tag-italien","tag-lenin","tag-sowjetunion","tag-sozialdemokratie","tag-spanien","tag-stalinismus","tag-strategie","tag-trotzki","tag-usa","tag-widerstand","tag-zweiter-weltkrieg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9867","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9867"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9867\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9869,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9867\/revisions\/9869"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9868"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9867"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9867"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9867"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}