{"id":9877,"date":"2021-07-20T11:05:46","date_gmt":"2021-07-20T09:05:46","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9877"},"modified":"2021-07-20T11:05:47","modified_gmt":"2021-07-20T09:05:47","slug":"die-new-economy-des-kapitalismus-die-arbeiterinnenklasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9877","title":{"rendered":"Die \u201eNew Economy\u201c des Kapitalismus: Die ArbeiterInnenklasse"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eEinerseits, um den sozialistischen Theorien, andrerseits, um den Urteilen \u00fcber ihre Berechtigung einen festen Boden zu geben, um allen Schw\u00e4rmereien und Phantastereien pro et contra ein Ende zu machen, ist die Erkenntnis der proletarischen Zust\u00e4nde deshalb eine unumg\u00e4ngliche Notwendigkeit.\u201c<\/em>\u00a0[Engels, Vorwort von \u201eDie Lage der arbeitenden Klasse in England\u201c, 1845]<!--more--><\/p>\n<p>Mit diesem letzten Teil der Untersuchung der selbsternannten &#8222;<em>Dienstleistungs-<\/em>&#8222;, angeblich\u00a0<em>&#8222;wissensbasierten&#8220;<\/em>\u00a0Wirtschaft des zeitgen\u00f6ssischen Kapitalismus ist es an der Zeit, sich der aktuellen Situation der ArbeiterInnenklasse zuzuwenden. Dies kann zwangsl\u00e4ufig nicht mehr als ein grober \u00dcberblick \u00fcber ein Bild sein, das klarer wird, wenn wir das, was wir bereits geschrieben haben (z.B. zu Themen wie den Renten), durch eine detailliertere Untersuchung der sich ver\u00e4ndernden Lebens- und Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnenklasse erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Revolution\u00e4rInnen reicht es nicht aus, zu verstehen, dass trotz der sorgf\u00e4ltig orchestrierten Vermeidung des Begriffs durch das Kapital, die ArbeiterInnenklasse immer noch existiert, ja nicht einmal, dass der Klassenkampf ein wesentlicher Bestandteil der Existenz des Kapitalismus ist. Die Grundprinzipien des kommunistischen Programms haben sich in den letzten drei\u00dfig Jahren nicht ge\u00e4ndert. Das gleiche gilt f\u00fcr das zentrale Ziel der revolution\u00e4ren Organisation, ihre politische Pr\u00e4senz innerhalb der Klasse zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Nach mehr als drei Jahrzehnten der kapitalistischen Krise und des turbulenten Wandels w\u00e4re es jedoch naiv anzunehmen, dass die Art und Weise, wie wir an diese Aufgabe herangehen, die Situation der ArbeiterInnenklasse ausblenden k\u00f6nne. Unser Interesse an der gegenw\u00e4rtigen Lage der ArbeiterInnenklasse ist mehr als soziologisch. Ohne ein genaues Bild der heutigen ArbeiterInnenklasse k\u00f6nnte jeder Versuch, Arbeiterinnen und Arbeitern die Bedeutung des kommunistischen Programms n\u00e4herzubringen, auf taube Ohren sto\u00dfen. Trotz der damit verbundenen Fallstricke haben wir keine andere Wahl, als uns auf offizielle Statistiken und kapitalistische Finanz- und Konjunkturumfragen zu verlassen. Diese sind oft bedeutender f\u00fcr das, was sie beil\u00e4ufig enth\u00fcllen, als f\u00fcr ihren urspr\u00fcnglichen Schwerpunkt, den wir auf jeden Fall von einem v\u00f6llig anderen Klassenstandpunkt aus interpretieren. Schauen wir uns die bedeutenden Ver\u00e4nderungen in der Situation der ArbeiterInnenklasse noch einmal an, die in dieser Artikelreihe zur &#8222;New Economy&#8220; bereits angesprochen wurden.<\/p>\n<p><strong>Die Umstrukturierung der Arbeiterklasse<\/strong><\/p>\n<p>Wie wir gesehen haben, dominieren jetzt der Finanz- und der Einzelhandelssektor die britische Wirtschaft. Sogenannte Unternehmens- und Finanzdienstleistungen machen heute etwa jeden f\u00fcnften Arbeitsplatz im Vereinigten K\u00f6nigreich aus, verglichen beispielsweise mit etwa jedem zehnten im Jahr 1981. Die Statistiken lassen nat\u00fcrlich nicht die verheerende Serie von Angriffen des Kapitals auf die gesamte ArbeiterInnenklasse erkennen, die notwendig waren, bevor es zu dieser Situation kommen konnte. Die offiziellen Zahlen tendieren dazu, die Aufmerksamkeit lediglich auf den relativen R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigung in der verarbeitenden Industrie zu lenken, aber der Triumph der New Economy beinhaltete viel mehr, als nur die Wiedereinstellung von Arbeiterinnen und Arbeitern oder sogar deren Umschulung auf eine andere T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Viele Arbeiterinnen und Arbeiter, die arbeitslos wurden, wurden ermutigt, ein eigenes Unternehmen zu gr\u00fcnden, oder aber es gelang ihnen, eine Arbeit zu finden und als\u00a0<em>&#8222;Selbst\u00e4ndige&#8220;<\/em>\u00a0unter Vertrag genommen zu werden, wobei sie oft die gleiche Arbeit wie zuvor verrichteten. Anders gesagt: Sie mussten nun ihre Sozialversicherungen vollst\u00e4ndig selber bezahlen und ihre eigenen Mittel und Wege finden, um die sinkende staatliche Rente zu erg\u00e4nzen. Zwischen 1980 und 2001 (der letzten Volksz\u00e4hlung) stieg die Zahl der Selbst\u00e4ndigen von 2,3 Millionen auf 3,4 Millionen, das sind 13 Prozent der werkt\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung! Interessanterweise ergab eine Studie f\u00fcr das DTI (Department of Trade and Industry), dass \u201e<em>Die Zunahme der Gesamtzahl der Unternehmen seit 1980 [&#8230;] \u00e4hnlich [war] wie die Zunahme der Gesamtzahl der Selbst\u00e4ndigen, &#8218;dies zeigt, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil des Wachstums in Ein- und Zwei-Personen-Unternehmen stattgefunden hat\u2018\u201c<\/em>\u00a0Dies allein ist schon ein Beleg f\u00fcr die Dominanz der bestehenden Monopole in der New Economy. F\u00fcr Arbeiterinnen und Arbeiter, die \u201e<em>ihr eigenes Unternehmen\u201c<\/em>\u00a0gr\u00fcnden, ist dies ein prek\u00e4res Gesch\u00e4ft, da\u00a0<em>&#8222;etwa 10 Prozent aller f\u00fcr die Mehrwertsteuer registrierten neuen Unternehmen innerhalb eines Jahres scheitern und etwa 35 Prozent innerhalb von drei Jahren scheitern&#8220;<\/em>\u00a0[1]<\/p>\n<p>Dies best\u00e4tigt den Eindruck, dass f\u00fcr viele Arbeiterinnen und Arbeiter die Selbst\u00e4ndigkeit weniger die dauerhafte Eingliederung in die Reihen des Kleinb\u00fcrgertums bedeutet, sondern vielmehr das Abgleiten zwischen Selbstausbeutung und der Entwicklung zu noch prek\u00e4rerer Lohnarbeit. (Zumal viele Selbst\u00e4ndige nicht einmal im Traum daran denken, ein eigenes Unternehmen zu gr\u00fcnden). Dennoch ist ein bedeutender Teil des Proletariats\u00a0<em>&#8222;privatisiert&#8220;<\/em>\u00a0und aus dem kollektiven Bezugsrahmen der ArbeiterInnenklasse losgel\u00f6st worden. Wenn Arbeiterinnen und Arbeiter nicht durch die v\u00f6llige Schlie\u00dfung von Firmen oder Betrieben ihre Existenzgrundlage verloren, mussten sie sich einer erheblichen Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen unterwerfen, da ihre Chefs langj\u00e4hrige Vereinbarungen \u00fcber alles, von der Rente bis zur \u00dcberstundenverg\u00fctung und der Struktur der Basisarbeitswoche, nicht einhielten.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus haben die Privatisierung der \u00f6ffentlichen Versorgungsbetriebe (Gas, Elektrizit\u00e4t, Telefon, Wasser) und der R\u00fcckzug des Staates aus den bis dahin gesch\u00fctzten Schwerindustrien (Stahl, Schiffbau, Kohle) die Zahl der Arbeitslosen weit \u00fcber das Produktionsband der Fabriken hinaus ansteigen lassen. Bis Mitte der achtziger Jahre verzeichneten selbst die offiziellen Arbeitslosenzahlen mehr als drei Millionen. Viele dieser ArbeiterInnen waren M\u00e4nner, deren Lohn auf dem in der Nachkriegszeit \u00fcblichen Lohnverhandlungskonzept der &#8222;<em>family wage&#8220;<\/em>\u00a0[2] basierte, die es gewohnt waren, sich als Versorger des Haushalts zu sehen, und die nie wieder eine Arbeit bekommen w\u00fcrden. Die Zahl der Besch\u00e4ftigten in der Kohleindustrie zum Beispiel, ist von 220.000 zur Zeit des Bergarbeiterstreiks auf heute 7.000 zur\u00fcckgegangen. Einem k\u00fcrzlich erschienenen Bericht \u00fcber die Fortschritte bei der wirtschaftlichen Erneuerung in den alten Kohlerevieren zufolge &#8222;<em>sind sechzig Prozent der seit Anfang der 1980er Jahre abgebauten Kohlearbeitspl\u00e4tze nun durch neue Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr M\u00e4nner im selben Gebiet ersetzt worden&#8220;.<\/em>\u00a0[3]<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass 40 Prozent &#8211; oder 90.000 solcher Arbeitspl\u00e4tze &#8211; nicht ersetzt wurden. Diese Zahlen sagen uns auch nichts dar\u00fcber aus, welche Art von neuen Arbeitspl\u00e4tzen durch die verschiedenen Erneuerungsprogramme mit ihren Steuerverg\u00fcnstigungen und anderen Investitionsanreizen f\u00fcr Unternehmen geschaffen wurden. (Obwohl die Entstehung von Fachmarktzentren auf oder von Bulldozern plattgewalzten Industriegel\u00e4nden einen gewissen Hinweis gibt). Was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass die ganze Idee der \u201e<em>family wage\u201c<\/em>\u00a0zusammen mit den Arbeitspl\u00e4tzen in der Schwerindustrie, die ihren Kern bildeten, \u00fcber Bord geworfen wurde. Diese Situation spiegelt sich in den h\u00f6heren Besch\u00e4ftigungsquoten f\u00fcr Frauen in der &#8222;New Economy&#8220; wider. Da 53% aller Frauen, d.h. etwa 75% der Frauen im erwerbsf\u00e4higen Alter, heute Lohnarbeiterinnen sind, betr\u00e4gt die geschlechtsspezifische Zusammensetzung der Erwerbsbev\u00f6lkerung nur noch etwa fifty-fifty.<\/p>\n<p>Selbst jetzt, mehr als drei\u00dfig Jahre nach dem Gesetz \u00fcber die Lohngleichheit, besteht der Hauptvorteil f\u00fcr das Kapital bei der Besch\u00e4ftigung von Frauen darin, dass ihre Arbeitskraft billiger ist. Die offizielle Linie zur Situation der weiblichen Arbeiterinnen lautet, dass sich das geschlechtsspezifische Lohngef\u00e4lle verbessert. Nach Angaben des Office of National Statistics lag 2002 der durchschnittliche Stundenverdienst einer vollzeitbesch\u00e4ftigten Frau im Vereinigten K\u00f6nigreich bei 82% des m\u00e4nnlichen Durchschnitts. (Im Vergleich zu 74% im Jahr 1986) [4] Auch diese &#8222;<em>Tatsache&#8220;<\/em>\u00a0sagt jedoch nichts dar\u00fcber aus, was mit dem durchschnittlichen m\u00e4nnlichen Lohn (z.B. in Bezug auf die tats\u00e4chliche Kaufkraft) geschehen ist, w\u00e4hrend sie die Tatsache verschweigt, dass schlecht bezahlte weibliche Arbeiterinnen bei den 26% der Besch\u00e4ftigten, die Teilzeit arbeiten, \u00fcberwiegen.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz kommt f\u00fcr viele Sektoren der New Economy &#8211; wie z.B. die 375.000 Menschen, die in Callcentern arbeiten &#8211; die Anordnung\u00a0<em>&#8222;gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit&#8220;<\/em>\u00a0dem Kapital sehr entgegen, da M\u00e4nner und Frauen einfach auf dem gleichen niedrigen Lohnniveau besch\u00e4ftigt sind. Oder besser gesagt, die subtilen Unterschiede in den Lohns\u00e4tzen beruhen zunehmend auf Bewertungen der individuellen &#8222;<em>Leistung&#8220;<\/em>\u00a0und nicht mehr auf traditionellen Kategorien der Besch\u00e4ftigungsdauer oder dem Anspruch auf einen h\u00f6heren Lohnsatz f\u00fcr den m\u00e4nnlichen Arbeiter. Heutzutage lebt die typische Familie nicht mehr haupts\u00e4chlich vom Lohn eines Alleinverdieners, sondern ist auf den kombinierten Lohn von Mann und Frau angewiesen. Wenn man sich dazu noch vor Augen h\u00e4lt, dass &#8222;<em>britische ArbeiterInnen l\u00e4ngere Arbeitszeiten und k\u00fcrzere Ferien haben als jedes andere Land in Westeuropa&#8220;<\/em>\u00a0[5], was sagt uns das \u00fcber die Emanzipation der Frauen? Anstatt dass alle Arbeiterinnen und Arbeiter, sowohl M\u00e4nner als auch Frauen, ein entspannteres Leben f\u00fchren, da die Anzahl der Stunden, die sie f\u00fcr das Kapital gearbeitet haben, reduziert wurde, hat sich die Tendenz zu einer k\u00fcrzeren Arbeitswoche in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten dramatisch umgekehrt.<\/p>\n<p>Kurz gesagt, ohne hier auf die Einzelheiten eingehen zu k\u00f6nnen, gibt es zahlreiche Belege daf\u00fcr, dass die wirtschaftliche &#8222;<em>Umstrukturierung<\/em>&#8222;, die in der New Economy eingel\u00e4utet wurde und die die Antwort des Kapitals auf seine eigene Rentabilit\u00e4tskrise war, dazu gef\u00fchrt hat, dass die LohnarbeiterInnen ihre Arbeitskraft zu schlechteren Bedingungen als in der Zeit des Nachkriegswohlstands verkauft haben. Dies ist kein Argument f\u00fcr die ArbeiterInnen, neue Gewerkschaften zu gr\u00fcnden. Der zunehmende Wohlstand der ArbeiterInnenklasse in der Nachkriegszeit war nicht das Ergebnis gewerkschaftlicher Verhandlungsmacht, sondern ergab sich vielmehr aus dem Zwang der Bosse, den Forderungen der ArbeiterInnen kontrollierte Grenzen zu setzen. Wir d\u00fcrfen jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass diese Zeit dieser neuen Generation von ArbeiterInnen nur vom H\u00f6rensagen bekannt ist, eine Zeit, auf die die Medien gerne als eine Periode der z\u00fcgellosen Gewerkschaftsmacht, der Produktionsst\u00f6rungen und der Anarchie auf den Stra\u00dfen zur\u00fcckblicken. In diesem Zusammenhang m\u00fcssen wir darauf achten, dass sich unsere Kritik an den Gewerkschaften und ihrer Verantwortung f\u00fcr die Niederlagen der ArbeiterInnen von der reaktion\u00e4ren kapitalistischen Presse abhebt, die die Gewerkschaften und die ArbeiterInnenklasse gerne als eine Einheit darstellt und jedes Zeichen des Widerstands der Arbeiterinnen und Arbeiter als Bedrohung und eine R\u00fcckkehr zur &#8222;<em>Gewerkschaftsmacht&#8220;<\/em>\u00a0der siebziger und achtziger Jahre verurteilt.<\/p>\n<p>Der Niedergang der Gewerkschaften seit den sp\u00e4ten 1970er Jahren, als 58 Prozent der ArbeiterInnen Gewerkschaftsmitglieder waren, bis heute, wo die Mitgliederzahl bei etwa 7,4 Millionen oder etwa 26,6 Prozent der Besch\u00e4ftigten liegt, ist keineswegs abgeschlossen. [6] Die Gewerkschaften spielen immer noch ihre Rolle, die Interessen der ArbeiterInnen zu opfern, wenn sie f\u00fcr die Bosse akzeptable Bedingungen aushandeln, vor allem im \u00f6ffentlichen, aber auch im privaten Sektor. Wenn ihre Rolle nicht st\u00e4rker ins Gewicht f\u00e4llt, dann deshalb, weil das Kapital jedenfalls im Moment \u00fcber wirksamere Waffen verf\u00fcgt, die die Arbeiterinnen und Arbeiter daran hindern, sich auf einen kollektiven Kampf einzulassen.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eNicht das Bewu\u00dftsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewu\u00dftsein\u201c<\/em><\/strong>\u00a0[7]<\/p>\n<p>Es ist verlockend, die gegenw\u00e4rtige Passivit\u00e4t der ArbeiterInnenklasse ganz mit dem Ausma\u00df der kapitalistischen Propaganda zu erkl\u00e4ren, mit ihrer fortw\u00e4hrenden Behauptung, dass der Sozialismus (gemeint ist die alte Staatsindustrie) tot sei und der Kommunismus (gemeint ist ein stalinistischer Polizeistaat) keine gangbare Option darstelle und in jedem Fall zusammen mit der ArbeiterInnenklasse das Zeitliche gesegnet habe. Es gibt jedoch noch andere, mehr materielle Verbindungen, die die Zur\u00fcckhaltung der gegenw\u00e4rtigen Generation von LohnarbeiterInnen zum Kampf verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Da ist zun\u00e4chst die Last der Schulden, die dem gr\u00f6\u00dferen Teil der ArbeiterInnenklasse um den Hals h\u00e4ngt. Mit Kreditaufnahmen gegen Grundschulden auf einem neuen Rekordhoch und einer pers\u00f6nlichen Verschuldung, die das Jahreseinkommen \u00fcbersteigt, ist selbst die Aussicht auf einen einzigen Streiktag ein gewaltiger Schritt. Dann gibt es noch die nicht wirklich versteckte Reservearmee der Arbeitslosen. Es gab so viele \u00c4nderungen an der offiziellen, auf der Zahl der AntragstellerInnen basierenden Definition von\u00a0<em>&#8222;arbeitslos&#8220;<\/em>, dass sogar der Staat selbst seinen eigenen Zahlen nicht glaubt. Heutzutage ver\u00f6ffentlicht sogar das \u201eOffice of National Statistics\u201c eine doppelte Version der Arbeitslosenquote: die erste basiert auf der Zahl der &#8222;<em>AntragstellerInnen<\/em>&#8222;, d.h. derjenigen, die alle b\u00fcrokratischen H\u00fcrden auf sich genommen haben und denen es gelungen ist, sich f\u00fcr eine Leistung zu qualifizieren. Dies ist immer die niedrigste Zahl. Das zweite &#8222;<em>international bevorzugte Ma\u00df der Arbeitslosigkeit&#8220;<\/em>\u00a0[8] gibt angeblich die Gesamtzahl der Arbeitslosen an, und dies ist immer die h\u00f6here der beiden Zahlen. Zu Beginn des Jahres berichtete die Financial Times \u00fcber den schnellsten viertelj\u00e4hrlichen (!) Anstieg der Arbeitslosigkeit in Gro\u00dfbritannien seit dreizehn Jahren, wobei die &#8222;<em>bevorzugte&#8220;<\/em>\u00a0Zahl bis Ende November 2005 bei 1,53 Millionen Arbeitslose lag. (Anstieg um 111.000 in drei Monaten.) Die Zahl der AntragstellerInnen stieg im Laufe des Jahres um mehr als 84.000 und lag im Dezember bei 909.100. Die L\u00fccke zwischen der anderthalb Millionen, die offiziell als arbeitslos anerkannt wurden, und den 900.000, die Leistungen &#8222;<em>beanspruchen<\/em>&#8220; (und nicht notwendigerweise beziehen), l\u00e4sst erahnen, wie existenzbedrohend die Aussicht, arbeitslos zu werden, sein kann. Dennoch verschleiern diese Zahlen selbst das tats\u00e4chliche Ausma\u00df der Arbeitslosigkeit.<\/p>\n<p>Wenn man die &#8222;<em>wirtschaftliche Inaktivit\u00e4t&#8220;<\/em>\u00a0[9] unter den Personen im erwerbsf\u00e4higen Alter misst, dann ist die Zahl weitaus h\u00f6her und w\u00e4chst: von 7,8 Millionen im April 2004 auf 7,9 Millionen im Dezember 2005. Mit anderen Worten, mehr als zwanzig Prozent der Erwerbsbev\u00f6lkerung sind\u00a0<em>&#8222;wirtschaftlich inaktiv&#8220;<\/em>, darunter Studierende und Personen in Ausbildungsprogrammen und die viel zitierten rund 2,7 Millionen, die Leistungen f\u00fcr Arbeitsunf\u00e4higkeit (eng. Inactivity benefit) beziehen. Heute bereitet sich die Regierung darauf vor, Menschen, die Erwerbsunf\u00e4higkeitsleistungen beziehen, anzugreifen, aber sie ist sich nicht sicher, wie sie dabei vorgehen soll. In der Anfangszeit des Abbaus der Schwerindustrie wurde sie als Mittel zur Verschleierung des Ausma\u00dfes benutzt, in dem ArbeiterInnen auf den Schrotthaufen geworfen worden waren, und sie erf\u00fcllt diese Funktion auch heute noch. Beispielsweise z\u00e4hlen ehemalige Kohlereviere immer noch zu den Gebieten mit der h\u00f6chsten Inanspruchnahme von Erwerbsunf\u00e4higkeitsleistungen, insbesondere bei M\u00e4nnern und insbesondere bei M\u00e4nnern \u00fcber f\u00fcnfzig Jahren. Tats\u00e4chlich befinden sich 30 Prozent aller Arbeiterinnen und Arbeiter \u00fcber f\u00fcnfzig Jahre au\u00dferhalb einer bezahlten Besch\u00e4ftigung und werden als\u00a0<em>&#8222;wirtschaftlich inaktiv&#8220;<\/em>\u00a0eingestuft, ebenso wie eine wachsende Zahl junger Menschen, f\u00fcr die die Schulzeit nie zu enden scheint. 75% der 16-J\u00e4hrigen, 66% der 17-J\u00e4hrigen und 40% der 19-J\u00e4hrigen befinden sich in Vollzeitausbildung. Weitere 20% der 17-J\u00e4hrigen befinden sich in einer Art staatlichem Ausbildungsprogramm, so dass 10% in Vollzeit und 4% in Teilzeit arbeiten und 3% &#8222;etwas anderes machen&#8220;, so dass die offizielle Arbeitslosenquote der 17-J\u00e4hrigen bei 6% liegt! \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die 19-J\u00e4hrigen: 40% befinden sich in einer Vollzeitausbildung und 35% in Vollzeitbesch\u00e4ftigung, doch die Arbeitslosenquote f\u00fcr diese Altersgruppe liegt bei 6%.<\/p>\n<p>Die Ausgrenzung aus der Erwerbsbev\u00f6lkerung erstreckt sich jedoch auf alle Altersgruppen und beide Geschlechter, aber w\u00e4hrend in den letzten zwei Jahrzehnten mehr Frauen eine Erwerbst\u00e4tigkeit aufgenommen haben, ist ein wachsender Anteil der M\u00e4nner zu den\u00a0<em>&#8222;wirtschaftlich inaktiven&#8220;<\/em>\u00a0Personen hinzugekommen. Das Verschwinden ganzer Sektoren traditioneller M\u00e4nnerberufe spiegelt sich in der Tatsache wider, dass 2001 8% der M\u00e4nner unter f\u00fcnfzig Jahren im erwerbsf\u00e4higen Alter als &#8222;<em>inaktiv&#8220;<\/em>\u00a0eingestuft wurden. Mitte der 1970er Jahre lag dieser Anteil noch bei weniger als 1%. [10] Der vielleicht deutlichste Einzelindikator f\u00fcr das Ausma\u00df der Arbeitslosigkeit im Vereinigten K\u00f6nigreich ist der Prozentsatz der erwerbslosen Haushalte. Der Gesamtdurchschnitt liegt bei nicht weniger als 16 Prozent. Nat\u00fcrlich verbirgt diese Zahl regionale Unterschiede &#8211; von 23% in Nordirland bis zu 11% im S\u00fcdosten &#8211; und verbirgt die Tatsache, dass die h\u00f6chste Arbeitslosenquote in Gro\u00dfbritannien im Londoner Stadtbezirk Newham zu finden ist. Es geht hier jedoch darum, dass die Gefahr der Arbeitslosigkeit eine reale ist.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die Tatsache, dass immer mehr Arbeiterinnen und Arbeiter in die Schattenwirtschaft eintreten, die &#8222;<em>zwischen 53 und 137 Milliarden Pfund pro Jahr ausmacht und 1,4 bis 3,6 Millionen ArbeiterInnen betreffen k\u00f6nnte&#8220;<\/em>\u00a0[11]. Mit dem &#8222;<em>Willkommenhei\u00dfen&#8220;<\/em>\u00a0von Hunderttausenden von ArbeitsmigrantInnen aus Osteuropa durch den Staat, deren eigentlicher Zweck im vergangenen Jahr in einer Rede des Chefs der Bank von England enth\u00fcllt wurde, der feststellte, dass &#8222;<em>der Zustrom von Wanderarbeitern, insbesondere im vergangenen Jahr aus Osteuropa, wahrscheinlich zu einer Verringerung des Inflationsdrucks auf dem Arbeitsmarkt gef\u00fchrt hat&#8220;.<\/em>\u00a0Mit anderen Worten, die L\u00f6hne werden niedrig gehalten. In diesem Zusammenhang ist es nicht \u00fcberraschend, dass die Arbeiterklasse nicht zu der \u201e<em>money militancy\u201c<\/em>\u00a0einer fr\u00fcheren Generation zur\u00fcckgekehrt ist. \u00dcberraschend ist, dass das Kapital keinen umfassenderen Angriff auf L\u00f6hne und Bedingungen gestartet hat. Die Angriffe sind weniger direkt, da der Staat und die Bosse st\u00e4ndig an den Renten und Soziall\u00f6hnen zehren, w\u00e4hrend die Arbeiterinnen und Arbeiter heute ihre Kredite ausgeben und verl\u00e4ngern und hoffen, dass sich f\u00fcr die Zukunft etwas ergibt.<\/p>\n<p>Diese Situation kann nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden. Wenn der &#8222;<em>riesige Hedge-Fonds&#8220;<\/em>\u00a0&#8211; so beschrieb die Financial Times k\u00fcrzlich die britische Wirtschaft [12] &#8211; schlie\u00dflich zusammenbricht, wird dies massive Auswirkungen auf die ArbeiterInnenklasse haben, nicht nur in Form von Arbeitsplatzverlusten, sondern in Form des Zusammenbruchs einer ganzen konsumorientierten Lebensweise. Die Situation wird eine Antwort von der ArbeiterInnenklasse als Ganzes erfordern, und es wird nicht an reaktion\u00e4ren nationalistischen Parteien mangeln, die bereit sind, die ArbeiterInnen weiter auf den Weg der kapitalistischen Barbarei zu f\u00fchren. Nur eine politische Organisation, die wirklich f\u00fcr die Interessen der ArbeiterInnen steht, wird diesen Kurs aufhalten k\u00f6nnen. Diese Interessen finden ihren Ausdruck im kommunistische Programm, der internationalen Solidarit\u00e4t f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus und die Errichtung einer globalen Gemeinschaft, die direkt zur Befriedigung menschlicher Bed\u00fcrfnisse produziert.( ER)<\/p>\n<p><strong>Nachtrag<\/strong><\/p>\n<p>Der obige Text wurde 2006 geschrieben. Beim erneuten Lesen dieses Textes f\u00e4llt auf, wie sehr sich das Bild der ArbeiterInnenklasse in der selbsternannten Dienstleistungswirtschaft des Kapitalismus \u00e4hnelt. Nach Jahrzehnten der kapitalistischen Umstrukturierung angesichts der Probleme, die sich aus der fallenden Profitrate ergeben (Probleme, die keineswegs auf die Wirtschaft Gro\u00dfbritanniens beschr\u00e4nkt sind), gibt es nun erkennbare Konstanten im sozio\u00f6konomischen Profil der &#8222;<em>umstrukturierten&#8220;<\/em>\u00a0ArbeiterInnenklasse. Mit &#8222;<em>Konstanten&#8220;<\/em>\u00a0meinen wir nicht, dass die Umst\u00e4nde, unter denen ArbeiterInnen und Arbeiter ihr Leben f\u00fchren, sich nicht ver\u00e4ndern, sondern dass die revolution\u00e4re Organisation sich der langfristigen Ver\u00e4nderungen der\u00a0<em>&#8222;proletarischen Verh\u00e4ltnisse&#8220;<\/em>\u00a0bewusst sein muss, um ihre wechselseitigen Beziehungen mit der Klasse als Ganzes zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Noch bemerkenswerter ist jedoch, dass sich der Zustand der heutigen ArbeiterInnenklasse seit dem Platzen der Finanzblase des Kapitalismus anscheinend so wenig ver\u00e4ndert hat. Den Zentralbanken gelang es, einen katastrophalen wirtschaftlichen Zusammenbruch abzuwenden, nur um den Tag der Abrechnung zu verschieben. Inzwischen ist die ArbeiterInnenklasse im Konsumkapitalismus gefangen, selbst wenn sie in der Welt der &#8222;<em>Austerit\u00e4t&#8220;<\/em>\u00a0nach dem Zusammenbruch mit tausenden K\u00fcrzung von Dienstleistungen und Unterst\u00fctzungen konfrontiert ist. In der Arbeitswelt haben sich viele der in dem Artikel angedeuteten Trends fortgesetzt oder sogar beschleunigt, was darauf hindeutet, dass die \u201e<em>New Economy\u201c<\/em>\u00a0des Kapitalismus alles andere als einen neuen Aufbruch des Wohlstands in einer Erholungsgesellschaft signalisiert, in der Roboter die meiste Arbeit verrichten.<\/p>\n<p>Ohne den ganzen Artikel durchzugehen, lohnt es sich, einige der Ver\u00e4nderungen zu erw\u00e4hnen, die in Gro\u00dfbritannien nach dem Zusammenbruch der von Sparma\u00dfnahmen dominierten, \u201e<em>not so New Economy\u201c<\/em>\u00a0eingetreten sind. Auf der Ebene der Besch\u00e4ftigung zum Beispiel zeigen die offiziellen Zahlen, dass der Prozentsatz der\u00a0<em>&#8222;arbeitslosen&#8220;<\/em>\u00a0Haushalte, in denen niemand eine bezahlte Arbeit hat, in letzter Zeit zur\u00fcckgegangen ist (auf nur (!) 14,3% von etwa 16% im obigen Text). Dies ist kein Zeichen wachsenden Wohlstands, sondern ein Zeichen zunehmender Verzweiflung der Menschen, denen staatliche Arbeitslosen- und Sozialleistungen verweigert werden. Es ist ein Prozess, der noch drakonischer geworden ist unter dem &#8222;<em>Austerit\u00e4ts&#8220;<\/em>-Regime, das jetzt unter dem Namen &#8222;<em>Universal Credit&#8220;<\/em>\u00a0bekannt ist. Wie der Artikel hier zeigt, war der Staat bereits darauf eingestellt, die Kosten f\u00fcr den Unterhalt der Menschen zu senken, die in den Jahren der Deindustrialisierung arbeitslos geworden waren. Schon vor dem finanziellen Zusammenbruch war die Erwerbsunf\u00e4higkeitsleistung (Incapacity Benefit) in Gefahr. Es dauerte nicht lange, bis die Labour-Regierung sie abschaffte. Im Jahr 2008 wich die Erwerbsunf\u00e4higkeitsleistung der bedarfsgepr\u00fcften Besch\u00e4ftigungs- und Unterst\u00fctzungsbeihilfe (Employment and Support Allowance, ESA), begleitet von dem inzwischen ber\u00fcchtigten Gesundheitstest, der als Work Capability Assessment bekannt ist, bei dem selbst unheilbar kranke Krankenhauspatienten f\u00fcr arbeitsf\u00e4hig erkl\u00e4rt wurden. [13]<\/p>\n<p>In \u00e4hnlicher Weise k\u00f6nnte ein Anstieg des Anteils der Selbst\u00e4ndigen an der Erwerbsbev\u00f6lkerung um etwa 2% als Zeichen einer gesunden kapitalistischen Wirtschaft gewertet werden. Bei genauem Hinsehen wird jedoch klar, dass die Zahl der 65-J\u00e4hrigen und \u00c4lteren, die\u00a0<em>&#8222;selbst\u00e4ndig&#8220;<\/em>\u00a0sind, massiv zugenommen hat. Wir vermuten, dass dies nicht so sehr ein gesundes Zeichen f\u00fcr die Zahl der fitten und aktiven &#8222;<em>Best Agers&#8220;<\/em>\u00a0(Menschen \u00fcber 50 Jahren) ist, sondern ein Indikator f\u00fcr die wachsende Zahl von Menschen ohne eine lebensf\u00e4hige Rente. Wir vermuten dies umso mehr, als uns das Office for National Statistics mitteilt, dass etwa 60% der Kleinunternehmen aus einer Person bestehen (im Vergleich zu 10% im Jahr 2001) und 90% der Neugr\u00fcndungen nun innerhalb eines Jahres scheitern, im Vergleich zu etwa 10% im obigen Text. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnte dieser Fluchtweg f\u00fcr prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte seine Grenze erreicht haben, da die Zahl der &#8222;<em>Selbst\u00e4ndigen&#8220;<\/em>\u00a0zu sinken beginnt. (Von einem H\u00f6chststand von 4,8 Millionen im Jahr 2017 auf 4,7 Millionen im vergangenen Jahr). Was die Bedingungen f\u00fcr den Verkauf von Arbeitskraft betrifft, brauchen wir nur die Gig Economy zu erw\u00e4hnen, um daran zu erinnern, wie sehr sich diese in den letzten zehn Jahren verschlechtert hat. Heute sind mehr als 6 Millionen prek\u00e4re Arbeiterinnen und Arbeiter, die als Selbst\u00e4ndige oder ZeitarbeiterInnen bezeichnet werden, nicht durch angeblich gesetzlich verankerte Rechte am Arbeitsplatz abgedeckt. [14]<\/p>\n<p>Hinzu kommen die sich allgemein verschlechternden Besch\u00e4ftigungsbedingungen in Unternehmen wie Amazon [15]; ganz zu schweigen von den 2 Milliarden unbezahlten Arbeitsstunden im letzten Jahr (laut Trades Union Congress); ganz zu schweigen von der wachsenden Zahl von ArbeiterInnen, die offiziell keinerlei bezahlte Arbeit verrichten und deren L\u00f6hne, gelinde gesagt, ungewiss sind: die so genannte &#8222;<em>Schattenwirtschaft&#8220;<\/em>\u00a0(die heute sch\u00e4tzungsweise rund 3,6 Millionen Arbeiter umfasst) oder die &#8222;<em>informelle Wirtschaft&#8220;<\/em>\u00a0(die sch\u00e4tzungsweise 10% des BIP ausmacht). Es ist daher nicht verwunderlich, dass trotz eines massiven R\u00fcckgangs der Mitgliedschaften in einer Gewerkschaft seit ihrem H\u00f6chststand von 58% der Arbeiterschaft in den sp\u00e4ten 1970er Jahren die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in letzter Zeit auf etwa 23% gestiegen ist. Frauen sind inzwischen in Gewerkschaften in der \u00dcberzahl: ein Fakt, der m\u00f6glicherweise mit der Tatsache zusammenh\u00e4ngt, dass 55% der am schlechtesten bezahlten ArbeiterInnen Frauen sind. In jedem Fall ist die Zwangsjacke der Gewerkschaft immer noch ein Faktor, mit dem in vielen K\u00e4mpfen der ArbeiterInnenklasse gerechnet werden muss, und Revolution\u00e4rinnen und Revolution\u00e4re brauchen eine Strategie, die die ArbeiterInnnen ermutigt, sich von ihr zu befreien. [16]<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Financial Times \u00fcber ein\u00a0<em>&#8222;solides Lohnwachstum&#8220;<\/em>\u00a0berichtet, das die Reall\u00f6hne in Gro\u00dfbritannien auf ein Elfjahreshoch gebracht hat (14.8.19), muss dies durch die Tatsache abgemildert werden, dass z.B. die pers\u00f6nliche Verschuldung jetzt sechsmal schneller w\u00e4chst als die L\u00f6hne, dass 9,6 Millionen Haushalte keinerlei Ersparnisse haben und dass in jedem Fall &#8222;<em>die Realeinkommen immer noch etwa 4 Pfund niedriger sind als der H\u00f6chststand vor der Rezession&#8220;<\/em>. Kein Wunder also, dass sich die Tendenz zu einer k\u00fcrzeren Arbeitswoche in den letzten Jahren umgekehrt hat. Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass dieses kurze Update \u00fcber den Zustand\u00a0<em>&#8222;unserer&#8220;<\/em>\u00a0lokalen ArbeiterInnenklasse in einer zunehmend prek\u00e4ren, stagnierenden Weltwirtschaft nur best\u00e4tigt, dass der Kapitalismus uns keine Zukunft bietet. Es steht au\u00dfer Frage, dass die Verh\u00e4ltnisse des modernen Proletariats das best\u00e4tigen, was Engels \u00fcber das Existenzrecht sozialistischer Theorien gesagt hat. Dar\u00fcber hinaus werden unsere Untersuchungen \u00fcber die sich ver\u00e4ndernden Umst\u00e4nde der ArbeiterInnenklasse hoffentlich dazu dienen, unser Verst\u00e4ndnis der Aussichten f\u00fcr die Entwicklung einer revolution\u00e4ren Perspektive innerhalb der ArbeiterInnenklasse zu vertiefen. [17]<\/p>\n<p><strong>Fussnoten<\/strong><\/p>\n<p>[1] \u00fcbersetzt aus einem TUC-Wirtschaftsbericht \u201eSmall Firms \u2014 Myths and Realities\u201c, verf\u00fcgbar auf der Website des Trade Union Congress<\/p>\n<p>[2] Lohn der dem Mann als Alleinverdiener eines Haushalts ausgezahlt wurde und der ausreichen sollte, um die gesamte Familie und die Frau als &#8211; nicht lohnarbeitende &#8211; Haushaltskraft zu ern\u00e4hren<\/p>\n<p>[3] \u201cReport on the work of Sheffield Hallam University\u2019s Centre for Regional Economic and Social Research\u201d im \u201cSheffield Star\u201d, 04.03.05<\/p>\n<p>[4] \u2018The Jobs People Do\u2019, Office of National Statistics (ONS)<\/p>\n<p>[5] Siehe Website des ESRC (Economic and Social Research Council): Society Today. Einem anderen Bericht des TUC zufolge arbeiten 4 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter in Gro\u00dfbritannien regelm\u00e4\u00dfig 48 Stunden pro Woche.<\/p>\n<p>[6] Die Zahl ist von 2003, ONS-Zahlen, zitiert vom ESRC ebd.<\/p>\n<p>[7] MEW-Band 3 (Die Deutsche Ideologie) S. 27<\/p>\n<p>[8] Laut der Financial Times in einem Artikel mit dem Titel &#8222;Unemployment\u2019s fastest rise in 13 years&#8220;, 19.1.06.<\/p>\n<p>[9] laut Office of National Statistics gilt man als \u201e<em>wirtschaftlich inaktiv\u201c<\/em>\u00a0(eng. Economic inactivity) wenn man in den letzten 4 Wochen keine Arbeit gesucht hat und\/oder nicht in der Lage ist innerhalb der n\u00e4chsten 2 Wochen eine Arbeit aufzunehmen<\/p>\n<p>[10] Informationen von der ONS und der Financial Times, 21.6.01<\/p>\n<p>[11] Professor Colin Talbot, \u2018Black Economy Goes Far Beyond Illegal Immigrants\u2019, University of Nottingham<\/p>\n<p>[12] Martin Wolf, in einer Ausgabe \u00fcber &#8218;New Britain&#8216;, 18.9.06.<\/p>\n<p>[13] Universal Credit \u2013 Universal Torment \u2013 Once More an Attack on the Conditions of the Whole Working Class\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/en\/articles\/2017-11-06\/universal-credit-%E2%80%93-universal-torment-%E2%80%93-once-more-an-attack-on-the-conditions-of\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p>[14] The Gig Economy: Capitalism\u2019s New Normal\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/en\/articles\/2016-10-21\/the-gig-economy-capitalism%E2%80%99s-new-normal\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p>[15] Amazon \u2013 A Modern Capitalist Microcosm\u00a0<a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/en\/articles\/2014-02-15\/amazon-%E2%80%93-a-modern-capitalist-microcosm\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p>[16] Durham Teaching Assistants Fight On \u2013 Against Labour and their Unions <a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/en\/articles\/2017-07-28\/durham-teaching-assistants-fight-on-\u2013-against-labour-and-their-unions\">www.leftcom.org\/en\/articles\/2017-07-28\/durham-teaching-assistants-fight-on-\u2013-against-labour-and-their-unions<\/a> Durham Teaching Assistants \u2013 Not Finished Yet?\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/en\/articles\/2017-10-31\/durham-teaching-assistants-%E2%80%93-not-finished-yet\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p>[17] Thesen \u00fcber die Rolle der KommunistInnen in den \u00f6konomischen K\u00e4mpfen der ArbeiterInnenklasse\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2018-03-20\/thesen-%C3%BCber-die-rolle-der-kommunistinnen-in-den-%C3%B6konomischen-k%C3%A4mpfen-der\">leftcom.org<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2021-05-31\/die-%E2%80%9Enew-economy%E2%80%9C-des-kapitalismus-die-arbeiterinnenklasse\"><em>leftcom.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 20. Juli 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEinerseits, um den sozialistischen Theorien, andrerseits, um den Urteilen \u00fcber ihre Berechtigung einen festen Boden zu geben, um allen Schw\u00e4rmereien und Phantastereien pro et contra ein Ende zu machen, ist die Erkenntnis der proletarischen Zust\u00e4nde &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9878,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[25,87,45,22,17],"class_list":["post-9877","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitswelt","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9877","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9877"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9877\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9879,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9877\/revisions\/9879"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9878"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}