{"id":988,"date":"2016-02-14T13:01:52","date_gmt":"2016-02-14T11:01:52","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=988"},"modified":"2016-02-14T13:01:52","modified_gmt":"2016-02-14T11:01:52","slug":"zuerich-bildung-soll-kostenlos-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=988","title":{"rendered":"Z\u00fcrich: \u00abBildung soll kostenlos sein\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am\u00a028. Februar <\/strong><strong>wird <\/strong><strong>im Kanton Z\u00fcrich die Bildungsinitiative zur Abstimmung kommen. Im Gespr\u00e4ch mit dem vorw\u00e4rts erkl\u00e4rt Harald Lukes, Mitglied des Initiativkomitees sowie der Kommunistischen Jugend Z\u00fcrich, worum es geht und weshalb ein Ja in die Urne gelegt werden muss.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Was will die Bildungsinitiative und wer steckt dahinter?<\/em><\/p>\n<p>Harald Lukes: Unsere Initiative, die von verschiedenen linken Organisationen, Studierendenverb\u00e4nden und Gewerkschaftsgruppen gest\u00fctzt wird, will die Bildung an den \u00f6ffentlichen Schulen kostenlos machen. Das bedeutet, die Bildungseinrichtungen von der Primarschule \u00fcber die Berufsschulen bis zur Universit\u00e4t sollen nichts mehr kosten. Sie will die Kosten f\u00fcr das Schulmaterial an den Berufsschulen und die Studiengeb\u00fchren an den Universit\u00e4ten abschaffen. Auch Ausfl\u00fcge mit der Schulklasse und der Instrumentalunterricht sollen gratis werden. Die Bildung sollte kostenlos sein, damit auch f\u00fcr wirklich alle Lernenden, Sch\u00fclerInnen und Studenten der Zugang dazu gew\u00e4hrleistet ist. Die Kosten machen es den schlecht Verdienenden schwerer, sich f\u00fcr eine h\u00f6here Bildung zu entscheiden, und halten sie deshalb eher davon ab, an die Universit\u00e4t zu gehen. Nur schon f\u00fcr eine Lehre stellen die Bildungskosten eine schmerzhafte H\u00fcrde dar: Die Lernenden haben sowieso schon tiefe L\u00f6hne und m\u00fcssen dazu noch das Schulmaterial bezahlen.<\/p>\n<p><em>Kostenlose Bildung, t\u00f6nt gut. Aber wie wollt ihr das finanzieren? Hat das Initiativkomitee einen konkreten Vorschlag zur Finanzierung gemacht?<\/em><\/p>\n<p>Es muss gesagt werden: Die Kosten, die die Initiative verursachen w\u00fcrde, w\u00e4ren nicht einmal 1 Prozent des kantonalen Budgets. Zur Finanzierung hat das Initiativkomitee keinen konkreten Vorschlag gemacht, es wird dem Kanton \u00fcberlassen, wie er das machen m\u00f6chte. Wir von der Kommunistischen Jugend w\u00fcrden gerne die Unternehmen daf\u00fcr bezahlen lassen.<\/p>\n<p><em>Die Unternehmen?<\/em><\/p>\n<p>Ja. Diese machen doch mit der Arbeit der Lernenden riesige Millionengewinne. Auswendig weiss ich zum Beispiel f\u00fcr 2009, dass die Arbeitsleistung der Lernenden den Betrieben Einnahmen in der H\u00f6he von 5,8 Milliarden Franken eingebracht hat, w\u00e4hrend die Ausgaben f\u00fcr die Lernenden nur 5,3 Milliarden betrugen. Den Unterschied von 500 Millionen konnten die Unternehmen als Gewinne f\u00fcr sich behalten.<\/p>\n<p><em>In der Bildung wird gegenw\u00e4rtig stark gespart. Macht es da Sinn, f\u00fcr noch mehr Kosten zu <\/em> <em>sorgen?<\/em><\/p>\n<p>Die Bildungsinitiative setzt sich dem Trend entgegen, immer mehr einzusparen und zusammen zu k\u00fcrzen. Dieses Jahr will die Regierung im Kanton Z\u00fcrich bei der Bildung wieder 50 Millionen einsparen und der Bundesrat m\u00f6chte bei der Bildung und der Forschung ab 2017 jedes Jahr 250 Millionen k\u00fcrzen. Es stellt sich die Frage: Wieso muss denn \u00fcberhaupt gespart werden? Weil die B\u00fcrgerlichen den Unternehmen in der Vergangenheit ein Steuergeschenk nach dem anderen gemacht haben. Etwa die Unternehmenssteuerreform II; damit wurde ein Steuerloch von 7 Milliarden Franken f\u00fcr den Bund erzeugt. Und statt das notwendige Geld f\u00fcr die Bildung bei den Unternehmen zu holen, werden uns diese Sparprogramme aufgezwungen. Gleichzeitig werden weiter Steuergeschenke gemacht, bald steht die Unternehmenssteuerreform III an, die wieder Milliarden an Steuerausf\u00e4llen verursachen wird. Die Folgen dieser Sparprogramme haben wir, die Arbeitenden, zu tragen. Wir m\u00fcssen uns mit einer schlechteren Bildung begn\u00fcgen und uns mit gr\u00f6sseren Klassen und h\u00f6heren Kosten f\u00fcr die Lernenden und Studierenden abfinden.<\/p>\n<p><em>Wem n\u00fctzt die Initiative am meisten?<\/em><\/p>\n<p>Es sind vor allem \u00e4rmere, schlecht verdienende Personen, der sie am meisten Nutzen bringt. Solange es Ausbildungsgeb\u00fchren gibt, werden gerade Leute aus \u00e4rmeren Schichten von der Bildung ferngehalten. Wer in einer armen Familie zur Welt kommt, der hat eine grosse Chance, auch arm zu sterben. Reichere hingegen vererben ihren Reichtum und ihre Bildungsprivilegien. So kommt etwa die H\u00e4lfte der Studierenden schon aus Familien, die selbst studiert haben. Es ist also eine Elite, die gr\u00f6sstenteils unter sich bleibt.<\/p>\n<p>Die Bildungsinitiative ging urspr\u00fcnglich von Studierenden der Uni Z\u00fcrich aus, der Verband der Studierenden unterst\u00fctzt sie. Tats\u00e4chlich wurde sie urspr\u00fcnglich von Studierenden lanciert. Sie entstand als Reaktion auf die Erh\u00f6hung der Studiengeb\u00fchren. Aber es geht bei der Bildungsinitiative um viel mehr. Der Umgang mit Bildung hat sich in eine v\u00f6llig falsche Richtung entwickelt, dagegen muss endlich Widerstand geleistet werden. Die Bildungsinitiative unterst\u00fctzt gerade auch Sch\u00fclerInnen, Berufslernende und deren Eltern. Wie schon erw\u00e4hnt w\u00fcrden durch die Bildungsinitiative alle Weiterbildungen kostenlos. Auch die B\u00fccherkosten an den Berufsschulen w\u00fcrden wegfallen, genauso wie die f\u00fcr das Schreibmaterial, Ausfl\u00fcge und Musikunterricht. Sie m\u00fcssten nicht mehr von den Lernenden oder ihren Eltern bezahlt werden. Als Konsequenz wird die Bildungsinitiative den Sch\u00fclerInnen und Lernenden der Mittel- und Berufsschulen am meisten n\u00fctzen, verh\u00e4ltnism\u00e4ssig weniger stark den Studierenden. Trotzdem geht sie Studierende und Lernende gleichermassen an.<\/p>\n<p>Weitere Infos: www.bizh.ch<\/p>\n<p><em>Aus dem vorw\u00e4rts vom 12. Februar 2016 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am\u00a028. Februar wird im Kanton Z\u00fcrich die Bildungsinitiative zur Abstimmung kommen. 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