{"id":9955,"date":"2021-08-06T15:45:36","date_gmt":"2021-08-06T13:45:36","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9955"},"modified":"2021-08-06T15:45:38","modified_gmt":"2021-08-06T13:45:38","slug":"streiken-gegen-amazon-geht-da-endlich-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9955","title":{"rendered":"Streiken gegen Amazon \u2013 geht da endlich was?"},"content":{"rendered":"<p>Amazon ist in aller Munde. Medien und PolitikerInnen kriegen G\u00e4nsehaut angesichts des Reichtums und der Macht eines Jeff Bezos. Aber auch die Linke erschaudert vor der \u00bbtotalen Kontrolle\u00ab der schlecht bezahlten und \u00bbmenschenunw\u00fcrdig ausgebeuteten\u00ab ArbeiterInnen in den Amazon-Lagern. Wieder einmal verklebt der Mythos der alles beherrschenden kapitalistischen Technologie die Hirne und<!--more--> verf\u00e4lscht die politische Intervention! Die ArbeiterInnen nur als krass \u00fcberwacht, atomisiert und ohnm\u00e4chtig darzustellen, ist der typisch paternalistische Zugang vieler Linker und der meisten Gewerkschaften (\u00bbdie Arbeiter sind ohne uns schwach\u00ab). In den folgenden Beitr\u00e4gen schauen wir uns den Arbeitsprozess in einem Amazon- und im Lager eines Drogeriemarkts genauer an. Die ArbeiterInnen dort sind keineswegs hirnlose Maschinenanh\u00e4ngsel.<\/p>\n<p>Ab den 70er Jahren haben die Unternehmer gegen zu stark gewordene ArbeiterInnen die Gro\u00dfbetriebe verkleinert durch die Auslagerung von Unternehmensteilen und den Aufbau eines Zulieferersystems. Die daf\u00fcr notwendigen \u00bbJust in time\u00ab-Transporte f\u00fchrten zu extremer Zunahme des Verkehrs. Und in der Warenlogistik entstanden viele neue Jobs. Trotz LKW-Fahrer-Streiks sind die L\u00f6hne in diesem Bereich seither gesunken. Handelskonzerne wie\u00a0<em>Walmart<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Amazon<\/em>, deren Kernkompetenz die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die Logistik ist, expandierten und verdr\u00e4ngen alte Verteilstrukturen. In dieser Logistikblase<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref1\"><sup>1<\/sup><\/a>\u00a0sind seit etwa zehn Jahren neue Arbeiterkonzentrationen entstanden. W\u00e4hrend die Unternehmer im Westen kaum noch Fabriken mit mehr als 3000 ArbeiterInnen bauen, zieht zum Beispiel Amazon USA innerhalb weniger Monate ein Lager mit doppelt so vielen Besch\u00e4ftigten hoch (Bessemer\/Alabama).<\/p>\n<p>In den USA gibt es mehr als 100 gro\u00dfe Logistikzentren mit durchschnittlich 5000 ArbeiterInnen, in Europa \u00fcber 60 mit durchschnittlich 2000 ArbeiterInnen. Daneben gibt es eigene Entwicklungszentren usw.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref2\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Der Pandemiegewinner<\/strong><\/p>\n<p>Gegr\u00fcndet wurde Amazon 1994 zun\u00e4chst als Buchversand; in Deutschland startete es 1998.Den \u00bb<em>dot.com-Crash<\/em>\u00ab 2000\/01 und die Krise 2008 \u00fcberstand Bezos relativ unbeschadet. Im Januar 2001 k\u00fcndigte er 1300 Leuten, aber seitdem gab es keinen Stellenabbau mehr. Heute ist Amazon nach Umsatz und Besch\u00e4ftigten einer der gr\u00f6\u00dften Konzerne der Welt; Gr\u00fcnder Jeff Bezos k\u00f6nnte der erste Billion\u00e4r werden. Im Pandemiejahr 2020 legte der Umsatz um 38 Prozent zu, der Gewinn verdoppelte sich. 427 000 neue Leute wurden eingestellt. Amazon besch\u00e4ftigt nun 1,3 Millionen Menschen, dazu kommen 500 000 FahrerInnen, die bei Subunternehmern angestellt sind, mit denen Amazon \u00bbzusammenarbeitet\u00ab (<em>Delivery Service Providers<\/em>). 2010 besch\u00e4ftigte Amazon erst 33 700 Menschen und wies einen j\u00e4hrlichen Profit von 1,1 Milliarden Dollar aus. 2020 betrug der Profit 21,3 Milliarden Dollar \u2013\u00a019 Mal mehr Gewinn, aber 39 Mal mehr Besch\u00e4ftigte!<\/p>\n<p>Amazon hat auf vielen Ebenen immense Macht und Unternehmen anderer Branchen aufgekauft, 2017 etwa die Biosupermarktkette\u00a0<em>Whole Foods<\/em>, gerade eben das Filmstudio MGM \u2026 und mit der\u00a0<em>Washington Post<\/em>\u00a0besitzt Bezos eine der einflussreichsten Tageszeitungen.\u00a0<em>Amazon Web Services<\/em>\u00a0(AWS) stellt die IT von wichtigen Unternehmen und sogar Regierungen, zum Beispiel vom US-Geheimdienst CIA. AWS ist der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Cloud-Anbieter der Welt und tr\u00e4gt seit Jahren \u00fcberproportional zum Gesamtprofit bei. Amazon sieht hier die Zukunft und will auch weiter Regierungsauftr\u00e4ge vom Pentagon kriegen. Andy Jassy, der Chef von AWS, wird Jeff Bezos im dritten Quartal 2021 an der Konzernspitze abl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Der arbeitsintensive Kern des Unternehmens ist der Transport von Waren zum Konsumenten, in der BRD ist das die\u00a0<em>Amazon Logistik GmbH<\/em>\u00a0mit Sitz in Bad Hersfeld<em>.<\/em>\u00a0In diesem Bereich hat Amazon in den letzten 20 Jahren \u00fcber Kreditausweitung und Steuerflucht expandiert. Die Regierungen der westlichen Metropolen haben ihre Steuergesetze so ge\u00e4ndert, dass Amazon Profite nach Luxemburg verschieben und damit Steuern sparen konnte. 75 Prozent aller Amazon-Gesch\u00e4fte au\u00dferhalb der USA laufen \u00fcber Tochterunternehmen in Luxemburg. Manche wurden nur gegr\u00fcndet, um Verlust einzufahren und ihn dorthin zu transferieren. Diese Verluste k\u00f6nnen in den USA in Steuergutschriften umgewandelt werden. Unterm Strich zahlte Amazon noch nie Steuern in den USA und griff Gutschriften \u00fcber 13,4 Milliarden Dollar ab. Auch den gr\u00f6\u00dften Teil der Gewinne transferierte Amazon nach Luxemburg \u2013 dort liegen 17,2 Milliarden Dollar, die nie in die Bilanz gingen. Mit diesen steuerfreien Gewinnen finanzierte Amazon seine Expansion \u2013 das f\u00fchrte zum steilen Umsatzwachstum in den Nullerjahren, sogar w\u00e4hrend der Krise 2008.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref3\"><sup>3<\/sup><\/a>\u00a0F\u00fcr 2020 wies der Konzern im Online-Handel zum ersten Mal steuerpflichtige Ertr\u00e4ge aus \u2013 mitten in der Debatte um den Beschluss einer globalen Mindeststeuer.<\/p>\n<p>Bezos zahlte auch selber kaum Einkommenssteuer, weil er alle Tricks ausnutzte (als Multimilliard\u00e4r bekam er sogar 4000 Dollar Steuergutschrift, weil er Verluste meldete).<\/p>\n<p>Seit neun Jahren weigert sich Amazon in Deutschland, den h\u00f6heren Einzelhandels-Tariflohn zu zahlen. Am 12. Juni 2021, dem Tag, an dem die Gr\u00fcnen in ihr Wahlprogramm die Forderung nach zw\u00f6lf Euro Mindestlohn aufnahmen, k\u00fcndigte Amazon an, ab Juli allen Besch\u00e4ftigten vom ersten Tag an mindestens zw\u00f6lf Euro brutto pro Stunde zu zahlen. Au\u00dferdem trat Amazon Deutschland dem \u00bbHauptverband des deutschen Einzelhandels\u00ab bei (Verdi fordert 12,50 Euro).<\/p>\n<p>Amazon beobachtet sehr genau gesellschaftliche Tendenzen und versucht diesen vorzugreifen. Betrachtet Bezos eine f\u00fcr Amazon nachteilige Entwicklung als nicht mehr abwendbar, schafft er Tatsachen und versucht damit r\u00fcberzubringen, dass es keine regulierenden Institutionen wie Gewerkschaft, Finanzamt, Tarifvertrag usw. br\u00e4uchte.<\/p>\n<p><strong>Warum hatten es die ArbeiterInnen in der Expansionsphase so schwer gegen Amazon?<\/strong><\/p>\n<p>Amazon betreibt\u00a0<em>Fulfillment Centers<\/em>\u00a0(FC; Warenlager) und\u00a0<em>Delivery Stations<\/em>\u00a0(DS; Verteilzentren). ArbeiterInnen in FCs lagern ein, kommissionieren, verpacken und versenden an DS. Von dort gehen die Pakete zur Adresse des Bestellers.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref4\"><sup>4<\/sup><\/a>\u00a0Die Schritte sind penibel arbeitsteilig organisiert, zerlegt und standardisiert. Im Vergleich zu anderen in der Branche setzt Amazon viel umfassender digitale \u00dcberwachung ein. Die Arbeit ist einfacher anzulernen, die ArbeiterInnen sind schneller austauschbar.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren fuhr Amazon eine aggressive Expansionsstrategie. Kredite auf den wachsenden Umsatz wurden in den Kauf von Unternehmen, in neue IT-Infrastruktur, in eigene Produktpaletten und in neue Standorte investiert; zum Beispiel beliefert Amazon deutsche Adressen seit 2014 auch aus Polen. Mittlerweile besch\u00e4ftigt Amazon dort fast 20 000 Leute, nur ein paar tausend weniger als in der BRD. Seit Ende Mai 2021 gibt es auch eine polnische Amazon-Website.<\/p>\n<p>Mit den Lagern in Polen konnte Amazon Ausf\u00e4lle durch Aktionen von Verdi kompensieren, obwohl die dortige \u00bbBasisgewerkschaft\u00ab IP (Soli-)Aktionen organisierte.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref5\"><sup>5<\/sup><\/a>\u00a0Denn die ArbeiterInnen in Polen erledigen die gleiche Arbeit wie in Deutschland, es sind nicht zwei verschiedene, voneinander abh\u00e4ngige Prozessschritte. Es ist leichter, ein zweites bzw. doppeltes Amazon-Lager aufzubauen und zu betreiben als zum Beispiel eine zweite Autofabrik. Ein Lager kostet deutlich weniger und erfordert keine l\u00e4ngeren Anlernzeiten.<\/p>\n<p>In dieser Expansionsphase war es erstmal objektiv schwieriger f\u00fcr ArbeiterInnen, mit lokalen Streiks den notwendigen \u00f6konomischen Schaden anzurichten. Amazon will seinen ArbeiterInnen deutlich machen, dass sie mit Streik nichts rei\u00dfen k\u00f6nnen. Amazon \u00bbkommuniziert\u00ab das nat\u00fcrlich nicht so, sondern \u00bbkommuniziert seinen Besch\u00e4ftigten\u00ab, dass sie nicht streiken\u00a0<em>brauchen<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Roboter<\/strong><\/p>\n<p>Eine aktuelle Studie verweist darauf, dass es bei Amazon mehr Arbeitsunf\u00e4lle als in anderen Lagern gibt und besonders viele dort, wo Roboter eingesetzt werden.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref6\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das Management will autonom fahrende Roboter: Sie transportieren Regale, Pakete und Paletten \u2013 zwar nicht schneller als Menschen oder F\u00f6rderb\u00e4nder, aber sie sparen Platz. F\u00fcr die Arbeiter\u00adInnen hat die Tendenz zu mehr Robotern den Nachteil, dass es mehr station\u00e4re und damit eint\u00f6nigere Arbeitspl\u00e4tze gibt, die \u00f6rtlich weiter voneinander entfernt sind.<\/p>\n<p>Es gibt Arbeiten, die mit Maschinen deutlich schneller auszuf\u00fchren sind, wie das Sortieren geeigneter Teile und Palettieren. In diesen Prozessen k\u00f6nnen Maschinen zur Abdeckung der Grundlast eingesetzt werden. Das sieht man im folgenden Bericht recht gut: Amazon lastet die Sortiermaschinen mit dem Volumen aus, das auf jeden Fall da ist. Alles dar\u00fcber hinaus wird von Menschen gemacht, in den Spitzenzeiten werden daf\u00fcr hunderte zus\u00e4tzliche ArbeiterInnen in den Betrieb geholt. Es gibt immer eine parallele Struktur, in der Menschen rein manuell dieselben T\u00e4tigkeiten erledigen. Der Hauptstress f\u00fcr die ArbeiterInnen entsteht da, wo sie am meisten gebraucht werden: bei Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen.<\/p>\n<p>Die menschliche Arbeitskraft wird nicht \u00bbersetzt\u00ab, sondern steht in einem Amazon-Lager sichtbar im Zentrum; sie ist dynamisch \u2013 w\u00e4hrend die Maschinerie nur statisch funktioniert. Die gro\u00dfen \u00bbAutomatisierungs\u00ab-Ank\u00fcndigungen der Unternehmer sind leise geworden. \u00bbDie komplette Automatisierung der Lager w\u00e4re sehr kompliziert und teuer. Hochkomplexe und kostenintensive L\u00f6sungen wie Kommissionier-Roboter sind noch immer kaum anzutreffen\u00ab, hei\u00dft es in einer Studie des Bundesinstituts f\u00fcr Berufsbildung \u00fcber Lagerlogistik.<\/p>\n<p><strong>Mobilisierungen<\/strong><\/p>\n<p>Gewerkschaftliche Organisierungsversuche liefen bisher in der klassischen Form: Aufbau einer m\u00f6glichst gro\u00dfen Mitgliederbasis, teils durch \u00bb<em>Salting<\/em>\u00ab (die Gewerkschaft schickt Leute in einen Betrieb, um von innen zu organisieren) oder \u00bb<em>Organizing<\/em>\u00ab (die Gewerkschaft schickt bezahlte\u00a0<em>Organizer<\/em>\u00a0ans Tor), um als Tarifpartner anerkannt zu werden. In Deutschland mobilisiert Verdi seit fast zehn Jahren, konnte jedoch ihre Hauptforderung nach Einstufung in den besser bezahlten Tarifvertrag Einzelhandel (statt Logistik) bisher nicht durchsetzen. Verdis Versuche, mit gewerkschaftlichen Mitteln (Mitgliederwerbung und lang vorher angek\u00fcndigte Streiks, die sich streng an gesetzliche Vorgaben halten) Amazon dazu zu zwingen, sie als \u00bbTarifpartner\u00ab anzuerkennen, sind naiv. Damit Gewerkschaften\u00a0<em>entstehen<\/em>, m\u00fcssen au\u00dfergewerkschaftliche, \u00bbillegale\u00ab Mittel eingesetzt werden. Allerdings erz\u00e4hlen wir da nichts Neues, Gewerkschaftler wissen das auch selber. Wichtiger als der \u00bbschnelle Erfolg\u00ab ist f\u00fcr Verdi, dass neben den Lokf\u00fchrern (GDL) keine etwas k\u00e4mpferischere Gewerkschaftsstruktur entsteht.<\/p>\n<p>Parallel zur Verdi-Kampagne wuchs ab 2012\/13 der mediale Druck auf Amazon. Ebenfalls 2012 schickte Amazon ArbeiterInnen aus Graben (Bayern) zum Anlernen nach Leipzig. Dadurch fanden die Leipziger raus, dass die Grabener deutlich mehr in der Stunde verdienten \u2013 an dem Tag hat niemand mehr gearbeitet! Daf\u00fcr gab es nicht mal Abmahnungen, denn Amazon war so erschrocken, dass es sofort eine Lohnerh\u00f6hung veranlasste: in Leipzig und in Hersfeld, wo auch Grabener waren. In diesen Jahren begann eine breitere (gewerkschaftliche) Bewegung an mehreren Standorten. Als erstes Ergebnis wurde eine Reihe von Betriebsratswahlen angesetzt. Schon im Februar 2013 rief der Amazon-Deutschland-Chef in Reaktion darauf selber zu Betriebsratsgr\u00fcndungen auf, lehnte aber weiterhin Verhandlungen mit Verdi ab. Heute gibt es an allen Standorten Betriebsr\u00e4te.<\/p>\n<p>Anfang April 2013 fand eine Urabstimmung mit 92 Prozent Beteiligung der 520 Verdi-Mitglieder im Leipziger Lager statt (insgesamt arbeiteten dort 1200 Festangestellte und 800 Befristete). 97 Prozent stimmten f\u00fcr Streik, Ende April liefen die ersten Aktionen in Leipzig und Bad Hersfeld.<\/p>\n<p>2015 begann der Widerstand sich zu internationalisieren. Leute aus Poznan, die sich in der IP organisiert hatten, nahmen Kontakt zu ArbeiterInnen in der BRD auf. Daraus entstanden regelm\u00e4\u00dfige Treffen von ArbeiterInnen aus Polen, Frankreich, Italien, Spanien und der BRD. Die Beteiligten sind fast alle in gewerkschaftlichen Betriebsgruppen aktiv, die Treffen werden aber nicht von den Gewerkschaften organisiert. Sie nennen sich\u00a0<em>Amazon Workers International.\u00a0<\/em>(Daneben gibt es seit 2014 eine Amazon-Arbeitsgruppe bei UNI Global, einem gro\u00dfen internationalen gewerkschaftlichen Dachverband; aber sie besteht aus Gewerkschaftsfunktion\u00e4ren; sie fangen recht erfolgreich AktivistInnen ein).<\/p>\n<p>Im Winter 2017 fand zum ersten Mal ein europaweiter Aktionstag zum \u00bbBlack Friday\u00ab statt. Nachdem bisher nur linke Basisgewerkschaften in der Warenlogistik aktiv waren<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref7\"><sup>7<\/sup><\/a>, hatten nun im italienischen Castel San Giovanni bei Piacenza die gro\u00dfen Gewerkschaftsverb\u00e4nde CGIL-CISL-UIL zum Streik aufgerufen. Die H\u00e4lfte der direkt bei Amazon Besch\u00e4ftigten beteiligte sich; die Leiharbeiter waren vom Streik ausgeschlossen, ebenso wenig streikten die kurz zuvor befristet Eingestellten. Somit wirkte sich der Streik kaum auf die Auslieferung der Waren aus. 2018 schlossen die Gewerkschaften zum ersten Mal eine Vereinbarung \u00fcber Arbeitsbedingungen ab. Italienische und deutsche Gewerkschaften feierten dies als weltweit einmaligen Erfolg, aber schon kurz danach folgten eher n\u00fcchterne Einsch\u00e4tzungen \u2013 sie mussten zugeben: \u00bbTrendwende ausgeblieben\u00ab, \u00bbAmazon erscheint weitestgehend immun\u00ab<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref8\"><sup>8<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Streiks, die zu einem Auslieferungsstopp\u00a0f\u00fchrten, gab es bisher nicht.<\/p>\n<p>Unterdessen fanden Proteste von au\u00dferhalb statt:\u00a0<em>Make Amazon Pay<\/em>\u00a02017 gegen Steuervermeidung, gegen Neuansiedlung der Headquarters in New York 2019, gegen Datensammlung, gegen die energieintensiven Serverfarmen usw.<\/p>\n<p>2019 organisierten 3000 Entwickler (\u00bbTech-Workers\u00ab) in den USA eine Demo im Rahmen der Kampagne\u00a0<em>Amazon Employees for Climate Justice<\/em>. Sie kritisieren die enge Verflechtung mit dem Milit\u00e4r. Sie beginnen ihre Arbeit in Frage zu stellen und organisieren sich. Mittlerweile haben auch Google-Angestellte eine Gewerkschaft gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p><strong>\u2026 und Verbesserungen<\/strong><\/p>\n<p>2018 erh\u00f6hte Amazon in den USA nach langer\u00a0<em>Fight-for-15<\/em>\u00a0Kampagne (die bis heute weitergeht) den Lohn in der untersten Lohngruppe auf mindestens 15 Dollar, das betraf mehr als 250 000 Festangestellte und 100 000 Saisonarbeitskr\u00e4fte. Amazon hat schon immer versucht, zehn bis zwanzig Prozent \u00fcber dem lokal \u00fcblichen Lohn f\u00fcr vergleichbare Arbeit in einem nicht tarifgebundenen Betrieb zu liegen. Nun ist der Lohn je nach Standort oft doppelt so hoch wie der gesetzliche Mindestlohn, zum Beispiel in Bessemer 15 statt 7,25 Dollar.<\/p>\n<p>Auch in der BRD sind die L\u00f6hne in den letzten Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen. Da jedes Lager eine eigene GmbH ist, sind sie nach wie vor unterschiedlich. Sie liegen zurzeit bei 11,30 bis 12,70 Euro zum Einstieg und steigen in zwei Stufen auf 13,20 bis 15 Euro nach zwei Jahren. Ab Juli 2021 betr\u00e4gt der Einstiegslohn 12 Euro (s. o.).<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst haben ArbeiterInnen in Amazon-Lagern mit einem aktiven Verdi-Vertrauensk\u00f6rper (niedrige) Weihnachts- und Urlaubspr\u00e4mien, Klimaanlagen und fast \u00fcberall die Abschaffung der Leiharbeit durchgesetzt \u2013 sp\u00e4ter wurde das f\u00fcr alle der Standard. Andere Zugest\u00e4ndnisse gibt es nur an einzelnen Standorten, meist per Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat: Senkung des Anteils der Befristungen, minutengenaue Abrechnung der \u00dcberstunden, g\u00fcnstigere Schichtmodelle \u2026 Der Betriebsrat funktioniert als Puffer: Amazon schiebt ihm sowohl Erfolge als auch Verschlechterungen zu. Die recht hohe Coronapr\u00e4mie f\u00fcr alle? \u2013 Dankt dem Betriebsrat! Die neue Sechs-Tage-Woche? \u2013 Hat der Betriebsrat unterschrieben!<\/p>\n<p>Amazon reagiert auf Konflikte prompt mit Zugest\u00e4ndnissen. Das erlaubt ArbeiterInnen schnelle kleine Erfolge \u2013 und verhindert, dass sich Konflikte auf andere Standorte ausweiten.<\/p>\n<p><strong>Verteillogistik ist nicht Industrielogistik<\/strong><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref9\"><strong><sup>9<\/sup><\/strong><\/a><\/p>\n<p>Amazon expandiert, stellt immer mehr Leute ein, baut immer mehr Lager und bringt tausende ArbeiterInnen unter einem Dach zusammen. Warum haben diese beeindruckenden neuen Arbeiterkonzentrationen noch keinen m\u00e4chtigen Streik hingekriegt?<\/p>\n<p>Amazon ist kein strategischer oder wichtiger Zulieferer von Rohstoffen oder Halbfabrikaten, er liefert fertig produzierte Waren an einzelne Endverbraucher. Kein Arbeiter wartet auf das Teil, um es in einem kapitalistischen Produktionsprozess ein- oder anzubauen\/ein- oder anzulegen. Eine Privatperson nimmt die Ware entgegen. Amazon lebt von seinem Versprechen der schnellen Lieferung, aber es ist f\u00fcr die Mehrwertproduktion nicht entscheidend, ob die Ware am Montag oder Dienstag angeliefert wird. Keine Maschine steht deshalb still, keinem Kapitalisten entstehen Kosten.<\/p>\n<p>Die ArbeiterInnen in den Lagern und die PaketfahrerInnen erledigen eine f\u00fcr die Realisierung des Mehrwerts genauso notwendige Arbeit wie die Fabrik- und TransportarbeiterInnen in den vorherigen Schritten, aber die Komplexit\u00e4t des Arbeitsprozesses nimmt in Richtung Endverbraucher kontinuierlich ab. Ein kleines Beispiel: Eine Lokf\u00fchrerin ist Teil eines mehrschichtig organisierten Transportsystems, sie muss \u00bbsystembedingt\u00ab mit mehreren Leuten kooperieren (Wagenmeister, Fahrdienstleiter, Stellwerker, Rangierbegleiter etc.). Ein Paketfahrer muss das nicht.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref10\"><sup>10<\/sup><\/a>\u00a0Der Kapitalist wird sich in den ersten Momenten eines Streiks gut \u00fcberlegen, ob er jemand anderen die Lok fahren lassen kann. Jemand mit einem Kastenwagen auf Tour zu schicken, geht wesentlich einfacher.<\/p>\n<p>Am 7. April 2021 haben in einem neuen Amazon-Verteilzentrum in Chicago Dutzende ArbeiterInnen wild gestreikt (s. u.). Ein Genosse berichtet, dass w\u00e4hrend des Streiks Leute vom Management die Arbeit erledigen mussten \u2013 und\u00a0<em>konnten<\/em>. Im Kampf bei VW in Bratislava 2017 konnten die wenigen Autos, die ohne die streikenden ArbeiterInnen fertig gebaut wurden, wegen M\u00e4ngeln nicht verkauft werden.<\/p>\n<p><strong>Die Logistik ist keine \u00bbFabrik ohne Mauern\u00ab &#8230;<\/strong><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref11\"><strong><sup>11<\/sup><\/strong><\/a><\/p>\n<p>\u2026 und die Zusammenarbeit und gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit in einem Lager ist nicht dieselbe wie in einer Fabrik, auch wenn hier und dort produktive Arbeit verrichtet wird.<\/p>\n<p>Die organische Zusammensetzung eines Lagers ist weniger hoch.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref12\"><sup>12<\/sup><\/a>\u00a0An einem einzelnen gro\u00dfen mitteleurop\u00e4ischen Produktionsstandort von Autos arbeiten mehr Leute, als Amazon in ganz Deutschland besch\u00e4ftigt \u2013 und trotzdem steht ein Arbeiter in einem \u00bb<em>State of the art\u00ab<\/em>-Verteilzentrum halb so viel konstantem Kapital (Anlagen) gegen\u00fcber wie in einer Autofabrik. ArbeiterInnen in einer h\u00f6heren organischen Zusammensetzung befinden sich gegen\u00fcber dem Kapitalisten oft am l\u00e4ngeren Hebel.<\/p>\n<p>Die Arbeitsprozesse sind anders organisiert. Wenn man viele Einzelteile in parallelen und in\u00adeinandergreifenden Bearbeitungsschritten zu komplexeren Teilen aggregiert (zusammenbaut), herrscht\u00a0<em>produktive Kooperation<\/em>\u00a0auf hoher Stufe.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref13\"><sup>13<\/sup><\/a>\u00a0Dies bringt kollektive F\u00e4higkeiten und Wissen hervor \u2013 bzw. setzt dieses kollektive Wissen voraus: Wie wird die Arbeit erledigt, sodass ein Gebrauchswert rauskommt? Wie m\u00fcssen wir Maschinen bedienen, Handgriffe ausf\u00fchren, Probleme l\u00f6sen usw.? Im Streik halten die ArbeiterInnen Wissen und F\u00e4higkeiten zur\u00fcck \u2013 die Kapitalisten finden niemanden, der sie ersetzt. In solchen aggregierenden Prozessen haben ArbeiterInnen recht schnell gelernt, wie sie den Unternehmer treffen k\u00f6nnen (US-Autoindustrie in den 30ern, dann in Italien in den 60ern). Im \u00bb<em>Hei\u00dfen Herbst\u00ab<\/em>\u00a01969 legten die Arbeiter mit \u00bbSchachbrettstreiks\u00ab (wenige, ausgew\u00e4hlte Abteilungen stellen die Arbeit eine Zeitlang ein; so ist der Lohnverzicht wesentlich geringer) ganze Fabriken lahm; sie hatten die strategischen Punkte des Arbeitsprozesses erkannt.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber kann Amazon auf ein gro\u00dfes Reservoir von gleichen, weitgehend voneinander unabh\u00e4ngigen Lagern und Zustellern zur\u00fcckgreifen \u2013 und im \u00bbSt\u00f6rfall\u00ab sogar andere Logistikfirmen\/Konkurrenten mit der Auslieferung beauftragen.<\/p>\n<p><strong>\u2026 wo kommt dann die Arbeitermacht her?<\/strong><\/p>\n<p>Mitten im \u00bbArbeitskr\u00e4fteangebotsschock\u00ab der Globalisierung, als die allermeisten Linken der Ansicht waren, nun sei es vorbei mit dem Arbeiterkampf, hat Beverly Silver mit\u00a0<em>Forces of Labour<\/em>\u00a0(2003) versucht, die Schw\u00e4che der ArbeiterInnen in bestimmten L\u00e4ndern strukturell und historisch zu erkl\u00e4ren. Historisch konnte sie zeigen: Dort, wo das Kapital hingeht, entstehen auch Arbeiterk\u00e4mpfe (zur Jahrhundertwende zum Beispiel in China). Die Frage, in welchen Branchen ArbeiterInnen in den Metropolen heute noch k\u00e4mpfen k\u00f6nnen, beantwortete sie weitgehend damit: Dort, wo nicht ausgelagert werden kann, also zum Beispiel LehrerInnen und KrankenpflegerInnen. Strukturell versuchte sie zu entschl\u00fcsseln, worauf Arbeitermacht sich gr\u00fcndet, und unterschied dabei zwischen \u00bbProduktionsmacht\u00ab (ArbeiterInnen, die erst mal nicht ersetzbar sind und durch Zur\u00fcckhaltung ihrer Arbeitskraft gro\u00dfen \u00f6konomischen Schaden anrichten k\u00f6nnen) und \u00bbOrganisationsmacht\u00ab (f\u00fcr ArbeiterInnen, die wenig Produktionsmacht haben, ist es umso wichtiger, sich zu organisieren). Aber diese \u00bbOrganisationsmacht\u00ab kommt nicht von au\u00dfen geflogen! Sie muss\u00a0<em>hergestellt<\/em>\u00a0werden. Der \u00bb<em>Hei\u00dfe Herbst<\/em>\u00ab 1969 sprang nicht wie das K\u00fcken aus dem Ei, geschlossene Streiks mussten \u00fcber Jahre hinweg durch allerlei Kampfformen durchgesetzt werden: Gef\u00fcgigmachen der Kapos, Schutz der fabrikinternen Umz\u00fcge, unmittelbarer Zwang gegen Einzelne, die sich nicht beteiligen wollten, L\u00e4cherlichmachen der Streikbrecher \u2026 \u00bbEinheit\u00ab ist nicht die Voraussetzung, sondern das Ergebnis des Arbeiterkampfs durch Prozesse von \u00dcberzeugen\/Drohen\/Zwingen. Im Kern geht es darum, dass die ArbeiterInnen zu gemeinsamen \u00dcberzeugungen und Verhaltensregeln kommen.\u00a0<em>\u00bbNever cross a picket line<\/em>\u00ab war eine davon.<\/p>\n<p>Auf Beverly Silvers Grundlage entstanden in den darauf folgenden Jahren die\u00a0<em>Labor Revitalization Studies,<\/em>\u00a0die ihre Begriffe im \u00bbMachtressourcen\u00adansatz\u00ab weiter ausdifferenzierten. \u00bbMarktmacht\u00ab erw\u00e4chst aus der Qualifikation und Arbeitserfahrung der einzelnen FacharbeiterInnen, die knapp auf dem Arbeitsmarkt sind und deshalb hohe L\u00f6hne fordern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Kategorisierung ist f\u00fcr akademische Forschungsprojekte ganz wunderbar. Aber sie ist politisch indifferent (denn sie kann auch so gelesen werden: \u00bbArbeiterInnen werden mies behandelt? Also brauchen sie eine Gewerkschaft!\u00ab), und vor allem: Sie schaut nicht auf den Arbeitsprozess und hat letztlich eine technische Vorstellung von Arbeitermacht (\u00bbProduktionsmacht\u00ab = \u00bbqualifizierte Arbeiter\u00ab an teuren Maschinen).<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck stellen sich nicht nur \u00bbMarxistInnen\u00ab am Schreibtisch solche Fragen, sondern die ArbeiterInnen in den realen K\u00e4mpfen der letzten Jahre! Und angesichts ihrer Erfahrungen in diesen K\u00e4mpfen sind sie auch zu anderen Antworten gekommen. Im Folgenden geht es zun\u00e4chst um zwei \u00bbhistorisch\u00ab genannte Versuche traditioneller Gewerkschaften und dann um ein Beispiel, wie Arbeiterkollektive durch informelle Organisierung am Arbeitsplatz sich tats\u00e4chlich gegen den Unternehmer durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Zwei Gewerkschaftsaktionen in Italien und in den USA im ersten Quartal 2021<\/strong><\/p>\n<p>In Bessemer im gewerkschaftsfeindlichen US-Bundesstaat Alabama (republikanisch, es herrschen\u00a0<em>Right-to-work<\/em>-Gesetze<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref14\"><sup>14<\/sup><\/a>) konnten ArbeiterInnen k\u00fcrzlich die erste Abstimmung \u00fcber die Frage durchsetzen, ob eine Gewerkschaft die Leute im Betrieb vertreten solle. Die Stimmabgabe endete am 29. M\u00e4rz. Von 5800 Besch\u00e4ftigten beteiligten sich nur 55 Prozent an der Briefwahl (!), nur 738 stimmten f\u00fcr die\u00a0<em>Retail Wholesale and Department Store Union<\/em>\u00a0(RWDSU), 1798 dagegen.<\/p>\n<p>Danach waren sofort Erkl\u00e4rungen f\u00fcr diese Niederlage zur Hand: Der Kampf gehe nun vor Gericht weiter, die anti-gewerkschaftliche Propaganda und Mobilisierung seitens Amazon seien der Grund f\u00fcr die Niederlage (so die RWDSU); nein, die falsche Taktik der RWDSU, die sich auf ihre Strukturen und Funktion\u00e4re verlie\u00df, seien schuld (Jane McAlevey). Genauere Analysen kritisieren, dass an der Realit\u00e4t der ArbeiterInnen vorbei organisiert wurde: Amazon bezahle mit 15 Dollar einen relativ hohen Einstiegsstundenlohn und eine Krankenversicherung; die Arbeit sei im Vergleich zu anderen Jobs okay, und eine 85-prozentige Mehrheit schwarzer ArbeiterInnen k\u00f6nne man nicht mit positiver Einstellung zur RWDSU gleichsetzen.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref15\"><sup>15<\/sup><\/a>\u00a0Spitzenfunktion\u00e4re der RWDSU verdienen mehr als manche Unternehmer.<\/p>\n<p>Die 15 Dollar liegen zwei Dollar \u00fcber dem, was ungelernte ArbeiterInnen in Lagern in Alabama durchschnittlich verdienen \u2013 Amazons \u00fcbliche Strategie, um gerade noch genug Arbeitskr\u00e4fte zu bekommen. In der Nachtschicht verdient man 17,50 Dollar die Stunde. Einige Amazon-Arbeiter\u00adInnen in Bessemer haben vorher f\u00fcr weniger gearbeitet. Andere kamen aus Fabriken, die mehr bezahlten, aber geschlossen wurden; manche wollten trotz vorher h\u00f6herem Lohn Ver\u00e4nderung.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref16\"><sup>16<\/sup><\/a><\/p>\n<p>In Italien haben \u00bbBasisgewerkschaften\u00ab wie SiCobas vor zehn Jahren begonnen, in der Logistikbranche Proteste zu organisieren. F\u00fcr die ArbeiterInnen brachte das Tarifvertr\u00e4ge, h\u00f6here L\u00f6hne usw. Die Basisgewerkschaften konnten wachsen. Die etablierten \u00bbkonf\u00f6derierten\u00ab Gewerkschaften stehen unter Druck, die F\u00fchrung in der Branche zur\u00fcckzuerobern. FILT-CGIL, FIT-CISL und UIL hatten f\u00fcr den 22. M\u00e4rz 2021 alle Amazon-ArbeiterInnen in Italien zum Streik aufgerufen. 9500 Leute sind dort direkt bei Amazon eingestellt, 40 000 sollen es laut Gewerkschaftssch\u00e4tzungen einschlie\u00dflich der \u00fcber Subunternehmen und Leiharbeit Besch\u00e4ftigten sein. Die Organisatoren sprachen von 75 bis 90 Prozent Streikbeteiligung. Zum Vergleich: In Leipzig und Bad Hersfeld liegt die Beteiligung laut Verdi bei 30 bis 40 Prozent. Amazon sprach von zehn Prozent Beteiligung in den Lagern, 20 Prozent bei den Zustellern. Die Gewerkschaftszahlen sind sicher stark \u00fcbertrieben \u2013 Leute, die dort waren, berichten von deutlich weniger Beteiligung, wenn auch von mehr, als Amazon angibt. Definitive Zahlen gibt es bis heute nicht.<\/p>\n<p>Der entscheidende Punkt ist aber, wie viel vom Tagessoll nicht ausgeliefert wurde \u2013 hierzu gibt es keine Infos; auch der viel zitierte Soziologe Francesco Massimo spricht von einem \u00bbhistorischen Streik\u00ab, gibt aber zu, es sei \u00bbschwer zu sagen\u00ab, ob er \u00f6konomischen Schaden anrichtete.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref17\"><sup>17<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Bessemer hat nochmal gezeigt, wie weit Arbeiterrealit\u00e4t und Gewerkschafterei auseinandergehen. Die Kritik an\u00a0<em>Business Unionism<\/em>\u00a0oder\u00a0<em>Deep Organizing<\/em>\u00a0ist richtig \u2013 aber sie geht nicht tief genug.<\/p>\n<p><strong>\u00bbWir k\u00e4mpfen dort, wo wir stark sind: am Arbeitsplatz\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><em>Am 7. April 2021 streikten Dutzende ArbeiterInnen in einem neuen Amazon-Verteilzentrum in Chicago. Einer von ihnen hat uns einen kleinen Bericht \u00fcber ihr Vorgehen und die Vorgeschichte ihrer Organisierung geschickt.<\/em><\/p>\n<p>2019 begannen wir im Chicagoer Verteilzentrum DCH1 mit einem kleinen Kern.<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref18\"><sup>18<\/sup><\/a>\u00a0Wir nahmen uns einer Forderung an \u2013 dem Zugang zu Trinkwasser \u2013, die sehr grundlegend und weit verbreitet war. Wie l\u00e4cherlich und illegal w\u00e4re es f\u00fcr Amazon gewesen, uns rauszuschmei\u00dfen, weil wir Wasser fordern! Wir haben bei diesem Thema gewonnen und haben weiter organisiert, unser Organisationskomitee vergr\u00f6\u00dfert und den Versuchen von Amazon widerstanden, uns zu beschwichtigen und zu kooptieren. Bei jeder kollektiven Aktion stellten wir sicher, dass sich viele KollegInnen direkt beteiligten oder uns den R\u00fccken st\u00e4rkten.<\/p>\n<p>2020 war ein wilder Ritt, der uns gepr\u00e4gt hat; nicht zuletzt haben wir unsere eigene Gewerkschaft aufgebaut. Anfang des Jahres schlossen wir uns der ersten standort\u00fcbergreifenden Kampagne von Amazonarbeitern in den USA an:\u00a0<em>Amazonians United for PTO<\/em>\u00a0(<em>paid time off<\/em>; bezahlter Urlaub). Dies erreichten wir f\u00fcr alle Teilzeitbesch\u00e4ftigten. Im M\u00e4rz, gerade als die Pandemie ausbrach, waren wir auf der internationalen Versammlung der Amazon-Arbeiter in Spanien und gr\u00fcndeten unser internationales Netzwerk:\u00a0<em>Amazon Workers International<\/em>.<\/p>\n<p>Nach unserer R\u00fcckkehr in die USA r\u00fcckte der Kampf zum Schutz vor Covid-19 ins Zentrum. Die mutigen Arbeitsniederlegungen unserer KollegInnen in New York und die Schlie\u00dfung ihres Verteilzentrums inspirierten uns. Auch in Chicago ergriffen wir Ma\u00dfnahmen gegen Amazon und f\u00fcr mehr Sicherheit: Streiks \u00fcber vier Schichten hinweg, an denen sich die Mehrheit beteiligte. Amazon musste an den Streiktagen die Auslieferung von mehr als 50 Prozent der Pakete verz\u00f6gern. Das Volumen staute sich auf, und in unserem Verteilzentrum war eine Woche lang Chaos.<\/p>\n<p>Unsere Forderung, das Lager zu schlie\u00dfen, konnten wir nicht durchsetzen, aber nach unseren Streiks hat Amazon das Volumen dauerhaft um etwa 50 Prozent reduziert und uns endlich entsprechende Schutzausr\u00fcstung zur Verf\u00fcgung gestellt. Unsere Streiks haben den Standortleiter sehr nerv\u00f6s gemacht, er drohte uns mit K\u00fcndigung und schrie durch die Lautsprecher eines Polizeiautos, wir m\u00fcssten das Betriebsgel\u00e4nde verlassen. Jeder sah seine Angst; das gab uns ein Gef\u00fchl von St\u00e4rke. Wir hielten gegen Amazons Vergeltungsma\u00dfnahmen zusammen und sorgten daf\u00fcr, dass kein Kollege wegen des Streiks gefeuert wurde.<\/p>\n<p>Nach unserem Streik sank das Volumen von Mai 2020 bis April 2021 (dem Monat, in dem DCH1 geschlossen wurde) auf 20 Prozent. Wir waren v\u00f6llig \u00fcberbesetzt. 80 Leute waren f\u00fcr die Arbeit eingeteilt, aber das Management hatte nur Arbeit f\u00fcr 25, also boten sie mehrmals pro Nacht \u00bbentschuldigte Abwesenheit\u00ab an. (Die Zeit ist unbezahlt, wird aber nicht vom Fehlzeitkonto [UPT; unpaid time off] abgezogen \u2013 20 unbezahlte Stunden alle drei Monate, die jedeR ArbeiterIn selbst\u00e4ndig nehmen kann.) Die meisten KollegInnen akzeptierten das, die Aktiven aber nicht, sodass die Manager uns f\u00fcr die ganze Schicht nutzlose Aufgaben gaben, wie zum Beispiel die Fahrweg- und Stellfl\u00e4chenmarkierungen erneuern oder leere Paketwagen herumschieben. Wir sa\u00dfen herum und redeten miteinander. Wir ahnten, dass etwas vor sich ging, h\u00f6rten aber nur Ger\u00fcchte.<\/p>\n<p>Ab September 2020 begann Amazon mit der Schlie\u00dfung von DCH1 und zwang die \u00bbSaisonarbeiterInnen\u00ab, in die neu gebauten Chicagoer Verteilzentren zu wechseln. Amazon war vor und w\u00e4hrend der Pandemie sehr besch\u00e4ftigt mit dem Bau und der Er\u00f6ffnung vieler neuer Warenlager und Verteilzentren; allein in der Gegend von Chicagoland er\u00f6ffneten sie in den letzten zwei Jahren mindestens acht neue Standorte, und es werden immer mehr gebaut. Amazon baut sein Logistiknetzwerk in rasantem Tempo aus, um immer mehr Pakete \u00fcber die eigene Infrastruktur statt \u00fcber UPS oder USPS auszuliefern.<\/p>\n<p>Nach der Schlie\u00dfung von DCH1 mussten wir zu einem der neuen Verteilzentren wechseln. Damit \u00e4nderte sich viel. Der \u00bbMegacycle\u00ab von 1:20 Uhr bis 11:50 Uhr \u2013 10,5-Stunden! \u2013 ist jetzt die Standardschicht und in den Verteilzentren die einzige. Das ist ein gro\u00dfer Unterschied zu fr\u00fcher, als wir ein 24\/7-Betrieb mit Hunderten von Teilzeitkr\u00e4ften waren und es, abgesehen vom Management, keine Vollzeitkr\u00e4fte gab. Jetzt bieten Verteilzentren nur noch Vollzeitstellen in dieser beschissenen \u00bbMegaschicht\u00ab an. Viele Besch\u00e4ftigte, vor allem M\u00fctter und Leute, die Verwandte pflegen, wurden gek\u00fcndigt, weil die Arbeitszeiten f\u00fcr sie unm\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Teilzeit-Job bei Amazon vorher f\u00fcr viele ein Nebenjob war, ist die Maloche im \u00bbMegacycle\u00ab nun der Hauptjob. Gleichzeitig hat Amazon die L\u00f6hne auf Basis der Betriebszugeh\u00f6rigkeit erh\u00f6ht. Zudem wurde die Nachtschichtzulage von miserablen 0,50 Dollar\/Stunde auf etwas weniger miserable 1,50 Dollar erh\u00f6ht. Das geschah nicht aus Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, sondern als Reaktion auf unsere kollektiven Aktionen \u2013 und weil Amazon zunehmend Schwierigkeiten hat, ArbeiterInnen zu halten. Am 7. April beendeten in DIL3 \u2013 einem der neuen Standorte \u2013 20 bis 30 ArbeiterInnen auf Initiative von\u00a0<em>Amazonians United<\/em>\u00a0die Arbeit vier Stunden vor Schichtende und veranstalteten eine Kundgebung vor dem Verteilzentrum, um dem Management zu zeigen, wer wen braucht und dass wir es mit den Forderungen ernst meinen. Weniger als einen Monat sp\u00e4ter erhielten wir die \u00bbgro\u00dfartige Nachricht\u00ab, dass wir eine Gehaltserh\u00f6hung bekommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Bei DCH1 hatte jeder den gleichen niedrigen Lohn. Jetzt ist er deutlich h\u00f6her, aber differenziert; belohnt wird die Betriebszugeh\u00f6rigkeit (ein uraltes gewerkschaftliches Prinzip! Anm.). Zum Beispiel hatte ich im DCH1 15,50 Dollar pro Stunde. Mit dem neuem Entlohnungssystem habe ich mit vier Jahren Betriebszugeh\u00f6rigkeit (l\u00e4nger als die meisten) nun 19,80 Dollar pro Stunde. Da wir jetzt alle Vollzeitbesch\u00e4ftigte sind, bekommen wir eine Krankenversicherung \u00fcber Amazon. Die automatischen Lohnerh\u00f6hungen in Kombination mit der h\u00f6heren Anzahl von Arbeitsstunden pro Woche und dem Zugang zur Krankenversicherung sollen die Fluktuation verringern und eine stabilere Belegschaft schaffen.<\/p>\n<p>Hoffentlich ist es nun einfacher, die KollegInnen zu organisieren, tiefere Beziehungen und Solidarit\u00e4t aufzubauen, die Vereinigung am Arbeitsplatz und das Gemeinschaftsgef\u00fchl zwischen uns zu st\u00e4rken. Au\u00dferdem m\u00fcssen wir unsere Organisierung auf die anderen Standorte ausdehnen, um mit koordinierten standort\u00fcbergreifenden Aktionen die Redundanz, die Amazon in seine Logistikketten einbaut, zu \u00fcberwinden und zunehmend die Kontrolle der ArbeiterInnen \u00fcber Amazons kostbare \u00bbletzte Meile\u00ab der Auslieferung zu gewinnen.<\/p>\n<p>Der Arbeitsprozess ist weitgehend derselbe wie vorher, die B\u00f6den sind sauberer, neuere F\u00f6rderb\u00e4nder, neuere Regale, etwas neuere Ausr\u00fcstung und ein breiter grinsendes, passiv-aggressives Management. Bei DCH1 wurde die Arbeit in zwei Schichten erledigt: die Acht-Stunden-Nachtschicht nahm die Pakete entgegen und sortierte sie in die entsprechenden S\u00e4cke, und die Vier-Stunden-Morgenschicht sammelte die S\u00e4cke voller Pakete ein und verstaute sie in den Lieferwagen. Nun machen wir in einer 10,5-Stunden-Schicht, was fr\u00fcher 12 Stunden Arbeit in zwei Schichten waren. Das ist eine Intensivierung, und obendrein setzt das Management weiterhin verschiedene Taktiken ein, um uns dazu zu bringen, schneller zu arbeiten, sodass Frustration und Wut weiter ansteigen \u2026<\/p>\n<p>Wir AktivistInnen achten darauf, Amazon keinen Anlass zu geben, uns rauszuschmei\u00dfen. Wir machen die Arbeit, die wir machen m\u00fcssen; wir versto\u00dfen nicht gegen die Anwesenheitspflichten. Ich beobachte an jedem Arbeitsplatz die allgemeine Arbeiterkultur des Widerstands gegen\u00fcber dem Management und passe mich dem an. Klar mache ich nicht immer Durchschnitt, manchmal m\u00fcssen wir ein bisschen weiter gehen \u2026 Manchmal versuchen Manager, uns dazu zu bringen, Dinge zu tun, die gegen die Amazon-Richtlinien versto\u00dfen (z. B. unsere bezahlten Pausen um f\u00fcnf Minuten zu k\u00fcrzen). In diesen F\u00e4llen kann man ihnen energisch widersprechen, weil du dich auf Amazons eigene Regeln beziehen kannst.<\/p>\n<p>Wenn wir mit Managern sprechen, schreiben wir das alle direkt in kleine Notizb\u00fccher, die wir immer dabei haben. Wir k\u00f6nnten locker beweisen, dass Amazon wei\u00df, dass wir Mitglieder von\u00a0<em>Amazonians United<\/em>\u00a0sind, die eine rechtlich gesch\u00fctzte \u00bbkonzertierte Aktion\u00ab<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fnref19\"><sup>19<\/sup><\/a>\u00a0durchf\u00fchren. Das ist unser Recht nach dem US-Arbeitsgesetz. Wenn Amazon also einen von uns feuern w\u00fcrde, k\u00f6nnten wir ziemlich sicher mit einer Beschwerde beim\u00a0<em>National Labor Relations Board<\/em>\u00a0unsere Jobs zur\u00fcckbekommen, plus Nachzahlung. Wenn Amazon uns rausschmei\u00dft, w\u00fcrde das nach hinten losgehen, denn w\u00e4hrend des rechtlichen Verfahrens h\u00e4tten wir Zeit, durch das Land zu touren und unseren Kollegen zu helfen,\u00a0<em>Amazonians United<\/em>\u00a0von K\u00fcste zu K\u00fcste aufzubauen!<\/p>\n<p>Wir sind rechtlich weder von der US-Regierung noch von Amazon als offizielle Gewerkschaft anerkannt. Wir haben keinen Tarifvertrag.\u00a0<em>Amazonians United<\/em>\u00a0ist eine Art \u00bbSolidarit\u00e4tsgewerkschaft\u00ab oder \u00bbKlassenkampfgewerkschaft\u00ab. Wir wollen keine von Funktion\u00e4ren bestimmte Betriebsgewerkschaft; wir organisieren uns selbst und machen direkte, kollektive Aktionen, wenn es n\u00f6tig ist. Wir sind nicht in die Falle getappt, eine \u00bboffizielle\u00ab geheime Gewerkschaftswahl anzustreben und zu versuchen, unsere Probleme durch eine Tarifvertragsverhandlung zu l\u00f6sen, wie es die RWDSU in Alabama versucht hat. Wir haben alle gesehen, wie das ausgegangen ist. Sich auf eine Gewerkschaftswahl und Tarifverhandlungen einzulassen, bedeutet, sich auf das Terrain von Amazon und dessen gewerkschaftsfeindlichen Beratern zu begeben. Warum sollten wir auf \u00bboffiziellem\u00ab Terrain k\u00e4mpfen, wo Amazon und seine Anw\u00e4lte und Berater stark sind? Wir k\u00e4mpfen dort, wo wir stark sind: am Arbeitsplatz, zusammen mit unseren KollegInnen, direkt gegen unsere Chefs. Von dort aus w\u00e4chst unsere Gewerkschaft.<\/p>\n<p><strong>Die Bedingungen \u00e4ndern sich \u2013 zum Besseren f\u00fcr die ArbeiterInnen<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklung der Logistik schuf dem Kapital den \u00bbRaum\u00ab, in den es vor den Arbeiterk\u00e4mpfen ausweichen konnte \u2013 nun werden die daf\u00fcr verf\u00fcgbaren Fl\u00e4chen (auch in der BRD) knapp und die weltweiten Transportketten unsicher (siehe \u00bbSuezkanal-Problematik\u00ab). Im Logistikschwerpunkt der\u00a0<em>Wildcat<\/em>\u00a094 haben wir uns damit ausf\u00fchrlich, auch historisch, besch\u00e4ftigt. Der Raum wird knapp, die Arbeitskr\u00e4fte werden knapp \u2013 nun sind Aktionen viel eher von Erfolg gekr\u00f6nt.<\/p>\n<p>Amazons erste Expansion fand haupts\u00e4chlich entlang von Autobahnen bzw. an Autobahnkreuzen statt. Riesige Lagerh\u00e4user wurden in der Peripherie oder am Rande von Metropolen aufgebaut (das Lager in Dortmund war eher eine Ausnahme, dort gab es stillgelegte Industriegel\u00e4nde). Seit knapp zwei Jahren baut Amazon immer mehr kleinere Verteilzentren in den St\u00e4dten auf. Dabei geht es darum, den Profit \u00bbauf der letzten Meile\u00ab mitzunehmen und die Postunternehmen auszuschalten. Die Subunternehmer \u00bbauf der letzten Meile\u00ab sind im Unterschied zu DHL keine \u00bbKonkurrenz\u00ab, sie arbeiten ausschlie\u00dflich f\u00fcr Amazon. Vor allem ist es die Voraussetzung, um Endkunden noch am selben oder darauffolgenden Tag beliefern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die urbane Umgebung erleichtert Aktionen, wie sie in letzter Zeit bei\u00a0<em>Deliveroo<\/em>\u00a0und aktuell bei\u00a0<em>Gorillas<\/em>\u00a0gelaufen sind. Kleine Minderheiten werden durch relativ leicht organisierbare Unterst\u00fctzung von au\u00dfen handlungsf\u00e4hig. Im Unterschied zu\u00a0<em>Deliveroo<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Gorillas<\/em>\u00a0sind die Auslieferungsfahrer von\u00a0<em>Amazon<\/em>\u00a0allerdings nicht studentische Teilzeit-ArbeiterInnen und Aushilfen, sondern meist MigrantInnen im Vollzeitjob.<\/p>\n<p>Staatliche Arbeitsmarktpolitik versucht, dem Kapital die gesuchten Arbeitskr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung zu stellen und einer zu gro\u00dfen \u00bbMarktmacht\u00ab einzelner Gruppen durch Ausbildungsprogramme vorzubeugen. Die Hartz-IV-Reformen haben daf\u00fcr gesorgt, dass gen\u00fcgend ArbeiterInnen zur Verf\u00fcgung standen, die einen niedrigen Lohn akzeptieren mussten. Seit einigen Jahren werden (arbeitslose) Jugendliche in die Ausbildung zum \u00bbLagerlogistiker\u00ab gedr\u00e4ngt; es gibt inzwischen 200 Logistikberufe und mehr als hundert Logistikstudieng\u00e4nge an Fachhochschulen! Und die letzte Migrationswelle 2015 hat so viele junge Leute in die Lagerh\u00e4user gebracht, dass Amazon weiterhin niedrige L\u00f6hne zahlen konnte. Die Ums\u00e4tze der Logistikbranche haben sich in den 20 Jahren vor Corona knapp verdoppelt. Es ist die drittgr\u00f6\u00dfte Branche in der BRD mit mehr als 600 000 Besch\u00e4ftigten (wobei die vielen ausl\u00e4ndischen LKW-Fahrer nicht mitgez\u00e4hlt sind). Sie jammert \u00fcber einen gewaltigen \u00bbFachkr\u00e4ftemangel\u00ab und sieht sich seit ein paar Jahren zu deutlichen Lohnerh\u00f6hungen gezwungen.<\/p>\n<p>Aus dem strategischen \u00bbArbeitskr\u00e4fteschock\u00ab der Globalisierung ist ein Arbeitskr\u00e4ftemangel geworden. Somit lassen sich Beverly Silvers Hypothesen heute neu formulieren:<\/p>\n<p>* Das Kapital braucht die ArbeiterInnen \u2013 w\u00e4hrend diese leicht einen anderen Job finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>* Das Kapital hat nun Interesse an Regulierung \u2013 w\u00e4hrend die ArbeiterInnen die Fluktuation f\u00fcr sich entdeckt haben (Jobwechsel zur Lohnsteigerung; aber auch zum K\u00e4mpfen! Bei\u00a0<em>Gorillas<\/em>\u00a0traten diejenigen als SprecherInnen auf, die sowieso demn\u00e4chst gehen (s. u.)).<\/p>\n<p>* Es geht nur gemeinsam! JedeR Einzelne ist austauschbar. (Bei\u00a0<em>Gorillas<\/em>\u00a0war die K\u00fcndigung eines Einzelnen der ber\u00fchmte Tropfen und vereinigte, statt zu spalten: \u00bbSie k\u00f6nnen einen, zwei, drei von uns rausschmei\u00dfen \u2013 aber sie k\u00f6nnen nicht 100 FahrerInnen rausschmei\u00dfen, damit w\u00fcrden sie ihr Gesch\u00e4ft kaputt machen!\u00ab)<\/p>\n<p>* Die gro\u00dfe Frage im Moment ist, wie diese Gemeinsamkeit (die \u00bbOrganisationsmacht\u00ab) sich\u00a0<em>herstellt\u00a0<\/em>und gegen den Unternehmer durchsetzt. Unser Augenmerk sollten wir dabei auf Umschlagzentren bzw. deren r\u00e4umliche Konzentration richten! Und auf die Selbstorganisierungsprozesse auf Arbeit.<\/p>\n<p>\u00bbNo more Probezeit!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWilde Streiks in Berlin: Fahrer gef\u00e4hrden das Image des App-Supermarkts Gorillas\u00ab titelte das\u00a0<em>Handelsblatt<\/em>\u00a0am 10. Juni.<\/p>\n<p><em>Gorillas<\/em>\u00a0war in Berlin vor einem Jahr mit dem Versprechen gestartet, Lebensmittel innerhalb von zehn Minuten zu liefern. Innerhalb von vier Monaten steckten Investoren 280 Millionen Euro in das Start-up.\u00a0<em>Gorillas<\/em>\u00a0besch\u00e4ftigt 6000 festangestellte FahrerInnen in 17 St\u00e4dten.<\/p>\n<p>Mit dem Streik und einer Blockade protestierten etwa 50 Besch\u00e4ftigte gegen die fristlose Entlassung eines Kollegen, der 40 Minuten zu sp\u00e4t zu seiner Schicht erschienen war. Sie blockierten die T\u00fcren des Standorts am Checkpoint Charlie, an dem der gek\u00fcndigte Kollege gearbeitet hatte, und brachten den Betrieb zum Erliegen. Dann zogen sie zum Warenlager in Berlin-Mitte und blockierten dort den Eingang mit ihren Elektrofahrr\u00e4dern. Wer sich nicht am Streik beteiligten, konnte dort trotzdem nicht arbeiten, schlie\u00dflich hat Management das Lager f\u00fcr den Tag geschlossen.<\/p>\n<p>\u00bbNo more Probezeit\u00ab stand auf einem ihrer Transparente. Die Leute werden mit sechs Monaten Probezeit und einem Jahresvertrag eingestellt; 90 Prozent der Besch\u00e4ftigten sind in der Probezeit. Sie fordern die Verk\u00fcrzung der Probezeit, gleichen Lohn f\u00fcr alle und dass das H\u00f6chstgewicht der Lieferungen von zehn Kilogramm nicht \u00fcberschritten wird.<\/p>\n<p>Anders als in \u00e4hnlichen Unterternehmen sind die FahrerInnen einem Warenlager fest zu geordent und treffen ihre Kolleg\u00adInnen dort immer wieder, warten gemeinsam auf Auftr\u00e4ge. Sie kennen sich und konnten sich beim Rauswurf ihres Kollegen schnell organisieren.<\/p>\n<p>Bisher wurde man mit einem Grundgehalt von 10,50 Euro eingestellt und kam nach einem Jahr auf 12,50 Euro. Nun sollte der Einstiegslohn nicht mehr steigen. Hier hat sich das Start-up offensichtlich v\u00f6llig versch\u00e4tzt. Das \u00bbGorillas Workers Collective\u00ab wirft\u00a0<em>Gorillas<\/em>\u00a0vor, die FahrerInnen auszubeuten und die Gr\u00fcndung eines Betriebsrats zu behindern. Es arbeitet mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten (NGG) und der FAU zusammen und hatte Anfang Juni eine Generalversammlung organisiert, an der fast 200 KollegInnen teilnahmen.<\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn1\"><sup>1<\/sup><\/a>\u00a0Pro transportiertem Gut werden im Schnitt immer mehr Kilometer gefahren \u2013 obwohl\u00a0<em>Lean-Production<\/em>-Schulungen die \u00bbVermeidung unn\u00f6tiger Wege\u00ab predigen \u2013, und noch dazu nimmt die Menge der transportierten G\u00fcter weiter zu.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn2\"><sup>2<\/sup><\/a>\u00a0Wer die weltweiten Amazon-Standorte z\u00e4hlen will, kann das auf\u00a0<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/List_of_Amazon_locations\">wikipedia<\/a>\u00a0machen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn3\"><sup>3<\/sup><\/a>\u00a0Peter Kapern: Mit dieser Methode spart Amazon Steuern, <a href=\"http:\/\/www.dlf.de\">www.dlf.de<\/a>, 14. Mai 2021.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn4\"><sup>4<\/sup><\/a>\u00a0Genauer gesagt gibt es sechs verschiedene Arten von Amazon-Lagern: Sortable FC, Non-Sortable FC, Sortation Centers, Receive Centers, Speciality und Delivery Stations. Die ersten f\u00fcnf kann man grob unter\u00a0<em>Fulfillment Center<\/em>\u00a0zusammenfassen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn5\"><sup>5<\/sup><\/a>\u00a0<em>Wildcat<\/em>\u00a099: Arbeiten bei Amazon in Polen \u2013 Interview, Winter 2016<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn6\"><sup>6<\/sup><\/a>\u00a0Strategic Organizing Center: Primed for Pain \u2013 Amazon\u2019s Epidemic of Workplace Injuries, <a href=\"http:\/\/www.thesoc.org\">www.thesoc.org<\/a>, Mai 2021<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn7\"><sup>7<\/sup><\/a>\u00a0<em>Wildcat<\/em>\u00a0101: K\u00e4mpfe in der italienischen Logistik, Winter 2017\/18<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn8\"><sup>8<\/sup><\/a>\u00a0J\u00f6rn Boewe, Johannes Schulten: Der lange Kampf der Amazon-Besch\u00e4ftigten, <a href=\"http:\/\/www.rosalux.de\">www.rosalux.de<\/a>, September 2019.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn9\"><sup>9<\/sup><\/a>\u00a0Sergio Bologna: Inside Logistics: Organization, Work, Distinctions, <a href=\"http:\/\/www.viewpointmag.com\">www.viewpointmag.com<\/a>, 29. Oktober 2014<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn10\"><sup>10<\/sup><\/a>\u00a0Ein Paketfahrer spricht sich auch mal mit zwei, drei KollegInnen ab, wenn er eine Adresse nicht findet, sein Tagespensum nicht schafft, krank wird, einen Unfall hat &#8230; Die ideale Route in deinem Zustellbezirk entwickelst du \u00fcber die Zeit: Wo parke ich am besten? Wo sind die versteckten Postf\u00e4cher? Wer ist nie zu Hause, wo kann ich abstellen? Wo muss ich auf den Hund aufpassen? Fr\u00fch morgens erledigst du das Einladen allein und die Pakete, die \u00fcbrig bleiben, l\u00e4dst du meist allein aus oder l\u00e4sst sie drin f\u00fcr morgen. Ein Paketfahrer l\u00e4sst auch schon mal v\u00f6llig entnervt seine Karre stehen und haut ab \u2026 Wenn du eine Lok stehen l\u00e4sst, geht am Gleis nichts mehr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn11\"><sup>11<\/sup><\/a>\u00a0Brian Ashton: The Factory without Walls, <a href=\"http:\/\/www.metamute.org\">www.metamute.org<\/a>, 14. September 2006 (gibt es auf Anfrage auf Deutsch).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn12\"><sup>12<\/sup><\/a>\u00a0\u00bbDie Zusammensetzung des Kapitals ist in zweifachem Sinn zu fassen. Nach der Seite des Werts bestimmt sie sich durch das Verh\u00e4ltnis, worin es sich teilt in konstantes Kapital oder Wert der Produktionsmittel und variables Kapital oder Wert der Arbeitskraft, Gesamtsumme der Arbeitsl\u00f6hne. Nach der Seite des Stoffs, wie er im Produktionsprozess fungiert, teilt sich jedes Kapital in Produktionsmittel und lebendige Arbeitskraft; diese Zusammensetzung bestimmt sich durch das Verh\u00e4ltnis zwischen der Masse der angewandten Produktionsmittel einerseits und der zu ihrer Anwendung erforderlichen Arbeitsmenge andrerseits. Ich nenne die erstere die Wertzusammensetzung, die zweite die technische Zusammensetzung des Kapitals. Zwischen beiden besteht eine enge Wechselbeziehung. Um diese auszudr\u00fccken, nenne ich die Wertzusammensetzung des Kapitals, insofern sie durch seine technische Zusammensetzung bestimmt wird und deren \u00c4nderungen widerspiegelt: die organische Zusammensetzung des Kapitals.\u00ab MEW 23, Seite 640<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn13\"><sup>13<\/sup><\/a>\u00a0Romano Alquati: Kapital und Arbeiterklasse bei FIAT: Ein Mittelpunkt im internationalen Zyklus, April\/Mai 1967, <a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\">www.wildcat-www.de<\/a>, speziell S. 3 im PDF: \u00bbCharakteristika der \u203aAggregations-Industrie\u2039\u00ab<\/p>\n<p>Siehe MEW 23, elftes Kapitel: Kooperation; und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/thekla\/05\/t05_oliv.pdf\">Romano Alquati: Organische Zusammensetzung des Kapitals und Arbeitskraft bei OLIVETTI, 1962\/1963<\/a>(PDF)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn14\"><sup>14<\/sup><\/a>\u00a0<em>Right-to-work<\/em>-Gesetze verbieten Gewerkschaften, Mitgliedsgeb\u00fchren von ArbeiterInnen zu erheben, die nicht Mitglied sind. Au\u00dferdem darf Gewerkschaftsmitgliedschaft nicht Voraussetzung eines Arbeitsvertrags sein. (<em>Closed Shop<\/em>\u00a0bzw.\u00a0<em>Union Shop<\/em>)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn15\"><sup>15<\/sup><\/a>\u00a0Felice Mometti &amp; Connessioni Precarie:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a118_bessemer.html\">Warum wollen die ArbeiterInnen im Amazon-Lager von Bessemer (Alabama) keine Gewerkschaft?<\/a>, 11. April 2021<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn16\"><sup>16<\/sup><\/a>\u00a0Lauren Kaori Gurley: The Unionizing Workers Who Became Amazons Biggest Threat, <a href=\"http:\/\/www.vice.com\">www.vice.com<\/a>, 18. M\u00e4rz 2021 Noam Schreiber: Amazon Says It Pays Alabama Workers Well; Other Local Employers Pay More, nyt.com, 18. M\u00e4rz 2021<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn17\"><sup>17<\/sup><\/a>\u00a0Joern Boewe, Johannes Schulten: Lagerh\u00e4user und Kurierdienste im gemeinsamen Streik \u2013 Francesco Massimo berichtet vom Kampf bei Amazon Italien, <a href=\"http:\/\/www.express-afp.info\">www.express-afp.info<\/a>, M\u00e4rz\/April 2021<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn18\"><sup>18<\/sup><\/a>\u00a0<em>Wildcat<\/em>\u00a0103: Interview Amazon Illinois: \u00bbMeine Organisationsbem\u00fchungen stehen noch am Anfang\u00ab, Winter 2019<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html#fn19\"><sup>19<\/sup><\/a>\u00a0Gesetzlich ist verankert, dass man gemeinsam mit KollegInnen Probleme auf Arbeit und gegen den Unternehmer ansprechen darf. Das geht vom Recht, sich an Medien zu wenden, bis hin zum Recht, gef\u00e4hrliche Arbeit zu verweigern oder zu streiken. Der Unternehmer darf offiziell niemanden wegen einer \u00bbkonzertierten Aktion\u00ab rausschmei\u00dfen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/wildcat\/108\/w108_lager.html\"><em>wildcat.de\/&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. August 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amazon ist in aller Munde. Medien und PolitikerInnen kriegen G\u00e4nsehaut angesichts des Reichtums und der Macht eines Jeff Bezos. 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