{"id":9986,"date":"2021-08-21T08:12:29","date_gmt":"2021-08-21T06:12:29","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9986"},"modified":"2021-08-21T08:12:30","modified_gmt":"2021-08-21T06:12:30","slug":"es-geht-wieder-los-die-medien-recyceln-die-luegen-des-afghanistankriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9986","title":{"rendered":"Es geht wieder los: Die Medien recyceln die L\u00fcgen des Afghanistankriegs"},"content":{"rendered":"<p><em>Patrick Martin.<\/em> In den Tagen nach der verzweifelten Evakuierung der US-Truppen aus Afghanistan haben die etablierten Medien eine weltweite Propagandakampagne \u00fcber ihre angeblichen Sorgen um die \u201eMenschenrechte\u201c der afghanischen Bev\u00f6lkerung gestartet.<!--more--><\/p>\n<p>In den letzten zwanzig Jahren haben die Konzernmedien und die imperialistischen M\u00e4chte rund um den Globus keine Einw\u00e4nde erhoben, als die Vereinigten Staaten \u00fcber 100.000 Menschen t\u00f6teten, Folterzentren an geheimen Black Sites errichteten, Drohnenmorde ver\u00fcbten und die Ressourcen Afghanistans pl\u00fcnderten. Die wichtigsten imperialistischen M\u00e4chte machten vielmehr mit bei der US-Invasion und Besatzung. Die etablierten Medien unterst\u00fctzten die schrecklichen Verbrechen, indem sie den Krieg als \u201egerechte Sache\u201c und notwendige Reaktion auf den 11. September 2001 propagierten. Wer den wahren Charakter des Afghanistankriegs aufdeckte, wie Julian Assange, Chelsea Manning und Daniel Hale, wurde ins Gef\u00e4ngnis gesteckt.<\/p>\n<p>Dieselben abgenutzten Argumente, mit denen die Medien uns schon 2001 den Afghanistankrieg verkaufen wollten, werden jetzt aus der Mottenkiste geholt und wiederbelebt.<\/p>\n<p>Das dient zwei Zielen: die vergangenen Kriegsverbrechen der USA zu vertuschen und die \u00f6ffentliche Meinung auf eine Versch\u00e4rfung des imperialistischen Drucks auf die Bev\u00f6lkerung vorzubereiten.<\/p>\n<p>Die Berichte \u00fcber die Unterdr\u00fcckung einiger kleinerer Proteste gegen die neue Regierung geben nur wenige Informationen \u00fcber den Charakter dieser \u201eOpposition\u201c. Sie lassen auch die Frage offen, ob die Protestierenden von den Tausenden CIA-Agenten und S\u00f6ldnern angestiftet wurden, die von der US-Regierung in Afghanistan zur\u00fcckgelassen wurden.<\/p>\n<p>Die Medienkampagne \u00fcber die Repressionen ist jedoch v\u00f6llig zynisch und doppelz\u00fcngig. Die Ereignisse in Dschalalabad oder Kabul in dieser Woche sind kein Vergleich zu der brutalen Mordpolitik der USA, die jede Woche in den letzten zwanzig Jahren Afghanistan ersch\u00fcttert hat.<\/p>\n<p>Die Presse emp\u00f6rt sich auch nicht \u00fcber den \u00e4gyptischen Milit\u00e4rdiktator Abdel Fattah el-Sisi, dessen Soldaten und Polizisten mehr als tausend Menschen bei nur einer Demonstration gegen seinen Milit\u00e4rputsch 2013 get\u00f6tet haben. El-Sisi, der Tausende inhaftieren und hinrichten lie\u00df, ist heute eine der Hauptst\u00fctzen der US-Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten.<\/p>\n<p>Die Demokratische und die Republikanische Partei sowie die gesamten etablierten Medien erheben jetzt ihre frommen Klagen \u00fcber die Behandlung der afghanischen Frauen. Aber dieselben Politiker und Journalisten haben sich nicht im geringsten daf\u00fcr interessiert, als Zehntausende afghanische Frauen von amerikanischen Soldaten get\u00f6tet wurden, sei es bei Drohnenangriffen oder in dem verheerenden gesellschaftlichen Kollaps aufgrund der Invasion und Besetzung des Landes.<\/p>\n<p>Die\u00a0<em>New York Times<\/em>, das Sprachrohr der Demokratischen Partei und der Identit\u00e4tspolitik, hat in dieser Frage die F\u00fchrung \u00fcbernommen. Sie ver\u00f6ffentlichte einen Kommentar von Malala Yousefzai, eine pakistanische Kinderrechts- und Bildungsaktivistin, die 2012 ein Attentat der Taliban \u00fcberlebte. Sie appelliert in ihrem Artikel an die Amerikaner, \u201eauf die Stimmen der afghanischen Frauen und M\u00e4dchen zu h\u00f6ren. Sie bitten um Schutz, um Bildung, um die Freiheit und die Zukunft, die ihnen versprochen wurde &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Aber die Doppelmoral und Heuchelei der Medien ist ungeheuerlich. In Saudi-Arabien, dem f\u00fchrenden US-Verb\u00fcndeten unter den arabischen L\u00e4ndern, d\u00fcrfen Frauen kein Auto fahren, nicht w\u00e4hlen und sich nur in Begleitung eines m\u00e4nnlichen Verwandten in der \u00d6ffentlichkeit zeigen. Ehebruch wird mit der Todesstrafe geahndet. Viele Schiiten, die in politischer Opposition zur sunnitisch orientierten Monarchie stehen, werden in den regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden Massenenthauptungen ermordet.<\/p>\n<p>Diese barbarischen Methoden standen der engen Zusammenarbeit mit dem Pentagon nie im Weg. Mit Hilfe der USA f\u00fchrt Saudi-Arabien einen Krieg im Jemen und hungert dort die Bev\u00f6lkerung aus. Die Hungerpolitik als Kriegswaffe wird durch eine Seeblockade und Luftangriffe, die von US-Satellitenaufkl\u00e4rung gesteuert werden, durchgesetzt.<\/p>\n<p>Die Medien und das milit\u00e4risch-politische Establishment wiederholen auch ihre Bef\u00fcrchtungen, dass Afghanistan zu einem \u201esicheren Hafen\u201c f\u00fcr al-Qaida werden k\u00f6nnte. Das Argument kennen wir bereits. Es diente als Hauptvorwand f\u00fcr die US-Invasion im Oktober 2001, einen Monat nach den Terroranschl\u00e4gen vom 11. September.<\/p>\n<p>Es ist seit langem bekannt, dass al-Qaida erstmals in den 1980er Jahren unter der F\u00fchrung von Osama bin Laden entstand und Teil des Guerillakriegs islamischer Fundamentalisten in Afghanistan war, der von den USA vorangetrieben wurde und gegen die von der Sowjetunion unterst\u00fctzte afghanische Regierung gerichtet war. Danach folgte eine Phase heftiger Feindschaft zwischen den USA und den Islamisten, in die auch die Terroranschl\u00e4ge von 2001 fallen. Doch zuletzt verwandelte sich al-Qaida wieder in ein Instrument des US-Imperialismus, sowohl in Libyen als auch in Syrien.Der Befehlshaber der NATO-Bombenkampagne in Libyen beschrieb seine Rolle als \u201eLuftwaffe von al-Qaida\u201c, da die Islamisten den Bodenkrieg gegen das libysche Regime von Muammar Gaddafi f\u00fchrten. In Syrien erhielten sowohl al-Qaida als auch ihr Ableger, der IS, R\u00fcckendeckung von US-Verb\u00fcndeten wie Saudi-Arabien und Katar sowie direkte Unterst\u00fctzung durch die CIA.<\/p>\n<p>Doch Versuche des IS, auch in Afghanistan Fu\u00df zu fassen, f\u00fchrten zu gewaltsamen Zusammenst\u00f6\u00dfen mit den Taliban und den mit ihnen verb\u00fcndeten Milizen, wie dem Haqqani-Netzwerk. Diejenigen, die jetzt auf die angebliche Gefahr eines neuen, von Afghanistan ausgehenden Terrorismus gegen die USA hinweisen, konnten bisher keine tats\u00e4chlichen Terroristen ausmachen, die von dem neuen Regime in Kabul gest\u00e4rkt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Biden machte ein bedeutendes Zugest\u00e4ndnis an jene, die auf einen Kurswechsel dr\u00e4ngen, als er am Donnerstagmorgen in einem Interview mit ABC News erkl\u00e4rte, dass der 31. August als Termin f\u00fcr den Abschluss der Evakuierungsma\u00dfnahmen vom Flughafen flexibel sei. \u201eWenn noch amerikanische Staatsb\u00fcrger dort sind, werden wir bleiben, um sie alle rauszuholen\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Diese Formulierung ist so dehnbar, dass sie durchaus dazu dienen k\u00f6nnte, eine nahezu unbegrenzte Verl\u00e4ngerung der US-Besetzung des Flughafens von Kabul und sogar erneute amerikanische Milit\u00e4rgewalt gegen das Land zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Das wichtigste Hindernis f\u00fcr erneute amerikanische Angriffe gegen Afghanistan liegt jedoch nicht in diesem gequ\u00e4lten Land, sondern in den Vereinigten Staaten selbst: dem Widerstand der Bev\u00f6lkerung gegen Krieg. Associated Press f\u00fchrte in der letzten Woche \u2013 noch vor dem Zusammenbruch des afghanischen Marionettenregimes \u2013 eine Umfrage durch, die ergab, dass fast zwei Drittel der Befragten den Afghanistankrieg nicht unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die amerikanische Bev\u00f6lkerung ist entschieden gegen eine weitere Intervention in Afghanistan. Das ist ein Grund f\u00fcr den zunehmend hysterischen Charakter der Medienkampagne f\u00fcr den Krieg. Die herrschende Elite sp\u00fcrt die Stimmung und bringt durch die Presse ihre Angst zum Ausdruck, dass sie ihren politischen Einfluss auf die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung verliert. Die amerikanische Bev\u00f6lkerung und vor allem die amerikanische Arbeiterklasse ziehen ihre eigenen Schl\u00fcsse aus den entscheidenden Fragen von Krieg und Frieden und stellen die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Grundlagen des amerikanischen Kapitalismus in Frage.<\/p>\n<p><em>#Bild: Taliban-K\u00e4mpfer patrouillieren im Stadtteil Wazir Akbar Khan in Kabul, Afghanistan, 18. August 2021 (AP Photo\/Rahmat Gul)<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2021\/08\/20\/pers-a20.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 21. August 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Patrick Martin. In den Tagen nach der verzweifelten Evakuierung der US-Truppen aus Afghanistan haben die etablierten Medien eine weltweite Propagandakampagne \u00fcber ihre angeblichen Sorgen um die \u201eMenschenrechte\u201c der afghanischen Bev\u00f6lkerung gestartet.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9987,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,7,3],"tags":[59,18,49,46],"class_list":["post-9986","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-und-theorie","category-international","category-schweiz","tag-afghanistan","tag-imperialismus","tag-repression","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9986"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9988,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9986\/revisions\/9988"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9987"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}