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Simon Schaupp: Der kurze Frühling der Räterepublik

Eingereicht on 30. Oktober 2019 – 12:58

Jonathan Eibisch. «Der kurze Frühling der Räterepublik. Ein Tagebuch der bayrischen Revolution. Eine radikale und emanzipatorische Gesellschaftsalternative» ist ein markantes Beispiel dafür, wie lange es dauert, historische Geschehnisse – insbesondere linker Bewegungsgeschichte – adäquat aufzuarbeiten.

„Vor hundert Jahren erhebt sich ein behäbiges Völkchen am Fusse der Alpen und ringt um eine der wenigen erfolgreichen Revolutionen in der bisherigen Geschichte Deutschlands. Für kurze Zeit wird Bayern zum Ort der Hoffnung auf einen radikalen Neubeginn nach dem Versinken der Imperien in der Barbarei des Ersten Weltkriegs. Das Deutsche Reich schaut je nach Anschauung hoffnungs- oder angstvoll auf Bayern, das bislang eher als Sinnbild eines dumpfen Konservatismus belächelt worden ist. Revolutionäre aus halb Europa pilgern nach München, das nun als Mekka eines freiheitlichen Sozialismus gilt. […]“ (Seite 11)

Ausrufung der Bremer Räterepublik am 15. November 1918 vom Balkon des Bremer Rathauses. / Staatsarchiv Bremen (PD) (CC BY-SA 3.0 cropped)

Weil in den unverklärten Erinnerungen an Vergangenes das Potenzial für umfassende Überlegungen zu den Bedingungen und den Handlungsmöglichkeiten in der eigenen Zeit liegt, musste jemand zu dieser Zeit – 100 Jahre nach der bayrischen Räterepublik und der Systemfrage in den deutschsprachigen Ländern und darüber hinaus – diese Geschichte der bayrischen Räterepublik schreiben. Simon Schaupp tut es auf äusserst gelungene Weise, indem er historische Materialien[1] auf originelle Weise zusammenstellt, in Verbindung und Diskussion miteinander bringt und sie versteht in eine ungemein lebendige Erzählform zu giessen. Hierbei handelt es sich um ein gutes Beispiel, wie mit Zeitzeugnissen produktiv und absichtsvoll weitergearbeitet werden kann.

Im aus bedachtsam verbundenen Fragmenten bestehenden Tagebuch, werden aus den Perspektiven der Protagonist*innen, Hilde Kramer (Stenotypistin und Kommunistin), Ernst Toller (Schriftsteller und USPD-Politiker) und des umtriebigen Anarchisten Erich Mühsam, jene revolutionären Ereignisse gegen Ende des Ersten Weltkrieges beschrieben, in denen der Hoffnung auf eine – im umfassenden Sinne – sozialistische Gesellschaft ein Fenster zu einer lichten Zukunft offenstand. Wenngleich er dabei nah am Leben der Protagonist*innen bleibt, – welches er auch in seinen intimen Facetten schildert – und Exkurse aus ihren inhaltlichen Schriften einbaut, fixiert sich Schaupp jedoch nicht auf diese wie es Hollywood-Filme tun, indem sie deren weite Beziehungen abschneiden.

Vielmehr nimmt er das Handeln der zahlreichen Menschen in den Blick, welche die sozialrevolutionäre Bewegung bilden, die keineswegs aus einer anonymen Masse, sondern Einzelpersonen besteht. In dieser Hinsicht kann ihm eine Perspektive unterstellt werden, die durchaus als anarchistisch zu bezeichnen ist: Es geht um die Vielen, welche jedoch verbundene, unterschiedliche Einzelne sind. Etwas entgegen der Aufmachung des Buches überrascht es deswegen auch nicht, dass ebenfalls andere Persönlichkeiten der Räterepublik wie ihr erster Ministerpräsident von der USPD, Kurt Eisner, der anarchopazifistische Intellektuelle Gustav Landauer, die kommunistischen Kader Max Levien und Eugen Leviné wie auch deren sozialdemokratischen, bürgerlichen und nationalistischen Feind*innen ausgiebig zu Wort kommen.

Auch jene, welchen der geschichtliche Verlauf eigentlich schon bekannt ist, wird die mitfühlenden und mitdenkenden Schreibweise Schaupps fesseln. Mit der bewussten Nachempfindung der Dramaturgie der sich überschlagenden Entwicklungen, welche zur Räterepublik geführt haben, ihrem Verlauf und ihrer blutigen Zerschlagung, fängt der Autor anhand von Szenen auf Strassen, Plätzen und Parteiveranstaltungen, in Brauhäusern, Räte-Gremien und Hinterzimmertreffen die vielfältigen Stimmungen einer verworrenen Umbruchsphase ein. So gelingt es ihm in detaillierter Arbeit mit historischen Fakten (ohne den Anspruch zu erheben, neue hinzuzufügen) und einer intensiven Beschäftigung mit der weitreichenden und tiefgreifenden Bedeutung der revolutionären Ereignisse in weiten Teilen Bayerns anhand von darin handelnden Personen, linke und linksradikale Bewegungsgeschichte anschaulich zu vermitteln.[2] Dies ist zweifellos eine Herangehensweise, die den meisten von uns im bedauerlicherweise oftmals trockenen Geschichtsunterricht der Schulen nicht begegnet sein dürfte.

Schaupps Anspruch ist es mit den aus einer verzerrten Quellenlage resultierenden Mythen aufzuräumen: „Allen voran ist dabei die Behauptung zu nennen, es habe sich bei der Revolution ausschliesslich um eine Phantasie von Münchener Kaffeehaus-Intellektuellen gehandelt. Beide Teile dieser Behauptung sind erwiesenermassen falsch. Die Bayrische Republik hat keineswegs nur in München stattgefunden, wie es schon die verbreitete Bezeichnung der ‚Münchener Räterepublik‘ impliziert. Stattdessen gab es Rätestrukturen bis in die kleinsten Provinzdörfer. […] Richtig ist, dass unter den führenden Köpfen der Räterepublik eine erstaunlich hohe Anzahl von Literaten vertreten war.

Da man in diesen Positionen sonst eher an Grossindustrielle und Militärs gewohnt ist, war diese Tatsache damals – und scheint es auch heute noch – irritierend. Diese Literaten, zu denen auch Ernst Toller und Erich Mühsam zählten, hätten die Revolution aber kaum herbeischreiben können. Stattdessen stützten sie sich auf eine Basis von kämpfenden Arbeiterinnen und Arbeitern, die diesen Intellektuellen genau deshalb vertrauten, weil sie sich in deren Schriften besser verstanden fühlten als in den Erlassen des besiegten Obrigkeitsstaates.“ [3]

Der kurze Frühling der Räterepublik ist ein markantes Beispiel dafür, wie lange es dauert historische Geschehnisse – insbesondere linker Bewegungsgeschichte – adäquat aufzuarbeiten, um der hegemonialen Erzählung brutaler militärischer Sieger*innen eine sachliche und für die politische Situation der Gegenwart äusserst relevante Gegenerzählung entgegen zu stellen.[4] Welches Ausmass beispielsweise die rassistischen Mobilisierungen und Anschläge seit 2015 in der BRD wirklich angenommen hat und welches unsagbare Leid die Festung Europa tatsächlich verursacht, lässt sich bei aller Betroffenheit die wir auch schon jetzt empfinden und den Berichten, die wir heute hören mögen, wohl erst in Jahrzehnten rekonstruieren.

Zu stark wirken die Verdrängungsmechanismen denen sich Herrschende zu ihrer Legitimation und von Gewalt Betroffene – verständlicherweise – zu ihrem psychischen Selbstschutz bedienen, wo sie überhaupt öffentlich Gehör finden. Zudem ist unser Denken zu begrenzt, als wir die volle Bedeutung von Ereignissen im Moment erfassen könnten. Doch jene, die dafür zumindest ein Gespür dafür und die sehnsüchtige Motivation zur Veränderung haben, zeigen sich auch unter widrigen Bedingungen in der Lage, den Augenblick zu nutzen. So ergriffen die Sozialrevolutionäre unter anderem in Bayern die Initiative und organisierten im politischen Vakuum des zusammenbrechenden Deutschen Reiches den Kampf für eine radikale und emanzipatorische Gesellschaftsalternative. „In den folgenden Tagen wird sich die Rätebewegung in allen Regierungsbezirken noch bis in die kleinsten Ortschaften ausbreiten – und zwar ohne äusseres Eingreifen, sondern durch spontane revolutionäre Aktionen der Arbeiterinnen und Arbeiter, sowie lokale sozialistische Parteien und Gruppen. […] Die bis zu diesem Tagen so gut wie gar nicht politisch repräsentierte Arbeiter- und Bauernschaft hält plötzlich die Macht in den Händen.“[5]

In der Tat geht dabei alles drunter und drüber und bei all den Fraktionen, Splittergruppen, in den verschiedenen Phasen und politischen Gremien, die die Revolutionäre beeinflussen oder als Rätestrukturen einrichten ist es durchaus äusserst unklar, wer wo über welche Macht verfügt und in den sich täglich verändernden Umständen bestimmte politische Vorstellungen verwirklichen kann. Welcher Rat, welche Kommission, welche*r Minister*in und welche*r Polizeichef*in hat da welche Ziele, Kompetenzen und Legitimation? Die politischen Verhältnisse sind äusserst unklar und die Formen des alten Staates werden auch nicht konsequent zerschlagen.

Da sind Bauern-, Arbeiter- und Soldatenräte, ein besonders „Revolutionärer Arbeiterrat (RAR)“, ein Zentralrat, der sich von der Basis abnabelt, eine Gegenregierung der Sozialdemokraten unter Johannes Hoffmann, die von Bamberg aus mit Hilfe der Freikorps auf die Niederschlagung der Räterepublik hinarbeitet, die Unabhängigen Sozialist*innen, die KPD, die wenigen aber entschlossenen Anarchist*innen. Da ist auch die unter anderem durch Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann organisierte und erstarkende Frauenbewegung, welche endlich politische Mitbestimmung für die grössere Hälfte der Bevölkerung einfordert und sich dabei im Widerspruch befindet, ob sie an parlamentarischen Wahlen im bürgerlichen Staat teilnehmen oder sich eben dieser Integration verweigern soll.

Die Pazifist*innen wie Toller hingegen sehen sich mit zunehmender äusseren Bedrohung und der notwendigen Verteidigung der Räterepublik im Widerspruch mit ihrem Schwur, keine Waffe mehr in die Hand nehmen zu wollen oder gar Truppen zu befehlen – und seien es rote. Und auch die Anarchist*innen geben wie Landauer ihre Antipolitik teilweise zugunsten der Härte und Kompromisse des politischen Betriebs auf, ebenso hat sich Mühsam „schnell den Sachzwängen staatlicher Politik angepasst.“ Politik ist eben immer eine problematische Angelegenheit und so fragt Schaupp: „Sind die Anarchisten nun selbst zum Teil des Staates geworden? Mit seiner Forderung, in den Geiseln keine einzelnen Personen mehr zu sehen, sondern ‚Vertreter einer Kaste‘ weicht Mühsam jedenfalls stark von seiner bisherigen Linie des Individualismus ab. Damit hat er sich eine zentrale staatsmännische Denkweise zu eigen gemacht.

Für den Staatsmann gibt es keine Individuen, denn Individuen sind nicht repräsentierbar. Stattdessen gibt es für ihn, genau wie für den Botaniker nur Typologien: Gruppen, die überzeugt werden müssen, Gruppen, die bekämpft werden müssen und Gruppen, die ignoriert werden können – vor allem aber Gruppen, die verwaltet werden müssen.“[6]

Dass Parteien, ihre Disziplin, ihre Hierarchie und ihr Geklüngel sozialrevolutionäre Bewegungen einhegen und katastrophale Folgen zeitigen wird anhand den (aus historischen, sachlich dargestellten Gründen) taktierenden und verräterischen SPD-Anhänger*innen und vor allem an deren Führung deutlich gemacht. Bedauerlicherweise sind es wenige, die nicht zweigleisig fahren; unter Druck und sich veränderten Kräfteverhältnissen nicht sofort ihre Hälse wenden, ihre alten Bündnispartner*innen fallen lassen und mit den vormaligen Kontrahent*innen paktieren. Auch den autoritären Umschwung in der sich neu formierenden KPD stellt Schaupp dar und schildert ebenso die wankelmütige Politik eines heute verklärten Kurt Eisners, der trotz aller pazifistischen Ablehnung des Deutschen Reiches selbstverständlich Politiker bleibt, die undankbare Aufgabe der Interessensvermittlung übernimmt, im Zweifelsfall seine linksradikalen Genoss*innen verhaften lässt[7], bevor er von einem rechtsextremen Studenten ermordet wird.

Paradoxerweise ist es gerade dieses Ereignis, was die Ausrufung der eigentlichen Räterepublik am 1. März 1919 stark befördert.[8] Aber die Feinde der Räterepublik organisieren sich, unter anderem in der Bayrischen Volkspartei und der DDP[9], ebenso die Feinde jeglicher Freiheit, in den paramilitärischen Freikorps und in der esoterischen und antisemitischen Thule-Gesellschaft, welche unter anderem als erste das Hakenkreuz als politisches Symbol verwendete und eine bedeutende Keimzelle des entstehenden Faschismus bildete. Überhaupt zeigt der Autor deutlich auf, welche wesentliche Rolle der tief verwurzelte und weit verbreitete Antisemitismus in der Ideologie der Reaktionären spielt und den diese propagandistisch verbreiten um die Schmach der Niederlage im massgeblich von den Deutschen angezettelten Ersten Weltkrieg mit der Ausrottung der als solche konstruierten Erzfeinde zu rächen.

So fällt Schaupps Versuch für heute Konsequenzen aus der desaströsen historischen Entwicklungen und politischen Fehlern verschiedener sozialrevolutionärer Gruppierung durchscheinen zu lassen, deutlich ins Auge, wenn er beispielsweise im Epilog schreibt: „Es bewahrheitet sich, was unter anderem die Räteaktivisten schon angesichts des Bündnisses zwischen der Sozialdemokratie und der rechtsextremen Reaktion bei der Niederschlagung der revolutionären Bewegung von 1918-1923 vorausgesehen haben: Die Sozialdemokraten haben zur Verteidigung ihrer Herrschaft Kräfte aus dem Sattel gehoben, die sie schon bald nicht mehr kontrollieren können. So sind es keineswegs die Kämpfe zwischen links und rechts, die der Weimarer Republik das Grab schaufelten, sondern eben dieses Bündnis aus Sozialdemokratie, Reichswehr und rechtsextremen Freikorps, das die antidemokratischen Kräfte wiederbelebt, die 1918 eigentlich bereits geschlagen waren. Am Ende werden auch die Sozialdemokraten von den Dämonen verschlungen, die sie gerufen haben.“[10]

Was den verschiedenen linksradikalen Strömungen – ob sie sich in Antifa, Queer-Politik, radikaler Ökologie, in Arbeitskämpfen oder wo auch immer betätigen – heute grösstenteils fehlt und woran auch Anarchist*innen stark arbeiten müssen, ist die Vision einer grundsätzlich anderen Gesellschaft für alle und von allen. Als dogmatische Phrase, Klischee, Heile-Welt-Traum, in endlosen Kompromissen verpackt oder in vermittelnden Floskeln relativiert kann eine anarcho-kommunistische Gesellschaft nicht erkämpft werden. Ein solches Meta-Narrativ kann freilich nicht dieselbe Vorstellung des Sozialismus sein, wie vor hundert Jahren, sondern ist heute mit anderen von den gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen betroffenen sozialen Gruppen – das heisst: von sehr vielen – zu aktualisieren, von ihren Träger*innen selbst ernst zu nehmen und aus den Szenen heraus zu vermitteln.

Obwohl sich bei den Sozialrevolutionären der bayrischen Räterepublik in den Versuchen der politischen Umsetzung schnell zeigte, dass ihre Strategien doch äusserst unterschiedliche waren, einte sie dennoch die gemeinsame Hoffnung auf eine friedliche und gerechte Zukunft – was in ihren Augen notwendig einschloss, dass der autoritäre Staat und die Klassenverhältnisse (und für die progressiven unter ihnen auch das Patriarchat) überwunden werden mussten. Dabei handelt es sich in heutigen Kategorien gemessen um einen grassierenden, zu weiten Teilen antiautoritären Linkspopulismus, dem viele linksradikale Gruppen hierzulande und heute verkürzte Kapitalismuskritik unterstellen würden (wenngleich sie definitiv nicht rassistisch aufgeladen war).[11]

Dies festzustellen hat nichts mit einer romantischen Verklärung oder Abwertung vergangener Kämpfe zu tun und ist kein naiver Glaube daran, politische Gegner einfach so überzeugen zu können, zum Beispiel, weil die AfD faktisch nicht den Interessen der Arbeiter*innen dient, welche sie unter anderem wählen. Es geht schlicht darum, vorhandene sozialrevolutionäre Vorstellungen und Werte ernst zu nehmen, darüber nachzudenken, sich verbindlich zu organisieren und dafür konsequent einzutreten. Und dies ist es, weswegen die von Simon Schaupp so hautnah geschilderten Geschichten der an der bayrischen Räterepublik beteiligten Menschen – die bekannten und ebenso die unbekannten – so faszinierend wirken lässt. Deswegen macht die letztendliche Niederschlagung der Räterepublik die Vision einer grundsätzlich besseren Gesellschaft und das Eintreten für sie keineswegs verkehrter oder illusorisch.

Simon Schaupp: Der kurze Frühling der Räterepublik. Ein Tagebuch der bayrischen Revolution. Unrast Verlag 2018. 304 Seiten, ca. 24.00 SFr. ISBN 978-3897712485

Quelle: untergrund-blättle.ch… vom 30. Oktober 2019

[1] Zu nennen sind u.a.

– Tankret Dort (Hrsg.); Die Münchener Räterepublik. Zeugnisse und Kommentar, 3. Aufl. Frankfurt a.M. 1968.

– Ernst Toller, Eine Jugend in Deutschland, Stuttgart 2011.

– Michael Seligmann, Aufstand der Räte. Die erste bayrische Räterepublik vom 7. April 1919, Grafenau 1988.

– Erich Mühsam, Tagebuch; verfügbar auf: www.muehsam-tagesbuch.de.

– Günther Gerstenberger, Der Kurze Traum vom Frieden. Ein Beitrag zur Vorgeschichte des Umsturzes in Müchen 1918 mit einem Exkurs über Sarah Sonja Lerch in Giessen und Cornelia Naumann, Lich 2018.

– Hilde Fitzgerald/ Egon Günter (Hrsg.), Hilfe Kramer: Rebellin in München, Moskua und Berlin. Autobiographisches Fragment 1901-1924, Berlin 2011.

[2] Dennoch ist die Darstellung meines Erachtens nach weniger glorifizierend als beispielsweise Bernd Langers Beschreibung der „Märzkämpfe“ von 1921, die eher der Aussenpolitik der sowjetrussischen KP dienten und nicht aus Beschlüssen bewaffneter Arbeiter*innen von unten hervorgingen, weswegen sie letztendlich auch ein sinnloses Menschenschlachten zur Folge hatten.

[3] Schaupp, Der kurze Frühling der Räterepublik, S. 15.

[4] Damit soll nicht verschwiegen werden, dass der 2017 verstorben Schriftsteller Tankret Dorst mit seinem Theaterstück „Toller. Eine deutsche Revolution“ 1968 massgeblich zum Andenken an die bayrische Räterepublik und zu ihrer Thematisierung beigetragen hatte.

[5] Schaupp, Der kurze Frühling der Räterepublik, S. 73.

[6] Schaupp, Der kurze Frühling der Räterepublik, S. 139.

[7] Schaupp, Der kurze Frühling der Räterepublik, S. 105.

[8] Schaupp, Der kurze Frühling der Räterepublik, S. 117-133.

[9] Hierbei ist Schaupp allerdings ein Fehler unterlaufen: Die DDP war nicht „rechtsliberal“ wie er auf Seite 74 schreibt, sondern vor allem eine bürgerliche Partei und im Vergleich zur DVP eher „linksliberal“. Klar ist, dass sie nicht neutral oder gar mit den Sozialist*innen verbündet war. Ich hoffe nicht, das Schaupp sich hier einer vor allem partei-linken Pauschalverurteilung bedient, die nach dem Motto „Alles was nicht links ist, ist rechts“ verfährt und sich ohnehin schon immer auf der richtigen Position wähnt, sondern das ihm einfach ein Fehler unterlaufen ist.

[10] Schaupp, Der kurze Frühling der Räterepublik, S. 282

[11] Wobei nicht verschwiegen werden soll, dass der Wirtschaftstheoretiker Silvio Gesell der in der Räterepublik seine „Freigeld-Theorie“ umsetzen wollte tatsächlich verkürzte Ansichten über den Kapitalismus vertrat und das wesentliche Problem an ihm in der Anhäufung von Zinsen und der „Hortung“ des Kapitals sah, anstatt Kapitalismus als strukturelles Ausbeutungsverhältnis zu begreifen, welches im Geld zum Ausdruck kommt. Weiterhin gibt es eben keine „natürliche Wirtschaftsordnung“, die nur einzurichten wäre und dann allen Wohlstand gewährleisten könne, sondern menschliche Verhältnisse werden von Menschen eingerichtet und ergeben sich nicht aus der „Natur“.

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