USA sichern sich mit Kolonialdeal riesige Ölvorkommen in Venezuela
Milton D’León. Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez sicherte den USA die Kontrolle und direkte Beteiligung an mehr als 17 venezolanischen Ölfeldern zu. Venezuela steht vor einer gigantischen Ausplünderung seiner Ressourcen.
Die in der vergangenen Woche von der US-amerikanischen Nachrichtenseite Axios veröffentlichte Meldung bestätigt, wie weit die Übergabe der Ölvorkommen Venezuelas an die Vereinigten Staaten bereits fortgeschritten ist. Die Nachrichtenseite zitiert zwei Vertreter:innen der Trump-Regierung, die eine direkte Beteiligung der USA an zahlreichen venezolanischen Ölfelder bestätigen. Trump selbst gab am Freitag mit einem Beitrag auf Social Media die Vereinbarung bekannt: „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben soeben ein Abkommen mit Venezuela über das größte Öl-Abkommen der Weltgeschichte unterzeichnet“. Auch die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez bestätigte das Abkommen, bei dem es sich um die Abgabe von 17 strategisch wichtigen Ölfeldern an die USA handelt.
Das Öl-Abkommen umfasst also mehr als ein Dutzend Fördergebiete, die zusammen über nachgewiesene Reserven von rund 65.000 Millionen Barrel verfügen. Das sind zwar nicht alle venezolanischen Reserven – deren Gesamtvolumen auf etwa 300.000 Millionen Barrel geschätzt werden –, doch stellen sie für sich genommen bereits eine riesige Ressourcenmenge dar. Dieses Abkommen wird die nachgewiesenen Ölreserven der Vereinigten Staaten mehr als verdoppeln. Ein von Axios befragter US-Vertreter bezeichnet das Abkommen als „gigantisch“.
Die Verhandlungen wurden von US-Außenminister Marco Rubio und der venezolanischer Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez geleitet, unter Beteiligung weiterer hochrangiger Vertreter:innen aus Washington. Der US-Energieminister Chris Wright bereitet zudem einen Besuch in Venezuela vor, um zu erörtern, wie die Produktion der US-amerikanischen Unternehmen gesteigert werden kann. Es handelt sich um denselben Mann, der ganz offen erklärte: „Die Ressourcen Venezuelas müssen in den nordamerikanischen Markt integriert werden, um die nationale Sicherheit der USA zu gewährleisten.“
Doch das Abkommen kommt nicht aus dem Nichts. Kurz zuvor reiste die venezolanische Energieministerin Paula Henao nach Houston, um für „Investitionsmöglichkeiten“ der USA in Venezuela zu werben. Dort unterzeichnete sie Vereinbarungen mit dem US-amerikanischen Unternehmen Hunt Oil über die Beteiligung an der Ölproduktion für die Felder Caro und Carisito sowie technischer Dienstleistungen und der Analyse der Lagerstätten durch das Unternehmen SLB (Schlumberger N.V.). Anscheinend ging es bei der Reise von Ministerin Henao aber nicht nur darum, mit diesen Ölkonzernen zu verhandeln, sondern auch, das große Abkommen mit Trump zu schließen, das nun öffentlich bekannt gegeben wurde.
Zu dem angekündigten Öl-Abkommen kommt eine weitere Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg hinzu, wonach Venezuela einen Austritt aus der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) erwägt, an deren Gründung es 1960 beteiligt war. Eine Politik, die eindeutig von den Vereinigten Staaten gesteuert wird, um die Pläne Washingtons zu erleichtern. Sollte dies tatsächlich geschehen, würde dies auch eine drastische Kehrtwende in der venezolanischen Ölpolitik bedeuten, die zuvor auf eine gewisse Souveränität im Bereich der Ölförderung abzielte und nun dem von Trump auferlegten neokolonialen Diktat folgt.
Die Regierung, die die Vereinbarung über den Social-Media-Account von Delcy Rodríguez veröffentlichte, versucht das Abkommen als Chance zur „Rückgewinnung“ der Ölindustrie darzustellen. Doch in der Realität verhält es sich genau umgekehrt:
Die USA möchten so nicht mehr nur die Kontrolle über die venezolanischen Öleinnahmen haben, sondern die direkte Kontrolle über die Ölfelder und deren Explotierung.
Die Zahlen der Ölausbeutung sind bereits erschreckend. Luigi Pisella, Mitglied der venezolanischen Sonderkommission zur Bewertung öffentlicher Vermögenswerte, erklärte, dass der Umsatz der venezolanischen Ölindustrie im ersten Halbjahr 2026 etwa 14,5 Milliarden Dollar betrug. Seinen Berechnungen zufolge flossen rund 4,7 Milliarden Dollar nicht ins Land, sondern verblieben in Washington als angebliche „Bezahlung“ für die US-Militärinvasion vom 3. Januar, als der Präsident Maduro von US-amerikanischen Streitkräften entführt wurde. Doch auch fast der gesamte Rest der Gelder verbleibt in den USA.
Quelle: klassegegenklasse.org… vom 4. September 2026
Tags: Arbeitswelt, Imperialismus, Politische Ökonomie, Repression, USA, Venezuela, Widerstand









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